Nummer 84

Hreitag, den 28. Oktober

Jahrgang <932

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Und denke mein! Stirbt Blum und Wir sind an Webe Die stirbt niemals Das glaube mir!

Hoffnung gleich, reich, bei mir.

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Wär ich ein Vögelein, Wollt ich bald bei dir fein, Scheut Falk und Habicht nicht, Flog schnell zu dir.

Schöß mich ein Jäger tot, Fiel ich in deinen Schoß;

Sähst du mich traurig an, Gern stürb ich bann.

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Treue Liebe.

Volksweise.

Ach, wie ist's möglich bann, Daß ich dich lassen tannl Hab dich von Herzen lieb. Das glaube mir!

Du hast bas Herze mein So sehr genommen ein. Daß ich kein anbre lieb Als dich allein.

Blau blüht ein Blümelein, Das heißt Vergißnichtmein;

Dies Blümlein leg ans Herz

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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

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Die kleine Trude bedachte sich derartige Reden lange. Und als sie eines Abends wieder mit ihm zusammen im Garten saß, sagte sie, daß sie das sehr gut finde, daß er sich nicht verheiraten wolle, und sie selbst wolle sich auch nicht verheiraten. Und als sie so sprach, wurde sie sehr verlegen und schämte sich.

Aber nach kaum zwei Jahren, wie der Student seine Unwersitätszeit eben beendete, kam die Nachricht nach Hause, daß er sich verlobt habe. Seine Eltern waren recht böse, denn sie hätten eine andere Braut lieber gemocht; diese war nur die Tochter seiner Wirtsleute, bei denen er ge­wohnt; es hatte auch niemand vorher von seiner Absicht gewußt, und wie er gefragt wurde, sagte er, es sei sehr schnell gekommen für sie beide. Diese neue Braut war aber recht hochmütig, rümpfte die Nase über die niedrigen Stübchen der Eltern und ließ sich von der Mutter in allem be­dienen, statt ihr behilflich zu sein, also, daß man merkte, sie wolle etwas Besonderes vorstellen, das ihr aber nicht gelang.

Die kleine Trude verblühte sehr schnell und saß mit einem winzigen und spitzen Gesichtchen am Fenster gebückt auf ihre Näharbeit, indes die beiden Eltern langsam älter wurden.

Da kam, wenige Jahre nach jener Verlobung, ber junge Mann als Lehrer in seine Heimatstadt; er machte Hochzeit und zog in das Häuschen feiner Eltern, die gestorben waren. Aber die Ehe war nicht glücklich, denn beide Gatten machten keine freundlichen Gesichter, sondern sahen nieder­geschlagen und ärgerlich aus.

Eines Tages, als Trude allein in ihrem Garten saß bei dem Dörr­häuschen und weit hinausblickte über den blinkenden Fluß bis zu ber gerade sich dehnenden Bergwand gegenüber, trat ihr Freund durch das Pförtchen, kam herauf und setzte sich zu ihr. Er wollte mit einem Scherz feine Rebe beginnen, aber das Wort stockte ihm in der Kehle, und plötzlich fing er ganz herzbrechend an zu weinen und legte seinen Kopf auf ihre Schulter.

Erst war ihr, als wolle ihr das Herz still stehen vor Schreck und Ver­legenheit, aber bann streichelte sie sein Haar, und wie er schluchzte strei­chelte sie immer sein Haar. Zuletzt hob er fein Gesicht von ihrer Schulter und legte ben Kopf zurück gegen die Lehne ber Bank, hielt bie Hand vor die Augen aus Scham. Da küßte sie ihn leise auf die Stirn mit kühlen Lippen und ging fort, mit leisen Schritten, und indem sie ihre Kleidchen hochhob, um nicht zu rascheln.

Von dieser Zeit an wurde sie sehr krank, und endlich mußte sie sich ins Bett legen. Nebenan die Eheleute erwarteten ein Kindchen, und es war abgemacht, baß sie Pate werben sollte. Deshalb hatte sie an-gefangen, an einem Laufkleidchen zu sticken. Sie saß aufrecht in ihrem Bett und hatte ein glückliches Gesicht, wenn sie daran arbeitete.

Als bas Kleidchen fertig war, ließ sie den jungen Oberlehrer rufen, und ihre Eltern mußten aus bem Zimmer gehen, weil sie mit ihm allein reben wollte. Dann sprach sie zu ihm, baß sie von bem, bas sie jetzt sagen wolle, nie etwas würbe erzählt haben, aber jetzt müsse sie bald sterben, und da schäme sie sich nicht mehr, denn etwas Unrechtes fei es ja nicht. Sie habe ihn von Kindheit an lieb gehabt, weil er immer ft» still und bescheiden gewesen fei und nicht wie bie andern, und sie habe nie anders gedacht, als sie würben sich einmal heiraten, und seine seligen Eltern hätten bas auch gern gehabt, bas habe sie wohl gemerkt, weil feine Mutter immer so lieb zu ihr gewesen sei. Als er ihr damals gesagt hab-e, daß er nicht heiraten könne, fei sie zuerst traurig gewesen, bann aber habe sie sich gefaßt unb gemeint, baß einem Menschen doch nicht alles Glück beschieben sei, und es sei doch auch jetzt schon so wunder­schön, daß man es sich gar nicht schöner wünschte, wenn man nicht wüßte, baß eine rechte Ehe doch bas Höchste sei; auch wisse man nicht, wozu alles gut ist, benn so sehr kräftig sei sie doch nj-e gewesen und das ehelose Leben möchte vielleicht besser für sie fein. Und auch als er sich verlobt habe, sei sie noch ganz gefaßt gewesen, zwar recht traurig, aber sie habe sich gedacht, sein ältestes Kind solle ihr Patchen werden und oft bei ihr spielen, und sie wolle ihm dann später ihr Vermögen vermachen, denn sie habe nicht gemeint, daß sie so früh sterben werde. Aber als sie gemerkt, baß er so unglücklich sei, ba sei sie ganz untröstlich geworben und habe sich auch Vorwürfe gemacht, denn bas sei chr gleich anfangs bewußt gewesen, baß seine jetzige Frau mehr Schuld an ber Verlobung gehabt als er; unb vielleicht, wenn sie sich nicht s-o geschämt hätte unb hatte ihm etwas gesagt, so wäre alles anders geworden Jetzt sei bas nun nicht zu ändern, und vielleicht habe es Gott so gewollt. Und darum bitte sie ihn nun, er möge Geduld haben mit seinem Weibe, denn es möchte alles nur schlimmer werden durch Ungebulbigteit. Sie wisse wohl, daß ein solcher Rat nicht viel wert sei; aber sie habe sich überlegt, wie sie ihm helfen könne, und ba sei ihr nichts weiteres ein­gefallen, wie dieses Wenige.

Nach diesen Worten entließ sie ihn. Und als der Mann nach Hause ging, ba bedachte er, daß er noch nicht breißig Jahre alt war, und bas Leben, bas er noch vor sich hatte, erschien ihm plötzlich als ein langer, langer Gang in einem Dunkel, bas ihm Schmerzen in ber Seel« machte.

Das stille Mädchen.

Die Geschichte einer Liebe von Paul Ernst.

Gleich -am Markt -in einer kleinen Stadt preßte sich ein Häuschen, vor dem war ein hoher Tritt mit eisernem Geländer und blanken Mestrng- lugeln; dahinter zog sich ein großer Garten mit schönen Obstbaumen den

Jn^dem Häuschen lebte ein freundliches altes Ehepaar mit einem Töchterchen. Die beiden Alten hatten sich erst recht spat geheiratet, nach­dem sie dreißig Jahre lang heimlich verlobt gewesen waren, denn die SIt-ern des Mannes wollten bei ihren Lebzeiten ihre Einwilligung zu-ber Ehe nicht geben. So erzogen sie in ihrem Alter noch das zarte Kindchen, das wohl kaum achtzehn Jahre alt fein konnte; es sah aber Diel junger aus nach feiner Figur, nach dem Gesicht vielleicht em wenig alter. Es war ein blasses und schüchternes Wesen, bas keine Freundin hatte, zu der e m ber-mmerstunbe hinüberhuschte, sondern es lebte ganz allein mit ben Eltern. Der Mann war ein frommer Handwerksmeister gewesen hatte eher jetzt, bei feinen Jahren, bie Tätigkeit aufgegeben und faß still am Fenster, in dem Myrten unb Geranien standen.

Nun hatten bie Nachbarsl-eute einen Sohn, der .^lte damals wohl iwanzig Jahre und besuchte feit einem Jahr bie Universität. Dieser war immer ein stiller und kluger Knabe gewesen, ber hinter ben 9en

ieff-en hatte, unb deshalb hatten die Eltern auch gemeint, es fm gut menn !>-e ihn das kleine Vermögen verstudieren ließen, und vielleicht bekomme ii auch Stipendien unb könne Stunden geben. Er hatte eine herzl che Freundschaft zu der kleinen Trude, denn so hi- das Manchen und nicht nur in der ersten Kindheit, sondern auch spattr, ,n ber Seit wo die En-ab-en hochmütig werden und mit den Mädchen nicht sp .3' ind noch später, mo sie verlegen sind und -in ber $0^3^ n^ miffen Das sie mit ihnen reden sollen. Wenn er jetzt m den Ferien zuHause Dar so enäblte er vieles von der Universität und von einem Profestor, der chn zu einem Menb eingeladen hatte »nd besonders vwi ber 'Wissenschaft, wie sie -bas Höchste sei, was es gebe, unb em «Dleng f«1 nur Mcklich, wenn er sich ganz ihr widme, und seine Eltern m# S er Lehrer werben solle, aber er wolle em '-Soldat , 7 g Derben. Das war sein Lieblingsausdruck: Soldat der Wissenschaft Er Diffe auch schon eine Aufgabe, denn man muffe sich »uf etwa-sBefonderes teschränk-en, und bas Herumschweifen tauge "As. "arnllch- e Mitarbeiten an dem Neudruck eines «"en Schriststellers den Trub mch butte. Zwar wisse er, baß man große Opfer bnngen müsse für folch. Fweck des Lebens, denn zum Beispiel werbe er mit diesen Arbeiten t m Mel verdienen, bah er selbst leben könne, und ^rbe des»a b me <me Familie zu begründen vermögen; aber gern verzichte er aus foiaj < lies; wenn er nur zu dieser Tätigkeit gelangen könne.