ift Tuskulu m", sagte ich beklommen und erregt,viel­leicht stand hier einst" und ich schlug mit dem Stiesel auf, wie ich's von ihm gesehen hattevielleicht wohnte hier Cicero,

Vielleicht Cicero", antwortete er gelassen.Die Fundamente eines alten Hauses sind noch da. Wir haben schon oft versucht, sie zu zer­schlagen, aber es brach jedesmal dabei der Stahl der Spitzhacke. ,

Hier, sagte ich und ich kann nichts dafür, daß es mir ganz feierlich zumute wurde, hier ist es, hier stand fein Tuskulum! Hier soll auch ... die Pinien rauschten und die blaue Seligkeit schlug über uns zusammen ... hier soll auch das meine erstehen!

Und dann gingen wir zu dem alten Bauern. Und dann zum Notar.

Kre-y, Porträt eines Kindes.

Gezeichnet im Schönbrunner Tiergarten von K. H. Nuppel, Wien. Copyright 1932 by I. L. A. Wien.

Fredy, ein junger Wiener, ist der Sohn eines der schönsten Geschöpfe der an reizvoller Weiblichkeit wahrhaftig nicht armen österreichischen Hauptstadt. Die sehr junge Mutter, schmalköpfig, mit funkelnden Augen, langem geschmeidigen Rücken, feinen Flanken und hohen, graziösen Beinen, gehört zu den Zierden ihres Geschlechts. Wie alle schonen Wie­nerinnen wird so oft photographiert, und es gibt Tausende von Wienern, denen die Vorzüge ihres Leibes genau bekannt sind. Dagegen wissen über ihren Charakter und ihre seelischen Eigenschaften nur jene wenigen Be­scheid, die in vertrautem Umgang mit ihr leben, sie täglich sehen und es heraus haben, wie die sehr stolze und rassehochmütige Dame zu Gunst­beweisen zu bewegen ist. Als sie vor kurzem eines Zwillingspaares genas, waren die Pressephotographen sofort zur Stelle und belagerten die Wochenstube, die Zeitungen brachten eine Nachricht im redaktionellen Teil und in der Direktionskanzlei des Schönbrunner Tierparks stand das Telephon den ganzen Tag nicht still. Denn jene schöne Wienerin, von der eben die Rede war, ist eine der schönsten Löwinnen, die es in irgend­einem Tiergarten Europas zu sehen gibt, nunmehr zum ersten Mal Mutter geworden und Herrin über das kleine, süße Leben ihrer Kinder Fredy und Mautz.

Ihre ersten Tage waren nichts anderes als belebende Ruhe, sie schliefen und schlürften Milch und wuchsen dabei mählich in eine putzige und adrette Gestalt hinein, mit einem verschmitzten Katzengesicht, kleinen ungeschickten Beinchen und einem kuriosen Schweiflein, das viel von der Melancholie einer ausgedienten Quaste und schier gar nichts von einer wüstenköniglichen Peitsche hatte.

Nach ungefähr sechs Wochen sprach es sich in der Stadt herum, welch reizendes Familienidyll sich im Schönbrunner Raubtierhaus entwickelt habe, und die Wiener, die im Zweifelsfall auch einen ausgewachsenen grimmigen Leuen herzig finden, strömten in Scharen zu Fredy und Mautz. Genau genommen war das Familimidyll nicht ganz vollständig, denn der zuständige Baier hatte -den Seinen den Rücken gekehrt, lag, ein rechter Pascha und Grohtürke, in einem entfernten Gelaß, faul und ge­fräßig, ein Star, von dem sich die Gunst des Volkes abgekehrt hatte, als er vom Fach des ersten Helden in das stillere des Pere noble hinüber­gewechselt war.

Fredy und seine Schwester haben aus dem Käsig, der ehemals das Boudoir der Mutter war, eine richtige Kinderstube gemacht. Zwar sind sie noch zu klein und ungeschickt, als daß sie schon mit der üblichen Spiel­zeugholzkugel umgehen könnten. Die beste Art, sie fortzubewegen, ist vor­läufig die, daß man ihr mit der kleinen feuchten Schnauze einen Stoß gibt, worauf sie kraft des ihr innewohnenden Bewegungsprinzips fort« rollt. Manchmal aber scheint Fredy den Ehrgeiz zu haben, die Kugel nach eignem Wunsch und Willen zu lenken, und das ist dann eine recht um­ständliche und tückische Angelegenheit. Da er mit der Schnauze immer voran ist, entgleitet ihm die Kugel meistens, noch ehe er sie mit den krallenlosen Wollpfoten gepackt hat. Nach einiger Zeit naht er sich ihr dann listig von der Seite, streicht einige Male um sie herum und hebt dann plötzlich das eine Dordertätzchen, um zuzugreisen. Entfernungen schätzen ist aber eine schwierige Sache und auf drei Beinen stehen noch viel mehr, zumal wenn man selbst auf vieren noch nicht richtig stehen kann. Fredy knickt kläglich um und liegt ziemlich würdelos da, sichtlich bekümmert und erschrocken, daß die umgebende Welt plötzlich in eine andere Perspektive gerutscht ist. Die kleine Schwester stürzt sich sogleich auf den hilflosen Bruder und dann balgen sich die beiden ein bißchen, fahren sich mit den Pfoten in die Keinen Gesichter, kneifen die Augen zusammen und machen eine krause Nase. Es geht alles recht gut, bis sie bei dieser Balgerei unversehens an die heimtückische Kugel stoßen, die sogleich davonrollt. In maßlosem Schreck fahren sie auseinander, die Schwester rutscht auf ihrem Hinterteilchen eifrig fort, während Fredy als der mutigere in einem ramponierten Galopp die Kugel verfolgt, klägliche Sprünge macht, mit feinen Beinen einknickt, auf allen Vieren und mit an die Erde gedrücktem Bauch weiterkriecht, bis schließlich die ausgestreckten Hinterläufe -der ruhenden Mutter ein unUbersteigbares Hindernis bilden. Zwar versucht der unverzagte Sohn ein paar Mal, die Mauer aus Bändern, Sehnen und Gebein zu erklimmen, indem er feine winzigen Vorderbeine darauflegt und sich hinterwärts mehrfach einen energischen Ruck gibt, von dem er wohl erwartet, daß er ihn mit leichtem Schwung hinauf befördere. Die Mutier läßt sich das eine Zeit lang ruhig gefallen, dann aber macht sie eine lässige Bewegung mit den Beinen und schiebt -den lästigen Sproßling samt seinen respektlosen Plänen in die Ecke. Gewissermaßen weggekehrt, sitzt er dann verdutzt da, blinzelt, kratzt sich ein bißchen und rückt schließlich von neuem zu ebenso wackeren wie zwecklosen Unternehmungen aus.

Der Schweif der Mutter zum Exempel ist zu vielfacher Kurzweil ver­wendbar. Man kann sich, stille auf dem Boden liegend, mit der weichen abschließenden Quaste das Gesicht bepinseln, man kann danach schnappen und sie mit den Pfoten festzuhalten suchen. Des weiteren kann man mit einem schicklichen Anlauf über den Schweif hinwegzuspringen versuchen, vorausgesetzt, daß man richtig vom Boden abkommt, was nicht einfach ist, wenn man mit seiner Anatomie noch nicht im Reinen ist. Meistens

landet man vor dem Hindernis, das sich dann plötzlich in eine Art Peitsche verwandelt und einen in die Ecke fegt. Manchmal aber geschieht es auch, daß sich, gerade, wenn man in einem krummen und nicht sehr eleganten, aber tapferen Sprung herangesaust kommt, die Schranke des Schweifes in die Höhe hebt, just in dem Augenblick, in dem man bei richtig berech­neter Distanz -darüber hinwegkommen müßte, und man wird in Angst" und Schrecken zu einer kurzen, aber ab-erteuerlichen. Luftfahrt gezwungen. Hangend und bangend in schwebender Pein klammert man sich mit beit - Vorderpfoten an den ragenden Mast, um |n dem Augenblick, als dieser ' fast senkrecht steht, wie von einer Kletterstange herabzurutschen. Es ist nichts zu machen, gegen die federnde Muskelkraft des mütterlicheit Schweifes kommt selbst die nicht zurückhaltende Unternehmungslust des trefflichen Knaben Fredy nicht an, die, in umgekehrtem Verhältnis zu. feiner Vernunft, sich bald auch in einem unbezwinglichen Drang in bie Ferne zu äußern beginnt.

Neben dem Familienkäfig d-efindet sich nämlich ein leeres Gelaß,, dessen Verbindungstür meist offen steht. Fredy kann der Lockung nicht widerstehen, dies ferne Revier zu erforschen. Vielleicht sind Kenner her Tierseele wie mein Freund Paul E i p p e r darüber unterrichtet, ob junge Löwen so etwas wie ein Gewissen haben. Jedenfalls macht Fredy,. ehe er seine Schritte zu jener Pforte ins Ungewisse lenkt, einen krummen Buckel, läuft einigemal ziellos hin und her und gebärdet sich über­haupt auf eine auffällige Art unbeteiligt, so daß ihn die Mutter, auch wenn sie sich vorerst nicht rührt, doch mit jedem ihrer Blicke genau ver­folgt. Der listige Sohn hat sich eine Taktik zur-echtgemacht, wie sie unter den Menschen am -besten Chaplin beherrscht, wenn er einen Polizisten irreführen will; er geht recht absichtslos in einer seinem -eigentlichen Zick entgegengesetzten Richtung davon, und wenn dann -der Schutzmann be­ruhigt nach einer anderen Seite blickt, saust er blitzschnell in die Rich­tung, von der er ihn durch sein Manöver -abgelenkt hat. Genau so macijt: es der spitzbübische kleine Löwe. Er wickelt die Mutter ein. Wenn fit dann arglos scheinbar arglos die Besucher anblictt, die vor ihrem Käfig stehen, schleicht er sich in den Hintergrund des Käfigs, macht borl: tückisch kehrt und entweicht durch die offene Tür in den der mütterlichen Aufsicht entzogenen Nachb-arkäfig. Dort läßt er sich recht protzig niebcr und gibt sich Innigem Behagen an feinem Ungehorsam hin. Doch gerade,, wenn er sich unbekümmert im neugewonnenen Reich herumwälzt, ergebt sich ruhig die Mutier, schreitet auf leisen Sohlen heran und trägt den vergnügten Sünder, -indem sie ihn buchstäblich beim Genick nimmt, roieber zurück. Es kann -nichts Zarteres, Behutsameres, Vorsichtigeres geben als diese Art der Löwenmutt-er, mit dem widerspenstigen Kind kurzen Prozeß zu machen. Der Wollknäuel hängt ihr zwischen den Zähnen wie in einem Korb, und es ist mehr aus beleidigtem Stolz als aus Schmerz, daß er, während sie ihn mit einigem Nachdruck niedersetzt, bas von sich gibt, was später einmal ein Gebrüll werden soll: ein recht klägliches, miauendes Sopränchen, eine kleine gequetschte Fanfare, die viel Mil- leid, aber keinerlei Furcht erweckt.

Es ist keine Frage, daß Fredy der Star des Schönbrunner Tierparks ist. Daß erlieb" undherzig" genannt wird, versteht sich von selbst; daß manche seiner Unternehmungen jedoch schon alsfesch" bezeichnet werden, bedeutet -bei der ausgesprochenen Wertschätzung des Lebeman- nischen, die der Wiener mit diesem Wort verbindet, eine ganz besondere Anerkennung. U-ebrigens -deutet auch der noch nicht amtliche Nam« Fredy auf leichte, liebenswürdige und -elegante Eigenschaften; gemessen, an der schweren Würde echt löwenmäßiger Namen wie Cäsar, Pasche oder Sultan, bedeutet Fredy etwa -dasselbe wie imRosenkavaiier" ber Name Quin quin für den Grafen Oktavian- Rofrano einen Zier- uni' Kosenamen für einen jungen Herrn aus großem Haus.

Kostüm und Bühne.

Line theakergefchichlliche Plauderei.

Von Dr. Paul Landau.

Mode -und Theater: Sie sind heute zwei so eng verschwisterte Begriffe,, daß man sich den einen ohne den andern kaum vorstellen l-ann. Die: Toilettenkünstler machen ihre neuesten Schöpfungen durch die Kostüm!: bekannt, die sie für die Schauspielerinnen entwerfen, und häufig ist bei: einer Premiere das neue Stück weniger wichtig als das neueste Ski dungskunftwerk, das darin gezeigt wird. (Eine ebenso eifrige Pflege uni* Sorgfalt wie der modernen Toilette wird auf dem Theater dem hist"" rischen und Phantasie-Kostüm zugewendet. Die Mitarbeit der bilb-enbeni Kunst an unserer Bühne, das Ausstattungsfieb-er, das zu immer höheren Entfaltung farbiger Schönheit, glanzvoller Pracht und stilvoller Echihe»- anstachelt, haben -in die Kostüme einen erlesenen Geschmack und groß« historische Treue gebracht. Künstler zeichnen die Figurinen, entroerfeni kleine Kunstwerke in Kolorit und Form, die sich im bunten Szenenbild« zur feinen Harmonie zusammensügen. Nicht immer war es so auf deut­schen Bühnen. Das Theaterkostüm, zuerst wie das Schauspiel selbst re-ini geistlich, dem Rahmen der Kirche eingefügt, entwickelte sich allmählich zu einem Abbild der Zeittracht, ward dann zu seltsamen Maskeraden net zerrt und erst spät zu einer vernünftigen, geschichtlich bedingten tfornu geläutert. Der Zusammenhang zwischen Bühne und bildender Kunst spielm dabei seine Rolle und schuf Ordnung und Gleichgewicht zwischen den I«1 eng verknüpften Reichen der Mode und des Theaters.

Die Mysterienspiele wurden von Geistlichen in ihren Meßgewändern und priesterlichen Ornaten aufgeführt. Der auferstandene Christus z. -°- erschien in schöner Dalmatika, mit der bischöflichen roten Casula ^ge­schmückt, mit einer von Diademen umschlossenen Tiara gekrönt, wen weihevolle Pomp und die farbig reiche Herrlichkeit dieser Kle-ider bot dem Augen ein erlesenes Fest und trug viel bei zu dem gewaltigen ®in&rUff der mittelalterlichen Aufführungen. Die Laien konnten mit solchem Glan» nicht wetteifern; doch auch sie hielten auf gute Kostüme. Je -mehr weil- liche Elemente in das Drama eindrangen, desto mehr ward die Xradjr: -der bürgerlichen Mode angenähert, und wir haben uns in den Vorstes hingen der Reformationszeit -die Schauspieler zum größten Teil in beut- scher Renaiss-ancetracht zu denken. Die heiligen Personen behielten W