Ausgabe 
18.4.1932
 
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icroöhnlid) aber an einer Schnur auf ben Rucken herabhangen ließen. hje tofettcre Aera des Praxiteles kennt bereits eine spitze, deckelartige Lpfjier die pikant auf der hohen Lockensrisur balancierte und be- ionbers 'den Tanagrafigurp« einen mondän-graziösen Reiz verleiht. Die ömische Matrone trug in der Zeit der Republik züchtig nur den Soleier und erst in der entarteten Epoche der Kaiser erscheinen die tahllosen Frisurengebäude, Kopsputz der raffinierteften Art, unter dem leit Neros Tode der 5)ut eine wichtige Stelle einnimmt. Die dreihundert 'iopftrachten, mit denen die Gemahlin Marc Aurels paradierte, zeigen, «eich hohen Wert vornehme Frauen aus diesen Teil der Toilette legten. »;ie aber ist der Hut in der Antike bei den Frauen zu einem so not­wendigen Element der weiblichen Kleidung auf der Straße geworden, wie er es bei uns ist und wie er es bei den Mannern schon damals war Ueberhaupt hatte die Herrentracht in Hutsormen sehr lange die Rührung [o daß die Frauen ihre Kopfbedeckung von den Mannern übernahmen wie den Federhut in der Renaissance ober den Filzhut m der Rembrandtzeit ober den Zylinder in der Kongreßepoche. Viel­fach stand der Kopfputz in engstem Zusammenhang mit der Frisur, wurde im Salon und 'beim Ausgang ganz gleich getragen, Hauben, Mantillen und Spitzenarrangements stritten lange mit ihm um die Herr- fchas, und bis weit ins 19. Jahrhundert hinein war es Mode, auch für nie feinen Damen unserer nördlichen Lander, mit einem Kopstych ober einem Häubchen auf der Straße zu erfcheinen, eine Sitte, die im Ro­manischen ja auch noch heute anhält.

Die germanische Frau schmückte sich, wenn sie nicht zum Zeichen ihrer Mädchenschaft barhaupt ging und stolz ihre Zöpfe zeigte mit nner i. einfachen Linnenhaube oder bei festlichen Gelegenheiten mit demed)a= Del" einem schmalen Goldreif oder auch Streifen aus buntem Zeug, her 'bei den Vornehmen durch Verzierung mit Edelsteinen und Perlen, durch blumenförmige RofeNen und Zinken zu einer kleinen Krone wurde; allmählich tarnen direkteGoldhüte" auf, schwere Diademe, die die ganze Frisur bedeckten. Doch zogen die Damen der Ritterzeit solch prunkend offiziellem Schmuck vielsach köstliche Blumengewinde vor. Der aus -Bluten und Zweigen des Gartens künstlich geslochiene Schaferhut, der als kurze Zier des Sommers besondere Freude entsesselte, war hauptsächlich Sdnmuf der jungen Mädchen; ältere Frauen setzten Hute aus Samt und Pelzwerk auf, die im 13. Jahrhundert recht breitkrempig wurden und auch von den Jungsrauen begehrt waren. Doch wenden (id) bie Dichter des Minnesangs sehr scharf gegen diese österreichische Mode, weil von einem hübschen Gesicht bei solch breitem Rand nicht viel zu sehen war. Als eleganteste Kopfbedeckung der Ritterzeit galten die Pfauenhüte"; sie wurden mit den Spiegeln der fBfauenfebern belegt gefüttert und mit Schnüren zum Festbinden versehen, die feinsten kamen aus England. Auch sonst wurden schon Federn zur ©armerung des ) Im 14. Jahrhundert weichen all diese Kopfbedeckungen einer hohen Haube, die wohl in Frankreich zuerst aufkommt, bann wichtiger Teil der burgunbischen Tracht wird und nun auch in Deutschland sich em- bürgert. Die Frauen lassen sich bas Haar ganz aus der Stirn streichen, ja sogar bis hoch auf den Kops hinauf ausreißen, rasieren d'e ^ugem brauen ab und geben so dem glatten Gesicht jene spitze, nach oben drängende Richtung, die in eine möglichst hohe kegelförmige Btuö aus­lauft'. DieserHennin", wie ihn die Franzosen nannten, die ^ornljaube, ift bei Edeldamcn wenigstens einen Meter hoch, Burgersrauen müssen sich mit einer Länge von 50 bis 60 Zentimeter begnügen. Dazu kommen noch ellenlange Schleier, mit denen die Hauben dr a p > ert werden. Diese spitze Mütze verbindet sich dann in den 90er Jahren des 15. Jahihunderts mit einer" schon früher getragenen Sjaubenform be über bem W«r- kops mit Draht gestützt wird und dadurch breit ausgebauscht erscheint. Der Kopfputz erhält dadurch einen breiten Unterbau der in ein ge. mattiges Horn ausläuft, und die ganze ungeheuerliche Auftürmung wird durch eine breite Kinnbinde festgehalten. Dazu w'-rden noch gewaltige Kissen auf die Köpfe gelegt, die mit Schleiern umspannt waren fo bafc sie großen Segeln glichen und die Damen nur seitwärts durch die Türen gehen konnten. In einem interessanten Modenbiw hat uns Dur r Lehrer, Michel Wolgcrnut, die Kopfputze dieser Zeit aufbewahrt da sehen wir die ungeheuren, turbanartig umwundenen Wen b äroen, drei- und mehrzipfeligen Kappen, die sich schnorkllg und mit b,zarren Verzierungen um die Frisur herumwindenden Kopstucher, die fpitzen Riesentegel, von denen der Schleier bis herab aus die - ~ ,

Bußprediger eiferten natürlich gegen diese Mode, m der der Teus gar zu deutlich seine Hörner aus dem Kopse der Mo'^r heraussteckte^.

Das nützte aber nicht viel, denn die Flauenhandelten 1

spiel der Schnecke, die, wenn man vorbeigeht, die $°rn'r ber

wenn sie nichts mehr hört, sie wieder .hervorstreckt "nd sobald der Prediger aus dem Lande fortgegangen war, vergäße f

und nahmen ihre alte Tracht wieder auf, ebenso und selbst noch großer, als sie sie srüher zu tragen gewöhnt waren.

Aber weder frommes Eisern noch strenge Kleiderordnungen dw z^- nur den Edeldamen Samt und Seide für den Kopspu den Br g^ rinnen schwarzes und rotes Tuch erlaubten, konnten Hs > b(?r

Mode selbst vermochte die tollen Geiswr, bie fie 9C1 f ' (r .^ien von den Frauentöpsen und aus den grauentopfen J niebr

Anfang des 16. Jahrhunderts erscheint ec, allmählich» als n,cht mehr elegant, Hörner und Hauben zu tragen. Filz-^unb B - ,

die Männer tragen, werden auch von den iiraue

©drückt. Das von reichem Federschmuck umwallte Gunst

modern. Die Straußenfeder, die sich seitdem immer r i ...

der Damen gesetzt hat, tritt als schönster Schmuck auf 3una<W dieser kostbare Schmuck nur den reichen Damen und jeneng f g^ Schönen vorbehalten, die sich sd;on damals ihre T ... bealei= ließen. Durch die fahrenben Weiber, die die Landsknechtsheere . teten, ist die Mode ja Überhaupt wohl ausgekommen^Be> Lucas ^ anaih und Bernhard Strigel lachen uns solche Frauen mit schieß g lch^ Federbarett an, um 1520 aber scheint der Federhut ) ) . hot

lachen Ständen ganz verbreitet' gewesen zu fein. L

eßen. Do; ben, piü 1 grauet oft ta eurer fr- jjflt reO tziedl«!

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sogar ein Dienstmädchen mit einem Federbarett am Waschscha,s darge- siellt Die abenteuerlustige, am üppigen Schmuck und freien Leben sich erfreuende Renaissance-Zeit treibt so auch in den Hüten ihr Spiel.

Die spanische Mode macht dieser malerisch frischen Kopstracht ein Ende, und sie ist seitdem nur wieder ausgelebt, wenn man sich an die Re­naissance anschloß, fo in dem sog. Rembrandthut, den die Frauen des Rubens häufiger als die Rembrandts tragen, der eigentlich nur feine Saskia mit einem solch breiten Hut geschmückt hat, bann bei den ge­schmackvollen Damen Gainsboroughs, in den ritterlich gestimmten Bil­dern der Romantik und in demRembrandthut" der 80er Jahre des 19. Jahrhunderts. Die spanische Mode bringt eine runde, häusig schief aus dem Scheitel sitzende Kappe, die zu dem eng und glatt gepreßten Haar paßt; dem nonnenhasten Charakter der Zeit entsprechend treten Bcghinenhauben und rundliche Stofskapuzen mit langen Schulterkragen auf. Die geschmackvollste Ausgestaltung findet diese Mode in der sog. Stuarthanbe", die fiel) mit ihren feinen Spitzeneinsassungen in schon geschwungenen Linien und das an den Ohren gepuffte Haar legt und häufiü mit ber fteifen ^Qlsfrouje und auch mit dem Mnntel in binöung gebracht wird. Die Zeit Ludwigs XIV. verbannt eine eigentliche Kopfbedeckung überhaupt aus der Toilette und fchafft in der Fontange ein Gegenstück zur Perücke, bei der der gewaltige hutartige Spitzen- aufputz mit den zu plastischer Darstellung aller möglichen Gegenstände entarteten Coisfüren unlöslich zusammenhängt. .

Die niedrigere Haartracht des Rokokos gewohnt sich allmählich wieder an den Hut;'er trennt sich in der Zeit der Marie Antoinette, die bie kostbarsten und überladensten Aufbauten über dem Haar liebte, wieder von der Frisur. Die Revolution entsesselt alle Kobolde der Huttracht; antike Helme mit Girlanden von Lorbeer harmonieren mit der griechi­schen Tracht; dann erscheinen pikante Tagues und Baretts, bei denen eine Feder oder ein Palmenwedel aufs linke oder rechte Auge meder- fiel; romantische Turnierhelme aus schwarzem Samt erinnern an die Schwärmerei fürs Mittelalter und bilden den Uebergang zur Schute, bie nun auf lange die wichtigste Hutsorm wird. Sie ist bald lang wie em Ofenrohr; steht bald breit aufwärts wie zwei gigantische Scheu­klappen hat bald einen flachen langen, bald einen hohen, schmalen Rand und rückt schließlich immer mehr in den Nacken, bis sie von dem winzig kleinen Kapotthütchen abgelöst wird. Damit wollen wir unsere Betrachtung abschließen und uns nicht mehr in das Chaos der Hut­sormen nach 1870 hineinwagen, die uns zum großen Teck noch heute oder heute schon wieder vor Augen stehen.

Karlsbader Novelle.

Bon Erwin Guido K o 1 b e n h c y e r.

Copyright by Verlag Georg Müller, München.

(Fortsetzung.)

Er meinte, als sie unter der Kirchenstiege an dem Häuschen voruber- komen aus dem die Salzpfannen dampften, die ihrem Doktor Becher so viel Mißgunst seiner Mitbürger eintrugen:

Man soll nicht allzuschwere Philosophie an bie Leute "»enden, lieber Goethe. So lange sie einem Handwerk treu bleiben werden sie sich n d)t an das Fremde verlieren. Handwerk ist auch em Stuck Boden subtcker, imaginärer vielleicht als der, über den der Pflug geht, aber doch auch C,KIto'berichtete Goethe seinem Herrn, indes sie auf dem Platze vor dem Spriidelsaale langsam auf und niederschritten, um noch eine kurze Wecke hinzubringen, von den Widerwärtigkeiten, die man dem berühmten Arzte und Gelehrten bereite, dessen Dach sie sehen konnten, und er kam zu etwas von der Leichtfertigkeit des Spieles, das eine geheime Angst über­deckt, an die niemand rühren möge. Wir gehen hiernid)t auf Selsgrunb ober gewöhnlichem Boden, wir gehen auf einer Tofffchale, die ver damm niidie Quell sieb selbst überwölbt hat. Sehen Sie unter bem Steg, ein Balken- und Mauerwerk im Fluhbette. Man sucht den Ouellgeist ein- ziimauern, sein Gewölb vor Erosion zu bewahren daß es nicht allzu dünn werde. Und doch ist man seiner nie Herr und f^er geworben. Da, Cimeih rahllofer Schock Eier hat man unter ben Kalk gemengt, ein Zement besonderer Festigkeit zu gewinnen, aber aller Kitt "erjagt Da iieru hie aeheimste Angst dieser Bürger, die nie erlischt. Und eine andre, 3 m nd r quälende: es könnte ber Zuzug der Gäste stocken ober ver­bogen, die andere Quelle des Wohlstandes, ebenso ungewiß und-wed, heiße Wasserader einem unlentbaren ed)icf|a!e überantwortet. Seit Doktor Becher hier Salz siedet, ist man hmter ihm her, und 'will d'e Bürger beruhigen, lieber ben Salzverschleiß und seine Ausfuhr ftecte tie die Köpfe heimlich zusammen, weil weder tätliche Bedrohung noch Schmähschrift und Beschwerden fruchten, denn der Doktor hat seine erlauch- trn ^Liine^m Wiern^^ bo$ ga[,i)aii5 sehen, »nd Goethe wZcsden Lakaien an, der ihnen gefolgt war, daß er von dem Doktor den 'edyluffel unb eine Person verlange, bie ihnen zur Ertlarung dienlich sei.

Im Sudhause lag ein verdecktes Wasserbehaltnis, etliche Ellen lang und breit eine Elle "hoch, aus Brettern ^gefugt. Zehn mäßig-große, ver­bleite Blechkessel waren in ben Deckel eingelassen und genau angepafcL das ständig zu- und abströmende Sprudelwasser, bas sie umspülte, )oU e nicht erkalten. In den Kesseln, von einer leichten Kalkhaut bedeckt, dampste 605 EG Kesst? verdampfet in Tag und Nacht zwanzich Seideln, des gibt >mo" Lot Salz, alsdann geben alle zehen auf ein Jahr dntthalbhunnat Lot" erklärte der Diener des Doktor Becher, sehr um eine wohlgefetzte Spräche bemüht. Doch er setzte vertraulicher hinzu:Des is fei a Brockn Geld halten zu Gnaden, bie Herrn Exzlenz.

Sie hielten zu Gnaden, gaben ein Trinkgeld und entfernten stch unter weiteren Betrachtungen über die sonderliche Natur des Sprudels und ber Menschen, bie er aus seinen Karlsbadern gemacht hatte.