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Altnordisches Leben.
Don Karl-Theodor Strayer.
Seine früher fchon bei der Hanseatischen Derlagsanstatt Hamburg erschienenen Werke „Wikinger und Normannen" und „Sachsen und Angelsachsen" rundet Karl-Theodor S t r a s- ser mit einem neuen Buche „Die N or dge rm an« n" zu einer Trilogie ab, di« rein geschichtlich und kulturhistorisch ungemein interessant, den gesamten altgermanischen Lebens-
• raum umfaßt. Dem neuen Werk entnehmen wir die folgende Darstellung:
Der nordische Handel war schon in der Steinzeit lebhaft. Schwedisches Heimgut der Bronzezeit, in Finnland entdeckt, beweist uns, daß die schwedische Besiedlung dieser Landschaft bereits um 2000 v. Chr. begann — nicht anders ist es mit Nordwestrußland. Und ebenso stark sind die Spuren nordischen Westmeerhandels: fand man doch in Upland srüh- bronzezeitliches Beding aus Albion und in Dänemark irländischen Gold- schmuck des Bronzealters. Eine Felsenzeichnung aus Bohuslän zeigt sogar einen Mann mit bronzenem Schild aus Britannien. Eigentümlich ist auch, daß sich di« westeuropäischen Steinkisten mit großem ovalen oder runden Loch in dem einen Grabkammergiebel nur in Mittel-, niemals in Sud- schweden Jütland, Dänemark, nie an den Nord- und Ostseeküsten finden. Hier scheint ein Kultureinsluß nicht küstenentlang, sondern quer über die Nord ee gewirkt zu haben. Die friedlichen Kaufleute trugen den neuen Gedanken von selbst nach Nordosten. Und umgekehrt wanderten die Sklaven und Mädchen, Büffelhörner und Pelze, Bernstein und Falken, vor allem auch Sinnbilder wie vier- und achtspeichlges Rad Sonnensinnbilder, Hakenkreuz und Dreifuß, sodann die Axt Thors mit der schon der ältere Lichtgott auf den Felsritzungen von Bohuslän die >ad)te der Finsternis bezwang, nach Süden. Dahin wehte auch so manche Sage, so manche Rune und manches GeheimnisuberSchissbau und H° z- zimmerung — es kamen vielleicht auch nordische Pferde nach dem Mit- ‘^etm au&er den uralten Wüstenwegen, die schon früh Norden und Süden verbanden, führen ein ganzes Bündel binnenlandischer Stromwege nordwärts der Alpen von der Riviera und Adrm ins Nord-Ostgebiet. Man fuhr von der Rhone in die Saone und Seme, von Kurland an der preußischen Bernsteinkuste entlang 'N die Schlei und über Haithabu ins Sachsenmeer, von da in den Rhein. Man ^Etzte Weichsel und Donau mit kürzerer Landverbindung oder den uralten reichen Sachs-Elf (die Elbe), auch die Verbindung von der Jnnmundung zur Saale und Elbe oder umgekehrt die Linie von der Elbe bis zum 8berN der Moldau und weiter bis zur Donau über 2nn-S.ll- Brenner-Eisack ins Tal der Etsch. Im Osten aber wimmelten die Boote durch Düna und Dnsepr ins^Sch w DerHau
Funde führt sogar über den Brenner, der schon 1772 d. Chr. als ijaO große (und vorher bereits zu Fuß oder Maultier) benutzt wurde, weiterhin "auer durch Mitteldeutschland, nicht etwa zur Niederelbe , sondein durchs Westbrandenburg und Mecklenburg an die Gestade derOstfte erst seit 500 v. Ehr. bog er zur Niederweichsel um — der «trotze Der ^^“"L^ng^X^eiten kannten freilich bei der Wegarmutund chrüLkeünur Schneckenschritt. Boot und zwei-
mit ü'ierfpC'irbi'Q'Cn R^dkrünZen, Augochje wnb 3 9PI > motnHenpn
* —* - gleichen Verkehrsmittel damals etwa zwei Monde. Q(t<m
Schweden die Vorstellung eines "ordifch <J Skandien für eine nichtrömrschen See- und Landmacht ^Z/z>Aum von Upsala, das weltbeschirmte Insel — er kennt das ur Berichterstatter muß zur Haupt der Heiligtumsgemeinschaft ^reys. . ,e(b®n Stätte gestanden Zeit des größten Festes und> Hauptmarkt öbn(i(i) Helden-
haben. wo heute und schon damals Me d ^^ngeboules Heiligtum
hugel emporragen — in Damla Upsala wo^ Priesteroberkönigs
und göttersaulengeschmtzte Konigshalle rs .
bezeichneten, jene Stätte, wo letzt ine sie . ten segellosen Boot«
Genauer beschreibt «r ihre überlegen «zimmerM Sorber,
mit den beweglichen Ruderdollen und inten Schiffen von
und Achtersteven. Dieser Schlag hat sich bis ^i« Nydam
ÄVÄ'BÄ 14TJW«»- - "t* M. W« *., MÄ Ä Ä".Ä?n merkt, ist anfechtbar, doch scheint somo . m g> v un& Blut die zeit jeder Mann seine Waffen abgab, , .. des Spatens
Tage des Gottes entweihe. Wir ^„uchen Häuptlings wieder
Waffen, Kleider und Schmuck eines n 9 na^®ollftoffe mit Rautenerschlossen — die dänischen Torfmoore J>a,. 11 q,rüm und Ledersandrellmuster, Rock und riemengehaltene H'^jrfe( Scheren und Span-
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heutigen auf den Hebriden, hat man gefunden und mancherlei Hausgerät wie gläsern« Spielsteine, knöcherne Würfel, hölzerne Spielbretter, Zaum» zeuge, bronzebeschlagene Trinkhörner, harzgedichtete Holzschachteln und piralumschlungene Tongefäße.
Daneben aber bergen die Sümpfe jene gepfählten oder weidichtbe- schwerten Moorleichen und manche Graber jener Tage die künstlich durchlochten (trepanierten) Schädeldecken. Das Fundbereich her Moorleichen deckt sich nicht mit dem Verbreitungsgebiet der Moore und beschränkt sich im ganzen auf Altsachsen, Jütland, Fünen und Falster. Beigaben weisen in die Zeit um 300 n. Ehr., doch hielt sich der Rechtsbrauch bis ins Mittelalter. Tacitus kennt die Strafe der Versenkung ins Moor für Feigheit, Fahnenflucht und widernatürliche Unzucht. Im dritten Gudrunlied wird Herkja, die Magd Atlis, wegen Verleumdung im Morast ertränkt. In der Jomswikingersaga läßt Harald Blauzahn (936 bis 986) die norwegische Königin Gunnhild in ein jütisches Moor werfen. In der Halsssage heißt es, daß ein Thing wegen ihres Verrats die gleiche Strafe an der Königin Aesa vollzog. sisThat doemdhi landssolkit, at Aesu vaeri i myri.")
Diese Strafen deuten nicht auf ein mildes Zeitalter. So scheint denn auch die Religion von Alt-Upsala im Lichte römischer Quellen auf dem nachtschwarzen Grunde erbarmungsloser Göttergewalt erbaut. Einige ihrer Angaben sind vorgeschichtlich gestützt. Das geringste mag noch fein, daß viele Verwahrfunde im ganzen Norden mit ihren absichtlich verbogenen Schwertern, ihren zertrümmerten Panzern, ihren zerbrochenen Kleinoden lückenlos den Bericht des Orofius über die Kimbern bestätigen, demzufolge fie nach ihrem Siege bei Araufio die ganze Beute unter entsetzlichen Flüchen zerstörten, die Kleider zerrissen, die Panzer zerhieben, die Geschirre zerbrachen, alles Gerät zur Weihe dem Kriegsgott in den Fluß warfen (meistens aber nur in feuchtes Gelände) und die Gefangenen an Bäumen aufhängten.
Weit mehr erschrecken noch die Menschenopfer von Gamla-Upsalal Nach der Nnglingasaga wurden sie zur Abwendung von Mißwachs, zur Gnädigstimmung der sonst rachesinnenden Götter dargebracht, lieber- Haupt kann nach uralter Anschauung der eigene Tod durch den Tod eines anderen gebannt werden. Man hat das Menschenopfer bei den Germanen neuerdings leugnen wollen, allein es ist zu oft und gut bezeugt. Selbst der Germanenbewunderer Tacitus kennt es. Trotzdem scheint es ehedem Ausnahme und Seltenheit. Erft die spätere Zeit berichtet vergrößernd von schaurigen und regelmäßigen Schlachtungen. Nur da, wo das Leben der Gesamtheit in Gefahr schien, trat in alter Zeit das Menschenopfer hervor: im Kriege, bei Hungersnot, zur Einlösung von Gelübden, zur Erhaltung großer Gewalthaber. Tacitus «r- zählt auch, wie die Sklaven nach dem Nerthus-Umzug auf der ingroäoni- fchen Waldinsel im See ertränkt werden. Strabo berichtet sodann, wie nach der Schlacht von Araufio bekränzte, grauhaarig-barfüßige Weiber in weiten erzgürtelumschlossenen Leinenmänteln den Kriegsgefangenen die Kehle durchschneiden und aus ihrem Blute weissagen. Einen ähnlichen Vorgang am geweihten Bronzekessel scheint «in Bildstein von Kivik in Schonen zu veranschaulichen.
Gefangenenopferung ist auch sonst bezeugt, so von den Schweden im byzantinischen Reich unb vom König Cirik dem Siegreichen, der die Recken seines Neffen Styrbjörn den Göttern weihte. Nach den Berichten fehlte es dabei nicht an Grausamkeiten. Ertränken, Nackt-in-die- Dornen-wersen, Hängen, Kehlschnitt waren bekannte Tötungsarten. Vorbeugend legten Sachsen und Normannen jeden zehnten Kriegsgefangenen unter die Schiffsrollen. Die größten Menschenopfer zu Lethra und Upsala, auf der Nerthusinsel oder auch jene Baugaben für feindliche Geister waren überhaupt vorsorglicher Art, und man vollzog fie entweder an verantwortlichen Führern oder an Bersehmten, Gefangenen und Sklaven, zuweilen an Kindern. Alle diese Menschenopfer entstammen ungewöhnlich aufgewühlter Zeit.
Oer Kriegslommiffar des Königs.
Roman von Friedrich F r e k f a.
Copyright 1931 by August Scherl. G. m. d. H., Berlin.
(Fortsetzung.)
Am 4 Mai gab es ein herrliches militärisches Schauspiel. Di« Armee des Feldmarschalls, fünfzigtaufend. Mann stark, ging auf mehreren Schiffbrücken über die nicht allzu breite Elbe. Nachts nahmen sie Quartier in Brandls in einem großen, altertümlichen Schloß. Es fehlte an Lichtern; in den hohen Gängen wurden in Ringe Pechfackeln Di« qualmten unb verbreiteten einen rötlichen Glanz. Die schritte hallten dumpf in den Gängen; die Sporen klirrten.
Heinrich saß in einem großen Gemach am Schreibtisch unb arbeitete Briefe für den Feldmarschall aus, aber die ganze Nacht über hatte er keine Ruhe. Es klopfte; Offiziere traten ein von den Dragonern, vom Regiment Anhalt, von der Artillerie, und baten den Herrn Kameraden, einen letzten Willen aufzuzeichnen; «s fiel diesen Wackeren schwer, selbst bl< Am^Mai fanlTöor den Mauern der Festung Prag die Vereinigung mit dem Heere statt, das König Friedrich aus Sachsen selbst herausgefuhrt hatte. Druden, auf den Höhen, sah man vor Prag di« Wachtfeuer ^r österreichischen Arme« brennen, und so war denn für leben, der sehen konnte es ange,zeigt, daß vielleicht am nächsten Tag schon die große erwartet« Schlacht beginnen würde ...
Am Morgen, als kaum bie Sonne aufgegangen war, lieh der Feldmarschall Heinrich rufen. UeberaU in den Gassen des Lagers ruhten die Soldaten und schliefen, eingewickelt in Decken unter niedrigen Zelten. Ein paar Troßknechte brachten Wasser; von fern her klangen die schlage einer Kirchturmuhr; die Vögel zwitscherten.
Als Heinrich das Zett feines Herrn betrat, fand er ihn schon rasiert, aevudert sehr sorgfälttg frisiert, in der Uniform eines Felbmarschalls vor, auf der Brust den Stern des Schwarzen Adlerordens. Er war heiter, wie nie in dem ganzen Monat zuvor. Lufttg fast reichte er Heinrich die


