Mit freundlichem Gruß!
Ein Kamerad, der es gut meint.
Dies
find. Doch--
20. Oktober.
1914 in Flandern.
Straßburg, 8. Oktober 1914
mit dem Mansardendach im dichtgewachsenen Gartengrun i|t oas verjmue Heimathaus Rottmanns, des romantischen Malers, der von Heidelberg einen Steg nach München schlug ...
ist verwundet. Um Sie darauf vorzubereiten, teile ich Ihnen dieses er. gebenst mit Machen Sie sich auf das Schlimmste gefaßt. Die Kugel, dl, den Helden traf, hat leider zu gut getroffen, denn sie hat ihn getoteb Richten Sie sich aber auf in dem schönen Bewußtsein, daß er den schönsten Tod starb, nämlich den Heldentod fürs Vaterland.
Beim nächsten Transport gehen viele Bekannte mit. Wir freuen iw schon sehr. Gott wird mich schützen. Ich habe noch nicht genug aus o- Welt leisten können — doch kann es auch sein, daß nach dem Krieg ich meinem Volke noch viele Enttäuschungen erleben muß und wir den nur dem zu danken haben, daß unsere Feinde noch viel schlechter sind. * dieser Betrachtung tröste ich mich, wenn mir wirklich Gottes RauMU» was Ernstliches vorbehalten hätte. Doch wir — ich fasse das Wort । engsten Sinne der wenigen idealen Menschen — sind Deutsche: wir rampl" für unser Volk und vergießen unser Blut und hoffen, daß die Uev
zu filtern scheint. Und auch am Mittag liegen die Schatten mit ihrer vollkommenen Bläue in ihren Schächten und Grüften; auch unter dem Mittag wird das Steinrot des Schlosses, der Kirchen, der Brücke nicht grell. Alles ist aus eine unbeschreibliche Weise von dampfenden Lüsten
Hier ist eine große Pause, die jedoch nicht so nichtssagend ist, wie diese paar Striche. Was ich schreiben wollte, ist: Doch die Mittagspause ist vorüber, und wir müssen wieder an unsere Arbeit. — Arbeit? Ja, wenn Ihr das sähet; wir sind die reinsten Maulwürfe; wir werfen nämlich Schützengräben aus, damit die Herren Engländer hier nicht durchbrechen. So tut man allerlei, wovon man früher keine Ahnung gehabt hat. Aber man tut es gern. Wir machen es uns auch ganz gemütlich; bauen Unterstände, wo mir des Nachts unser müdes Haupt hinlegen und unterschlüpfen können, uns gegen Schrapnells zu schätzen. Wir nehmen ab und zu auch ein Schlückchen Wein; denn Patrouillen von uns haben eine Anzahl Flaschen guten Rotweins mitgebrachtl--
Erlaube mir, den von Ihrem lieben Sohn und Bruder begonnenen Bries zu vollenden, dcrsclbst ist setzt außerstande, dasselbe zu tun, denn er
eingehulltei ben Reb- und Obsthttngen herunter; die Sonne
heizt' Johannisbeeren leuchten in rubinroter Fülle an den Stauden; das Reblaub ist grün von Vitriol. Die Ebene in den Westen hinaus ist mit Obstbäumen regelmäßig besetzt wie mit Spielzeug.
St ist Handschuhsheim, und dies inmitten des Ortes, dies Haus ansardendach im dichtgewachsenen Gartengrün ist das versteckte
O Deutschland!
Pom Prinzen Emil von Schoenaich-Carolath.
Mondschein und Giebeldächer in einer deutschen Stadt — ich weiß nicht, warum der Anblick mich stets ergriffen hat.
Dort drüben beim Lampenscheine, ein Jüngling starrt ins Licht, und schwärmt und schluchzt und empfindet sein erstes, sein bestes Gedicht.
Dort fitzt eine junge Mutter, die wiegt ihr Kind zur Ruh, sie lächelt und sinnt und betet und singt ein Lied dazu.
Es blickt auf die mondhellen Giebel tiessinnend ein Greis hinaus, er hält in der Hand eine Bibel, drin liegt ein welker Strauß.
Die Bäume rauschen, es funkeln die Sterne ab und zu;
dort unten liegen die dunkeln Häuser in tiefer Ruh.
Es plätschert in alter Weise am Simonsplatze der Born, von weitem tutet leise der Wächter in fein Horn ...
O Deutschland! Mir tat's gefallen in manchem fremden Land; dir aber hat Gott vor allen das beste Teil erkannt.
Du lebst und schwärmst und dämmerst in tiefer Seelenruh;
wenn du dein Eisen hämmerst, erklingt ein Lied dazu.
O lasse dir niemals rauben die alte Schwärmerei für Frauen, Freiheit und Glauben — bleib unentwegt dabei!
Und schöpfe aus Sang und Sage
Gemüt und Frömmigkeit und Kraft zu wuchtigem Schlage nun und in Ewigkeit!
Das Vermächtnis von Langemarck.
Mus den Kriegsbriefen gefallener Studenten.
Am 10. Juli d. I. wurde der Gefallenen-Friedhof in Langemarck in Flandern der deutschen Organisation übergeben; viele, unendlich viele der jungen Kriegsfreiwilligen von 1914 haben hier ihr Grab gefunden. Das kürzlich hier besprochene, bei Müller und Langen in München erschienene Büchlein „L a n g e m a r ck" enthält die Gedenkrede von Joses Magnus Wehner, dazu eine Sammlung von Kriegsbriesen gefallener Studenten, denen wir einige mit Erlaubnis des Verlags entnehmen:
Willi Böhne stuck, ehern., Freiburg i. B., gefallen am 24. Oktober 1914 bei Lille.
16. Oktober 1914.
Siebe Eltern und Geschwister!
Augenblicklich liege ich hier im Stroh und habe das in der Feldküche zubereitete, sehr schmackhafte Mittagessen zu mir genommen, dabei rauche ich eine der Zigarren, die soeben als Liebesgaben an uns verteilt worden
Martin Drescher, stuck, phil., Berlin, gestorben am 3. November 1914 an den Folgen seiner Verwundung in Cherbourg.
Das war ein Tag an den ich nur mit Schrecken zurückdenken werde, dieser 21. Oktober. Unsere Artillerie war nicht zur Stelle, und wir mußten gegen feindliche Artillerie, Infanterie und Maschinengewehre vorgehe^ nein, vorspringen und Deckung suchen. Nicht einmal zum Schuß sind wm glommen, es war ein Spießrutenlaufen. Am Abend Haden wir uns dan« noch einqraben müssen: die Minuten wurden zu Stunden, ein kleines Häuslein unserer Kompanie fand stch zusammen: ich war auch zu einer andere» Kompanie versprengt worden. Nun die Totenstille, ringsum brennen« Dörfer Stöhnen von Leicht- und Schwerverletzten: und dann noch manns- tief sich eingraben. Um 2 Uhr nachts half ich noch, unseren schwerveo mundeten Zugführer suchen. ,, ,
So geht's Tag um Tag. Fürchterliche Marsche und tagelanges, um- tätiges Dahinveaetieren, Hitze und Kälte, zuviel Essen und wieder langem Hungern. Die Rede dreht sich nur noch um solche materiellen Dinge un» um die Dottorfrage ob wir morgen noch leben werden. Ich habe mich so gut es geht, damit abgefunden. Zuerst natürlich befiel mich ein mach Hges Zittern: der Wille zum Leben ist doch zu groß, aber der Unsterblich keitsqedanke ist ein erhabener Ersatz. Wenn ich auch nicht an die bekannt:« persönliche Unsterblichkeitsidee glaube, der Anblick der funtehiben Sterne geftern abend und sonstige Erinnerungen und Beobachtungen aus früherer Zeit zumal aus Goethe, haben in mir wieder die alte Theorie von der - Allseele in der die Einzelseele aufgeht, belebt. Und so habe ich letzt schem ruhiger die Granaten über mich hinsausen hören. Ich bin der festen Uebec- Beugung daß ich, d. h. meine Seele, nicht bloß dies eine Mal gelebt HM sondern weiter und weiter leben wird; wie, male ich mir nicht aus, da j zwecklos ist. So bin ich beruhigt und gefeit.
Rudolf Fischer, stuck, phil., Heidelberg, gefallen am 1. Dezember 1914 bei Bermelles.
Bauvin, den 18. November 1914.
Ich glaube Ihr stellt Euch unser Leden viel schlimmer vor, als es ist Für die Kälte 'gibt es Mäntel, Zelte, Decken, für den harten Boden reichlich Stroh für den Dürft Kaffee und feiten etwas Wejn. Für den Hung« geröstete Kartoffeln (Leckerbissen, wenn nichts anderes zu erhalten!, Schwellkartosseln, wenn wie meist kein Fett aufzutreiben ist, außerdem Dai, nicht schlechte Feldküchenessen. Wahre Feierstunden bedeuten immer Der Postempfang für Herz und Magen, namentlich fürs Herz.
Was man entbehren muß, wird aufgewogen durch manches, was id| vorher geahnt. Nie habe ich solche Andacht bei einem Sternenhimmel empfunden und so mit der ganzen Natur gelebt. Morgen, Abend, Mittag, Nay bedeuten hier etwas. Heute früh z. B. hat es gereift, ein kalter, bunfügen, weißer Wintermorgen. Ich ging mit Josef ums Dorf rum zum Lacken. Die Sonne ging gerade winterrot auf. Leute gingen auch übers Held, um Brot zu holen. Es war ganz heimatlich, die weiß verschleierte Landschan, I Feld- und Baumgruppen und das liebliche Dorf, die frische, falte mW Seelisch bin ich wieder ziemlich in Ordnung, bin stolz, Mitwirken zu burfeui, kämpfen zu dürfen für die Eltern, Geschwster, fürs liebe Vaterland, fuit alles was mir bisher das Höchste war. Für Dichtung, Kunst, VbilofoplU, Kultur geht ja der Kampf. Er ist traurig, aber groß. Das ganze Leben IM im Feld durchdringt ein erhabener Ernst. Der Tod ist täglicher ®eno|| t, der alles weiht. Man nimmt ihn nicht mehr feierlich und mit grotz« Klagen. Man wird einfach, schlicht gegenüber feiner Majestät. Er ist w: manche Menschen, die man liebt, wenn sie auch Ehrfurcht und Schau- einflößen. Es kommt keiner aus dem Krieg, der nicht ein anöerw
I geworden.
Seid also fröhlich in Freiburg, wie wir im Felde es sind. ♦
Rudolf Moldenhauer, Student der Handelshochschule in München gefallen am 13. Dezember 1914 bei Pöronne.
Halle bei Pöronne, 9. Dezember 1914.
... Wenn uns ein schöner Sonnenuntergang an den Sumpfgewässemi I der Somme beschert wird, wenn ein schöner kalter Dezembermorgen oe« I Frühnebel bricht, und die Sonne den roten Lehm des Schützengrabens YM I strahlen läßt, so sind wir glücklich und freuen uns wie Kinder über one I Schönheit. Dann sehen wir auf unsere Untergebenen in ihren felbqrauan I Kleidern: sie kommen aus den Unterständen, dehnen sich, säubern sich I reinigen ihre Gewehre. Sie schauen über den Grabenrand, und ihre Augs» I leuchten, ihre Körper strotzen vor Gesundheit und Gradheit. Alles ist Iw g I und freut sich der Natur und lebt in einem Ganzen, das gegenwärtig da» stärkste ist: ein zum Schönen, Guten und Machtvollen erwachsenes Volk.
I Emil Alese 1 d, stuck, rer. techn., München, gefallen am 20. Dezeinb N


