eine Enttäuschung bereiten zu müssen ...

Fünftausend Pfunds

Ra, lassen Sie sehen ..."

ßorb Bentworth nahm die blaue Mauritius vorsichtig zwischen seine behandschuhten Finger, hielt sie gegen das Licht und legte sie lächelnd wieder auf den Ladentisch.

Es tut mir leid, Ihnen

aber die Marke ist falsch." Waaaaas? Mylord! Das

ist doch nicht möglich ..."

"Lieber Mann"^ sagte der Lord etwas herablassend.Wenn man zwei blaue Mauritius besitzt, kennt man sich aus. Glauben Sie mir das."

Aber Bellerby ..." beschwor der Briefmarkenhändler seinen Ange­stellten.Sie haben doch selbst gesehen ... der Fälschungssachverständige der Kriminalpolizei hat doch die Marke für echt befunden ..."

Der Angestellte war schneller im Bilde, als sein aufgeregter Chef.

Lord Bentworth dürfte recht haben", sagte er erklärend.Der Mann hat jedenfalls zwei blaue Mauritius gehabt. Die erste die untersucht wurde, war echt. Die zweite war falsch.

*

..... das Leben wird einem heute verdammt schwer gemacht", sagte der junge Mann, der dem Briefmarkenhändler die blaue Mauritius ver­kauft hatte, auf der Terrasse des Cafe de la Paix in Paris zu einem Freund.Wenn du heute einem kurzsichtigen steinalten Sammler eine blaue Mauritius aus seiner Sammlung stiehlst, sie durch eine falsche er­setzet und das gestohlene Exemplar verkaufen willst, wird dir kein Mensch glauben, daß es echt ist. Wenn du aber diesen gegebenen Umstand richtig zu nützen versteht und zuerst die echte Mauritius anbietest, beleidigt tust, wenn man dir nicht glaubt ... und dann die falsche verkaufst, so kannst du aus einer an sich verzwickten Lage zehnfaches Kapital schlagen ... das, siehst du, nenne ich Methode ...'

Frederick Cook.

Nordpolfahrer und Petroleum-Millionär.

Von Fred C. 33 i 11 i n g e r.

Der Roman des Arztes Dr. Frederick Cook aus Boston, der jetzt 67 Jahre alt wurde, ist noch immer nicht beendet. Ein neues Kapitel hat begonnen. Dieser Mann, der sich durch einige umstrittene Taten eine ge­wisse Position in der wissenschaftlichen Welt geschaffen hatte, teilte der erstaunten Welt im Jahre 1909 mit, daß er als er ft er Mensch den Nordpol erreicht habe. Er selbst hatte wohl nicht geahnt, wessen eine begeisterte Menschheit fähig ist. Könige empfingen ihn, Völker ge­rieten in einen Taumel des Entzückens, bis eines Tages herauskam, daß der Arzt und Polarforscher vermutlich niemals am Nordpol gewesen war. In Neuyork wäre er beinahe gelyncht worden. Er flüchtete nach England und lebte dort in Vergessenheit, die auch durch die Verössent- lichung seines Buches, das ihn rechtfertigen sollte, nur vorübergehend unterbrochen wurde. Dann ging er unter die Spekulanten. Er gründete eine Petroleumgesell^chaft, die in Texas Erdölguellen besitzen füllte, chatte er vorher nicht entdeckt, was vorhanden war, so schien er nunmehr entdeckt zu haben, was nicht vorhanden war. In Amerika ver­steht man in solchen Dingen keinen Spaß. Daß Cook der Menschheit ein­geredet hatte, er sei am Nordpol gewesen, mochte ihm verziehen werden und war schließlich seine Privatsache. Daß er aber Aktien verkauft hatte, die wertlos waren, muhte mit vierzehn Jahren Zuchthaus bestraft werden. Im Jahre 1923 wurde er eingesperrt. Nach ein paar Jahren hat man ihn entlassen, weil er sich musterhaft geführt hatte. Aber Cook, der niemals zugegeben hat, daß er nicht am Nordpol gewesen ist, gab auch in der Frage des Petroleums nicht nach. In Texas mußte es Erdöl geben und siehe da, es gab welches! Heute ist er Millionär. Jetzt kämpft er um die Wiederaufnahme jenes Verfahrens, durch das er im Jahre 1923 hinter Kerkermauern geschickt wurde. Seine Aktien stehen diesmal aus­nahmsweise nicht schlecht. Der Prozeß wird die Welt beschäftigen, die sich noch mit gemischten Gefühlen der Aufregung, der ungeheuren Sensation des Jahres 1909 erinnert. Und Cook glaubt, daß nun auch feine Stunde gekommen ist, um sich als Nordpolforfcher zu rehabilitieren. Es haben sich inzwischen manche Anwälte aus der wissenschaftlichen Welt gefunden, die zwar nicht behaupten, daß Cook wirklich am Nordpol gewesen sei, die aber doch nicht abstritten, daß er weit in das Polargebiet vorgedrungen sein muß. Zu einer vollen Rehabilitierung wird es nicht reichen; vielleicht ist die erzürnte Welt, die sich noch mehr als über Cooks Hochstapelei über ihre eigene Dummheit ärgerte, vor zwei Jahrzehnten dem abenteuer­lichen Menschen Dr. Frederick Cook zu schroff entgegengetreten.

Als Cook 28 Jahre alt war, nahm er als Arzt an der zweiten Polar­expedition P e a r y s teil, jenes bekannten Forschers, der später Cooks größter Widersacher wurde. Ein paar Jahre darauf war Cook Mitglied einer belgischen Südpolarexpedition. Er hatte also Vorkenntnisse, die ihn unter Umständen in die Lage gesetzt haben könnten, tatsächlich eine eigene Nordpolexvediiion zu unternehmen, die aber sicherlich ausreichen muß­ten, hübscye Sachen über eine solche Expedition zu erzählen. Im Jahre 1906 unternahm Cook eine Reise nach Alaska, in den Jukon-Distrikt, wo sich der Mount Mae Kinley befindet, der 6200 Meter hoch ist. Diesen höchsten Berg Nordamerikas, den Stuck im Jahre 1913 zum erstenmal erstiegen hat, wollte Cook schon 1906 bezwungen haben. Man glaubte es ihm und stellte erst später fest, daß seine Angaben nicht gestimmt haben können. Aber der Erfolg von Alaska ermutigte Cook zu einem großen Schlag. Reiche amerikanische Bürger gewährten dem Bostoner Arzt und kühnen Bergbesteiger, der schon zwei arktische Expeditionen mit- gemacht hatte, die Mittel zu einer Nordpolreise. Zweieinhalb Jahre hörte man nichts von ihm. Dann kehrte er aus der Region des ewigen Eises nach Spitzbergen zurück und sandte an den Präsidenten der Vereinigten Staaten folgendes Telegramm:Ich habe die Ehre, dem höchsten Bürger der Vereinigten Staaten zu berichten, daß ich zurückgekehrt bin, nachdem ich den Nordpol erreicht habe." Nordpolexpeditionen gehörten damals zu den größten Sensationen, die es überhaupt gab. Die Welt hielt den Atem au. Endlich hatte es einer geschasst!

Das Schiff, das Frederick Cook nach Europa brachte, lief Gern* auf den Shetland-Inseln an, und dort übergab Cook einen Artikel twm 2000 Worten dem dänischen Konsul und kabelte an den amerikanischem Zeitungskönig Gordon Bennett:Bericht in Verwahrsam des däni­schen Konsuls gelassen, 2000 Worte, wosür 3000 Dollars erwarte." Weiten Einzelheiten der Rückreise hat Cook selbst in seinem BuchM eine Er­oberung desNordpols" geschildert. Er schreibt:Bei ©tagen, dem nördlichsten Punkt Dänemarks, kam ein dänisches Kriegsschiff längsseiü Auf ihm war eine Abordnung des Staatsminifters, um mich zu be­glückwünschen; das überraschte mich außerordentlich. Mittlerweile puffte ein Motorboot durch die unruhige See herbei, und ein halbes Dutzend« seekranker Journalisten, die wie nasse Katzen aussahen, schwang sich über die Reeling. Unter dem Vorwand, daß sie Nachrichten vom amerikanische», Gesandten zu überbringen hätten, gelang es ihnen, an Bord zu komme».. Ich unterhielt mich fünf Minuten mit den Berichterstattern. Sie fagteni mir, daß Festessen und Empfänge in Kopenhagen meiner harrten. Das. verwirrte mich. Ich trug einen schäbigen, schmierigen Anzug und ballt1 nur noch eine Garnitur reiner Wäsche und eine Mütze. Wir nahmen Meß und setzten ein Telegramm an einen Schneider in Kopenhagen auf, baniiti er einige Anzüge für mich bereit hielte. In Helsingför begannen Tele­gramme anzukommen, und von da ab wurde ich ein hilfloses Blatt inu Wirbel der Aufregungen. Ein Telegramm von Bennett, das besagte, er habe noch nie so gern 3000 Dollars gezahlt, machte mir Freude. Wie ein Blitz aus heiterm Himmel brach der Tumult der Kopenhagener Ova­tionen über mich herein. Als wir uns der Stadt näherten, sah ich im der Ferne Flaggen wehen. Wie ein stürmendes Heer tarnen unzählige Fahrzeuge auf den sonnenglitzernden Wogen auf uns zu. Ein Hurra­rufen nach dem anderen ertönte über das Wasser. Hörner bliesen, Musik erscholl, und Böllerschüsse erdröhnten." Als das Schiff von Anker lag, kamen der dänische Kronprinz, die Kopenhagener Diplomaten und vielt; berühmte Leute, die Cook beglückwünschten. Der Empfang war gewaltig. Der König von Dänemark lud Cook zum Empfang ein.

Schon in Helsingför waren Hunderte von Journalisten erschiene». Einem von ihnen, dem Engländer Gibbs, der die Northelifs-Press« vertrat, gelang es nur unter Schwierigkeiten, zu Cook vorzudringe». Das ärgerte ihn. Der später geadelte Gibbs hat seine Begegnung mitt Cook in dem BuchAbenteuer eines Journalisten" verösfcnl- kicht. Als er endlich vor Cook stand, stellte er einige Fragen und merkte, daß der Polarreisende sehr unsicher antwortete. Darauf bat Gibbs um die Erlaubnis, einen Blick in die Aufzeichnungen Cooks werfen zu dürfe», worauf Cook ihm antwortete, er habe kein schriftliches Mate­rial mitgebracht. Gibbs war erstaunt. Aufgeregt schrie ihn der Polar­forscher an:Sie haben Nansen, Amundsen und Sverdrup geglaubt; DOM ihnen haben sie keinen Beleg verlangt. Warum wollen Sie mir nidjtt glauben?" Gibbs wurde immer erstaunter. Jetzt war er überzeugt, einem Schwindler vor sich zu haben, und begann einen Pressefeldzug gegen Cook, der inzwischen zum Ehrendoktor der Kopenhagener Universität er­nannt worden war. In Neuyork empfing man ihn wie einen Herrschei- Alle Schiffssirenen heulten, als er am 23. September 1909 im Hafen vom Neuyork anlangte. Aber dann bemächtigten sich die Gelehrten der Ange­legenheit; sie rechneten die astronomischen Angaben nach und sanden Fehler. Die Kopenhagener Universität nahm ihr Doktordiplom zurück. Miü 150 000 Dollars, die Cook erbeutet hatte, fuhr er nach London.

Der Petroleumskandal brachte ihn in das Zuchthaus Leavenworth- Der Richter, der ihn verurteilte, fragte ihn kurz vor der Urteilsfällung:: Was haben Sie zu Ihrer Verteidigung anzuführen?" Cook schwieg. Sie können also nichts sagen?" rief der Richter.Ihre Verteidiger: müßten sich das Taschentuch vor die Nase halten, wenn sie Sie ver­treten. Die Sache stinkt zum Himmel. Ich weiß, daß Sie die Gelder, bis Sie sich erschwindelt haben, versteckt halten. Sie haben diese Gelder Wit­wen und Waisen gestohlen." Das Urteil lautete auf vierzehn Jahre. Im Gefängnis besuchte- ihn Amundsen, dem Cook ein prachtvoll ge­sticktes Taschentuch schenkte. Cook vertrieb sich nämlich die Zeit im Ge­fängnis mit Handarbeiten. Sein Mut scheint während der Straszeit nid)Ä gebrochen worden zu sein. Bei neuen Bohrversuchen auf den Delfelbcrm von Texas wurden Petroleum und Naturgas gefunden. Und damit kehrte in den Greis auch die Kraft zurück, feine Sache, erneut vor der Oesfeni- lichkeit zu vertreten.

Das Tier im Spiegel der Sprache.

Von Dr. Georg Kuhn.

Von feinen Fehlern spricht man nicht gern; vielmehr erwähnt man sic nur andeutungsweise, versteckt, verbirgt unangenehme Dinge hinter Ver­gleichungen und Wortspielen. Die Sprache besitzt ein reiches Inventar solcher euphemistischer Redewendungen, die sie mit Vorliebe dem Heben der Tiere entnimmt. Spiegelt sich ja doch der Mensch überhaupt und sei» Wesen mit Humor und gutmütiger Beobachtung in dem mannigfaltigen» bunt verzerrten und doch sinnvoll eigenartigen Treiben seiner vielsüßige" Mitbewohner auf der Erde! Die Tierfabel, die von Urzeiten her dieses Verhältnis von Mensch und Tier in dichterischer Form festgehalten haft findet eine reiche Ergänzung in den Sprachen der Völker selbst, in bene» alles Getier eine so wichtige Rolle spielt. Hier ist die lebendigste und eigenartigste Zoologie nicht nach wissenschaftlichen Prinzipien georbnet,, sondern ausgebildet im Gemüt des Volkes mit all feinen Schrullen, Tieft finnigteiten, Neigungen und Abneigungen. Wie unsere Vorfahren siÄ mit ihrenBrüdern in Wald und Feld und Luft" abfanden, in welch? toteUung sie zu ihnen traten, das wird in dem sprachlichen Ausdruck er­sichtlich und dadurch für die Seelengeschichte des Volkes, die Kultur- und Kunstgeschichte wertvoller Aufschluß gewonnen.

Mit welch einem Haß haben z. B. die bereits angesiedelten und Zivils fierten Deutschen einen grimmen Feind ihrer Fluren, den Wolf, verfolg^ Keine der vielen Verbindungen, in denen sein Name vorkommt, faflj etwas Günstiges von ihm aus. Die alten Germanen jedoch, die im Wo» den Waldgenossen und Psadgänger der Schlacht sahen, haben ihm ein? rühmliche Stellung in ihrer Mythologie, eine ehrenvolle Erwähnung 'n