Ausgabe 
19.8.1932
 
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verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. Druck und Vermag: Brühl'sche Universitäts-Duch. und Steindruckerei, R. Lange, Gieße"-

Unb Wanlse sagte:Heilige Jungfrau, sie nahen; habt Mitleid ml! uns!"

Da tauchte ein großer Trupp Männer vor ihnen auf mit Lampen in den Händen. Und sie vernahmen eine schreckliche und heisere Teusels- stimme, die da rief:

Drauf, ihr Freunde. Schafft Beute dem Eisenzahn!"

Aber da schossen plötzlich alle diese wackeren Frauen ahn' Hast ihre Pfeile ab, denn die Schufte wurden durch ihre Lampen beleuchtet und waren deutlich wie am lichten Tage zu sehen, währen die Frauen in der Dunkelheit blieben. Zweihundert fielen, die einen hatten den Pfeil im Kopfe, andere im Halse, und viele im Serbe.

Der Eisenzahn war der erste, den die wackeren Frauen mit großem Lärm fallen hörten, denn Wautje hatte auf ihn geschossen, und der Pfeil war ihm gerade ins Auge gedrungen.

Einige blieben unverwundet, jedoch sie hatten ein böses Gewissen, denn beim Anblick aller dieser weißen Gewänder dachten ste, dies seien die Seelen der von ihnen Getöteten, die mit Gottes Erlaubnis sich.an ihnen rächen wollten.

Sie warfen sich zur Erde nieder, halbtot vor Furcht, und riefen kläg­lich:Gnade, o Herr, laßt diese Seelen in das Reich der Toten zurück­kehren."

Wie sie aber die wackeren Frauen auf sich zukommen sahen, gab ihnen die Furcht Kraft in die Beine, und sie flohen mit eiligen Schritten hinweg.

XII.

Nachdem diese Niederlage vollendet war, kehrten die Frauen auf den Platz vor dem Gemeindehause zurück, nicht ruhmredig, sondern betrübt, daß sie in dieser Gefahr Christenblut hatten vergießen müssen, Und siehe, sie dankten mit großer Inbrunst unsrer lieben Frau und Jesus, unferm Herrn, daß diese sie hatten siegen lassen.

Und sie vergaßen auch nicht des freundlichen Engels, der ihnen bei­gestanden hatte in der Gestalt eines klaren Sterns. Und sie sangen aufs lieblichste schöne Hymnen und Litaneien.

Inzwischen erwachten in der Runde auf dem Lande alle Hähne und schmetterten aus ihren Trompeten den lichten Tag, der zu grauen begann.

Dadurch wachten die Zecher von ihrem Schlafe auf und traten vor die Tür, zu hören, woher diese süße Weisen kämen.

Und Frau Sonne lachte am Himmel.

Und die wackeren Männer kamen auf den Platz; einige aber wollten ihre Frauen schlagen, die sie in der Versammlung, erkannten, well sie während der Nacht das eheliche Haus verlassen, aber Andreas Bredaei verhinderte solches und erzählte ihnen das Ereignis, worüber sie in Staunen, Scham und Reue gerieten, wie sie sahen, daß die wackeren Schürzenträger so für sie die Arbeit verrichtet hatten. Pieter Gans, Blaes- kaek und N. Claefsens, der Dekan zu Uccle war, ein gar heiliger Mann, waren auch auf den Platz gekommen.

Wie Meister Bredaei diese große Menge erblickte, sprach er also:

Gesellen, versteht ihr, wie ihr jetzt die Luft des lieben Gottes nur von wegen der Tapferkeit eurer Frauen und Mädchen einatmet. Daher müßt ihr hier versprechen und schwören, nicht mehr zu trinken, es sei denn mit ihrem Einvernehmen."

Nur ruhig, Meister Bredael", sagte einer der Bürger,es ist mit­nichten das Trinken, das so schweren Schlaf bewirkt. Ich kann als erfah­rener Mann sprechen, ich, der den Wein sein ganzes Leben lang getrunken hat, und ich hoffe es noch lustig weiter zu tun. Ein ander Ding ist noch dabei, Teufelei und Spitzbubenwerk, vermute ich. Kommt doch her, Pieter Gans, kommt her und plaudert ein wenig, bas Dunkel zu lichten, so Ihr etwas wißt."

Weh, weh", sagte Pieter Gans unb wackelte mit bem Kopfe und klapperte mit den Zähnen (denn er hatte Furcht, der gute Mann), , weh, weh, ich weiß von nichts, meine lieben Freunde."

Mitnichten", sagte der Bürger,du bist nicht so ganz unwissend, denn ich sehe, wie du mit dem Kopse wackelst und mit den Zähnen klapperst."

Da trat plötzlich der Dekan Claefsens vor Gans hin und sagte:

Du Ketzer! Ich sehe es wohl, daß du Umgang mit dem Teufel hast, zum großen Schaden dieser wackeren Männer. Beichte demütiglich deine Fehler, und wir werden zusehen, Gnade walten zu lassen, so du es aber ableugnen willst, sollst du durch siedendes Del bestraft werden!"

- ia9*e Pieter Gans unter Tränen,ich hatte es wohl vor- ousgefagt, daß ich wurde gesotten werden, lieber Herrgott, Blaeskaek, wo bift bu, mein Gevatter, gib mir einen Rat, weh, weh!"

Aber Blaeskaek rvar behend entflohen aus Furcht vor dem Geistlichen. 9, .G - G?ie Pieter Gans,sehet den Verräter, welcher mich im Augenblicke der Gefahr verläßt."

Sprich", sagte U.H. Claefsens.

3a, Herr Dekan", sagte Pieter Gans unter Weinen unb Schluch- len'er6e ®ud> alles erzählen und nichts auslaffen. Gnädiger gerr! fugte er hinzu, als er feine Ausführungen beendet hattewenn Ihr Mich nicht allzusehr bestrafen wollt, so werde ich meine armseligen öuloen als ewige Rente der Kirche vermachen. Ich bin wahrer Christ ich versichere es und mitnichten ein Ketzer. Erwäget auch, daß ich nicht ver- sche,den mochte, ohne genügende Zeit zur langen Reue gehabt zu haben. Laßt mich daher nicht in siedendes Del werfen, ich flehe Euch an."

Äir werden schon sehen", versetzte der Dekan;führe uns jetzt Zur Stelle, wo dieser Teufel steht."

Als sie vor die Kirche kamen, ging Pieter hinein, Weihwasser zu holen, daraufhin alle Manner, Frauen und Kinder der Gemeinde, und sie zogen zur Trompete. 1 0 M

Dort erfragte der Dekan, wo der fei, der Unglück über f»viele wackere Manner gebracht habe; und Pieter Gans zeigte ihm gar demütiglich den Fausback, der da lächelte und in feiner Hand den mit Weinranken und Trauben gezierten Stab hielt, und die Frauen sagten nach längerer Be­trachtung, daß er für einen Teufel gar hübsch sei.

Der Priester bekreuzigte sich unb tauchte feine Hand in bas WeihwalfeM bestrich die Stirn, den Leib unb das Herz der Statue, welche durch d»-,. große Gnade Gottes unverzüglich in Staub zerfiel, und man vernahm eit» klägliche Stimme, die da rief:Oi, moi, 6 phös tethneka!1

Und diese Worte des Teufels wurden vom Priester erklärt, denn fi, jf bedeuten in griechischer Sprache:Weh! Hilfe, o Licht, ich fterbe!"

XIII.

Währenddessen sandte die Gemeinde zwei wackere Männer zum Herpj unb hieß sie, in gebührender Weise dem Fürsten zu vermelden, was fit), ereignet. Diese trafen ihn, wie er gerade auf dem Wege gen Uccle roat, denn er hatte durch seine Kundschafter den Plan des Eisenzahn vernomme^ unb er wanderte in großer Elle mit einer starken Reiterschar ihm entgegen

Sobald die wackeren Männer ihn erblickten, warfen sie sich ihm z» Füßen, aber der gütige Herr wollte es nicht dulden, hob sie auf und fies sie an seiner Seite gehen.

Plötzlich tarnen sie alle zur Stelle, wo die Räuber geschlagen roorikilt waren. Als der Herzog alle die Leichen liegen sah, hielt er oerwunieit t und voll Freude an:Wer hat denn diese Schufte getötet?" fragte er.

Unsere Frauen", sagte einer der wackeren Bürger.

Willst du mich äffen, Bürger?" sagte der Herzog unb runzlli . die Stirn.

Gott behüte uns, gnädigster Herr", fügte der andere hinzu,ich will | Euch bas Ereignis erzählen", und solches tat er denn auch.

Sieh da", sagte der Herzog,hätte man solches von den Fram geglaubt? 3ch will sie belohnen."

Und er ließ aufheben und forttragen den Helm des Eisenzahn, der fangt unter den Waffen unseres gnädigen Herrn Karl zu sehen war, denn ti war von ihn anbefohlen worden, ihn mit großer Sorgfalt aufzubewahrtn.

XIV.

Wie sie in Uccle eingezogen waren, sah der Herzog eine große Mengt Volks kommen, und unter ihnen einen Mann, der kläglich rief:D, Hcn, liebster Herr Pfarrer, laßt mich nicht fieben." Worauf ihm erwidert roucbt: Wir werden schon zusehen."

Woher kommt dieser Lärm?" fragte der Herzog.

Aber sobald Pieter Gans ihn bemerkte, eilte er auf ihn zu, umfing | die Knie seines Pferdes und rief:Gnädigster Herr, gnädigster Hak I Herzog, duldet nicht, daß man mich siede."

Und warum soll man denn mir einen der wackeren Männer r« j Uccle sieden?" fragte der Herzog.

Da trat sogleich U. H. Claessens vor, berichtete ihm den Sachverhalt iit großem Zorn, während Pieter Gans gar erbäumlich klagte; dies alkt unter großer Verwirrung, da der eine wimmerte unb greinte, ber anbtit berichtete unb folgerte, unb beibe also heftig, daß der gute Herzog nicht mehr wußte, auf welchen der beiden er hören sollte.

Wantje trat plötzlich aus der Menge, die mit Pieter (Bans:Gn«d! und Mitleid" rief.

Gnädigster Herr", sprach das Mädchen,dieser da hat viel gesündigt wider (Bott, aber aus Einfalt des Herzens und aus natürlicher Feigh-il. Der Teufel hat ihn erschreckt; er hat sich dem Teufel unterworfen. Verzeiht ihm, gnädigster Herr, um unsertwillen."

Mädchen", sagte der Herzog,du hast recht geredet, und ich will <iii| dich hören."

Aber U. H. Claefsens sagte:Gnädigster Herr, Ihr denkt nicht an (Beit' |

Ehrwürdiger Vater", erwiderte der Herzog,daran ließ ich's ui! fehlen, trotzdem vermeine ich, daß es ihm nicht recht ist, das Fett eiw» i Christen braten unb bas Fleisch eines wackeren Mannes sieben zu sehE sonbern bah er bie liebt, die da barmherzig find und ihren Nächsten nist vom Wege der Reue abhalten. Ich will nicht, wo heute unsere helliM Jungfrau Wunder zu tun geruht hat, ihr Mutterherz durch das Hinscheidn eines Christen betrüben. Daher soll keiner der Angeklagten, weder PietiiH Gans noch die anderen, für diesmal verbrannt werden."

Als dies Pieter Gans vernahm, lachte er laut auf wie ein Narr unlW Hub an zu tanzen unb zu fingen unb rief:Gelobt sei unser gnäbigfO Herr! Ich werbe nicht gefiebet werben. Ein Heil bem guten Herzog! llnll alle Bürger riefen mit ihm:Gelobt sei unser gnäbiger Herr!"

Da hieß sie ber Herzog schweigen unb sagte mit lächelnbem AnllM

Ihr Frauen, bie ihr biefe Nacht Männerhanbwerk verrichtet Hadi« kommt her, auf baß ich euch Männerlohn austeile. Der wackersten oörberft gebe ich biefe schwere gülbene Kette. Wer ist bas?"

Die Frauen schoben Wantje vor ben Herzog.

Ah, bu bift es, ber artige Sprecher. Willst bu mich küssen, ber iH boch alt bin?"

Ja, gnäbiger Herr", sagte bas Mäbchen. Unb sie tat es, obg(«t| voll Scham.

Unb ber gute Herzog legte ihr bie Kette um den Hals unb fuhr in 1 seiner Rebe fort:

Euch alle aber, ihr guten Frauen, bie ihr so wacker biefe Nacht ffl ] kämpft habt, vereine ich zu schöner Schwesternschaft, unter bem Schuhe dtt ; heiligen Jungfrau, unb ich wünsche, baß hier eine Stange von gebüfjrenS« ! Länge errichtet werbe, unb baß ihr jeben Sonntag hierher kommt unb tW bem Bogen schießt, zum Gedächtnis, daß ihr eure Männer und eure Kind« A vom Tode errettet habt. Und es wird ein schöner Lorbeerkranz und eiinl schöne Börse voll glänzender und wohlklingender Goldpeter beschafft werd»" welche der Gewandtesten eines jeden Jahres gegeben und ihr durch »jlk j anderen auf einem Kissen dargebracht werden sollen. Unb bie Börse u>«r( | sie ausftatten, so es eine Jungfrau ist, unb wirb ihr eine Abwehr oMj Not sein, so sie verheiratet ist."

So warb bie Schwesternschaft ber Schützenfrauen zu Uccle gestiftet, b' | gleich Männern an jebem Sonntag ben Bogen spannen unter bem Schmal ber heiligen Jungfrau.