Ausgabe 
20.5.1932
 
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Nummer 58

Zreitag, -en 20. Mai

rgang 1952

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Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger

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^'ver Briefmarkenhändler ließ seinen Zwicker fallen, harrte den jungen limn entgeistert an, seßte den ^Zwicker wieder auf und fragte.

Sie meinen die blaue Mauritius, die drei- bis viertausend Ps

E^Die blaue Mauritius, die drei- bis viertausend Psund notiert.

"Bemerkenswert ." sagte der Briesmarkenhändler und nestelte nervös r "einem Knaps seines Sakkos.Wollen Sie, bitte, einen Augent tick

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bei der Tür stehen, der andere besetzte blitzartig den Hinteren Ausgang

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Sie haben uns durch Ihren Angestellten telephonisch verständigen lassen daß Sie den Fälscher der blauen Mauritius erwischt haben sagte der Mann bei der Tür zu dem Briefmarkenhändler.Wenn ich nicht irre, 1,1 Der^jung^Mann mar aufgesprriiigen und suhr auf den Briefmarken- händler los.Unverschämtheit! Wer sind diese Leute?"

Mein Freund vom Briefmarkendezernat und ein Kriminalbeamter, sagte der Briefmarkenhändler kalt. ...

Der junge Mann trat betroffen einen Schritt zuruck und sah d,e beiden Neuankömmlinge verblüfft an. ...

Also das ist doch die größte Frechheit, die nur je vorgekommen ist , vlaßte er dann heraus.Ich biete Ihnen die Chance Ihres Lebens, indem ich Ihnen eine blaue Mauritius zum Kaus anbiete und Sie verdächtigen miet; zum Dank in der unerhörtesten Weise und behaupten, daß meine

Sie ist ^auch falsch", unterbrach ihn der Briefmarkenhändler nüchtern.

"Dann haben Sie die Marke nicht genau untersucht."

Mein Lieber", sagte der Briesmarkenhandler überlegen.Das ist auch gar nicht notwendig. Kein Besitzer einer echten blauen Mauritius geht in das nächste Briefmarkengeschäft, um sie so mir nichts dir nichts zu verknusen."

.In ein schönes Geschäft bin ich geraten!

Der Beamte des Fälschungsdezernats fand es an der Zeit, einzugreisen.

Keine Beleidigungen, bitte! Wir werden den Sachverhalt sofort sest- ftetDer Beamte nahm ein Mikroskop, eine Pinzette und einige Bries­markenmuster aus einem kleinen Köfferchen und ließ sich die blaue Mauri­tius geben. Cr legte die Marke unter das Mikros op drehte sie rechts, drehte sie links sah nach einmal in das Mikroskop, hielt die Marke gegeii das Licht neben die Muster, unter das Mikwskop und noch einmal gegen das Licht', neben die Muster, unter das Mikroskop und sein Gesicht wurde sichtlich länger und länger.

Mein Herr" sagte er dann etwas verlegen.Wir müssen um Ent­schuldigung bitten ... aber nicht wahr, Sie werden verstehen ... mit einem Wort: die Marke ist echt."

Ick, verstehe" sagte der junge Mann, die Marke wieder an sich neh­mend und sich der Tür zuwendend.Ich verstehe vollkommen. Ich dm in ein Geschäft gekommen, das seinen Kunden hinterlistig die Polizei aus den Hals hetzt. Ich bin Ihnen dankbar für diese Aufklärung, Herr Ko,nmissar.jesniarkenhündler, der vollkommen benommen dagestanden war, fnnb seine (5prcicbe miebel'. m .

Bleiben Sie!" flehte er den jungen Mann händeringend an.Gehen Sie"nicht ... halt! Ich biete Ihnen dreitausend Psund ... dreitausend fl"^,@utbenrtiixg!" sagte der junge Mann und knallte die Ladentür hinter f,rf| Der Briesmarkenhändler sank halb ohnmächtig in den nächsten Stuhl Einmal wird einem eine blaue Mauritius angeboten und do muß einem das passieren ... das ... oh, ich Idiot!

Drei Tage später betrat der junge Mann wieder den Laden.

Sie .'" sprang der Briefmarkenhändler hinter dem Ladentisch her- vor" als wollte er dem jungen Mann um den Hals sollen.

' Ich habe mir die Sache überlegt", sagte der |unge Mann sreundlich, aber etwas herablassend.Schließlich war Ihre Aufregung begreiflich, na in reden wir nicht mehr darüber ... ... ,

Der Briefmarkenhändler strahlte. Er sprudelte nur so von Entschul- ÖI9USiHaUqten dreitausendsünfhundert?" unterbrach ihn der juifge Mann.

"Dreitausendfünfhundert gegen Scheck ... die Bank ist um die Ccke.

"Sagen wir, dreitausendsechshundert."

Gemacht!" *

Lard Bentworth, der Besißer der viertgrohten Bnefmarlensammlung Welt klopfte dem Briefmarkenhändler wohlwollend auf die Schulter. Ich habe von Ihrem fabelhaften Kauf gehört . blaue Mauritius, Donnerwetter' So etwas bekommt man nicht alle Tage angeboten a propos, ich Hütte Interesse für das Stück. Ich besitze zwar schon zwei (Sremplare der blauen Mauritius, aber der Amerikaner L.ngley soll an­geblich auch einer zweiten aus der Spur sein ... wem Konkurrenz S.e wissen ... und ich möchte den Weltrekord in blauen Mauritius halten verstehen Sie?"

Der Briefin«rkenhündler verstand.

jlnb was hm würde das Exemplar kosten? fragte LorP I"tt- worth.

w W» M -** °» w**» iihbler wieder an Öen wartenden Kunden. , n»rhi<i6ter

Ser junge Mann wickelte vorsichtig eine Marke ,

I uer Farbe aus einem Stück Seiöenpapier und legte sie aus oen identisch.

Ser Briesmarkenhändler nahm die Marke, hielt sie egen ^dasLicht, ü rachtete sie flüchtig durch eine Lupe und legte sie

^Sie^wissen, daß die wenigen existierenden Exemplare dieser Marke $<! in sestem Besitz befinden?" fragte er nebenhin. ,.

Diese eine hier ,st im Begriffe, ihren Besißer zuwechieln

Der Briefmarkenhändler betrachtete mteretfiert une ö g

Sie wissen auch, daß neben diesen wenigen echten Exemplaren Z h

lt!»l so viele Fälschungen existieren?"

Der^Bllck'des^Briefmaxkenhändlers glitt oon feinen 1oer lM)len zu feiner Armbanduhr und wieder zuruck zu den ^ngerfpill-n.

Oh, doch!" plauderte er weiter.Unb, destken S e w.e merkwurmg - gerade .n den letzten Wochen ist hier e.ne förmliche Ueberschweminmig « falschen Mauritius eingetreten. Zufällig kenne id. einen Herri^^ i^lschungsdezernat der Kriminalpolizei ... reizender ^e ! ) - ,

b er hat mir gesägt, daß die Polizei alles darametz , i i

ST'ä«« U «<«*« <*- *****«- -

. Der Briefmarkenhändler blinzelte etwas nervös.Cl, ... wie nu

' CS' meine, daß es doch für einen Briesmarkenhändler eine n>e «eberkehrenbe Gelegenheit :ü. eine der wenigen wirknch echten Aaur St erstehen. Wenn man bedenkt---"..... und ,wei

Die Ladentür wurde in diesem Augeiiblick heftig fg blieb l^rren mit energischen Gesichtszügen traten schnell em. Der

Das Tal Warumdennicht.

Boii Carl S p i 11 e l e r.

Im Himmel, wie man weiß unb bie Erfahrung spricht. Befindet sich ein Tal, das heißtWarumdennicht".

Hart hinterm Hause, unlerm Garten ifts gelegen. Mit Blütenseligkeit und Früchtesegen.

Ein steinern Sträßlein führt hinunter weit und breit, Dach keiner kommt dahin in alle Ewigkeit.

Nicht daß mit strengem Bott unb Bann es jemanb wehrte, Bewahre, baß ein Hindernis den Weg durchquerte.

Niemand begreift, weshalb denn und warum denn nicht. Doch in das Tal hinab gelangt kein Angesicht

Man darf, man kann, man möchte, aber kann s nicht wollen, Unb hätt es einer noch so sehr begehren sollen.

Du wanbelst lustig bis zu einem Quittenbaum Unb lachstWarum benn nicht?" Doch kaum an biesem Baum, Kommt unversehens bir ein Einsalt in bie Krumm.

Du stutzest benkst ein Weilchen noch, bann kehrst bu um Wie schon gesagt, ben Grund kann niemand bir erklären. Doch jedem wird es die Erfahrung neu bewähren. Nur eines weiß man: Im geheimen, in der Stille, Im Quittenbaume häkelt eine blaue Grille, Aeuqett unb reibt das Bein Sobald bie ©rille Zirpt, Issts mit bem Wunsch vorüber, unb ber Wille stirbt

Die blaue Mauritius.

Bon Wilhelm W e l b i n.

Set junge Mann trat in ben Laben unb sagte: ,

Ich habe eine blaue Mauritius zu verkaufen. Was zahlen

| L Briesmarkenhändler kritzelte ein paar ®rLn Lr ynneEue das Blatt ab und gab es wortlos seinem Angestellten. Der AngeM

1: den Text sah den Zettel einige Sekunden lang mit offenem Mundi