Freunde der Verfassung, Mähigcr der össentlichen Meinung, wir sind Bewahrer des geheiligten Palladiums des Glückes einer grohen Nation Das verstehe ich nicht, das ist reinster Quatsch. Es handelt sich zwar um den schlechtesten Satz des ganzen Ausrufs. Man muß immer leise beginnen und sich erst gegen den Schluß erhitzen. Wenn du schreibst, höre nicht auf dein Ohr, das von deiner Stimme abhängt. Zergliedere deinen Satz, zergliedere den obigen, und du wirst sehen, daß er keinen Sinn hat Ich würde zwei Seiten brauchen, um diesen Satz zu sezieren. Vor allem sagt man nicht: Mäßiger der öffentlichen Meinung. Dann sagt das Wort .Palladium' gar nichts und verlangsamt den Satz nur. Man müßte also sogen: .Freunde der Freiheit, ihr seid die Bewahrer des Glückes einer ganzen Nation'. Das ist verständlich, doch es ist nicht
Napoleons erstetz Kriegskommando.
Kier folgt der Hauptbries von den elf neuentdeckten, gerichtet an den Bruder Joseph, vom 22. Juli 1789: Bericht des tun 'gen Schlachten- aottes über sein erstes Kriegskommando und seine erste Waffentat. Ec schildert die Unruhen in Auxonne nach dem grohen Pariser Juli-Mtztand.
Mitten aus dem Trommelwirbel, dem Waffengeklirr, dem Blutmr- qießen schreibe ich dir diesen Brief. Der Pöbel dieser Stadt, verstärkt durch eine Handvoll zugelaufener Räuber, die nur zum P undern gekommen sind, inachten sich Sonntag abend daran, die Gebäudezu zer stören wo die Beamten der Steuerpacht untergebracht sind, und plun derten das Mauthaus und mehrere Privathäuser. Man schlug den Generalmarsch und griff überall ein. Der General, der das Kommando fuhrt, befahl mir, bei ihm zu bleiben, um feine Orders zu "berbringen und ibm meine Beobachtungen mitzuteilen. Wir waren auf dem Rathaus, hier hielt er eine Ansprache an die Notabein der Stadt und lieh sie z den Massen greifen. Ich verbrachte die Nacht in einem Sessel im Salon des Generals. Jeden Augenblick bekamen wir Meldungen, daß man soeben bei diesem oder jenem plündere. Zahllos sind die Wege, die ich machen muhte, um Befehle zu überbringen und die Zuge zu »erteilen. Man wollte nicht schiehen und überhaupt mcht Zuviel Schaden anrichten. Grade das ist so mißlich! Bei Tagesdammerung wurde emes der S adt- tore eingerannt, und der Tanz begann von neuem. Der General ist 75 Jahr^ alt. Er war müde. Er befchied das Oberhaupt der Burgerfchaft zu sich unb trug den Bürgern auf, meinen Befehlen zu folgen da ich feine Absichten kenne. Nach vielem Hin und Her verhafteten wir 33Mann und setzten sie hinter Schloß und Riegel. Ich h°be ietzt .m Schloß mit 50 Mann die Wache bezogen. D,e Gefangenen befinden sich s er. Gestern abend um 11 Uhr wurde mir gemeldet, daß man wEmi Posten sturmen wolle um die Gefangenen zu befreien. So verbrachte ich die ganze Nacht in Alarmbereitschaft, die noch andauert. Man wird, glaube: ich, zwei von den Meuterern kriegsgerichtlich hangen. Das Haus Polognac 'ft in Ungnade Man soll sogar Madame ermordet, Artois verbannt, Recker zurückgerufen haben. Alles nimmt eine gute Wendung. Ich wiederhole dir was ich gesagt habe. Die Ruhe kehrt wieder. In einem Monat w i'r d v o n a l l e d e m n i ch t m e h r d i e R e d e s e , n. So daß wenn du mir jetzt die 300 Franken schickst, ich nach Paris fahren werde, um unsere Angelegenheiten in Ordnung zu bringen.
So lautet Napoleons erster Schlachtbericht. Der 75jährige General ist der erste in einer langen Reihe von alten Generalen, mit denen er es zu tun bekommen wird. Früy lernte er den Umgang mit Generalen, früh auch die Verantwortung. Er läßt durchblicken, daß er nach dem eigenen Kopf handelt; nicht ganz: ginge es nach ihnsi er wurdc: wohl schießen lassen, wie er im Vendemicure auf die Pariser Royalisten schießen lassen wird. Seine Partei ist die der Bürger. Ihre Sache ist die gute, ihre Feinde sind die Meuterer. Die gute Sache marschiert. In einem Monat wird es weder Hofkabalen noch Meuterer geben, in einem Monat, also im September 1789 wird Ruhe sein!
Rezept für einen guten Wahlaufruf.
Die Buonapartes sind Franzosenfreunde und Freiheitsfreunde Joseph Buonaparte ist zum Vorsitzenden des Bezirkes Ajaccio auf Korsika gewählt worden. Er schickt seinen Wahlaufruf an den Bruder. Man höre dessen literarische Kritik:
„Ich habe deinen Wahlaufruf gelesen ... Er enthalt Gutes, aber er versinkt in einen Wust von Unnützem und pedantischen Stilbluten. Mein Freund, du hast noch viel zu lernen. Dein Stil zerstießt zu sehr, er ist zu lose. Ihm sehlt es an Kraft und Nerv. Einen Mann der Geschäfte muß er gähnen machen. Ein anderer Fehler ist, daß man steht, du sogst nach ausgefallenen Worten, die dem Sinn nicht genau entsprechen. Hotte dein Ausruf statt vier Seiten nur eine halbe, er wäre vortrefflich. Die paar Gedanken, die er enthält, tun der Sache Genüge, nicht aber deinen Worten und Sätzen. Ueberbies sind die Wendungen unklar, weil sie nicht einfach und weil die Satzsügung unnatürlich ist! Lies doch, mein Freund, die Ansprache an die Franzosen des Bischofs von Autun (Talleyrand') lies den Brief, den der Iakobinerklub vor zwei Monaten herausgesandt hat: er ist einfad); das sind nicht Phrafen, das sind ine
Unbekannter Napoleon.
E,f neueuldeckle Briefe des Leutnants Buonaparte.
Von Emst L o r f y.
„Mitten aus dem Trommelwirbel dem Waffengeklirr betn Blutvergießen schreibe ich bir diesen Brief. Der Pobel dieser Stadt ...
Mn-c ist bas? Das ist der erste Satz aus Napoleons Bries über feine erst^Schiacht Toulon? Italien? Keine Spur! Der Brief ist dasiert Auxonne Juli 1789. Ein unbekannter Bries, eine unbekannte Schlacht.
H-!
S'ä N WiSL »L"Lr^ch,°L°'-:pn DL"»-. 8L8 "ÄÄÄ «Ä «2* SfiS La Fere, fein 20. Lebensjahr vollendet hatte.
---EMDM-M
ar erlauben will, kommt es zu einem kurzen Verkehr, die M N knurri
fchwarzgrauer Nähbeutel mit Beinen. .
Mit dem Frühling wird er noch selbständiger. Er geht setzt allem nh menn er di warm gearbeitet hat, so kommt er gerannt und stürzt lldi ins Trinkwasse? der Hühner, um zu baden, so daß er nachher nur noch aussieht wie ein herumhüpsender zusammengeballter nasser Topf- l0Pgür die Hühner kommt übrigens die Rache Ich erstelleHm $jof einen Saun der dem Federvieh nur einen ganz bestimmten Paß laßt Sie müssen dazu etwas hoch fliegen und bann durch eine Oeffnung gehe . Dort stellt sick> Fridolin auf, etwas oberhalb des Durchganges, unb lebe Henn^ d!e nun passieren will oder wegen bes Eierlegens muß, wirb nicht ungestraft gezaust.
Aber auch über ihn kommt die Rache. Durch den Sommer hat er feine Unternehmungen weit über bie ganze Umgegend ausgebreitet. E slieat über die Felder und sieht den Leuten beim Arbeiten zu. Und wo ^er kann da beißt er die Kinder ein bißchen in die nackten Beme^ Eines Tones fanden wir ihn empört und traurig mit grobgeschmttenen Fkugeln aus dem Saun sitzen. Eine Nachbarin, die das Spiel wohl trumm nahm, weil sie keinen Spaß verstand, hatte ihn gegriffen und ihm die ®4rom9?,n so kurz abgehauen daß Blut aus den Feberpofen floß. Er- wird ernstlich Schmerzen ausgestanden haben unb war em paar -tage sehr zar lich unb besonders anhänglich. . .
Aber bann ersieht er sich bie weihen Angorakaninchen, d,e frei ,m eingezäunten Hof herum hoppeln. Sie furchten üw Nicht unb furchtet sie noch weniger. Nachdem er sie lange genug beobachtet hat tommt er auch ihnen gegenüber zur Ausbildung -mer methodischen Untechaltung Wenn ein Kaninchen recht hübsch und breit an einem Kohlblan sitzt, so spaziert er von hinten an unb bohrt ihm blitzschnell den in den Rücken. Das Kaninchen hoppelt em wenig weiter mid er laßt er zur Ruhe kommen, während er schnell nach Krähen sichert. Dann geht er mit seinen dünnen bronzenen Beinchen schnell wieder vor, tut einen guten Schnabelstoß, unb bas Kaninchen hoppelt w"'erErwartet, beinelt ihm nach, und so kann bas eine halbe Stunde lang gehen.
Wenn er auf meinen Schultern sitzt, so liebt er es, wich in die Ohren zu zwicken, mir das Haar zu untersuchen und mir an den Fingern zu knabbern. Wird er gesucht unb gerufen, so gibt er Laut und kommt von weit her gehüpft. Wenn er seinerseits etwas will, so sucht er sich ba aufzubauen, wo man ihn bemerken kann, und gibt Laut. Wenn id) abends vor dem Schlafengehen mich in der Küche uberzeuge ob er auch auf seiner Stange im Bauer hockt und ihn, wenn man ihn vergessen hat, vielleicht hineinsetze, so läßt er Mich nie g^bn, ohne gute Rach gesagt zu habe». Es ist das ein kurzes kameradschaftliches Krächzen der Zufriedenheit mit mir und des Vertrauens, bas mir keineswegs unwichtig ist. Hat er sich irgenbroo verklemmt, unb man sucht ibn, so kann es so spät in der Nacht sein, wie es will — er meldet sich, wenn man ihn anrust.
Er ist sehr neugierig. Er mag im Garten sitzen, wo er will: nagle ich im Hof etwas und betreibe es nur lang genug, so wird er sicher bei mir austauchen und mittun. Er liebt es sehr, in den Stall witgenommen zu werden, wo er während des Fütterns das andere Getier, das ihm sonst nicht zu Gesicht kommt, einer Betrachtung unterzwht. Die Schweine besieht er mit dem linken Auge und dann nut dem rechten, rutscht ihnen auf der Barre unwiderstehlich angezogen naher, ist aber leben Moment aufs Ausrücken gefaßt. Der Ziege fliegt er ifhurll einmal auf be Rücken und geht gleich mit Gekrächze hoch, weil sie nicht stille Hali, nachher hat er noch lange Herzklopfen, aber er probiert es immer .wieder.
Einer der größten Genüsse, die man ihm bereiten kann, 'st das Köpfchenkraulen. Sobald das Wort ausgesprochen wird, sträubt er schon das ganze Gefieder vor Vergnügen. Die Äugen nehmen einen wackern, ja geradezu lüsternen Ausdruck an, und er senkt den Kopf, um sich möglichst gründlich kraulen zu lassen.
Scheint die Sonne recht schön, hat er auch bie Fliegen so weit gebändigt und keine Lust, Unfug zu treiben, auf meinem Schuh zu sitzen und mich am Rock zu zupfen, so fängt er unter der offenen Tur an zu tanzen wie ein Kranich, führt Bewegungen aus gleich einem Betrunkenen von vergnüglicher Sinnesart, und beginnt zu fingen. Von Anfang war das ein ganz zärtliches und broffelartig begeistertes heiseres Krächzen und Gurgeln ober freudenreiches Schluchzen, und dazwischen ubt er einen sehr melodischen Doppelpfiff, von dem ich nicht sicher sagen kann, ob es der Pfiff ist, mit dem ich ihn anrufe, ober eine Nachahmung des Pirols, der im nahen Wald flötet.
Wie gesagt, das Leben ist die Frage nach der Anpasfung. Wer sich gut anpafit, kommt gut fort. Kräh!


