Biete Ansichtskarten waren an „Biota bei Frau Kindermädchen Morgenschlag" abgegangen und hatten die einmalige, aber durchaus beruhigende Antwort eingetragen: „Olga jetzt es )ut". Den Frau Kindermädchen Morgenschlag kürzte Viola um eine toilbe, da sie meinte, „Vieh" brauche man nicht extra dabei zu sagen, das könne man sowieso sehen. — „Wenn Viola zu Weihnachten kommt, dann sahre ich ihn in meinem neuen Puppenwagen aus", sagte Eva.
„Aber du hast ja den Puppenwagen noch gar nicht" meinte Harro bedenklich. „Ich setz'n lieber in mein Auto, oder ich bind n ihn auf dem neuen Rappen fest an ..."
„Etsch, das hast du ja auch alles noch nicht!"
Nora beteiligte sich nicht an diesen imaginären Sorgen! sie sah, die Zeigefinger In den Ohren, und dichtete am letzten Vers des neuen Gedichtes „Wiedersehen mit dem Verbannten", in Klammern „Viola". —
Und nun war Weihnachten selbst da, ganz da. 3m Herrenzimmer stand der geschmückte Christbaum, und wenn der Papa sich nach Tisch auf den Diwan legte, zitterten alle Schokoladenkringei und Watteschneemänner, ja sogar der Engel mit den ockergelben Locken. Am meisten jedoch zitterte der Papa selbst, aus Angst, daß er den Baum umwersen könne.
Und dann war es plötzlich heiliger Abend, heiliger Abend mit Vorfreuden und Bangigkeit vor nicht erfüllten Wünschen, mit Ueberraschungs- fieber und Aufregungsbäckchen. Mit Kuchen-, Tannen- und Wachskerzen- duft. — Und das Glöckchen klingelte. — Oh, alles alles war da! Und alles war herrlich. Nie war soviel Marzipan am Baum gewesen! Und die Zwillinge hatten ganz richtige krumme Beine, Körners sämtliche Werke wiesen Goldschnitt auf, wenigstens an der oberen Schnittfläche, und das Auto roch sogar wirklich echt nach Benzin.
Ja, alles war wunder-, wunderschön!
Das Allerfchönste aber kam noch.
Die Mama hatte in der Weihnachtswoche plötzlich ein weiches Herz bekommen. Und so hatte sie an ihr altes Kindermädchen geschrieben, daß sie sich diesmal ihr Weihnachtsgeschenk selbst abholen solle, das Reisegeld für sie und Viola liege bei, denn der Hund dürfe mitkornrnen.
Nun, nach der Bescherung wurde die Mama etwas ungeduldig, hoffentlich war der alten Frau nichts zugeftohen. Da kam Marie. „Gnä Frau, draußen ist eine Frau, die..." „Gut, ich komme." Die Mama verschwand, und als sie wieder hereinkam, lag ein merkwürdiger Ausdruck In ihrem Gesicht. „Harro, mach mal die Tür auf", sagte sie. Harro öffnete. „Bluff! erklang es. Die Kinder starrten auf das Geschöpf, das dort im Türrahmen stand, breitbeinig, mit vorgestrecktem Kops. Es hatte die Gestalt eines kleinen Bullen, Ohren lang wie Eselsohren, und eine vorgeschobene Schweineschnauze. Schwarz und weiß und zottelig war fein Fell. Harro zog sich vorsichtig zurück.
„Es ist ein ... Hund, glaube ich", sagte er zögernd.
„Das ist Viola!" ,
Nora stolz auf ihr Ahnungsvermögen, ging mutig auf ihn zu. „happ! machte der Bulle. .
„Beißen deckst he", sagte Frau Kindermädchen, die stch hinter ihm ins Zimmer schob. „Aber he is'n guten Rattenfänger." ......
Und ich habe ein Gedicht auf ihn gemacht! Nora suhlte fich beleidigt. — 'Za, und einmal war er ganz klein und ganz süß!' seufzte Eva in wehmütiger Erinnerung — > c.
Es ist aber doch nett, daß er da ist , meinte Harro, „nur gut, baß du mitgekommen bist, Frau Kindermädchen, allein hätte den das Christkind nicht tragen können." .. ,
Uni» der kleine Harro streichelte das ausgewachsene Wollknauel mit Vorsicht und Dankbarkeit. '
Und wir hatten ihn so schrecklich heb!" ... seufzte Eva wieder.
Eine Träne lief über das heiße Weihnachtsdackchen
„Das macht nix, daß er nu groß und dick is, das is Papa auch, und den haben wir deshalb doch auch lieb, nid)? „ ,
Und der kleine Harro versuchte seinen umfangreichen, lachenden Vater zu umarmen, was ihm aber nur zum Viertel gelang. — „3a aber der beißt auch nicht", sagte Bora, immer noch pikiert
Und der Papa lachte, der Baum wackelte, und die Kinder wußten nicht recht, woran sie waren. Die Mama aber mit ihrem weichen Herzen, nahm einen ganzen halben Lebkuchen, gab ihn Mola, der ihn sosoit v.. schlang, streichelte das struppige Fell und meinte: „Treue Augen hat er, unb wenn wir lieb zu ihm sind, dann ist er es sicher auch zu uns.
3a, natürlich, sonst hätte ihn ja das Christkind nictz gebracht, rie, Harro 'strahlend. „Denn das will doch keine kaputen Binger zu Weihnachten oder zerbissene Kleider. Das will doch Frieden auf Erden, nicht.
©er Kriegskommifsar des Königs.
Roman von Friedrich F r e k s a.
Copyright 1931 by August Scherl. G. m. b. H., Berlin.
(Schluß.)
Und als er bann die Arme feiner Frau um seinen Hn's fichlte, als sie feinen Kopf herunterzog und ihm anvertraute, daß Vie Wiege n G mehr leer stehen würde, die die Mutter nach der Hochzeit .vorsorglich beim Schreiner bestellt hatte, ba dachte er zurück an den Vater und an die Stunden die er als Büblein zu besten Füßen gespielt, wenn er bie Sonntagspredigt beim Behagen einer großen Tabakspfeife bedachte und memorierte 3a ein Heim, eine junge Frau unb eine gute Mutter - und dann Kinder, kleine Kinder. Das war der Frieden sur den der »önia von Vreußen den harten und heißen Krieg geführt hatte.
Für Heinrich kamen noch lange Wochen der Arbeit. Das Heerward herabaefeht aus Friedensfuß; verrechnet mußte werden nut den Guts- unb Landbesitzern, was sie an Lasten aufgebracht, denn der König ga Entschädigung aus dem Pserdebestand der Armee, aus den Heeresvieh- berden und den Korn- und Getreidevorraten. . .
Dji, Ritterichaft des Herzogtums Pommern machte eine Gingabe in Bersin und eWte den Kriegskommissar zum Vertreter ihrer Forderun-
hoch und sinkt ein, schultertief unb weich. Ehe ihr die Sinne schwinden, glaubt sie die glühenden Augen des Schnellzuges zu sehen, der durch stäubende Schneewolken aus dem Rachen des Berges hervorpoltert.
Maria schlagt die Augen auf und blickt um sich Es Ist warm und Itill. Eine Uhr geht, deutlich hört fie das tiefe Dingdong des Stürben» chlages unb sie weiß, daß es die Stimme ihrer Uhr sein muß. Sie »ockt stch auf die Ofenbank unb macht das Fenster auf. Da liegt das verschneite Öanb, der Wind ist eingefdjlafen, die Stationslampe schwebt wie ein guter Mond über den Gleisen unb nichts ist ba von Zerstörung ober Zusammenstoß. Nichts, nichts.
So hat sie denn ein Spuk genarrt, das Fieber ... aber bie Laterne tft weg und ihre Keiber sind steif unb feucht. Dort drüben schläft ihr Mann, seine Atemzüge sind tief unb ruhig wie bie eines Genesenden. Die Lampe ist angebrannt, so steckt Maria die Kerzen an. Ein wunderlicher Strom von Glauben unb Erschütterung ift in ihrem Herzen. Sie möchte meinen und lachen, es erscheint ihr alles unfaßlich und neu- geschenkt. Da im Bettchen atmet ihr Kind, es hat den Kopf auf den Arm gelegt und lächelt im Schlaf. Die Mutter hebt es aus den Kisten, nun kann sie wirklich meinen. Die Kleine, vom Traum hold verwirrt, beginnt zu plaudern: sie lag unb schlief auf einer goldenen Wiese da trat der alte Mann zu ihr und nahm sie auf die Knie, so wie er ehedem tat, ein Heller Schein stand um fein Haar wie eine Krone aus Licht unb alle Engel neigten sich vor ihm wie er sie vor allen bei der Hand nahm mit ihrem schlechten Röckchen auf der Himmelswiese. Das ÜJtobel sagt noch dies und das, wie es zuletzt erwacht fei und der alte Mann an ihrem Bett gestanden habe und durch die Tür entwichen sei wie ein ^Da^durchzuckt es Maria wie heiliger Schrecken, sie gcht in bie Kammer ihres Mannes unb fragt, ob er etwas gesehen ober gehört habe. „Nichts anderes als dich",/sagte der Bitter verwundert, „wie du zurück- gekommen bist von der Weiche." Maria entgegnete nichts aber ihre Hande beben unb sie weih nun, wer ihr Netter gewesen tft. Sie mutz zu ihm, ihm zu danken mit ihrem Letzten. Sie bettet hastig das Kind und wendet sich zur Tür, da tritt ihr der Pfarrer auf der «chwelle entgegen und sagt, daß sie den Alten tot aufgefunden haben an den Stufen ber Kirche. Der Organist hätte ihn zuerst gesehen, als er aus der Kirche rat von der Weihnachtsmette. Sein Antlitz habe ausgesehen wie das eines Lauschenden, der eine überirdische Melodie vernommen hat und seine Hände waren geöffnet wie bei einem, der empfangen will.
Weihnachisbesuch.
Von 3 o s e f a Metz.
Die Kurmusik spielte, die Leute tranken ihren Brunnen spazierten aus unb ab, schwatzten und lachten. Mitten in dem Getriebe, lässig gegen einen Baum gelehnt, stand ein Mann. 3n der Hand hielt er ein winziges Etwas das sich selbständig bewegte: Hunde, Ansätze zu Hunden denn sie waren' so klein, daß sie wie Scherzartikel wirkten. Ob ste,k)ubsch waren oder häßlich rassig oder rasselos, jedenfalls waren sie „jutz - Das sagten besonders die Kinder, die immer recht schnell von den Erwachsenen am Hundemann vorbeigeschoben wurden. Und ganz besonders sagten es drei Kinder Nora, Eva und Harro. Sie sagten es jeden Morgen aufs neue. Endlich wurde es der Mama zuviel, sie sagte: „Gut, kauft euch einen . Das war grausam denn die Mama mutzte ganz genau, daß so ein Wow krchuel^dreitzig Mark kostete, und welches ihrer Kinder besah dreißig ^An einem schönen Morgen winselte es draußen vor der Stubentür und herein schob sich etwas Winziges, ischwarzweißes bas piotz ich zu laufen anftng, als wenn es ausgezogen wäre. Hmter 'hm erhobs ch. bas ÄÄÄteWÄÄ L »!’ ÄÄ»- ÄÜMSK! «.
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immer neue, immer anbere BBunfdje 7fu(h tommen!" Sogar Nora änderlich: „Viola soll Weihnachten zum > Werken" stehen.
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