Lemminge sind es!" fiel einem von uns ein.Ja, es ist ein Sem­

em besonderes Interesse der Tierfreunde rechnen.

Ein beständiges Geheimnis umgibt die Tiere. Wir wissen nichts von I ihnen nichts von dem Geheimnis ihrer Sprache, nichts von dem Ge- I höimnis ihrer Art zu denken, nichts von den Instinkten, die sie fuhren. Nur äußere Merkmale und Gewohnheiten sind erforscht, und auch der, I der meint, damit schon etwas erkannt zu haben, wird immer wieder sein I Unvermögen spüren, auch nur das Geringste vom Wesen der Tiere zu I erfassen und die Grenze zu überschreiten, die uns vom Urständ des I Tieres trennt. Wer einmal ein Tier sterben sah, der wird immer und immer daran denken, denn in solchen Augenblicken wird unsere Hilf- j losigkeit und die Weite, die uns von den Tieren trennt, so stark, daß man I mahl meinen kann, den Tod selbst mit fanden zu fühlen.

Wir kamen damals von Island und zogen durch Norwegen. Unser I Geld war knapp, wir mutzten trog der Nachtfröste im Zelt übernachten. I Nicht weit von der Mündung eines kleinen Gebirgsbaches in das Meer I ließen wir uns also häuslich nieder und krochen bald unter unsere Decken, I um es warm zu haben.

Schon während der ganzen Zeit waren uns die Möven ausgefallen, die sonderbar aufgeregt weit in das Land Hineinslogen, ohne daß wir die Ursache dieser Aufregung hätten entdecken können. Wir selbst konnten der Grund nicht sein, denn wenn wir auch die einzigen Menschen in der cinfütnen (Begenb tDoren, |o liefen uns die Möven bod) ziemlich unbcob- I achtet. Nur die grüßen Raubmöven senkten sich zuweilen bis zu uns herab umkreisten uns stumm und strichen dann wieder landeinwärts ab. Obwohl wir von Island her an Vogelgefchrei gewöhnt waren, machten uns der Lärm und die sichtliche Aufregung der Vogel doch au, die Dauer nervös. Als nun auch zu allem noch das scharfe Krächzen von Naben kam, standen wir mit dem Entschluß, jetzt irgend etwas zu unternehmen, auf und da sahen wir, was los war.

Wir sahen es nur, wir verstanden nichts, denn vor uns, dort, wo sich der Strand erhob, bewegte sich der ganze Hang. Es schien, als waren alle Steine ins Rollen gekommen. Es gab keine unbewegte Stelle mehr, nichts, was nicht überflutet war, und dort, wo Felsen lagen, Inseln m bcin Strom dort rann es dariiberhin wie dunkle Wassersalle und siiomte daneben, rechts, links, und quoll in immer neuen Mengen über den Berg. Und zugleich vernahmen wir es. Wir hörten ein Rascheln und Trippeln, Duic'fen und Schreien, hörten ein einziges in (einer Fremdheit beängstigendes Geräusch und erkannten, daß alles, was sich dort bewegte, Tiere waren, und daß das Heer der Vögel über diesem etrom stand und unaiishörlich daraus herabstieß.

Ratten!" schrie einer von uns,alles Ratten!"

Wir fuhren zusammen. Noch konnten wir es nicht saßen, daß das alles Tiere waren, die da den Haiig heriinterftrömten, die sich gleich einer ungeheuren dunklen Welle auf uns znschoben. Wir meinten wohl, daß ivir nicht schreien dürsten, daß das alles an uns vorüberginge, wenn wir stumm und regungslos blieben.Still!" flüsterte einer. Wir starrten auf den Hang'. Es war keiner unter uns, der nicht jetzt noch glaubte, daß der Zug der Tiere so plötzlich wie er gekommen war in seiner ganzen Unwahrscheinlichkeit verschwände.

Und dann hatte uns eines der Tiere erreicht. Branngelb war es, im Racken schwarz gefleckt, mit gelben Streifen am Kopf. Wie ein kleiner Hamster sah es' aus mit seinen scharfen schwarzen Augen und seinen gebleckten Nagezähnen, keine Ratte, Gott sei Dank, keine Ratte...

hinaus, weit, weit

Panne bei Kermanschah.

von der wüste ins iranische Hochland.

Bon unserem 8r.-Berichterstatter.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Homadan (Persien), April 1932.

Kurz vor Chamkin, der Endstation der Schmalspurbahn, die rwn Bagdad an die persische Grenze heranführt, wird noch einmal die Fata Morqnna der Schammar-Wüste sichtbar, bann umfangen einen die ersten Höhenzüge des Djebel Hamrin, und, als nach halbstündiger Wartezeit endlich die umständliche Zollabfertigung erledigt ist, grüßt man, etwas wehmütig, die letzten, rasch entschwindenden Palmen. Die baumlose Cin- öde Irans tut sich auf, aber schon kurz vor dem persifchen Zotthäuschen wird die Straße, die bisher nur mühsam zu erkennen gewesen ist, plötzlich einwandfrei und eben, wirkt wie asphaltiert, fo daß es wie ein erster, imponierender Gruß des Landes wirkt, über das ein verhältnismäßig junger und tatendurstiger König regiert.

Der persische Zollwachter, die Liebenswürdigkeit selbst, ist streng gebun­den an die Regeln des persischen Außenhandelsmonopols, und lächelnd, plaudernd übersieht er nichts, was der Reisende da anschleppt, nicht die Reiseschreibmaschine des Journalisten, der vergebens beteuert, daß er sie nicht in Persien verkaufen will, und nicht das Grammophon des yngc= nieurs der ebenfalls erfolglos die Sprechmafchine alsUmzugsgut" zoll­frei über die Grenze bringen will. Dieser Wächter vor den grun-weitz- roten Schranken des Reiches Reza Schahs weist auch mit einer fast könig­lichen Gebärde jedes Trinkgeld zurück. Er hat fein Auskommen, erklärt er, und wenn er sich tadellos führt, wenn er, unter anderem, auch keine Trinkgelder enigegennimmt, dann winkt ihm fchließlich eine, wenn auch I kleine' Pension. Man verständigt sich auf russisch, aber Persien ist nicht

IM 'lindes waren Lemminge, Tausende und aber Taufende. Jetzt erreich­ten uns mehr Tiere. Sie stockten, trippelten hierhin und dorthin, richteten sich auf, quiekten, wurden schon meitcrgebrangt, neue stürzt e naufu n s ju, knurrten und rannten um uns herum, und wieder kamen welche, schon standen wir in einer dünnen Menge, die nur einen Augenblick vor uns stutzte, um bann sofort ihren Weg wieder aufzunehmen.

Dann jagt sie doch zurück! Die rennen ja ins Meer! Zurück! Zurück! schrien zwei, drei von uns zur gleichen Zeit. Das loste unfere Crftarrung. Mr (prangen auf, wir stellten uns dem Zug der Lemminge entgegen,

Man muß dies Schicksal, diese Erscheinung aber richtig verstehen. Eg wäre billig, es wäre albern, aus dem VorbildRembrandt ein (Pro­gramm der Ungesellschastlichkeit ableiten zu wollen; em Programm des asozialen Lebens. Um ein Leben von rembrandtscher Einsamkeit zu fuhren, muß man das ganze Gew.cht eines Rembrandt haben Em programma­tisches Eingängertum ist in den meisten Fällen das Zeichen einer falschen Genialität. Uiid begreifen wir vor allem: dieser ungeheuere Wann ift überhaupt nicht nachzuahmen! Er ist ein Sonderfall in riesigen Timen- fionen, ganz nahe dem Odem Gottes felbst.

Andere gewaltige Maler der Epoche Rembrandts das ist: des

Barocks haben ihre Größe im Bereich der gesellschaftlichen Berbmbung . -um ir-»- ^nioschkeitz wir "handelten, wie man nur in

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2H,ffQnb- __________ I blicken spürten wir etwas von dem Geheimnis der Tiere. Ich> weitz, wir

. I ließen unsere Stöcke sinken, wir standen still. Vielleicht auch schlugen wir

Oer Zug in den Tod. die Kragen unserer Jacken hoch, vielleicht schmerzte es uns, wenn wir

I seltsam krampfhaft schlucken mußten, vielleicht hielten wir alle unsere Eine rätselhafte Iicrroanbening. I 2(rme ganj fest an uns gepreßt, stumm in dem breiten Zug der Tiere.

Von A. Arthur Kuhnert. I sahen, wie die Lemminge Felsen angriffen, die ihnen im Wege

wichtige Jorfchnngen angefteUt worden, ba man du.ch sic den I >^^r yrntigen unb wie sie bann schließlich einen Weg

geheimnisvollen Wesen der Tierwanderung überhaupt naher- I |Qnbfn unb all(^ über diese Barre kamen. Und wir sahen, wie sich die zukommen hofft. Die folgenden persönlichen Beobachtungen j Lemminge ohne Zögern in den Gebirgsbach warfen, um ihn zu durch- unferes Mitarbeiters auf einer Jslandreife dürfen wohl auf schwimmen, wie sie mitgerissen wurden, herumgewirbelt, gegen Steine unsere., I wie sie sich stauten, viele Ertrunkene schon, und wie sie so eine

Brücke waren für die nächsten.

Und während sie zogen und zogen, strichen unablässig die Moven und Raben über sie hin, stürzten sich kreischend hinein, hackten um sich wurden abgeschlagen von den sich verzweifelt wehrenden Lemmingen, und ließen sich mit der Beute neben den Eulen auf den Felsen nieder, neben den vielen Eulen, die schon satt und müde inmitten des Stromes hockten.

Und bann erreichten sie es, das Meer. Wir fahen die ersten zögern, wir sahen sie anhalten, wir sahen, wie sie sich ausfetzten, als wollten sie in bas Rauschen der Wellen hören. Schon aber waren die nächsten heran, und bann noch mehr, schon standen sie Leib an Leid am Strand, schon drängten die letzten und ba, ba fingen bie, die vorne waren, an, hin und her zu rennen, dort, wo der Strand flach war, und sie kamen mit den Füßen in das Waßer, und die Wellen kamen ihnen entgegen, unb bann stürzten sie sich hinein, und in der gleichen Richtung, die sie vom Berg herunter schon gehabt hatten, schwammen sie hinaus, eilig, uicheim- ljch eilig, von Möven erwartet, und mühelos geschlagen, von den Wellen auf und ab geworfen, an den niederen Klippen zerschellt. Und dennoch schwammen viele, viele, weit draußen waren sic noch zu sehen, wie sie die kleinen Köpfe über Master hielten, und bann noch weiter draußen fern schon und jetzt treibend. Tote, tausend Tote, noch immer von taufend Lebenden'gefolgt,'bis nicht ein Lemming mehr am Ufer war, bis das Meer den Zug 'der taufend Toten umschloß und mit sich schwemmte, weit