Ausgabe 
29.7.1932
 
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Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger

Jahrgang,932 Freitag, den Juli

Nummer 50

Wer

so manches erst gewöhnen müssen, io vor." Ich gönnte ihm ich vernehme, Schriftsti

1 in Mainberg; nicht, Herr Holm? tief.

Alte Liebe.

Von Frank Wedekind.

Ich hab' dich lieb, kannst du es denn ermessen,

Sie denn so zu schreiben? h trifft."

önnte ihm nur einen flüchtigen Schriftsteller, Herr Holm?^ ,

!von st o r f 13 5) o l m.

Korfiz Holm, der Dichter der meisterhaften Münchener KllnstlerromaneHerz ist Trumpf",Die Tochter",Thomas Kerkhoven", veröffentlicht soeben im Verlag Albert Langen an dem er seit über 30 Jahren leitend tätig ist, ein neues Buch,ich kleingeschrieben, Heitere Erlebnisse eines Verlegers". (Preis gebd. 4 Mark.) Wir veröffentlichen eine Probe aus diesem amüsanten Werk, das gewiß viele Freunde finden wird.

hatte nicht von Schloß Elmau gehört, dem gastlichen Haus-am rtuß des Wettersteins, das Dr. Johannes Müller denen offen hält, die sich bei ihm in seelischen oder praktischen Lebenszweifeln Rats er­holen wollen, und allen, die es freut, den Dunst verstaubter Konven- tion für ein paar Wochen unter sich im Tal zu lassen und einmal den Nächsten unbefangen zu genießen, ohne sich darum zu scheren, was er un Leben draußen vorstellen und bedeuten mag! Den vielen, die sich dort Erfrischung holten, mag es nicht willkommen sein, von einem, oer._i)a'bei war, zu erfahren, wie es vor einen^SSyj^qun-

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beispielsweise jetzt zuletzt verfaßt?" ch gelangweilt hin.

?" forschte er.

üe Ideen Doktor Müllers nicht." anschauung!" Und er schüttelte mitleidig seine oraungeorannte Glatze.

Nun muß ich diesen sonderbaren Herrn wohl zu belustigt angesehen haben, denn er verlor auf einmal seine schöne Unbefangenheit. Dies zu verbergen, stand er nun von seinem Stuhle auf, sah eine Weile zögernd in die Luft und sagte dann:

Ich will noch ins Licht-Luftbad. Gehn Sie mit, Herr Holm?" Danke. Ich [ef) so schon genug", lehnte ich höflich ab.

Der Mann entfernte sich und hat mich hinfort nur aus der Ferne stumm gegrüßt. Das zweite Original, diesmal ein weibliches, erlebte ich am nächsten Mittag schon bei Tisch. Zu meiner Linken saß da eine ältere Dame von auffälliger Häßlichkeit, die dicke Gichtknoten an allen Fingern hatte, obgleich sie sichvernunftgemäß" ernährte und, wie ich bald erfuhr, einem erbitterten Vegetarismus huldigte. Sie wies die Fleischbrühe, die es an diesem Tage gab, weit von sich und erteilte mir, als ich sie mit Behagen, den freundlich zarten Wink:Nein, ich be= greif' es nicht, wie einer diesen ekeln Leichensaft genießen mag!"Ich find' es immer schön," antwortete ich,wenn einer sich so ausdrückt, daß man ganz genau weiß, was er meint." Sie musterte mich mißtrauisch u als., itj^.

'ch wendete den Kopf: zu meiner Rechten saß ein vierzigjähriger Herr und starrte mir so deutlich staunend ins Gesicht, als wäre ich ein Wun­dertier. Ich aber sand, daß eigentlich wohl ich mehr Grund zum Stau­nen hätte. Denn die Erscheinung und vor allem die Gewandung dieses Fremden war nicht alltäglich. Er hatte nichts am Leib als vorne offene Sandalen, eine wie ausgewachsen wirkende Hose aus gelblichem Zwilch, ------** ein hellgraues, kurzes Schoßröckchen, das weit :m mächtigen Vollbart, den er trug, dankbar ein bißchen weniger unbekleidet wirken ließ, ipte lebhaft mit den gewaltigen großen Zehen Daumen und begann:

Verstehn das Wort, so traut und süß?

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fing in Sandalen ohne Strümpfe, die Männerwelt war auf den Schil- Wragen eingeschworen, die Damen, und zumal die jungen Helferinnen, ogen zeitweiseGewänder" richtigen Kleidern nach der Mode vor. Im rohen Schweinfurt schüttelte die Bürgerschaft den Kopf ob dieser höchst auffälligen Gestalten (mit nix an die Füß und ä Kränze! im Hoor") _nb sah Schloß Mainberg allen Ernstes als so etwas wie ein Irrenhaus J-ir nicht direkt gemeingefährliche Patienten an. Dies war gewiß eine oertennung der Wirklichkeit, doch läßt sich's nicht bestreiten, daß es °»ter den Gästen dort auch sonderbare Käuze gab, und mehr davon, als na» gemeinhin sonst in Sommerfrischen kennenlernt. Dafür bekam ich Aon sehr bald nach meiner Ankunft auf Schloß Mainberg einen blln- Jn9en Beweis. Ich hatte mich im Sommer 1896 von einer mir ver- ®anbten Johannes-Müller-Enthusiastin überreden lassen, für einpaar rerienwochen hinzugehen, obgleich ich vor denneuen Menschen", die tert Hausen sollten, eine leise Scheu empfand. Ich traf gerade recht zum rbendessen ein, verhielt mich während dieser ersten Mahlzeit, bei der

Zwischen zwei gleichfalls nicht redseligen Damen saß, recht still und nur meine Augen prüfend über die Tafelrunde gleiten, ohne daß ) die mitgebrachte Scheu merkbar vermindert hätte. Nach Tisch stan- ten die Gäste gruppenweise lebhaft plaudernd auf dem Schloßhos herum, 'ch armer Neuling setzte mich mit dem Gefühl vollkommener Verlassen- !-** in einen Gartenstuhl zu Füßen eines riesigen Platanenbaums, zlln- mir zum Tröste eine Zigarette an und musterte den Hauptbau des , r Seiten sürstbischöflichen Schlosses, dessen drei Giebel in der Abend- I »ne glühten. Das war Architektur nach meinem Sinn, doch trotzdem 1 Ölte ich mich fehl am Ort. Da knarrte neben mir ein anderer Stuhl,

die fatsche Ansicht wecken, es wären dort vor allem Leute hingekommen, deren einziger »Reiz in unfreiwilliger Komik lag. Auch dafür, daß dies ganz und gar nicht zutrifft, bekam ich noch am ersten Abend den Be­weis. Der luftdurchlässige angezogene Herr, der mich so gründlich ins Gebet nahm, war offenbar schon andern Neulingen mit seiner Wiß­begier störend auf den Leib gerückt. Aus einer Gruppe, die in unserer Nähe stand, streifte mich, während ich feine Ansprache über mich er­gehen ließ, manchmal ein Blick, in dem sich Anteilnahme mit Belustigung zu paaren schien. Kaum hatte sich der Sonderling davongemacht, da löste sich aus diesem Kreise eine junge Frau und schlenderte zu mir her­über. Ich erhob mich, wie es sich gehört, war aber etwas bang, was diese Fremde wieder über meine privaten Angelegenheiten würde wis­sen wollen. In der Tat: sie fragte mich sogleich:Sie sind wohl kein Antialkoholist?"Nein," konnte ich erwidern,mir genügts wenn meine Zigarette alkoholfrei und was ich trinke, nikotinfrei ist."So?" nickte sie befriedigt.Hätten Sie bann Lust, sich zu uns zu einer kleinen Bowle auf der Mainterrasse anzuschließen? Ein Herr, der morgen ab­reist, stiftet sie. Es werden lauter nette Leute sein. Vielleicht kommt Dok­tor Müller auch. Dann sind Sie hier gleich eingewöhnt. Denn das fällt vielen anfangs etwas schwer." Nun, das war eine liebenswürdige Art, einem die Mainberger Honneurs zu machen. So sagte ich denn zu und habe es auch nicht bereut. Es wurde ein vergnügter Abend ohne jede Seelenbohrerei: und als wir auseinandergingen, hatte ich ein Dutzend neue, sehr sympathische Bekannte, von denen mir so mancher später noch in Freundschaft näher trat.