Nummer 86
Jahrgang 1932
Freitag, den 4. November
r Gewalt. Da trat ihm Wallenstein entgegen, der
der Kampf. Im Schutz der Dunkelheit zieht sich Wallenstein zurück. Schweden haben gesiegt, aber ihr König ist nicht mehr.
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riefen ev^cyaxroern onmi es yeroin, Es brausen und dröhnen Luft und Erd, Darauf ein Reiter auf weißem Pferd.
Signale, Schüsse, Rossegestampf,
Der Rebel wird schwarz wie Puloerdampf, Wie wilde Jagd, so fliegt es vorbei; — Zitternd ducken sich die zwei.
Run ist es vorüber ... da wieder mit Macht Rückwärts wogt die Reiterschlacht, Und wieder dröhnt und donnert die Erd, Und wieder vorauf das weiße Pferd.
Wie ein Lichtstreif durch den Nebel es blitzt, Kein Reiter mehr im Sattel sitzt, Das fliehende Tier, es dampft und raucht. Sein Weih ist tief in Rot getaucht.
Was hatte Gustav Adols erreicht und was bedeutete sein Tod Deutschland? „Dem Protestantismus hat er seine Selbständigkeit Reiche zurllckgegeben; niemand wird ihm diesen Ruhm entreißen." (Leopold von Ranke.) Sein Tod war ein Segen für Deutschland, sagen die einen ein Verhängnis, so lautet die Gegenmeinung. Die Frage, was aus Deutschland politisch geworden wäre, wenn Gustav Adolf weiter gelebt hätte und siegreich geblieben wäre, wird wohl stets offen bleiben; denn seine Zukunftspläne kennen wir nicht genau. Auch die Frage nach dem Grund für sein Erscheinen in Deutschland, die ja mit der ersten eng
er der Führung des Prinzen Bernhard von Weimar — erneut den Feind an, aber erst mit dem Einbruch der Nacht endet "" * ....... Die
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Unterhaltungrbeilage zum Gießener Anzeiger
bergs und auf den sächsischen Ebenen für sein eigenes Reich und sein Volk. Wenn er aber mit gutem Gewissen die Feld- und Waffenhilfe seiner Schützlinge in Anspruch nahm, wenn er sie künftig zu einem dauernden Bund unter der Leitung Schwedens vereinigen wollte, so war der Grund offenbar der, daß er die Geschicke der europäischen Völker als miteinander verknüpft betrachtete, wie sie es heute noch sind und schon damals waren, daß er deshalb mit vollem Recht behaupten konnte, sein Kamps für die Selbständigkeit Schwedens sei zugleich ein Kampf für die freie Entwicklung des staatlichen Lebens, des Glaubens und des inneren Aufbaus in ollen Ländern ..."
Mit der verschiedenen Beurteilung Gustav Adolfs in bezug auf seinen Einzug in Deutschland, seinem dortigen Kamps und seine Pläne für die Zukunft hängt zusammen, daß auch fein Charakterbild in der Geschichte schwankt — wie das seines großen Gegners Wallenstein: vom „hergelaufenen Abenteurer", vom fremden Eindringling, der „wie ein Räuber in unser Reich eingebrochen" sein soll, bis zu dem von Gott gesandten Retter. Bestimmend für die betreffende Haltung gegenüber dem König ist dabei leider wiederholt mehr die Zugehörigkeit zu der einen oder anderen Konfession als nüchterne Sachlichkeit. Erwärmend ist das Charakterbild, daß Heinrich von Treitschke in seinem oben erwähnten Vortrag von Gustav Adolf entworfen hat. „So recht als ein Mann nach des Volkes Herzen", sagt er da, „erschien der siebzehnjährige Jüngling, blond, mit strohlenden/blauen Augen" .. „heiter und lebensfroh, von altnordischer Einfachheit, ein Meister in der Kunst des Gesprächs, und tat es not, dann
Oer 6. November 1632.
Don Theodor Fontane.
Schwedische Heide, Novembertag, Der Nebel grau am Boden lag, Hin über das Steinfeld von Datorn Holpert, stolpert ein Räderkarrn.
Ein Räderkarrn, beladen mit Korn;
Lorns Atterdaa riebt an der Deichsel vorn, fes I
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dem verbesserten, Gregoriamschen Kalender, sind es dreihundert Jahre her, feit Gustav Adolf, der große Schwedenkonig, auf dem Schwchtselde bei Lützen sein Leben verlor. Mit feinem Namen verknüpft sich die Erinnerung an den Dreißigjährigen Krieg: den unheilvollsten und wr- heerendsten, der Deutschland je heimgesucht hat. Gustav Adolfs große Bedeutung für das Schicksal Deutschlands und die Entwicklung des Prote- ftantismus rechtfertigt es, in diesen Tagen auf fein Leben, ferne Taten und seine Persönlichkeiten einen Blick zu werfen. m -n.
Dem Hause Wasa entsprossen, ein Enkel Gustav Wasas, des B.grun- ders dauernder schwedischer Selbständigkeit der außerdem '"Schweden die Reformation eingeführt hatte, folgte Gustav Adolf 'M Jahre '611, siebzehnjährig, seinem Vater Karl IX auf dem Throne Jn den Knegen gegen die Dänen, Russen und Polen bildete er sich !°' ,^12 ZUm Feld- berrn Im Jab re 1630 landete er mit seinen jchwedischen T.uppen es waren nur 15 000 Mann Fußvolk und 3000 Reiter — m Pommern, um in die deutschen Angelegenheiten bestimmend..^"greifen
Wi° war in Deutschland damals die Lage für dw Protestanten. « war durch Ferdinands II., des Kaisers bekannten "W-erererstattungsde^ fehl" vom Jahre 1629 derart verzweifelt geroarben, um mit®' Dropsen zu reden, „nur noch Schweden das evangelische Deutsch, an retten konnte". „Gustav Adolf kam, tob,— entt26 m l t Iwar Mächten den schon fast sicheren Sieg. (Johannes Pü-.,. konnte er Magdeburg, vor dessen ^uern der bayerz ie
lag, nicht mehr retten, da er durch Verhandlungen mit Bransenvu.g
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ers wieder ein Heer aufgestellt hatte. Dieser besetzte wurde dadurch genötigt, ihm dorthin zu folgen. lt bei Lützen, von der uns Einzelheiten bekannt in den Kampf wurde im schwedischen Heere, in Adolfs Führung noch religiöse Begeisterung und i, ein Gottesdienst abgehalten. Dabei wurden die l ist unser Gott" und „Verzage nicht, du Häuflein rückte der König, hoch zu Roß, an der Spitze des nd vor, nachdem er zuvor noch die Worte aus- oollen wir dran. Das walte der liebe Gott. Jesu, •eiten zu deines Namens Ehr." Gustav Adolf, der it im Nebel zu nahe an den Feind geraten ist, verwundetes Roß, das, mit Blut bespritzt, umher- eben den Tod ihres Königs. Um ihn zu rächen,
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und Sachsen aufgehalten worben war, aber kurze Zeit darauf, im September desselben Jahres (1631), schlug er, vereinigt mit den Sachsen, bei Breitenfeld nördlich von Leipzig Tilly vollständig. „Der Tag von Breitenfeld", sagt Heinrich von °Treitschke in seinem Vortrag „Gustav Adolf und Deutschlands Freiheit", war der Tag der Befreiung. Der deutsche Protestantismus war gerettet, die Parität der Bekenntnisse gesichert. Von einer Ausrottung und Beraubung der Protestanten, wie sie das Restitutionsedikt geplant hatte, konnte fortan nicht mehr die Rede fein
3m Frühjahr des nächsten Jahres gelang es Gustav Adolf, München, —- — panesZv ans, zu erobern. Er stand jetzt auf der Höhe des pictäSy?" es. Ganz Deutschland mit Ausschluß von Oester-
zusammenhängt, ist von den Forschern sehr verschieden beantwortet worden. Während nach C. G. H e l b i g s Auffassung vor allem religiöse Be- wenaründe des Königs Handeln bestimmt haben, bestehen für Gustav
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