Sie wird begeistert fein', rief Doktor Rooble,sie soll morgen die Sackre leiten, den Trank mischen und den Sieger belohnen. Ja) werd« ihr die Sache heut abend bei unserm Souper auseinandersetzen.

Also gut. Aber der Verlierer, was ist der Einsatz?

"<5agen wir tausend Dollar'.

An einem Tisch des eleganten Restaurants saßen Jim und Dick und warteten aus die Witwe aus Texas. Sie wußten eigentlich beide von ihr nur, was sie von ihr selbst gehört hatten. Sie hatte nicht mel von sich gesprochen, sie sei Witwe und besitze in Texas große Landerelen, die sie fitzt verknusen wolle. Jim hatte sie gelegentlich kennengelernt und sie blöderweise auch seinem Freunde Dick vorgestellt, der sich ebenso prompt wie er selbst in die reizende Frau verliebt hatte, und nun zappelten beide, ohne daß es bisher zu einer Entscheidung gekommen war.

Heddy Goodfield kam herein, begleitet von einem jungen eleganten und ebenfalls sehr brünetten Herrn, von dem sie sich kurz vor dem Tisch der beiden Freunde verabschiedete.Mein Rechtsbeistand , sagte sie, mit einem Wink nach dem brünetten Herrisier hilft nur meine Besitzungen zu verkaufen und mein Geld anzulegen.'

Das Essen nahm seinen Verlauf. Beim Dessert und dem drittenstro- hibitionstee", der, in japanischen Tassen serviert verdächtig schäumt« und perlte, begann Dick der fröhlichen Witwe seinen kaplta en Plan aus^ einanderzusetzen. Dies« hatte andächtig zugehört:Fabelhaft, reizend, rief sie begeistert, doch plötzlich verzog sie das Mündchen und bemerkte. Aber etwas gesällt mir bei der Sache nicht, liebe Freunde, bin ich wirk­lich nicht mehr wert als lumpige tausend Dollar?

Jim Parker blickte Dick Rooble an und wurde rot:Heddy hat recht! grollte er,Dick, wie zwei Buschklepper benehmen wir uns, wie b utige Strahenhändler, du bist schuld, Dick, mit deinen schäbigen tausend Dollar!

Fünftausend', sagte Dick lakonisch. Jim blickte die Witwe an, diese hatte noch immer das Mäulchen verzogen.Zehntausend sagte er.

, Fünfzchntausend' ertönte es von Dick. Jim sah wieder auf Heddy: Zwanzigtausend!' Dick wollte eben fünfundzwanzig bieten, da bemerkt« er, daß die Züge der schönen Heddy wieder heiter waren, und er konnte noch rechtzeitig stoppen.Allright sagte er nur.

Das lasse ich mir schon eher gefallen', meinte die Witwe aus Texas lächelnd. Und wann soll dieser fabelhafte Zweikamps vor sich geh^l?

Morgen ist Samstag, um 14 Uhr in meinem Prwatburo, Börse ist geschlossen, Störung nicht zu befürchten" sagte Jim Parker.

Es wurden noch mehrere Tassen des ausgezeichneten Tees getrunken, und um 22 Uhr wurde die kleine Witwe von den beiden Freunden in ein Auto verladen, das sie nach ihrer Pension besörderte; eine Begleitung hatte fie stets entschieden abgelehnt. Jim und Dick unternahmen noch einen kleinen Nachtspaziergang. *

Am andern Tage um 14 Uhr waren die Drei in Jims behaglichem Privatbüro versammelt. In tiefen Klubsesieln saßen Jim und Dick, vor ihnen auf dem Schreibtisch lagen zwei Bündel Banknoten zu je zwanzig­tausend Dollar. Aus einem Seitentisch stand die FlascheBlack & White nebst Syphon und Gläsern. Die schöne Witwe aus Texas stand bereit, ihres Amtes zu malten. Doktor Dick Rooble, Chefmanager des United Chemikal Trust, entnahm feiner Tasche zwei ganz kleine, mit Tropf- vorrichtunq versehene Fläschchen, beide mit wasserheller Flüssigkeit gefüllt: Also Frau Heddy, in einer dieser Flaschen befindet sich reines Wasser, während die andere das Schlafelixier enthält. Sie mischen nun zwei Tod­dys und tröpfeln in eines der Gläser fünf Tropfen aus der einen, tn das andere Glas fünf Tropfen aus der zweiten Flasche. Niemand von uns weiß, in welcher Flasche und in welchem Glas sich der Schlaftrunk befindet, außerdem werden Sie die Mischung ungesehen von uns beiden vornehmen; aber genau dosieren, nicht mehr als fünf Tropfen.'

Heddy nahm die beiden Fläschchen und begab sich an den Seitentisch, während Jim und Dick sich in den tiefen Klubsesseln zu einer bequemen Lage zurechtsetzten. Die schöne Witweckarn mit den beiden Gläsern Toddy, stellte sie auf den Schreibtisch zu den Banknoten und rief lachend:Auf in den Kamps! Wer schläft, verliert!" Ohne ein Wort ergriffen Jim und Dick ein Glas und tranken es in einem Zuge aus.

Heddy Goodfield mußte wirklich genau dosiert haben, denn pünktlich um 16 Uhr schlug Jim die Augen auf und sah, wie sich fein Freund Dick ebenfalls in seinem Klubsessel zu bewegen anfing. Er richtete sich auf, rieb sich ein wenig die Augen und blickte sich um. Die Witwe aus Texas war nicht mehr im Zimmer. Inzwischen hatte sich Dick aufgerichtet und blickte sich ebenfalls verwundert um.Sag mal, Jim", begann erwas ist das, wer von -uns hat eigentlich geschlafen?"

Jim hatte inzwifchen feinen Blick auf den Schreibtisch geworfen, die beiden Bündel Banknoten waren verschwunden.Ich glaube, mein lieber Dick', brummte er,wir sind zwei ganz verdammte Esel. Sieh her, wo sind unsere vierzigtaufend Dollar und wo ist unsre Witwe aus Texas?"

Jetzt begriff auch Doktor Dick Rooble.Damn sagte er,wie lange tjaben mir geschlafen?" Er griff nach seiner Uhr.Jim!" schrie er,meine Uhr ist fort!" Er betastete sich:Meine Brieftasche mit drei- bis vier­tausend!"

Dann brauch ich gar nicht erst nachzusehen" rief Jim,ich hatte auch fo gegen dreitausend drin und meine Uhr ist mit Brillanten besetzt. Aber", er grübelte einige Augenblicke vor sich hin,sage mir. Dick, wie konnte diese kleine Kanaille wissen, in welcher Flasche...?"

Aber Jim!" rief Dick,wie kann man solch ein Idiot sein? Das ist doch ganz einfach, unsre liebliche Witwe hat eben aus jeder Flasche in jedes Glas die fünf Tropfen getan, begreifst du das nicht?"

Natürlich begreif ich das" grollte Jim,brauchst dich nicht aufzu- fpielen, mein Junge, aber was tun wir nun?"

(Bar nichts tun wir!" rief Doktor Rooble.Denkst du, ich habe Luft, uns von Neuyork auslachen zu lassen? Trinken wir einen Toddy und reden mir nicht mehr über unsere Idee."

lieber deine blödsinnige Idee, mein lieber Dick" brummte Jim Parker und holte die Flasche Black & White.

Kostbarkeit zwischen zwei Finger, kaufte es ihr rechtens zu gutem Preise ab und zog die kleine Händlerin ganz sachte neben mich aus die Polster, dank, damit sie mit mir gemeinsam der herrlichen Sonate lauschen möge. Eine geheimnisvolle, weise und gütige Macht muß mich dazu beftemmt, muß meine törichte Verliebtheit in diesem Augenblick in em Gesicht ganz anderer Richtung umgewandelt haben.

3ngeborq hatte nichts bemerkt. Sie ging aus dem 2lllegro oljne Pause in ein mildes, getragenes Adagio über, das nun wirtlich ihres Liedes Lösung brachte: die himmlisch reine Melodie einer entzauberten und geklärten Sehnsucht. . ,

Das Kind schmiegte sich an mich und hielt meine Hand umklammert. Ich sah, wie es selbstvergessen schwelgte, wie seine Augen sich mit Tranen füllten, wie all fein Elend und seine Verlassenheit hinweggeschwemmt wurde von der Flut der Töne. .

Als Jngedorg geendet hatte und sich umwandte nach mir, lächelten wir beide sie dankbar und verlegen an.

, Oh!" sagte sie.Ein Gast, Ein kleiner, frember Engel? Wer hat uns ben'gefanbt?" Und mit einem Mal war sie eine frohe, sichere, mütterliche Frau, ging auf die Kleine zu und küßte ihr die Stirn

Ja, Sie müssen schon entschuldigen, Frau Jngeborg , erklärte ich sach­lich.Ihr Besuch hatte mich vorhin so in Verwirrung gesetzt, daß ich in meiner Gedankenlosigkeit die Flurtür offen ließ. Da ist die Spitzbübin hereingehuscht und hat, von Ihrem Spiel sehr verzeihlich angelockt, den letzten Satz mit gehört."

Wie heißt du denn?" fragte Jngeborg und zog sie zärtlich zu sich. Hörst du denn gern Musik?"

Marianne heiße ich", erwiderte ein zartes Sümmchen.O ja, ich höre es furchtbar gern. Aber das andere, das in den Straßen und Höfen, die Leierkasten und die Grammophone... Von denen möchf ich jetzt gar nichts mehr wissen."

Wirklich? Dann müssen wir uns schon etwas genauer kennenlernen. Du kommst mir ja wie ein Geschenk vom lieben Gott. Ich lasse dich so bald nicht wieder weg. Jetzt werden wir erst einmal oben zu Abend essen; dann wirst du mir erzählen, wer du bist und was du werden willst/

Ehe ich mich's versah, hatte Frau Jngeborg mir meinen Schützling entführt.

So oft ich von nun an Frau Jngeborg begegnete es geschah noch Jahre hindurch, doch nie mehr unter vier Augen, sprachen wir immer nur von Marianne. Jngeborg nannte sie unwillkürlich, in aller Naivität, unser Kind", berichtete mir von ihrem Wohlergehen und dem beglücken­den Aufblühen dieser jungen Seele, von ihrer erstaunlichen musikalischen Begabung und ihren raschen Fortschritten im Klavierspiel. Später mußte ich sogar mit ihr gemeinsam für die heranreifende Künstlerin den rechten Meister suchen.

lieber die Mauer aber, die im übrigen zwischen uns aufgerichtet blieb, eine von Anemonen überwucherte Mauer, grüßten wir uns mit freund­schaftlich vertrauten Blicken.

Oie Witwe aus Texas.

Von Max Marschall.

Also Dick, schieß los", sagte Jim Parker zu seinem Busenfreund Dok­tor Dick Rooble und schob ihm das gefüllt« Glas zu.Verdammt teuer der Black & White, aber garantiert echt. Also was ist mit deiner fabel­haften Idee?!"

Doktor Rooble fetzte das Glas hin und begann:Lieber Jim, es ist doch klar, daß es mit unsrem Kamps um Heddy, um Frau Goodfield meine ich, nicht so weiter gehen kann."

Also du trittst zurück?" brummte Parker,Dick, das wäre allerdings eine glänzende Idee."

Denke nicht dran!" rief Doktor Rooble,aber, alter Junge, es ist doch scheußlich, wenn zwei so alte Knaben, hartgesottene Junggesellen und in Liebesdingen vollkommen unbescholten, noch länger in den Netzen dieser kleinen Witwe aus Texas zappeln und womöglich ihre alte Freundschaft dabei'

Stop.!" unterbrach Parker,das hat mit unsrer Freundschaft nichts zu tun. Du weiht, wer das Glück hat, führt die Braut heim."

Ja, aber diese kleine Hexe zieht uns nun schon Wochen an der Nase herum, ohne sich für einen zu entscheiden, ich mach' das nicht mehr lange mit."

Tritt zurück, mein Junge" brummte Parker wieder,bann ist die Sache entschieden."

Denk nicht dran!" rief Doktor Rooble,aber entschieden soll's werden und zwar morgen, hier habe ich die Entscheidung!" Er holte ein kleines mit einer wafserhellen Flüssigkeit gefülltes Fläschchen aus der Westentasche und hielt es Parker hin.

Bist du verrückt Dick?" rief dieser aus.Gift, amerikanisches Duell ober so ein Nonsens?"

Red' keinen Unsinn, Jim, bas ist kein Gift, bas ist ein von unsrem ersten Chemiker erfunbenes, ausprobiertes unb glänzenb wirkenbes Schlaf- Elixier. Wir werden ein Duell haben, ein amerikanisches Duell, ein höchst originelles, echt amerikanisches Duell: wer schläft, verliert. Was sagst du dazu?"

Jim Parker machte ein ziemlich blödes Gesicht:Dick, hör auf, ich verstehe kein Wort."

Aber Jim, das ist ganz einfach, wir nehmen zwei Gläser mit Wasser oder Toddy"Dann bin ich für Toddy" warf Parker dazwischen. Schön", fuhr Doktor Rooble fort,in eins der Gläser werden fünf Tropfen dieses Elixiers hineingetan, die genügen, um den Betreffenden für. zwei Stunden in tiefen Schlaf zu verfitzen; alfo wir beide trinken natürlich ohne zu wissen, in welchem Glas der Schlastrunk sich befindet. Wer einschläft, hat verloren unb überläßt bem anderen bas Felb, ver­stauben, Jim?"

Blöbsinnig, aber sehr originell, meinte Parker unb paffte Wolken aus feiner Pfeife.Ader unsere reizenbe Witwe aus Texas, unsere klug« Hedby Goodfielb, was wirb fie bazu sagen,"