Gießener ZamilienbMer
Unterhaltungsbeilage zum Siebener Anzeiger
Jahrgang 1932
Freitag, den 4. Marz
Nummer |8
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। lebten Türkenkrieg« war.
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Man hört nichts Gutes über diese kaiserlichen Rotmantel die man seit
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löchern hoch.
Wo die preußischen Husaren reiten, stäuben Kugeln in dem rötenden Schnee. Die Husaren braucht man nicht heil zu fangen wie jungen König dort vorn.
ffiziere und ein Dutzend Husaren. Da stößt er •über mit dem Ellbogen in die Rippen: „Das für den ein Herrscher, seine Königin zumindest, 1 anders denken als daß dieser Reiter, der in
Mit zwei Sätzen ihrer Pferde waren Friedrich und sein zweiter Adjutant zwischen splitterndem Eis und hochanfspritzendem Wasser am andern Schluchtrand. Für «inen Augenblick verschwanden sie in einer Walke von staunendem Scktne- Dann lob man sie wieder.. Kuneln nfjffen.
jRifornette.
Aon Theodor Storm.
Blühende Myrte —
Ich hoffte süße Frucht von dir zu Pflüder
yrn moftergarten der Zisterzienserabtei Kamenz in Schlesien wandelt einsam der Abt Tobias Stusche. Er füttert Amseln, die ihn auf den verschneiten Wegen umhiipsen, wirft ihnen Körner und Brotkrumen zu, die er aus der Tiefe seiner weißen Kutte holt. Aber heute sieht er die schwarzen Vögel kaum, die er sonst so liebt. Er ist in Gedanken versunken, sinnt wohl den Weltläusten nach, die in den letzten Wochen die Unruhe auch in das reiche stille Schlesien trugen, in dem man seit des Friedländers Tagen keinen rechten Krieg mehr gesehen.
Der Abt wandelt und sinnt. Wie er wohl aussehen mag, dieser neue Kriegsgott aus Potsdam, Den alten Tobias Stusche plagt sonst nicht der Teufel der Neugier. Abkr dieser junge König scheint schon einer kleinen Sünde wert zu sein. , ., .,, .
Auch liebt der Abt, alter Händel wegen, diese Defterreufjer nicht iwiderlich: wiewohl er doch ihrer landesfürstlichen Hoheit untersteht. Er möchte den König gern sehen. Könnte ja geschehen, daß man ihn einmal ins Kirchengebet werde «inschliehen müssen. Wenn dieses Schlesien am Ende nicht österreichisch bliebe. Was wohl sein mochte. Wie sollte sich die arme Königin von Ungarn, der niemand das Erbe ihrer Väter gönnt, des
ff.iirnnnw er mehren? _______________ , .......
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1 späht er die Straße hinunter.
in blauem Mantel herankommen. Hundert
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Halse lachte über diesen Spaß, daß die Panduren ihn für Friedrich hielten, und weil seine Schabracke nicht die des Königs war, die man ihnen umständlich beschrieben, sahen sie die beiden Reiter als kleine Punkte gegen das ferne Kloster von Kamenz versckwinden.
Da hofften sie wieder. Wiewohl sie nicht beritten waren. Worüber sie in allen kroatischen Flüchen tobten. *
Immer noch wandelte, von schweren Gedanken geplagt und frechen Amseln begleitet, der Abt Tobias über die Klosterwege.
Als er wieder an die rückwärtige Gartenpforte kam, pochte es. Er meinte ein Wanderer begehre Einlaß, um sich vor dem eben anhebenden Schneetreiben zu retten. Er schob den Riegel zurück. Zwei preußische Offiziere zu Pferd hielten vor der Mauer. Grüßten höflich, baten zum Abt geführt zu werden. .. . ,
Als Tobias Stusche antwortete, das war« er selber, neigte sich der eine der beiden aus dem Sattel, flüsterte dem Mönch einige hastige Worte '^Al?/Tobias senkte betroffen das Haupt, blickte unschlüssig zu Boden, überlegte Dann warf er einen Blick auf den andern Offizier, verneigte sich vor ihm und ließ di« beiden, die aus dem Sattel glitten, mit ihren Pferden durch die Gartenpforte treten
An den Ställen gab er dem dienenden Bruder, der die Gaule abnahm, mit leiser Stimme eine Weisung. Worauf er seine Gäste durch eine kleine Seitentüre ins Kloster führte. Niemand sah sie. Der pfeifende Schneesturm flatterte wie wirbelnde Schleier zwischen den Zettenfensterit und den Gartenwegen.
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eitet, der preußische König sei? Wie kann er bjutant ist, der auf der teils verwehten, teils ■iad) dem besten Wege sucht für den jungen
1, rechts neben dem andern Offizier vor den
nmt an die Stelle, auf die vom Schluchtrande gen Hausdach aus, die Panburenaugen zielen, weiß, warum er biefen Punkt, an bem bie hlinge hart nach Norden biegt, zum Ueberfalt luge immer als erste reiten. Wenigstens stellt —e——h— 2 r Stelle muß er seinem Gefolge für eine Welle aus den Augen kommen. Auch ist hier die von steileren Schluchthängen und dichterem Buschwerk gesäumte Straße so zugeweht, daß ein Reiter bis an bie Bügel im Schnee versinken muß.
Was auch geschieht. Schnaubenb verschwindet das Pferd des Adjutanten bis über die Sattelgurt in der Schneeflut. Fluchend treibt es der Reiter an.
Da pfeift der Pandur, schnellt hoch und gleitet, gefolgt von sechs baumlangen Kerlen, den Hang hinunter. Hat Säbelhand und Zügel des Offiziers gepackt, noch ehe der an [einen Degen zu greifen vermag. Ringsum wimmeln die Ufer der schmalen Neiße plötzlich von Rotmänteln. Wie der Teufel aus der Schachtel fahren sie aus Büschen und Schnee-
gelt und schäumt. ... , , -v-,
Die Sonne, die schon zwei Spannen hoch über den noch fernen zadjern von Reichenau steht, scheint aus klarem Winterhimmel den preußischen Reitern in das vom Frost gerötete Gesicht. Dem jungen König auch, über dessen Antlitz noch etwas von dem Glanze von Rheinsberg liegt und in dem noch nicht das Jagen und Gejagtwerben ber sieben Jahr« Graben und Falten riß. , ... «.. . c
Es ist wohl bi« schmerzende Sonne schuld, daß der König auf oer weißen Schneefläche der Poststraße, auf den kaum zweimannshohen Hängen der flachen Schlucht nur schwarze tanzende Flecken uick» Punkt« sieht in dem blendenden Licht. Nicht aber die roten, die auf Buchsen chutz- weite vor ihm durch bie verhängten Büsche krauchen.
Der König reitet. Er sieht nicht den Pandurenhauptmann der eme Rotte seiner roten Teufel neben sich, unter verschneitem Gesträuch liegt unb bie schmale, zu einem Haken geknickte Nase über den schluchtranb |njtel t.
Behutsam. Denn, wenn er auch nicht weiß, daß er in diesem Augenblicke am Scheidewege der Weltgeschichte liegt, so weiß er doch, daß es einen König zu fangen gilt. Zu fangen, wohlgemerkt, und unbeschädigt über die mährische Grenze zu bringen.
Das will dem Panduren nicht in den Schädel. Er versteht es nicht, daß man seine Feinde fängt unb nicht erschlägt. Aber Denken ist lästig. 'M« tttr.it« u«<. t-fc >■■<« lj« l-^.« “ nnnnsA ii späht er di« Straße hinunter.
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dem Morgen, Gott weiß zu welchem Zweck, burchs Reißetal |treid)en sieht.
Ob sie wohl auch der junge König sieht, ber zur gleichen Vormittags- | ftunbe, in ber Tobias Stusche Amseln fütternb unb trübe Gebanken i nährend, durch den Klostergarten geht, mit zwei Adjutanten, em Hularen- pitett hinter sich, eine Stunde von Kamenz entfernt gegen .Äeiii)enau > reitet? Durch das Tal der Neiße, deren eilendes Wasser, vom Glatzer Schneeqebirge herkommend, unter glitzernden Eisbrücken und von den Ufern niederhängenden kleinen Schneewächten neben ber stoftstraße gur-


