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! g^afg war es doch ehrlicher Kampf gewefen und ich wäre, hätten euch nicht meine Leute noch rasch daoongeschleppt, auf ein Haar in die ksangenfchaft gekommen.
Ich habe oft darüber nachgedacht, was der Italiener von mir ge- rollt hat, ich hab es nur langsam begriffen, wohl, weil ich es nicht I greifen hab wollen, aber heute weih ich es, heute weih ich es ganz inau. Vielleicht ist er zum erftenmale in den Bergen gewesen, hat das iliihen der verschneiten Gipfel nicht gekannt, hat sich in der Stellung । aller den jungen unverheirateten Burschen einsam und verlassen ge- jhlt. Vielleicht hat er am gleichen Tag mit der Feldpost das Bild i ner Frau und seiner Kinder bekommen. Da mag ihm wohl so schwer ans Herz geworden sein wie es auch mir oft war, wenn wir in den Ingen untätigen Stunden an daheim dachten, Briese schrieben und ,chi sprechen konnten, weil es einem das Herz abdrücken wollte. Und ire nun die Sonne so prächtig unterging, wie es so still wurde, daß ran das Pochen seines Herzens hörte, da duldete es den kleinen Mann !cht mehr im Graben, da ging er hinaus, da sah er mich, sah einen ihren Mann, dem er das Bild seiner Kinder zeigen wollte, mit dem r über Dinge reden wollte, die die jungen Burschen nicht verstehen. Irtb die Antwort, Herr, die ich ihm darauf gegeben habe, die hat diesen rtnen Menschen für immer stumm gemacht, aber auch ich habe über ir für immer das Lachen verlernt.
Ein paar Tage draus ist es losgegangen. Wir durchbrachen die iilienische Stellung, ich rannte immer meinen Leuten weit voraus, ich <1 b keinen Schuß ab, denn wo immer ich mich nur zeigte, wichen mir ie Italiener und die Kugeln aus bis mich endlich drei Kugeln er- dien. Ich wurde, halb verblutet, gefunden, zurückgebracht, ich riß mir ie Verbände herunter, aber die Äerzte brachten mich durch, ich sollte tn meine Buße nicht herumkommen, ich sollte am Leben bleiben, Herr, li war es mir bestimmt. Es ist nun schon mehr als zehn Jahre her, tz kann es ja niemandem erzählen, die Leute verstehen es nicht, sie rollen es nicht wahrhaben, sie wollen es nicht hören. Wenn ich meine ii aber anschaue, Herr, so seh ich die Kinder des andern, wenn mich leine Kinder um etwas bitten, so bitten die Kinder des andern mit, ter, Herr, ist das Bild, ich trage es bei mir, es ist schon fleckig und loh geworden — das sind doch liebe Kinder, und das ist doch sicher tne brave Frau. Keinen Trost, Herr, bitte, nur keinen Trost. Dies ü ben will ohne Trost getragen werden, denn mich kann kein Richter «urteilen und kein Gewissen kann mich freisprechen."
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Das chinesische Theater.
Don Johann Newel.
Wenngleich moderne Lichdfpielbühnen in China immer mehr Anklang z finden scheinen, ist dies in bezug auf Theatervorführungen nach «. ropäischem Muster nicht der Fall. Das Volk hängt in diesem Punkt Zh am Althergebrachten. Während in den Großstädten chinesische Buhnen ks ganze Jahr hindurch vor meist ausvertauften Häusern spielen und i er zum Teil hervorragende, gut bezahlte Kräfte verfügen, kennt man r>f dem Lande nur gelegentliche Theateraufführungen von urnher- ichenden Schauspielern, die meist in sehr dürftigen Verhältnissen leben, Ihre Requisiten und Kostüme selbst von Ort zu Ort schassen und selten nf einen grünen Zweig kommen. Der Leiter solcher, aus sechs bis P>öls Personen bestehenden Wandertruppen hat gewöhnlich unum- hränktes Recht über sie, da er sie in der Regel als Kinder ausgekauft mb für ihren Beruf großgezogen hat. ..
Für die Vorstellungen auf dem Lande besitzt jedes großere 2 orf eine Bühne, die auf einem freiem Platz ober auch dicht an brr Hauptstraße liegt, mit Vorliebe vor dem Eingang zu einem Tempel, b: mit auch die Götter, denen zu Ehren in früheren Zeiten allem Heater gespielt wurde, bequem zuschauen können. ,
Vornehme Chinesen, die es sich leisten können, mieten bei beson- frren Anlässen, z. B. bei einer Hochzeit, einer Geschästserossnung ober krgleitfjen, eine Truppe, bie dann auf einer aus Bambus schnell her- ! richteten Bühne bie zahlreichen Gäste während des oft tagelang ® uernben Festschmauses unterhält.
An Szenerie braucht bie altchinesische Bühne nur sehr wenig. Ein irmsessel unb ein davor stehender kleiner Tisch genügen den An- liriichen-des in dieser Beziehung sehr bescheidenen Publikums Je nach- tim es bie Handlung erforbert, muß ber Stuhl auch einen Hagel ober «ren Berg markieren, den ber Held des Stückes besteigt, etwa um Aus- B'°u zu halten. Wird ber Stuhl zu biefem Zwecke an eine andere Stelle k tragen, wobei wohl auch ber Tisch beiseite geruckt wirb, so geschieht ^ser Szenenwechsel auf offener Bühne, ohm dadurch der Jllu o ^bruch zu tun. Ebensowenig, wie wenn ein schauspieler — und dies P auch von ben berühmtesten Bühnenkünstlern ber ?ro&en st°dti|chen Heater — sich zur Stärkung eine Tasse Tee reichen laßt. Er dreht stch L diesem Zweck bloß um unb schlürft ben Labetrunk mitthen üU/ ^ f Mne. Daburch, baß er sich abmenbet, um zu trinken, wird ^gezeigt, 5 dies nicht zum Stück gehört, unb bie Zuschauer ftni' barmt ganz 3 (neben unb gönnen ihrem Helben gern einen Erholungsschluck nach «ner anstrengenden Arie ober einem längeren Monolog.
„Den Hintergrunb ber Bühne bilbet gewöhnlich eln'n grellen Farben S'baltener, mit Drachen ober Phönixen bestickter Vorhang, ber g JiirabfäUt unb an ben beiben Seiten, wenn es ber Raum gestaltet, einen l^maten Durchgang hat, der ebenfalls mit einem bunten Lappen über
ift. Tisch und Armsessel sind in der Regel °"ch ""t e.mr z^m Mang, wenn auch nur im ichmierigen ^lu^ehen pafsenb tick Langen. Alles andere, was Szenerie anbetrifft, denkt B-h °er qni
Zuschauer. Und das ist für ihn nicht 1° * ' Z auf der ^men mag. Denn alle Kostüme, alle Gesten der Schauspieler aus oe »ne, Inhalt unb Darstellung ber meist ^Nunbertealten Beg hii en aus ber chinesischen Heldensage unb eb u n b e n.
iSJg.emein bekannte Formen und G e s e tz e g e bu n ° en hzjebe Fetische Erregung, für jeben ltlsiekt sind die un(er=
i $DPfberoegungcn genau vorgefchrieben. Selbst das Mien IP
liegt gewissen feststehenden Regeln und erstarrten Formen, wie sie tnts auch in der chinesischen Kunst seit Jahrhunderten auf Schritt unb Tritt begegnen. Sogar bas Schminken unb Anmalen ber Gesichter geschieht nach alten Vorbilbern; bie komische Figur auf bem chinesischen Theater ist nicht bentbar ohne einen quer über bie Nase gehenden weißen Papierstreisen ober Farbstrich. Wer einen Feldherrn barstellt, hat stets ein halbes Dutzenb bunte, breieckige Fähnlein auf bem Rücken befestigt, bie über bie Schultern hinausragen. Eine Reitpeitsche ober ein, beim Reiten zur Sommerzeit in China unentbehrlicher, Fliegenwebei in ber Hcmb bes Schauspielers beutet an, baß er beritten ist. Er bewegt sich auch bementsprechenb mit gespreizten Beinen unb einer (bas imaginäre Reittier) antreibenben Armgedärde.
Ueberhaupt bie Bewegungen auf der chinesischen Buhne! Sie müssen in genau vorgeschriebenem Tempo ausgeführt werden, begleitet von den scharfen, schrillen Geräuschen der Musikinstrumente. Für europäische Ohren ist chinesische Orchestermusik in ber Hauptsache ein u n - glaublicher Krach mit Gongs, Zimbeln unb Trommeln, hohen ©eigen- unb Flötentönen. Die chinesischen Musikanten haben es nicht leicht; beim sie müssen bas Aeußerste aus ihren Instrumenten herausholen und fast immer forte-fortissimo spielen.
Den Sologesang — wie meist auch bie gesprochenen Worte, in Fistelstimme hervorgebracht, — begleiten bie burchaus nicht unmelo- bischen Klänge ber chinesischen Geige. Jebe Bewegung bes Schauspielers, ber als guter Mime auch fingen, tanzen unb Akrobatenkunststücke vollführen kann, wirb mit bem Schlagwerk kräftig unterstrichen. Hebt er bie Hanb, so werben die Zimbeln aneinander geschlagen, macht er einen Schritt vorwärts, so ertönen die Gongs, und vollendet er einen Satz oder eine Arie, so wird dies durch heftiges Trommeln hervorgehoben (ä la Mickn-Maus-Film). Besonders bei der Darstellung einer Schlacht wird zur Markierung des Getümmels ein ohrenbetäubender Lärm mit sämtlichen zur Verfügung stehenden Instrumenten vollführt. Die Chinesen können sich stundenlang mit Pauken- und Gongschlägen vergnügen, wie man es namentlich in ber Neujahrsnächt unb oft schon wochenlang vorher, sowie bei jeber Monbfinsternis beobachten kann. Je lauter ber Krach, um so besser unb um so grünblicher werden dadurch döse Geister vertrieben, von denen man annimmt, bah sie starke Geräusche nicht vertragen. (Bei einer Mondsinsterei soll ber Monb mittels Gong- unb Paukenschlag vor bem enbgültigen Verschlucktbleiben burch ben Geist ber Finsternis bewahrt werben.)
In ben meisten chinesischen Theaterstücken wechselt bas gesprochene Wort mit Gesang ab. Neben luftigen, oft einbeutigen Schwänken als Zwischenakten, kommen Dramen unb Tragöbien vorwiegenb historischen Inhalts sowie bürgerliche Schauspiele zur Ausführung. Einlagen von Tänzen, grotesken Akrobatenstücken, erhöhen für den chinesischen Zuschauer den Genuß. Man spielt viele Stunden lang, oft von Mittag an bis spät in die Nacht hinein. Das Publikum kommt unb geht, wann es ihm beliebt, raucht, ißt unb trinkt, lacht, schwatzt unb schmatzt unbekümmert während ber Vorstellung, bie auch burch bas Geschrei kleiner Kinder nicht beeinträchtigt wird, denn auf ein wenig mehr ober weniger Lärm kommt es nicht an; bie Zuschauer kennen bie Texte ber alten Stücke meist genügenb, um ber Handlung folgen zu können, auch ohne daß sie die Worte verstehen.
Gegen entsprechende Bezahlung kann man auf kleineren Bühnen einen Zuschauerplatz auf den Brettern haben, und von dort auch leicht den Ankleideraum der Künstler betreten, in dem eine Reihe großer Farbtöpfe in die Augen fällt, aus denen sich die Schauspieler anpinseln. In ben historischen Dramen hanbelf es sich gewöhnlich um bie Ueberliftung unb Vernichtung eines gefährlichen Bösewichts burch einen tapferen, starken Helben.
Der chinesische Schauspieler bewegt sich auf ber Bühne nicht wie fein europäischer Kollege, mehr ober weniger natürlich. Er gleitet mehr, als daß er schreitet, unb bie höchste Kunst ift es, sich scheinbar schweben!) in ber Lust zu halten; so macht es z. B. ber gefeierteste Schauspieler ber Gegenwart, Mei-Lang-Fang, besten elegante Bewegungen als ber Gipfel ber Vollkommenheit gepriesen werben. Wie bie meisten anderen berühmten chinesischen Schauspieler tritt Mei-Lang-Fang nur in Frauenrollen aus (alt-chinesische Sitte verbietet Frauen selbst bas Auftreten auf ber Bühne) unb entfaltet babei einen solchen Liebreiz unb eine so beftridenbe Anmut, baß man zehn gegen eins wetten mochte, eine ber schönsten unb feinsten Frauengestalten bes chinesischen Reiches vor sich zu haben. Kein Wunber, baß Mei-Lang-Fangs Photographie, oft sehr sein übermalt, von allen Theaterfreunben gern gekauft wird, unb daß es schwer ist, einen guten Platz zu bekommen, wenn Mei- Lang-Fang auftritt; kein Wunber auch, daß er sich.jebes Auftreten fehr gut bezahlen läßt.
Berühmt finb die vielen Kostüme Mei-Lang-Fangs, deren Stickereien unb Farbenzusammenstellungen nach seinen eigenen Angaben verfertigt, einzigartig unb unübertrefflich sind.
Nächst dem Darsteller weiblicher Rollen ist es ber General, ber Mann ber Kraft", ber den größten Beifall erntet; seine Glanz- leiftung ist ber Schwertertanz ober ber Zweikampf, in welchem bie beiben Gegner, mit langen Speeren bewaffnet, einen akrobatischen Reigen ausfuhren inbem sie sich roilb unb immer roilber brehen unb roinben, roäbrenb bie Gongs unb bie Trommeln einen Höllenlärm vollführen. Auf großen Bühnen schlagen gleichzeitig eine Anzahl von Springern um bie Kämpsenben herum Saltos unb Purzelbäume, um bas Toben ber Schlacht anzubeuten. Zum Schluß zieht immer ber „Mann ber Kraft" als siegreicher Helb unter ohrenbetäubenbem Lärm sämtlicher Werkzeuge durch ben Vorhang ab, begleitet von seinen Lanzen und Stanbarten tragenben Trabanten. Die durch Erzähler im Volke verbreitete Kenntnis ber allen Sagen unb Geschichten erlauben bem chine- fi eben Zuschauer, bas Schauspiel voll zu genießen, unb man könnte glauben baß er von ber primitiven Bühnenszenerie mit Tisch unb Stuhl einen größeren Genuß hat, als von einem mobernen europäischen Kulissenausbau ähnlich fo, wie bas kleine Kinb einem komplizierten Wunber ber Mechanik auf die Dauer ein ganz einfaches Spielzeug oor- zieht welches feine Einbildungskraft immer wieder neu anregt.


