Dor iber sichtgebenden Terrasse Les Stiftskellers ruht eine entzückende Welt: mild bewegt, lichtbraune Erd«, von einem Licht geliebkost, das silbernes Blau, silbernes Lila ist. Amseln, Meisen, Finken singen in den Kastanien. Die Düsternis einer Kiefer steht fremd im Vordergrund — wie ein versprengtes Stück der Mark Brandenburg.
G ö t t we i g.
Göttweig — wie sieht es aus, dort droben auf feinem Berg über der Donau? Spanisch? Russisch? Man sucht in aller Welt herum, um dies Barock und seine Lage zu benennen. Aber am Ende ist auch dort droben ein Stück vom echtesten Oesterreich: obwohl die blutroten Turmhelms an den Ecken des Stifts und die Entrücktheit auf der Höhe der mit Föhren dicht umwaldeten Bastion diesem festen Kastell des Himmels zunächst ein fremdartiges Aussehen leihen. Wie bizarr die Turmhauben, zumal in ihrer Verschiedenheit untereinander! Das Ganze ist ein exotisches Diadem. Aber das Land ist Oesterreich — und Benediktinerabtei und Kirche, wenn man näher kommt, sind es auch.
Reste einer groß gewesenen mittelalterlichen Anlage im Stistshof. Don ihnen hat das Barocke sich abgelöst, und nun steht es mit aller barocker Liberalität unter einer treibenden Sonne, von der man denken möchte, sie habe -dieses Barock wachsen gemacht wie lauter Flora: die niedrigen, aber mit Kräften des Gedeihens geladenen Türme und die vorwuchernde Freitreppe zu Füßen der Säulenhalle der Torfront — diese Freitreppe, die den Kommenden mit einer fast verführenden Kraft anzioht, ja schon ergreift... Dazu die Dächer, die halb und halb nach der Art des asiatischen Ostens geformt sind.
Die Kirche, -barockisierte Gotik, ist nicht von der größten Art; aber die Kaisertreppe im Stift, ob auch im einzelnen nicht überall von bedeutender Arbeit, -ist ein Ganzes aus der größten Einbildungskraft: weit, -licht und mit Adel verschwenderisch.
Und nun — das Stift hat seine Schönheit ja nicht nur in sich selbst; zu ihm gehört die Welt, die man von seinen Fenstern herab erblickt, wie auch der Berg zu ihm gehört, auf dem es gralsburgarti-g gelagert ist. Nach Norden hin: die lichten österreichischen Felder, Helles Erdbraun mit zartem Grün geschmückt, drunten -in der Tiefe ein Stück Donau, von reizenden Kulissen der Natur überschnitten; die Orte und Städtlein — Krems, Stein, Mautern; linkshinaus die nahen, weinigen Berge der Wachau und rechtshinaus die schwermütig-süße Bläue des Waldviertels; Dörfer weithin im Tal; dazwischen am Erdboden wandernde Wolken- schatten; am Horizont die Auflösung der schönen Welt in das zarteste Gold des Paradieses. Solche Himmelsanmut der Welt ist schon der Ueber- gong der Erde in die große Zartheit des Jenseitigen... Mit einem Male dann das gänzlich Nahe auf der anderen südlichen Selle: am Sockel des Göttweiger Berges ein Kirchlein^ ein Friedhof, eine graue Meierei; Waldgebirge, das an meinen Sohlen beginnt; ein helles, schön geschlungenes Straßenband; ein besonnter Streifen Erdengold am Hügel gegenüber, der sonst dunkelgrün schläft und violette Schimmer trägt.
Melk.
der,
Die prächtige Stirn der Stiftskirche steht gegen die mittägliche Sonne, die über der Donau drüben schon niedergeht. Es ist die Stunde, in der die Großartigkeit dieses Kirchenantlitzes verklärt wird — in der es die tägliche Apotheose erleben darf. _ .
So steht sie in meinem Blick, wie ich den Strom überquere und wie ich mich nähere, um die Höhe des Stistbergs zu erreichen.
Das Stiftsgebäude, das sich dem Steigenden zukehrt, ist nun freilich di- Einfachheit selbst: lang, schlicht, nur durch em maßvoll ausgebildetes Mittel eld und ruhig betonte Eckpavillons gegliedert. Einige Fenster zusammenfassen: was alles vermag das Barock schon mit diesem einzigen in sich so anspruchslosen Griff! So geschieht es m der Mitte und an de Enden des langen Trakts der Benediktinerabtei. ™ .. .. h
Immer mischt sich in diese Welt der Donaustifte das Reiche mit der Enthaltung. Am Portal des Stifts liest man die Worte: ah« nisi in cruce. Fern sei es Rühmens zu machen — außer im Zeichen des ^Verfielst es sich nicht, daß der Gast nun vor allem den Umgang sucht der, mit Balustraden eingefaßt, im Bogen um das Angesicht der Kirche hinführt? Gleichsam ein« Spange an ihrem Hals? ^on dieser Hohe erlebt er beides mit einem Male: dos von der sonne «ngestrahlte Prachtges cht der Kirche und, mit einer leisen Wendung der Augen, ine Sonne lewst — die Sonne über der geistlichen Donau in Oesterreich. .
Unter dem Umgang, am Berghang, der zur Donau ,°ön Was Gärtchen ausgespart. Es trägt feinen Namen von Ka sie r p ■ .
hat er an dieser Stelle gedacht und empfunden? Nichts als den Krieg
^Man'könnt'^s meinen. In der nahen.Bibliothek des Es liegt «in Brief des Kallers — ein Brief über die Möglichkeit der Befestigung Melk und Göttweig! Artillerie — nichts als Artillerie, a ma(hen
Stelle, von der die Gebete nur einen Stritt in d H .. , r gje([e hoben? Wer niemand kann wißen, was dieser Mann pflegte,
gedacht hat. Er wußte und empfand wohl mehr, °ls er zu miß'- pst gie
. Diese Bibliothek! Die in Klosterneuburg war aber d sie Y.er ist über alle Erwartung und Begriffe herrlich. Es l ßt sch 6 Un st- steht in einem lichten Holzbraun das d m lichtesten ^awrau ähnlich ist, und steht in Gold, unä nut dem Gold der Kunst ve | d°s Gold der Sonne, das hereinscheint Viel mehr laßt sich mcht erzay - so sehr entzieht sich die Glorie des Raumes, d,e auch noch eine veyuy t'che Glorie ist, dem versuchenden Wort. tormefiunaen in den
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denken, um die Großartigkeit der Gattung des^geis g Gesimse geht deuten. Da strahlt jede barocke Herrlichkeit; der Vorstoß der 1
"'s Ungeheuere; die Orgelempore ist eine ma , g ' Braunrot und Genius? die Färbung ist mit einem purpurnen glühenden Bmunro- wit prunkendem Gold majestätisch getan; Pfeiler aus rotem
rotem Stucco lustro tragen korinthische Goldkapitelle und scheinen jeder ein Fürst zu fein. Zur nämlichen Zeit sind die Linien der Gesimse ruhig und fest; ihre mächtige Bewegung ist ebenso sicher, wie sie Wagnis ist; die Gewißheit des gesamten Aufbaus ist offenkundig; es ist nicht weniger verbürgende Gewißheit ringsumher als Überschwengliche Kühnheit! — An der Kuppel über der Vierung, einer Kuppel, die den Gedanken an di« michelangelesk« Wölbung über dem römischen Petersdom nicht ausschließt, zweifelt die staunende Empfindung so wenig wie an der Verlässigkeit des Firmaments. Der Prunk versichert sich und uns -im Ernst der Mahnungen: an den Seitenaltären durchdringen Obelisken goldene Wolken — aber dies ist ein Gleichnis der Kraft des Gebets. Aus der Kirche her erblickt man, durch das offene Haupttor umschauend, die goldenen Prunkfeuer der untergehenden Sonne, die sich mit dem leuchtenden Gold der Kirche verschmelzen, — aber am Hochaltar steht ein lateinischer Satz, der alle schimmernden Glorien der Kunst und der Natur an die Unerbittlichkeit der entscheidenden Wahrheit bindet: non coronabitur nisi legitime certa- verit — keiner wird gekrönt werden, er habe denn nach dem Gesetz Gottes gestritten.
Das richterliche Wort tönt durch die lindenblütenfarbigen Gänge mit den weißen Stukkaturen nach und durch den stillen Stiftsgarten, der nach Erd« und Blumen duftet.
Sankt Florian.
Das Pathos der Melker Landschaft ist ruhig geworden: Sankt Florian liegt inmitten einer slachhügeligen Landschaft bukolischen Wesens, abseits von der Linzer Donau, inmitten fruchtbarer oberösterreichischer Stille.
Gleichwohl gibt Sankt Florian — so scheint es mir nach den gewaltigen Erlebnissen dieser Tag« — an Großartigkeit den anderen Stiftern nichts nach, wenn «s, als Stiftsbau wenigstens, nicht gar das stärkste ist. Verhält es sich so? Oder ist die Empfindung von dem einen Eindruck so gänzlich hingenommen — dem Eindruck, den die unvergleichliche Freiluft- treppe mit entscheidender Gewalt in Gefühl und Begriff einprägt? Dies« Treppe allein würde Tagereisen lohnen. Dieses „Treppenhaus" in Stein- grau, Ocker, Weiß und Sandfarbe; diese Allegorie Italiens an der Donau, die das römische Imperium beschloß.
Und auch hier: die Spur Karls VI., des Habsburgers; die Spur Napoleons des mächtigen Kaisers, dem es, wie die Stiftsüberlieferung erzählt, vor einem allzu krausen Barockbett jo unheimlich zumute war, daß er darin nicht schlafen wollte. Dazu die Spur des Prinzen Eugen, der ein Heros der österreichischen Geschichte gewesen ist. Misergemächer auch hier in langer Flucht, ein prunkender Marmorsaal; eine köstliche Bibliothek mit eingelegten Hölzern, lichtbraun, poliert, — bewundernswert« Arbeit eines ländlichen Meisters von hier in der barocken Epoche. Dazu das ganz und gar Eigen« von Sankt Florian: eine Sammlung von Bildern des Donaumeisters Albrecht Altdorfer, starken, leidenschafllichen, feurigen Bildern aus der Gefchichte des heiligen Sebastian — ein wenig exzentrisch«, aber schöne Bilder, die jedem großen Museum zur Auszeichnung gereichen würden; die musische Weihe, die dem Stiftsgebäude und der weißgoldenen Stiftskirchenorgel durch den Namen Anton Bruckner verbürgt ist. Denn dies ist die Stätte, mit der Bruckner, aus einem späten Zeitalter den zeugenden und empfangenden Kräften des Barocks noch ebenbürtig, immer am meisten und am schönsten wird verbunden erscheinen — wie er an dieser Stätte ja auch seine Gruft gefunden hat. Hier im Stift der Augustiner-Chorherren fein« Verlassenheit: ein paar armselige Möbel und ein bescheidener Flügel. An ihm wunden freilich Töne erprobt — schöpferisch genug, um, in der Orgel zu ihrer vollen Macht auswachfend, einen höchst repräsentativen Kirchenraum zu überwältigen, der, weiß und stark wie unsere Theatinerkirche, mit wahrhaft römischem Charakter, Maßstab und Reichtum, den Staat feiner Halbsäulen, Bogen, Emporen, Gebälk«, Wölbungen voll beharrender Kraft um unser armselig gewordenes Dasein schließt.
Phantasien im Bremer Ratskeller.
Von Wilhelm Hauff.
(Fortsetzung.)
Da brachten sie einen kleinen, hageren Mann, der war ganz bleich im Gesicht, hatte aber eine große, kupferrote Nase und hellblaue Lippen, was ganz wunderlich anzusehen war. Der König fragte ihn, wie veil er sich wohl zu trinken getraue, wenn es recht ernstlich zuginge. ,O Herr und König' antwortete er, ,so ernstlich bin ich noch nie darangekommen, habe mich bis dato auch noch nicht geeicht; der Wein ist nicht wohlfeil, und man k<mn täglich nicht über sieben, acht Maß trinken, ohne in Schulden zu geraten.' — ,Nun, wieviel meinst du denn führen zu können? fragte der König weiter. Er aber antwortete unerschrocken: .Wenn Euer Maiestat bezahlen wollen, möchte ich wohl einmal zwölf Mäßchen trinken,. mein Reitknecht, der Balthalar Ohnegrund, kann es aber noch besser Da schickte der König auch nach Balthasar Ohnegrund, dem Knecht des Hauptmanns Gutkunst, und war der Herr schon blaß gewesen und mager, so war es der Diener noch mehr, der ganz aschenfarb ausfah, als halt er fein Lebenlang Wasser getrunken.
Da ließ nun der König den Hauptmann und Ohnegrund, den Reitknecht in ein Zelt setzen und einige Fäßlein alten Hochheimer und Nierensteiner anfahren und wollte haben, di« beiden sollten sich eichen lassen Sie tranken von morgens elf bis abends vier Uhr ein Jnu Hochheimer und anderthalb Jmi Nierensteiner, und der Komg ging voll Verwunderung zu ihnen ins Zelt, um zu sehen, wie es nu ihnen steh«. Die beiden Gesellen waren aber wohlauf, und der Hauptmann sagte. So jetzt will ich einmal di« Degenkuppel abschnallen, dann geht s besser ; Ohnegrund machte aber drei Knöpfe an seinem Koller auf.
Ba entsetzten sich all«, die dies sahen, der König aber sprach: .Kann ich bessere Gesandte finden nach der fröhlichen Stadt Bremen als diese? Und alfobald ließ er dem Hauptmann prächtig« Kleider und Waffen neben wie auch Ohnegrund, dem Reitknecht, denn dieser sollte den Schreiber des Gesandten vorstellen. Der König und der Kanzler unterrichteten den Hauptmann, was er zu sagen hätte bei der Unterhandlung,


