Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

Nummer 9

Montag, den gebruar

Jahrgang 1932

fäll* a»rft<iiih»nh ntti h^etHnnorlMi*-g "

Colour & Grey Control Chart

Red

23

19

14

1

£

S

V

9

L

8

6

,es «n .i»» '>

»i«6cn

Februar.

Bon Edmund Finte.

Weinland in den Schwarzwald ausgewandert sind der reformierte Einschuß der Sippe... Im Siidosten steht bas flippige Karwendelgebirge mit ganz und gar verwegenen Zacken. Im Rücken erhebt sich über uns der mächtig gerundete Aufbau der Hohen Munde: wir wenden uns und schauen sie an. Wir wenden uns zurück und blicken zu Tal; der Inn, der unterm Föhnlicht bleiig zu fließen schien, ist nun lebendig und funkelt. Wir ruhen an einer wunderbaren Stelle der Welt: dies Dörslein, kaum auf Viertelshöhe den Hang hinaufgebaut, hat noch die Gipfel über sich und erlaubt doch schon das schöne Hochgefühl, mit dem das Auge von einem erhabenen Platz in den tiefen Talgrund schaut... Nun kehrt es um und hastet an den Bauernbetten, die gebauscht und rot-weiß gewürfelt über dem nachbarlichen Balkongeländer in der Sonne liegen. Hinter ihnen ist eine warme Wand von Mais. *

Es ist Nacht. Die kleine Maria hat noch nie die rechte Nacht des Winters gesehen, und nun gar in dieser entrückten Welt der Höhen. Sie staunt die Sterne an, aber noch mehr die vielen unvermuteten Lichter im Talgrund, die den Inn begleiten. Telfs ist wie ein niedergesallener Sternenhimmel, und die Lichter der Einödhöfe drüben am Verghang, jenseits des Grundes, sind wie zersprengte Gestirnbilder. Um so erstaun­licher sind sie, als man die Hauser unter Tags kaum hatte gewahren können. Die Schlange aus Lichtchen den Inn entlang gefallt der »einen Maria besonders, und von dem mit nächtlichen Lichtern bestickten Telss meint sie, es sehe aus wie ein_umgefallener Christbaum". Auch freut sie sich an dem widerscheinenden Sternenjchimmer in den Schneekristallem

Glanz der Jugend über der besonnten Halde, herrlich brennt der weiß« Frost im Blut, und der harsche Schnee im Föhrenwalde

20 21 22

15 16 17 18

11 12 13

unbe= °nzu- ierteljr t vier ch fie lenheit n, und rechen, n9e so nichts r gana betten, !, über Mich­ls mir, leben in ein- l oUenbs n mich stellten ial ich jältnis. i ü und chtigen I; ewöhn- i ist, fi« sehen, schreck- jouner- Lnune rhnstig, nng W ess auf ,ug auf es ihm Meres und in r bleich daraus haltens machte,

jeiflung j ihr zu es jäm= r beide Kinder: ch, nur : länger Beson- bie ein Perlen e dieser Schritt ergeben en Leu- lein die schieben r Sache

9 10

x.'S 5« i*

ch fertig ( welche oon den i er fa» jen und irin mit ian den ch corne ich W» n durch- qanien

>res

ben n'ch ners!r,1, ndl°L e in , n. die'x

S

Dir ebt" , üßeibet undd- lrci,si chte

Es g|bt chdesteNf wach

ml 2345678

In Seefeld vorhin war noch der Norden. Man wußte es mcyt osukucy, aber jetzt weiß man es jetzt, wo man am Weg noch Mösern eine gelinde Ahnung vorn Süden empfängt. Der Unterschied geht auf. Nicht so osfenkundig wie ja und nein, aber er geht auf. Der Schlitten rutscht bergan, und an den Geschirren der kleinen Pferdchen klingelt es. Hat man diese heitere Musik des Winters nicht in den Kindertagen zum letzten Male gehört? Sie klingelt uns voran. Nicht gerade auf eine Paßhöhe hinauf: aber die Wirkung ist doch beinahe so denn nun hält sich eine veränderte Landschaft bereit. Man spürt es zuerst am Licht: es ist ein wenig zarter, ein wenig süßer. Und schnell scheint nun alles anders. Es mag tm Un- meßbaren liegen, und es wird kaum auszusagen sein: und dennoch sind wir auch hier am Weg von Mitternacht gen Mittag... Mit einem .ülon, mir erreichen die Welt des Jnntals. Dort drunten windet sich der noch schmale Fluß mäandrisch. Er ist das wirkende Zeichen dieser neuen Ge­gend, die auch Tirol heißt, so gut wie das schöne Seefeld aber es gibt ja nickst nur Nordtirol und Südtirol, sondern es gibt dazwischen auch em Jnntirol, in dem das Hüben sich dem Drüben verbindet. Winter ist: alles ist verschneit: gleichwohl trägt dies Bergland um den Inn einen Hauch, dessen Zauber 'freilich nur um so mehr berückt, als er im Geheimnisvollen

Süden bläulich aufgelichtet, auch gelblich, schweflig und blaßgrun. Der Föhn ist vor den Augen und um die empfindenden Schlafen^und fahrt mit seiner falschen Lauheit den Nervenbahnen entlang. Der 6ohn gellt in die Ohren: alles hört sich anders an, wie alles sichtiger ist, so ist auch alles hörbarer. Der Zug, der im Tal drunten nach Innsbruck fahrt, rollt vornehmlicher als sonst. Man hört ihn wie auf eine unwahrschein­liche Nähe; den Ohren ist er noch näher, als den Augen aber nun entdeckt man die schwarze Schlange drunten in der Nahe von Telfs.

Es ist, wie wenn mit einem Male viel «chnee von den Baumen herab- geschmolzcn wäre, die Tannen drüben an den Berghangen stehen m einem gleichmäßigen, dumpfen, aber starken Blau. Es ist erfchreckend, wie blau die Fichtenhänge heute niedergehn. Ich mache eine Probe, der Tannenbaum unmittelbar vor meinen Augen tragt eine blaue Wegmarke; ich schaue auf sie hin, behalte sie im Blick und schaue zugleich an ihr vorbei und die Fichtenhänge drüben, jenseits des Talgrundes, ichemen mir nicht weniger blau als die Wegmarke vor meinen 'Ihigen.

Es ist eine andere Stunde, und ein anderes Licht. Jetzt lche>nen die Fichtenhänge drüben mit Tinte gemalt zu sein. Die Landschaft ist Ichwarz und weiß, wie eine Zeichnung, wie ein Holzschnitt. Auch so ist der Hohn.

Das Wetter hat sich gewandelt. Fast mit einem Schlag ist der Südwest­wind durch den Nordost vernichtet. Der Morgen ist eiskalt und |onnen= klar. Das Sonnengold spiegelt sich im Neuschnee, den die ichwarze Nacht in Mengen herabgeworfen hat. Gegen Norden ist der Himmel von harter Bläue. Südwärts ist er lieblicher. Dort draußen am Sudrand tragt

Läuten wird nicht so unmittelbar vorgenommen, nmen wurde (denn gestern noch läutete es, als md der Glocke überhaupt keine Luft): das Läuten ad von Licht umhüllt und verschwimmt auf Luft- eitet mit seinem Brevier barhäuptig den langen chlichten, bauernmäßigen Haus ab; er hat eine hat den Kops eines Eremiten oder Apostels, iasthaus im Freien, und es ist so warm, wie es <§5* ist nicht mehr der Winter, ober, wenn er es noch ft alle anderen Jahreszeiten mitzuenthalten. Die d sommerlich; an Stellen, wo der Schnee den jen hat, und schon wieder ganz gewichen ist, oer» eFfalbe Gras, indem es noch vom späten Herbst erzählt, schon den kommenden März. Die graue Baumrinde ist ein Zeugnis der Jahres­zeiten, die keinen Schnee kennen; so steht sie im Licht, wenn es Mai oder September ist und wenn die Hitze des Sommers um sie brütet ich wüßte keinen Unterschied. Die Vögel sind vom Licht und von der Sonnen­wärme verführt und probieren ihre Stimmen, als wäre es April und die Hänge lägen im zarten Gelb der Schlüsselblumen. Tautropfen platzen auf unseren Eßtisch herab; in ihnen ist der Winter gebrochen. Es ist Winter, Januar aber alle Jahreszeiten sind in ihm auf einmal gegen- roärtig.

Der Gasthof ist ein schönes altes Tiroler Bauernhaus; unten gekalktes Gemäuer, oben dunkelbraunes, samtig anzusehendes Balkenwerk, nach alter Ordnung gefügt und angeschnitzt. Zwischen den Fenstern, die nicht dicht sitzen, unter einem Dach, das sich nur im flachen Winkel hebt, und nicht mehr nordisch giebelig anmutet, sondern schon halbsüdlich, im reinen Kalkweiß des Gemäuers, sind bäuerlich barocke Fresken aufgemaik. Christus hält die Fahne, und zu seinen Füßen steht das Lamm still; drüben löscht Sankt Florian einen Brand, der gelbrot, wie mit lauter Fähnchen, aus den Fenstern eines winzigen Hauses leckt (denn ein Heili-

ber Himmel die Farben der Baumblüte, des Frühlings. Die Fichten haben unter dem vergoldeten Himmelsblau einen bronzigbraunen Ton angenommen, und unter der reinleuchkenden Wölbung zeigen sie eine körperlich ausgebildete Gestalt, wo sie gestern noch wie in einen dumpf- blauen Gobelin flächig eingewirkt waren. Das Holz vor den Bauern­häusern, als Brennvorrat sauber ausgeschichtet, wird ein brandiges Rot, .....ui*- $"*5 der Skis, die, aufrecht in den Schnee gesteckt, ?negZ^. izianblauen Himmel zeigen, ist sonderbar hitzig cra une schier wie in ein Zinnober verwandelt. Die und der Misthaufen, an dem sie picken, sin- mter dem vollen Licht des Sonnenhimmels tief«

Black

Grey 1

White