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fc-benben weifen, und man mit ihnen genau so zu verteilten gewohnt i wie mit den anderen Familienangehörigen, so wäre es unstatthaft, I
rer anläßlich eines Besuches nicht zu gebenfen.
Der Gastgeber flatscht in bie Hände, ein Deiner kommt, boch feine äorte werben gewechselt. Er weiß, was die Gesten seines Herrn zu Leuten haben: bie Frau des Hauses wirb erwartet. Als sie ins Zimmer i(t — in einen Kimono gehüllt, der bestimmt nicht aus JEfuya Ofudas iaßschneiderei stammt, sondern in Wahl der Farbe und Schmiegsamkeit ;,6 Schnittes geradezu individuelles Wesen widerspiegelt, erheben sich c Männer nicht von ihren Plätzen. Wohl aber beugt sich ihrerseits ie Dame so tief wie möglich zu Boden und wartet, bis ihr der Gatte ien Platz an seiner Seite anweist.
Abermals muh das Gespräch erst einige sormelle Klippen umschissen, ne es in geloctertere Formen übergeht. Man ahnt, was den Fremden (in meisten am Herzen liegt, und so verzeiht man die Neugierde, die !»nst in Japan über alles geächtet wird. Und weil der Gast nicht zu -aqen wagt, errät man, was er wissen will. Der Gastgeber selber be* linnt zu erzählen: „Das", sagt er, „was Sie jetzt erleben, finden Sie atiirlict) nicht mehr in jedem japanischen Haus. Es ist auch nicht möglich, itffere alte Familientradition in dem gleichen hohen Sinne aufrechtzuer- inlten, wie wir dies taten, ehe wir bie europäische Zivilisation und Technik übernahmen. Das soll keinen Vorwurf gegen Europa enthalten, i nein, aber die Industrialisierung unseres Landes hat eine völlige Um- ellung der Lebensgewohnheiten mit sich gebracht, die sich besonders Mit dem Eintritt der allgemeinen Weltwirtschaftskrise noch wesentlich verstärkte. Sehen Sie, früher war es in Japan der Mann als das Ober- Inupt der Familie, der auch wirklich für das ganze Haus forgte. Er er* führte und kleidete nicht nur feine Frau und seine Kinder, sondern auch i»inc und ihre Eltern, wenn diese alt geworden waren, und auch alle Innen Anverwandten. Dafür war man ihm Gehorsam in allen Dingen
. chuldig, und fein Wort galt als unumstößlicher Rechtsanspruch inner* Lwlb ber Gemarkungen seines Heimes. Dann kamen bie Fabriken unb . nit ihnen bie Notwenbigkeit, daß Männer unb Frauen einem geson- lerten Verbienst nachgingen, um mit bem Lohn ihr Auskommen zu linden. Sobald aber die Gattin das Haus verließ und zu einer (elb*
r Itänbig Erwerbenden wurde, hatte ber Mann kein Recht mehr, Hoheits- ikchte über sie auszuüben. Und gar in diesen letzten Jahren, in denen
i is auch bei uns oft vorkomml, daß die Männer ohne Arbeit sind, bie I grauen aber, weil sie minber entlohnt werben, noch Beschäftigung finben i unb so von sich aus eigentlich die Familie erhalten ist es ganz un* l möglich, weiterhin altjapanijche Forderungen nach Zucht und bitte ! '^gfn'uebriges tut außerdem die Politik. Unsere jungen Burschen und | Mädchen studieren sehr gerne, und an den Universitäten wird gar oft I liir einen intellektuellen Kommunismus Propaganda gemacht der sich 1 unliebsam unter uns, die noch alten Gewohnheiten anhangen, bemerkbar nacht. Es kommt nicht selten vor, daß die jungen Leute, zu Geheim- Minben zusammengeschlossen, ganz offensichtlich Revolutionen nach russi- sichern Muster prebigen unb alles, was wir bisher taten und forderten
f ■ mit nicht mehr als einem ironischen Achselzucken abtun. B'elleicht ist I Ihnen schon aufgefallen, daß wir in Tokio äußerst sntelligente Autobus- ! iinb Straßenbahnschaffnerinnen haben. Das sind meist Studentinnen ost I Rinder hervorragender Familien, bie nun ben kommunistischen Idealen I ljulbigen unb auf biefe Weise, indem sie sich in einfachen Berufen be* I tätigen, Verbindung mit den Arbeitern suche», um auch lene gegen bas | sirrschenbe Regime aufzustacheln. Zwar hat der eben ausgebrochene V Krieg die Gärung im Innern wieder ein wenig gedampft, allein dl
Zukunft Japans ift gewiß nicht eine solche wie mit äfften ff1 I sie,em Hause begegnen. Doch genug von solchen Gedanken Hassen mir I iah die guten Eigenschaften unserer Ahnen in den Seelen unserer Kinder I überwiegen unb bie bösen Triebe nicht zu stark werben lassen, .. b hnen ber Weg zum Nirwana nicht burch allzuviele Leben verschlossen I "le'l)er Gastgeber senkt ein wenig sein Haupt. Der Blick in bie Zukunft I >nt ihn sichtlich ergriffen, unb seine Gattin mochte, daß ihr Gemahl t wieder lächle. So fragt sie mit sanfter Stimme, ob es den Herren mel- I eicht angenehm sei, ein altjapanisches Lied zu hören. S> A I »eher fingen noch spielen, aber sie wolle boch versuchen, w
I chwachen Kräften ftünbe. Da lächelt ber Gatte bereits wieber 1unt. ofet | durch einen Diener ben Koto bringen, jenes alte. |°PQ",fd’un? bann I infirument, bas einst nur Prinzessinnen erlernen burftem Und dann I Ichwingt eine zarte zirpende Stimme durch den Raum, mela ch Ich | geben, unb bie Saiten tönen bazu wie Harfenklang. a-hnnnnu
»alb ist auch bas Lieb vorbei, es wird Abend und Zell, die ^hanoyu.
| bie Teezeremonie, zu beginnen. Aus einer Chmre f^eur ) P oerifierter Tee genommen, ein Diener bringt das ^amPf in das die Hausfrau einige Chawan (leefrumen) wirf .
starker, bitterer Tee gebraut. Als er in den Schälchen bampst sieht er raff schwärzlich aus. Ihn genießen, heißt mit dem Feuer in Berührung '“‘man darf nicht viel nehmen, nur nippen, ^tzt sind »uch schon bw Rogos, die Döschen für Räucherwerk geöffnet und verstromen rnuoe Düste. Der Gast erhebt sich unb greift nach ben "emen Päckchen m 6en Geschenken. Ehe er an der Tür anlangt, aber feh°U' uachoem e , ) unzählige Male für die erwiesene Gastfreundschaft beban t und ber f Seber seinerseits erklärt hat, baß die Ehre ganz auf ferner -eit g swesen fei, überreicht er, was er mitfarad)te. Der 11 g on Z)er
Srau nehmen bie Geschenke in Empfang unb sehen sie n ) njrembe schlüpft in seine Schuhe unb verlaßt bas Ha -
Dann ist Adenb über ber Stabt, ein fe«|am .ffeUer »benb Unb man Sjaubt, daß das, was sich eben ereignete, 6^ u,cht wirklich geweftn^^. ®ar man tatsächlich bei diesem japanischen Edlen zu «fßq- e5
?« die Romantik, die zauberhafte Fremdheit bloß geträumt? Aber es nst boch alles wahr und Wirklichkeit. Unb ine Warte des Gastgev i»e von Wirtschaftskrise, Zertrümmerung der alten uamilientrad r n t -und Gärung unter der Jugend erzählen, weisen ernst und klar m I Zukunft.
Oer Fischer.
Von I. W. von Goethe.
Das Wasser rauscht, das Wasser schwoll, Ein Fischer saß daran, Sah nach dem Angel ruhevoll, Kühl bis ans Herz hinan. Und wie er sitzt und wie er lauscht, ' Teilt sich die Flut empor;
Aus dem bewegten Wasser rauscht Ein feuchtxs Weib hervor.
Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm: „Was lockst du meine Brut
Mit Menschenwitz unix Menschenlist Hinauf in Todesglut?
Ach, wüßtest du, wie's Fisehlein ist So wohlig aus dem Grund, Du stiegst herunter, wie du bist, Und würdest erst gesund.
Labt sich die liebe Sonne nicht, Der Mond sich nicht im Meer? Kehrt wellenatmend ihr Gesicht Nicht doppelt schöner her? Lockt dich der tiefe Himmel nicht, Das feuchtverklärte Blau? Lockt sich dein eigen Angesicht Nicht her in ewgen Tgu?"
Das Wasser rauscht, das Wasser schwoll, Netzt ihm den nackten Fuß;
Sein Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll Wie bei der Liebsten Gruß.
Sie sprach zu ihm, sie fang zm ihm;
Da war’s um ihn gescheh»: Halb zog sie ihn, halb sank er hin Und ward nicht mehr gesehn.
Oie pariser.
Roman von Alfred Bock.
(Fortfetzung.)
Trotz seines Gebrechens achtete er mit größter Aufmerksamkeit auf seine Umgebung, er grübelte über die Menschen nach unb formte sich ihr Charakterbilb. Die Kenntnisse, bie er sich in ber Anstalt erworben, haben ihn weit über bie bäuerliche Gesellschaft hinaus. Doch lieh er das feinen empfinden. Seine größte Freude war, wenn er bie, die feinen Rat begehrten, aufklären und belehren konnte. Vor vielen feiner Leidensgefährten dünkte er sich begnadet, weil er in seiner Kindheit einen Lichtschein gehabt unb bie Erinnerung an bie Pracht der Farben, an Sonne, Monb unb Sterne, vor allem an Gestalt unb Gesichtszuge ber Menschen in sich trug. ,
Auch ber Annegret schmales Kinbergesichtchen ftanb noch vor seiner Seele. Wie sie in ber Blüte ihrer Jahre ausschaute, wußte er nicht, aber glückselig, ja anbädjtig lauschte er ihrer Stimme. An deren tieferem, vollerem Klang merkte er eines Tages, daß etwas Neues, Außerordentliches in ihr Leben getreten war. Biel später erst erfuhr er, daß sie mit bem Spechtskarl ging. Wie bie Dinge im Dorf vor der Wahl sich zugespitzt hatten, mar ihm bekannt. Und die Sorge lieh ihn nicht los, daß der Annegret aus der Liebschaft Leid erwachse. In schlaslofen Nächten ging er mit sich zu Rate, wie er die Freundin davor bewahren könne. Doch wohl am besten, wenn er sie offen verwarnte. Das nahm er sich vor und schob es zaghaft von einem zum andern Male auf.
Gu'n Tag, Annegret!" rief er der Jugendgefährtin entgegen, deren Kommen ihm schon der Hall ihrer Schritte auf dem Flur verraten hatte.
„Gu'n Tag, Franz. Bist fleißig?"
„’s passiert*."
„Arbeit macht bas Leben süß." „
„Ich sag' als: wer net schassen will, darf net schmieren.
"Du schaffst für zwei."
’s is net so schlimm."
Sie öffnete ihren Korb und stellte ein mächtiges Stück Kuchen »t><
was ich dir bring’." schon, Bloß**."
ihn hin.
„Rat' emal, Er lächelte. „Ich riech's
„Richtig.
„Großen Dank!
„Probier'n emal. Warrn schmeckt er de beft.
Er hob bie Hanb.
„Später. Alleweil geht nix an mich.
,'Was is dir dann?" fragte sie besorgt
Ich bin ein wink beneben. ’s is biefen Morgen ein Mann vom Eichten- hof"bier gewest Meine Schwester is beim Wassertragen ohnmächtig zu- sammengestürzt unb hat sich gar net erholen können. Zufällig war ber Dokter ba Der hat sich weiter net ausgesprochen, hat nur cerorbeniert, daß sie in bie Stabt i.ns Krankenhaus sollt’."
Ei, bas fein ja böse Sachen", sagte die Annegret teilnahmsvoll.
"Ja, böse Sachen", wiederholte er.
,,Ich hab’ als gemeint, die Lene is kerngesund.
Das war sie auch bis norm Jahr, wo sie in die H'tz Hinern getrunken hat."Seit bere Zeit macht ihr ber Magen zu schassen."
* Es geht an.
** Kuchen.


