altes Kostüm. Bei Hans Sachs tritt Gott Vater aufIn einem schönen langen Talare", mit weißem wallendem Bart, in der Hand ein Szepter. Die Engel tragen ihrenengelischen Sonnenschein" auf dem blonden krausen Haar, und die Teufel gebärden sich gar greulich in ihren Dier- masken mit großen Hörnern und fletschenden Zähnen, in Wolfs- und Hundefellen mit Schwänzen.

Eine Aenderung dieser Kostüme trat erst ein, als die englisch en Komödianten, die fahrenden Schauspieler des 17. Jahrhunderts, die in der Blütezeit des britischen Dramas eingeführten Trachten nach Deutschland brachten. Ein eigenartig Kleid hatte besonders die wichtigste Figur, die sie einführten, die berühmte und berüchtigte lustige Person, der Jean Passet, Pickelhaering oder Stockfisch. Er stellt sich dar in einer kurzen, losen Jacke mit roten, grünen und gelben dreieckigen Feldern und großen Knöpfen in plump pludrigen Kniehosen, in denen er grotesk da­hersprang, und in bizarr umgeschlagenen Mäntelchen. Fügen wir noch den ausgezackten, breiten Umlegkragen hinzu, der ihm den Ausdruck eines ungeschlachten Kindes gab, den breitkrempigen weichen Hut mit der Straußenfeder, dem er die wunderlichsten und lustigsten Formen zu ver­leihen wußte, und die schwere handfeste hölzerne Pritsche, mit der er derbe klatschende Schläge austeilte, so steht der leibhaftige Hanswurst vor uns. Neben Hanswurst tritt nun auch Harlekin, der Spaßmacher der italieni­schen Stegreifkomödie, deren für das Theaterkostüm so wichtige Masken uns in vielen zeitgenössischen Darstellungen erhalten sind. Arlecchino im buntgestreiften, eng anliegenden Kleid, im spitzen Filzhut, unter der Halbmaske verführerisch lächelnd, umtänzelt Colombine mit dem weiten, zierlich geschürzten Reifrock und der kunstvoll getürmten Pudersrisur und hält den alten bebrillten Pantalone in den roten Beinkleidern und dem sich zornig blähenden Mantel zum Narren, während der eifersüchtige Capitano in Dreimaster und Tressenfrack ihn mit dem Degen durch- und durchrennen will und der verkrümmte höckrige Pulcinell im weißen Ge­wand diabolisch-wild dazu lacht.

Hier waren die Grundformen für die Tracht aller improvisatorischen und volkstümlichen Spiele gegeben. Ein eigentliches festes Bühnenkostüm aber entwickelt sich zuerst auf dem französischen Theater, besonders in der Oper. Die Helden und Heldinnen der Antike erschienen in einer phanta­stischen Mischung aus griechischer und barocker Tracht; in fleischfarbenen Trikots mit wunderlich gebauschten Flitterpanzern, hohen Stiefeln, feder­buschumwallten Helmen und Perücken die Männer, die grauen in tief ausgeschnittenem, nach unten spitz zulaufendem Mieder und riesigem, weit abstehendem Reifrock. Vor solch kostspieligen Ausschweifungen des Mode- geschmacks blieb die deutsche Schaubühne, schon wegen der dürftigen Verhältnisse, unter denen sie gedieh, zumeist verschont. Die deutschen Schauspieler des 18. Jahrhunderts kleideten sich einfach nach der Mode ihrer Zeit; doch gab es für die Dramen der Corneille, Racine, Crebillon und Voltaire antike und türkische Kostüme, die wun­derlich genug mit steifen, befütterten Röckchen, Federn, Blumen, mit Schleiern, Ueberwürfen und Besätzen ausstaffiert waren. Die Verwendung von langen schwarzen Schals und Schleiern finden wir auch noch in unserer klassischen Zeit vielfach, z. B. bei Maria Stuart und Isabella in derBraut von Messina". Der unveränderliche Hauptbestandteil des Kostüms aber blieb bei der Schauspielerin stets der Reifrock, beim Schauspieler die schwarzsamte Kniehose mit weißen Strümpfen und Schnallenschuhen. Diese Samthose war direkt das Symbol des Komö­dianten: sie zu besitzen, in ihr sich würdig zu bewegen, Grundbedingung für ein Engagement. Der kurzen Samthose haben im 19. Jahrhundert die Verehrer der guten alten Theaterzeit, ein Ti« ck und Holtet, die bittersten Tränen nachgeweint. Außerdem trug der tragische Held wie der komische Liebhaber einen jener langschöhigen Rokokofracks, die so gute Figur machen Bisweilen waren diese Galafracks von kostbarer Eleganz, herrliche Röcke aus köstlichen Stickereien und großen bunten Emaille­knöpfen. Ein Königsmantel machte aus, dem Trager eines solchen Rocks einen Herrscher, eine Schärpe einen Kriegshelden, ein Talar einen Su[= tan und auf der nie fehlenden, wallenden Allongeperücke faßen Krone, Helm Federbut und Turban gleich prachtvoll. Zuerst brach man in Frankreich mit diesem unnatürlichen Kostüm. Die Schauspielerin F a v a r t erschien als Bäuerin ohne Reifrock und Spitzenmanschetten und engen Handschuhen im schlichten ländlichen Kleide mit nackten Armen und in Holzschuhen, und der Tragöde Mondory trat sogar ohne Perücke aus.

Gegen diese Tracht, in der sogar noch ein S ch r o d e r B r o ckma n n und Fleck ihre Triumphe errangen, ist m Deutschland "Ar als em halbes Jahrhundert der Kampf für das hlstoristhe Kostüm geführt wor­den. Der erste, der es verlangte, war Gottsched, der erste, der es einführte, war Koch, indem er bei der Aufführung desHermann von Joh. Elias Schlegel 1766 die alten Germanen m Dierfelle hüllte und dann 1774 bei der Uraufführung desGotz "ach den Wta »es Kupferstechers Weil feine Gesellschaft in charakteristischen altdeutschen Kostümen spielen lieh,wie sie in den damaligen ZeUen üblich waren, lautet die Ankündigung. Freilich mit der freute auf Grund ^r kunstge- schichtlichen Belege festgestellten Tracht des Reformationszeitalters hatten diese Kostüme nur eine ganz ungefähre Aehnlichkett. Wie wir, z.B. aus den Zeichnungen I. H- W. Tischbeins von Gotz und Weißlingen er- sehen spielten Federbüsche, verbrämte Wämser und Schärpen eine große Rolle' bei diesem .historischen" Kostüm In solch «teckch phantafti d)er Tracht aus der Zeit desewigen Landfriedens erscheinen aud) Die crftin Darsteller derRäuber" und desFiesko" Das eigentliche ^lld die^ Kleidung ist das spanische Kostüm vom Anfang des ^ZArhttuderts mit ritterlich altdeutschen Elementen ausgestutzt Herzog Alba «scheint noch auf der Weimarer Bühne mit fBarttotetetten gofteorbiertem Uniform- rock w ei Ken Hosen langer Schärpe, Reiterstiefeln und einem unge heuren Federhut von ganz hoher Kopfform. 91«^ minber [ilüam pra l tieren sich Wallenstein und die S»"«n. Dabei gingen die -amen ch immer in Fischbeinrock und hoher Lockenfrisur: in

waren auch die Männer in Zeitkostumen. Welch entzückende Szenenl ild die Rokokotrachten gaben, lassen die «,unberooßen

Kraut m Auren HoffsPostzug ahnen. Neben der mittelalter iqen Kleidung^am nun auch^die antike zur Geltung Jr.Den tschl^tErschien zuerst Charlotte Brandes als Ariadne in lose drapierter Gewandung

und natürlichem Haar. Auf der Weimarer Bühne, der Hochburg des Klassizismus, wurde dann diese Reform durchgeführt.

Jffland, der auf alle Feinheiten und charakteristischen Merkmale des Spiel so großen Wert legte, wandte auch dem Kostüm erhöhte Auf­merksamkeit zu. Bei seinem Weimarer Gastspiel 1796 ließ er die Kostüme zuEgmont" nach den Kleidungen der Niederländer in der letzten Hälfte des 16. Jahrhunderts Herstellen. Berühmt war der Krönungszug in der Jungfrau von Orleans" als ein Meisterwerk farbiger Regie. Aber wenn wir den großen, von Jiigel verfertigten bunten Stich danach be­trachten, dann erscheint uns doch alles recht kleinlich und schnörkelhaft. Die malerische Ausbildung, die Jsfland fehlte, hatte sein Nachfolger Graf Brühl, der zum ersten Mal glänzende, historisch genaue und doch schöne Trachten schuf, wie das große, von ihm herausgegebene Kostümwerk be­weist. Er entfesselte die Wut Tiecks, der gegen diegelehrte Schneider­kunst" wetterte und den Schauspieler in der historischen Tracht plump und unbeholfen fand. Aber neben dem streng historischen Kostüm eroberte Snun das Kleid der neu entstehenden Mod«, der Bindermeierepoche,

Bühne. Auch Hotte! jammerte damals nach der alten Samthose des Komödianten:Mit den farblosen, formlosen, sackartigen Beinfutteralen und den modernen Stiefeln treten die Schauspieler die Kunst in Grund und Boden!" x

Aber dem Modegeschmack gehörte die Zukunft: man spielte selbst Emilia Galotti",Clavigo",Kabale und Liebe" in langen Pantalons. Es läßt sich ja überhaupt beobachten, daß das historische Kostüm erst dann erscheint wenn das Stück selbst im Bewußtsein des Publikums historisch geworden ist. Im Biedermeierkostüm präsentieren sich nun die großen Komiker, mit hohen Vatermördern und tarierten Hosen. Wie niedlich sind die Mädchen mit ihren Schmachtlocken und weiten faltigen Röcken! Im historischen Kostüm noch über Graf Brühl hinaus gingen die 9Jieininger. Durchblättert man die in Meiningen bewahrten Bücher mit Kostümzeichnungen, die zum Teil von Herzog Georg selbst herrühren, dann erstaunt man über diese Genauigkeit bis ins Kleinste und über diese fabelhaften historischen Kenntnisse. Es war ja die Zelt desHistoris­mus", in der Hefner-Alt en eck die Wissenschaft der Kostümkunde schuf und Weiß sein vielbändiges, grundlegendes Werk schrieb: Be­rühmt war die Echtheit im Kostüm der Meininger, aber bisweilen, ver­gaßen sie über der geschichtlichen Treue die geschmackvolle Unauffälligkeit, die für jedes Bühnenkostüm unerläßlich ist. Heute streben mir nicht mehr nach so genauer Detailwahrheit, wollen vielmehr abgesehen von ver­einzelten Versuchen, Hamlet im Frack und Lady Macbeth im Pyjama auftreten zu lassen die geschichtliche Stimmung geben, den Duft der Zeiten an Hingen lassen, statt farbiger Einzelheite'n di« große dekorative Linie, statt der Wirklichkeit eine glühende Vision: im Kostüm soll schon Seele und Sein des Kunstwerkes sich offenbaren!

Der Kriegskommiffar des Königs.

Roman von Friedrich F r e k s a.

Copyright 1931 by August Scherl, G. m. b. H., Berlin.

(Fortsetzung.)

Durch feine Daten und Maßnahmen war der Pfarrer Fritsche im Dorf und in der Umgegend ein angesehener, ja, gefürchteter Mann geworden. Er zauderte niemals, wenn ein Hilferuf kam von einem anderen Dorf oder Gehöft, mit einem Teil der Wachtmannschaft und Freiwilligen zu Hilfe zu eilen und Angriffe auf Leben und Eigentum mit abschlagen zu helfen. Das war eine besondere Freude für Friedrich Wilhelm und Heinrich, die gern als Botenläufer neben der ausrückenden Schar einher­liefen, um Nachrichten ins Dorf zu bringen und an die ausgesandte Wachtmannschaft.

Mittlerweile war aber die große Not, so im Herzogtum Pommern herrschte, zu Ohren Seiner Majestät des Königs gekommen, der alsbald kräftig eingriff, um das Unglück soviel wie möglich zu verringern. Schiffe mit aufgekauftem Getreide liefen im Stettiner Hafen ein, und alsbald wurde an die einzelnen Gemeinden diese Frucht entweder umsonst ober zu den billigsten Preisen abgegeben. Dies Getreide sollte vornehmlich zur Aussaat benutzt werden, da viele Bauern diese aus Mangel an Saatkorn unterlassen hatten. Die Aemter hatten mit der größten Strenge daraus zu sehen, daß in allen Dorfschasten die Feldbestellung im vollen Umfang in gehöriger Weise geschah, daß kein Bauer dies aus Nachlässigkeit, ober weil es ihm an Korn fehlte, unterließ. Mit Stockschlägen wurde jeder Bauer bedroht, der sich wider diesen Befehl verhielt.

Das ist bas einzige Mittel", verkündete der Pfarrer Fritsche in seiner Sonntagspredigt,um zu verhindern, daß für das nächste Jahr nicht abermals eine Hungersnot entsteht. Segnet die Weisheit des Königs। Es mag ja manchem Armen hart angehen, das Korn, das er selbst essen mag, in die Erde zu werfen: aber gedenkt des anderen Jahres! Hat euch heuer die Not in den Eingeweiden gefressen, so frißt sie euch vielleicht ein ander Jahr das Herz ab!"

König Friedrich ließ in seiner Weisheit aus den königlichen Proviant­magazinen Brot und Mehl für die Armen, besonders in den Städten, ver­teilen. Streifenkommandos von Husaren und Infanterie durchstrichen die Gegenden, in denen Unsicherheit herrschte; sie hatten die Räuberbanden einzufangen oder zu zerstreuen. In Monaten kehrt« allmählich wieder frühere Ordnung und Sicherheit im Herzogtum Pommern zurück, und da die @r»te des nächsten Jahres gesegnet war von Gott dem Herrn, ver­schwanden die üblen Folgen der Hungersnot bald.

Weitere Verordnungen kamen. Den adligen Rittergütern wurde ge­boten, Obstbäume anzupflanzen, und die Pfarrherren und Schullehrer wurden ungehalten, Obstbaumschulen anzulegen. Das war nun eine Ver­ordnung, die den Kindern großen Spaß machte; denn sie dursten mit arbeiten und lernten die Kunst des Veredelns der Obstbäume, des Oku­lierens. Besonders für Heinrich war es eine große Freude; ihm waren die kleinen Obstbäumchen vertraut und lieb wie Schulgenossen. Die ver­edelten Stämmchen gab der Pfarrer alsdann gegen eine sehr geringe Summe an die Bauern ab und lehrte sie an Samstagnachmittagen in feinem eigenen Garten, die Obstbäume weiter zu behandeln, besonders