Werke wich er aus, indem er meinte, Bücher mit schon dadurch unsterblich und entzögen sich jedem m - .
bibliotheken, die damals auskamen, riß man sich die Bande aus der Hand. In England verdiente dieser Hexenmeister ein Mlllionenvermogen und konnte es auf sich nehmen, nach einem durch grandseigneuralen Leichtsinn verursachten Bankrott Verpflichtungen von 120 000 Pfund mit seiner Feder abzuarbeiten; in Frankreich wurden seine Bücher in \A Millionen Banden verbreitet; in Deutschland schossen die Uebersetzungcn und Nachahmungen wie Pilze hervor. Die durch die Einkerkerung des großen Unruhestifters auf St. Helena zur Untätigkeit verdammte Rcstaurationsepoche berauschte sich an den bunten Wunderbildern einer fernen Vergangenheit, die in der Laterna magica der Dichtung vorüberzogen.
Scott hat erst 1827 das Geheimnis, mit dem er seine Verfasserschaft umgeben hatte, offiziell enthüllt; aber schon vorher wußte man, daß der geniale Anonymus kein anderer sei als der schottische Dichter, der bereits durch gelungene Balladen und Epen aus Schottlands Sage und Geschichte
•<in H-rne lautete ein« Abendglocke.
Als er endlich zu Haufe ankam, in der Hofreite, die ^un ganz ihm g - 1>Sr«n sollte, brannte nirgends ein Licht. Nur der alte Hofhund kam ihm w». n«rui»9 warf er sich die Nacht hindurch in seiner »ettstatt hin und her.
Am anderen Morgen wurde die Schwester vernicht. A„f.,nh,on
Sie wurde gesucht und von der Magd aus dem.3)a4J2.^n
auf dem sie sich kurz vor dem Abendläuten an einem Querbalken er- erreiche Talerkätt hing an einem billigen Stricke, den sie beim Seiler gekauft hatte, als sie die Freitreppe des Amtshauses hinab ge- ft°1P3d)mroQiU ’enaus", hatte sie noch beim Abschied zum Seiler gesagt.
Und sie hatte nunmehr damit den Gang aus dem Leben gemeint.
„Ich will '«naus" murmelte sie noch, als sie ihren armen, verwirrten Kopf in die Schlinge legte. .
Die Hochzeit des Bruders wurde abgesagt — für immer.
In der Frühe des folgenden Freitags schlug ihm em lunger Rappe den er kurz zuvor gekauft hatte und deshalb noch nicht kannte, wider d Leib und beim zweiten Schlage vor die Stirne.
Das Tier hatte aus Angst geschlagen — sein Herr aber mußte sterben.
Und als nun der neue Schreckensfall der Feuerfophle mrtgeteilt wurde, die deshalb so hieß, weil sie sich einst "^junges Mädchen aus Unvorsichtigkeit schwer am Herdfeuer verbrannt hatte und nun halb blöd und gebrechlich im Armenhaus hockte, da meinte die Alte, in dein langen Pferde habe der Teufel gesessen. Das wisse sie ganz genau. Und die reiche Talerkätt sei ihm auch verschrieben gewesen.
Der Bruder wurde neben der Schwester begraben.
Den Rappen kaufte um ein Spotdgeld ein Handelsmanm
Gab es doch viele im Sqjf, die der Feuersophie die Kenntnis geheimer Dinge zutrauten.
Der Schöpfer des historischen Romans.
Zum 100. Todestage von Walter Scott: 21. September.
Von Dr. Paul Landau.
in die Tiefen und Untiefen des Daseins; bei aller Natürlichkeit >st >er doch konventionell, mehr ein Sohn der Aufklärung als der Romantik. Ei _ glückliche Harmonie lag in feinem Wesen, und sie kommt auch in jem Komposition zum Ausdruck, die, so willkürlich und ungezwungen sie auch erscheint doch eine feste Verknüpfung der Themen und eine konsequere Durchführung der ganzen Anlage zeigt. Otto L u d w i g dieser t. s- bohrende Ergründet der dichterischen Formprobleme, hat sich Scott sui- seine epischen Studien fast ebenso zum Muster genommen wie Shake- < sveare für seine dramatischen. _ H
P Scott hat den historischen Roman aus dem Nichts geschaffen. Er steh« auf den Schultern der genialen englischen Erzähler des 18 Jahrhunderts, eines F i e l d i n g und S m o l l e t t. Die Anregung für ferne Be chafti 1 qunq mit der Geschichte und der Volksdichtung empfing er °om deut Sturm und Drang. Mit Ueberfeßungen des „Götz" und der Burgerfche« Gedichte begann er seine Laufbahn, und man hat Nicht mit Unreqi betont, daß die Elemente der Scottschen Romane in Goethes „Gotz bereits im Keim enthalten sind, die Zusammenstimmung von Natur un° Handlung die historische Verklärung wie die Zlgeunerromantik unb o Ausmalung des kulturhistorischen Details. Aus diesen Anregungen heraus schus er eine neue Kunstform, die die ganze Weltliteratur befruchtet. gibt keinen historischen Roman, der nicht Scott etwas verdankt. Um 3 Schluß noch diese gewaltige Nachwirkung kurz zu streifen werfen wm einen Blick auf feine Nachahmer. Manzo nis Verlobte" sind wohl d->- größte Kunstwerk, das in feinem Geiste geschaffen wurde, aber au® , historischen Meisterromane d e Vignys, Balzacs Hugos ' rimees, und Überhaupt die ganze französische Romantik sind ohne nicht denkbar. In Amerika waren seine frühesten Schuler C o o p e r u sein größter H a w t h o r n e; in England B u I w e r und T $ » < * * “Jj In Rußland lernten Puschkin und G o g o l von 'hm. In Deutsch an! trat Willibald Alexis, der „Walter Scott der Mark Mltdem ,,WaU ° moor" zuerst in seiner Maske auf, und Hau f fs Liechtenstein ihm die Popularität streitig. Die ganze Blütezeit des deustchen Rom von T i e ck und F o u q u ä Über Spin dl er und Heinrich K o n > g zu Freytag und Fontane benutzt die Scottsche Technik. Ebeni die Geschichtsschreibung von ihm angeregt worden.
Wird Scott noch gelesen? Diese Frage beschäftigt die Engländer da sie sich rüsten, den 100. Todestag des schottischen Nationaldichters m Gedächtnisfeiern, Ausstellungen, Neuausgaben semer Werke uswzu begehen. Die Stimmung ist etwa ähnlich der bei uns am .100. Todestage Schillers, da man auch Zweifel an der wirklichen Papumritat unseres Klassikers äußerte. Die Gründe sind ebenfalls verwandt. Bei Scott wie bei Schiller wird die Schullektüre verantwortlich gemacht die so manchem den Genuß dieser Poesie schon in der Jugend »verekelt Dazu komnll die Unzeitgemäßheit" dieser Großen. Weder der historische Roman noch das "heroische Jamben-Drama gehören heute Pir ''0aV,9^" Deshalb gesteht ein so großer Verehrer der „Waverley -Romane und seiner Beurteiler wie der zeitgenössische englische Dichter Hugh W a lpo le offen ein, daß es unmöglich sei, die jüngere Generation an Scott heran-, zubringen. Aber die Begeisterung der älteren ist unerschuttert denn sie empfinden die ewigen unvergänglichen Werte dieses epischen Riestuwerkes, da/ zu den gewaltigen Leistungen der Weltliteratur gehört. „Kem Film kann unsere Herzen höher schlagen lassen als ein Roman von Scott , meint einer seiner Verehrer, und in literarisch einwandfreierer Wertung schreibt Walpole: „Es ist die Ausgabe des Erzählers, «me Welt zu schaffen, esssg I STsSSiStSE-iH hinaus — eine solche Welt schuf, deren Menschen leben in ihrer eigenen Welt, ist er einer der wenigen großen Erzähler und Charakterschopfer Man durste ihn nicht nur als historischen Romandichter aufsassen. Ueber seine qoti chen Schlösser und klirrenden Ritterrüstungen, über das Kostüm und den Feudalismus, die uns heute Hekuba sind, triumphiert das ewig ^°Äuch^>e/un" wird^Scott wohl kaum noch viel gelesen, obgleich jeder, her eine gesunde, spannende und lehrreiche Unterhaltung sucht in seinen Büchern Ueberraschungen sinden könnte. Aber seine geschichtliche Bedeutung, das Einmalige seiner Persönlichkeit und seiner Wirkung sichet ihm die Teilnahme jedes Literaturfreundes. Wir können gar manches in unserem Schrifttum nicht verstehen, wenn mir nicht Scott ennen Jhc wieder hat ein Autor das europäische Publikum in eine solche Raserei des Lese iebers, in einen solchen Taumel des Entzückens gerissen w.e der „große Unbekannte", der seit 1814 als „Verfasser der Waverley-Romane hervortrat Lord Byron, der andere britische Dichter, der damals die Gemüter leidenschaftlich beschäftigte, wirkte doch nur auf einen erlesenen Kreis Der „schottische Zauberer" aber drang mit feinen spannenden Erzählungen in alle Schichten. Goethe berichtet 1823 aus Karlsbad daß er dort von nichts anderem habe sprechen hören, und einer Kritik dieser «nwxiA nv- Aila er mpitlfp. 9^ÜdlCt Bitt fOluJCTU (frfOlQ
Urteil. In den Leih-
bekannk geworden war. Seitdem ist Scott der Klassiker des historischen Romans, den er geschaffen hat. Seine lyrisch-epischen Dichtungen, die ebenfalls Muster für unzählige derartige Schöpfungen in den modernen Literaturen wurden, sind verblaßt. Aber unsterblich sind nur einige seiner etwa sechzig Romane, in denen das kräftige von der lebendigsten Anschauung heimischer Zustände und Sitten genährte Talent Scotts erst zur vollen Entfaltung kam. Am populärsten wurden nicht die künstlerisch besten dieser Werke die noch aus erlebter Tradition eine nahe Vergangenheit darstellen, roie'bcr erste Meisterwurf „W a v e r l e y", der großartige Sittenroman „Guy Manner in g", der humorvolle „Antiquar oder „Robin der Rote" und „D a s H e r z v o n M > d l o t h , a n , sondern am meisten gelesen wurden die stofflich mtereffanteften, wie ,Jvanho e", „Kenilworth", „Quentin Sur u a r b e r Talisman". Immerhin sinb bie Unterschiebe nicht allzugroß, beim Scotts Vorzüge beleben auch bie Bücher, bie in ber Komposition weniger gelungen sinb, unb selten hat einer ber Vielschreiber ber Weltliteratur so wenig Nieten zu verzeichnen. Der Mensch Scott diese Mischung von Naturbursche unb Patriarch, ist ein Wunder für fuf) .ebenfo ein non märchenhaften Erfolgen erfülltes und doch im aufreibenden Daseinskampf auskllnqenbes Leben Nirgends ist sein Wesen besser geschildert, als m einer gelegentlichen Bemerkung F o n t a n e s : „Er hat ganz den Stempel I des Genies, unb zwar nicht in bem einen ober anberen, fonbern in allem.
Immer jung bis zu dem Moment, wo Unglück und Krankheit ihn meber- ! warfen von immer gleicher Kraft unb Frische. Ein Sonnenschein war um ihn her. Der ganze Mann leuchtete.
Um fein eigenes Wort zu gebrauchen: „he did the honors kor all Scotland“, er war ber eigentliche Beherrscher seines Lanbesweit mehr al» I Georg IV. mit seinen Brummeis unb seinem weibgestickten Jabot und I wie es in einem schottischen Sprichwort heißt: „A Kings face sh all give o-race“ (Eines Königs Blick bringt Glück), so beglückte unb begnabete auch Sir Walter, wohin er sah. Sein ganzes Leben war ein unausgesetztes Wohltun; er trug ein Füllhorn, unerschöpflich, weil seine Liebe, feine I reiche Begabung unb bas Glück, bas mit ben ®uten.unb> Weiteren tf, I es immer aufs neue füllten. Sein Herz für Schottland und seine Werke I für bie Welt, so ist er burch bie Zeitlichkeit gegangen, wie em großer I Beglücker, Segen auf allen seinen Spuren."
Seine Kunst erwuchs ihm notmenbig unb zwanglos aus diesem Leben I und dieser Persönlichkeit, natürlich, gesund, unproblematisch Viel weniger hat er feine Anschauung der Geschichte aus gelehrten Studien geschoprt, als aus dem Heimatboden, ben er als eifriger Jager, Reiter, Fischer burchstreiste, beffen Menschen er als Rechtsanwalt unb Gutsbesitzer kennen- lernte. Er sammelte Sagen unb Lieder aus bem Munbe ber Hirten und Bauern er schlief in jeher Schäferhütte unb kroch in lebe Ruine Diwürzige Luft ber schottischen Hochlanbe weht burch seine Bucher,.unb> ber ewige Schlag bes Menschenherzens pocht bei ihm unter jebem historischen Kostüm. Mit einer fabelhaften Phantasie, bie ihn mühelos m ferne unD nahe Vergangenheit versetzt, verdinbet sich ein erstaun iches Gebachtnis, bem antiquarische Beschreibungen, Einzelheiten des täglichen Lebens, Nuancen bes historischen Kolorits sofort gegenwärtig sinb Der spannenben Hanblung mit ihren wechselnden und reichbelebten Szenen, die den geborenen Erzähler verraten, steht eine wundervolle ©eftaltenfuUe zu "I Seite Die Galerie von Charakteren, die hier voruberzieht, umsaht all-
Volksklassen, tragische unb phantastische, humoristische unb groteste n Figuren; aber am schönsten hat er boch bte schlichten Naturen bie Kinder ', des Volkes, geschildert, denn er hatte ein Herz fürs Volk und em hebe
1 volles Auge für (eine Sorgen unb kleinen Genüsse. Der ruhige, episch- Gang unb bie breite Einzelmalerei wird bisweilen von bramatifdjer Spannung unb Bewegung verdrängt. Doch ist stets mit malerischer Romanti eine kühle Verstanbesklarheit gepaart, bie bte Grenze (einer Begabung


