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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Jahrgang 1952
Montag, den 1. August
Nummer 59
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gkäubisch, es liegt licht verwunberlich.
Feldeinsamkeit.
Van Hermann A l l m e r s.
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ui iyren öqjiaf yorre pe jchon eine geraume ^etr aas entfernte i/taujajen einer Sense, wenn biefe beim Mähen durch bas Gras fährt. Dann war Plötzlich wieber Stille, vom eintönigen Zirpen der Grillen noch gesteigert, aber nur, um gleich barauf wieder in das Mähgeräusch verstärkt einigen zu lassen. Ab und zu war auch ein kurzes, regelmäßiges Dengeln ver- mehmbar. Die Magd schlafwirr, wußte nicht recht, war es ein Traum ober Nicht. Indem sie sich, doch schon halbbewußt, auf die andere Seite drehte, [schalt sie sich und schob das Gehörte auf ihre Einbildung. Wer sollte jetzt Niähen? Aber doch, muß sie sich sagen, es stimmt doch! Jetzt wieder das Verasche, jetzt wieder, jetzt ... und nun wird die Magd plötzlich ganz munter. Sie öffnet die Augen: das Mondlicht fällt breit durch die Schindel- lute und das aufgestellte Fenster in die Kammer, so licht, daß sie auch nm Schattigen jeden Gegenstand erkennen kann. Sie umfaßt mit einem I Blick das alles — draußen noch zwischen den Fensterrahmen die Karnm- Hinie des gegenüberliegenden Berdghanges wie zerflimmert in der sommer- niächiigen Helligkeit — und lauscht atemlos hinaus. Und da härt sie es penau, es muß unten auf den Talwiesen fein, dieses Mähden, dieser l rauschende Laut und bann wieber Ruhe, nun ein jähes Dengeln und kroieber Mähen, Älchen. Die Magd steht vorsichtig auf, schlappt ans Fenster ninb lugt hinaus. Das Tal liegt im Mondglast vor ihr. Tief unten, wo - ■■ ---------<---m-----ri—x „;_w ho, rttononhnnn einen mäcktiaen
n paar Burschen und Knechte, in der nächsten legen. Mit Flegeln und Gabeln ziehen sie l\ . os und verteilen sich am Waldrand und den ... „„ stehenden Feldern oberhalb des Talgrundes. Schweigend hockt alles zusammen und lauscht in die Nacht; die kommt mit vollem Mond, Sirren unzähliger Grillen und huschigem, warmem Wind, der leise an Laden und Dach klirrt und durch das Laub faucht, langsam und prächtig auf.
Die Lichter verloschen in den Höfen, es muß bald Mitternacht sein — da fängt wieder das Mähen an, deutlich Horen es alle, diesmal oben vom Grund her. Und die auf der Lauer liegenden Burschen und Knechte haben — das Herz stockte ihnen doch einen Augenblick — kurz vorher eine Gestalt mit einer Sense auf der Schulter aus dem Walde treten sehen, die die Raine entlang eilte und unverzüglich auf einem mondhellen Wiesenstück zu mähen begann. Als sie vorsichtig sich dem Mähder nähern, erkennen sie, daß es ein Mensch sein muß wie sie, der nur in unbegreiflicher Gewandt«« gelt, als hege ihn etwas, zu mühen versteht, wie sie es noch nie sahen. In ganz breitem Schwung erfaßt er mit der Sense das Gras — wieder blitzt der Stahl im Mondlicht auf — und im Nu steht er schon tief mitten in der Wiese. Da rufen sie den Unbekannten an: der zuckt zusammen, wirft die Sense hin und läßt sich umstellen und sagt auch zu den ihm mit zur Abwehr emporgehaltenen Flegeln und Gabeln näherkommenden Burschen, sie brauchten das nicht, er sei auch nichts anderes als sie. Damit ist der Bann gebrochen. Sie selzen,,es i|t ein junger Mensch mit nichts Geister-
iSchnitt an. Es sieht geisterhaft aus, ars ipure uuu
Magd fährt Angst ins Blut, und es wird ihr unheimlich. Sie schließt das Zensier dicht und die Luke und legt sich wieder hin. Dach das Mühgerausch verfolgt sie trotz allem. Sie vermag nicht mehr einzuschlafen, auch roagt sie nicht, jemand zu rufen oder zu wecken. Erst als das Frühlicht aufkommt, snbet bas Mähen plötzlich. Dann ist auch bald Zeit für die Magd, auf» Lustehen. Sie getraut sich aber nicht mehr, ins Tal zu schauen, was jetzt wohl bort unten fei. Als sie alles nachher den Knechten unten im Stalle -rzühll, lachen diese laut. Doch als sie zum Scherz nachschauen, ist die Wiese, die sie heute mähen sollten, bereits über Nacht umgelegt ...
Der Bauer und die Knechte wissen es sich nicht zu erklären wie bas geschehen ist. Es bleibt auch rätselhaft, wie ein einzelner bie Wiese gemäht Dnben soll, wo kaum zwei starke Mähder in derselben Zeit mit dem gleichen Grasstück hätten fertig werden können. Und dabei, wie alle sehen, sie ist geschnitten wie jede andere Wiese auch, nur daß nichts von dem Faul- Deitegras, bas man so nennt, weil man es gewöhnlich beim fluchtigen Mähen an den Rainen nicht ausschneidet, stehen gelassen und daß der schnitt überhaupt viel sorgfältiger und genauer dicht über dem -ooben »"gesetzt wurde. Es wird, als die Kunde zu den anderen Hofen dringt, .^"igen unheimlich bei dem Gedanken, daß nächstens tm Mondlicht em Unbekannter im Tal gemäht hat. Andere sagen, es müsse em Scherz sein, jenn auch ein guter. Doch bringen sie bas recht unsicher vor, als meinten ie >m Srunbe doch etwas Geheimnisvolles dabei. Denn die Bauern in ‘*en Bergen find trotz aller Kirchenfrömmigkeit abergläubisch, es liegt Men einfach seit jeher im Blut. Und so ist es auch nicht verwunderlich, IQ6 den Tag allerlei Gerede und Geranne aufkommt, und gesteigert wird '°s noch, als in ger nächsten Nacht, die wieder so klar war wie die oor-
äeht eine Bewegung durch die Menschen, uno einige ertennen iyii, m ihm begegnet waren — ja, wiederholt er noch einmal, schließlich habe er nicht mehr ausgehalten, verrückt fei er worden darüber daß es für feinen Platz geben sollte, und er vermöchte doch zu schaffen jur zwei,
ihn keinen Platz geben sollte, uno er vermoryre oocy zu mmnen |ur uwei, wenn es darauf ankäme. Doch weil nirgend Gelegenheit war, fei ihm der Gedanke gekommen, es anders zu versuchen, ganz gleich ob er damit Erfolg habe ober nicht, nur einmal wieber bas Gefühl, baß man schaffen könne und nicht alle Kraft aus ben Armen gegangen fei — bann habe er sich ein altes Sensenblatt erbettelt unb zurecht geschliffen und an einen Stil gemacht unb habe hier angefangen, zur Nacht zu mähen. Und vielleicht vermöchte einer der Bauern zu sehen, daß er arbeiten könne unb rote. Unb bas wäre alles, was er zu sagen hätte. — Und roas er am Tage gemacht habe, wurde er gefragt. Da sei er «m Wald gesessen und habe auf die Nacht gewartet. Und wovon er gelebt habe? Von dem, roas er sich an Essen erbettelt hätte.
Jetzt nachdem der Fremde alles gesagt hat, sehen ihn die anderen überhaupt erst recht. Da steht einer wie sie, mit mächtigen Armen wie sie bei den aufgekrempelten Aermeln sehen, und nur der Unterschieb ist ba daß diese Arme nicht zu schaffen haben. Aber vielleicht spuren das nicht einmal bie Umstehenben so genau, nur ganz allgemein kommt cs bem einem ober dem anberen. Auch, daß über die Stirn des fremden Knechts ein paar für ein junges Gesicht zu tiefe unb nachdenkliche Falten laufen daß der Mund bitter zusammengepreßt ist, daß d'e Augen bittend und trostlos zugleich ausschauen, vielleicht fällt das niemandem richtig auf, nur alles zu ammen wirkte so, daß nach einer Zeit in ber feiner wußte, roas zu machen sei, der Bauer, dessen Wiese der fremde Mähder zuerst
hergehende, abermals von gegen Mitternacht an bis zur Dämmerung bas raschenbe Mähgeräusch vernommen werben fann, unb es biesmal von vielen gehört wird. Es kommt von einer anderen Stelle, von weiter hinten im Grund; zu sehen ist nichts, nur der eintönige Sensenlaut bringt burch äs - ■ oanesA zu kurzer Stille unterbricht ober in Dengeln
Colour & Grev Control Cnart man am andern Morgen ein ähnlich großes
* )as erste. In der dritten Nacht ist es wieder
reu Stelle. Und nirgends lassen sich Spuren
r entdecken; die Sache wird geheimnisvoller, Lerghöfen wächst. Daß das „Schrättele" ob einen narrt, oder ein Gehenkter im Wald bie man sich gewöhnt hat. Aber das? Einer li der Sternfall bedeute das Unglück für die , es hieße Glück, und sicher ist nur, daß es rn zusammenhängende Sache handeln muß. , daß jemand für den andern die Wiese ab- «er und schnell. Da muß alles mit Spuk unb
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