Erudition wurde ausgerüstet, Flugzeuge kreuzten über Gebirgen und Wäldern um das Versteck Sandinos auszukundschaften: aber wenn d>e Ntn>-banie'rikaner es am wenigsten vermuteten, brachen die Frcischaren Rnnhinne nus einem Hinterhalt hervor und brachten den Truppen schwere Verluste bei. Dann verschwanden sic wieder, verstreuten sich m, Urwalde nVrfWton tick in flöhten in Indianerhutten und waren doch jeden -Hugen- 6*3 bereit] bem Ruf des Führers zu folgen und wieder m den Kamps 3“ Sibino kennt keine Verräter, obwohl sein Llnhang bunt genug zusammengewürfelt ist. Zu Sandino stohen nicht nur fanatische, opferwickge Vatricken aus Mexiko, Zentral- und Südamerika, sondern auch G ucko- lncker und Desperados aus aller Herren Länder. Ein früherer deutscher Ofsirier ist einer seiner strategischen Berater, ein Spanier ist sein Ae-iutant, und chqar ^einige Nordamerikaner, denen der Boden in der Henna u beiü geworden ist finden sich in feinen Scharen. Hinter Sandino stehen aber noch andere Kräfte, nämlich über ganz Lateinamerika verbreitete uankecfeindliche Organisation der „Apra", d,e den spanisch-mdlamsehen Rasseqedanken in den Vordergrund ihrer Bestrebungen stellt. Reichnch fliehen von allen Seiten General Sandino Geld und Massen zu.
Ueber San Salvador hängt der Schatten Sandinos. Eine Revolution ist ausqebrochen nordamerikanische Kriegsschisse ankern nn Hasen, bereu, Truppen zu landen. 5000 Tote sollen den Boden bedecken Die Parole der Aufständischen lautet: Tod den fremden Ausbeutern Tod ihren Dienern, die iick in den Sold des Dollars gestellt haben und ihr Land verraten. Ueber 200 der besten Kasfeeplantagen und über 1000 Quadratkilometer Bananenpflanzungen in San Salvador und Guatemala gehören den Nordamerikanern, der allmächtigen Fruit Co. in New Orleans, deren schneeweiße Dain'pser die kleinsten Häfen Mittelanierikas anlaufen. Die Indianer aber, die als Peone und Halbsklaven auf den Plantagen arbeiten, wachen aus ihrem Fatalismus auf, ihre wilden Instinkte werden geweckt, sie hören den Freiheitsruf und lehnen sich gegen ihre Herren auf E n Drama spielt sich dort unter dem glühenden Himmel der ^open ab, em Drama, über dem soeben erst der Vorhang aufgezogen ist. Es ^nwchch, das, der Funke der Revolte auch in den anderen Staaten, in Costa Rica und Panama zündet, denn überall sind die Bedingungen dieselben, und nur Kirchturminteressen der jeweils herrschenden Präsidenten und unnatürliche Grenzen scheiden die Länder voneinander. Die Indianer beten zu ihrem Gott „Mundo", und die Medizinmänner versammeln sich auf den Gipfeln der Krater, bringen ihre nächtlichen Opfergaben dar um aus der Fronherrschast erlöst zu werden, in der sie nun durch Jahrhunderte geschmachtet haben — aber schließlich sind cs weder die Indianer noch die spanischen Kreolen, die das Schicksal ihrer Heimatländer bestimmen, sondern es sind die mächtigen Nordamerikaner, deren Kriegsschiffe bete.tu im Hafen von San Salvador ankern.
Go machen es die Chinesen.
Von Norbert Jacques.
Als Anfangs des 16. Jahrhunderts England und Portugal nut Gewalt China ihrem Handel eröffnen wollten, haben die Chinesen mit Hilfe ihrer Gilden und Geheimbünde sich abgeriegelt, und noch heute kann der fremde Kaufmann nur mit Hilfe des chinesischen Mittelsmannes, des Compradors, auf den chinesischen Markt gelangen. .
Gegen die Japaner aber hatten die Chinesen in dem letzten Zeitabschnitt diesen Abschluß bis zum Boykott verstärkt. Dieser Boykott wurde für Japan ein willkommener Vorwand zu dem begonnenen Versuch, mit Kriegsgewalt sich in den Besitz der Jangtsemündung zu setzen und damit China zu einer Art Kolonie von Japan zu machen.
Der Widerstand, das Feuer, die Verbissenheit, mit der die „Mittelalterlichen" Chinesen sich gegen die „modernen" Feinde wehren, hat uns in Europa überrascht und mit Genugtuung erfüllt, denn row haben stärkere Bindungen an den Adel der chinesischen Kultur, als an das Emporkommcnwollen der japanischen Wirtschaft, und es wird jetzt wieder viel gefragt: „Wer sind die Chinesen? Was sind sie?
Ich möchte zur chinesischen Psychologie einen Beitrag geben, zusammen- qelegt aus Betrachtungen, die ich auf einer Reise durchs Innere bis an die Grenze des Tibet gefanimelt habe. Zunächst erstaunt dann uberra cht, dann gepackt und geradezu beklommen, stellt der fremde Reifende fest, daß die Chinesen alles anders machen als wir. Wohl zeigt manches Nicht den Unterschied des Wesens, sondern nur einen solchen von Entwicklung und Zeit wie etwa der hohle über Wasser ausladende Bau der Schisse, die unserem mittelalterlichen Schissbau noch angeglichen sind. Aber die Gegensätzlichkeiten reichen meist über diese Gebundenheit hinaus. Um bei grundlegenden Dingen anzufangen: ,, _..
Dcr-Chinese baut das Dach vor dem Haus und macht die Türen rund. Er kleidet sich von innen nach außen, d. h. er zieht gegen die Kälte nicht Kleider unter die Kleider, sondern drüber. ..
Immerhin vermag man in diesen beiden Tatsachen Grunde der Herkunft zu erkennen. Unter dem fertigen Dach ist das Weiterbauen geschützt. An einer runden Tür stoßt man sich weniger leicht cn, als an einer eckigen. Zieht man die Anzüge übereinander, statt Hemden, Jacken ufro. unter den Anzug, so kann man auch in der Gesellschaft im Handumdrehen (eine Kleidung der Temperatur anpasscn. Weshalb der Chinese auch sagt: Es ist drei ... vier Kleider kalt. Aber schon die Sache mit der Hose geht gegen unsere Ordnung, denn in China trägt die Frau die Hosen sichtbar, der Mann aber immer einen Rock drüber.
So widersprechen auch fast alle gefellschastlichen Sitten den europäischen. Ein Chinese sagt zum Beispiel nicht: Mein Onkel der General Peter Schmidt, sondern Schmidt Peter, General, mein Onkel. Beim Grüßen schüttelt er sich selber die Hand. Empfängt er Gäste in feinem Haus, so setzt er sich rasch die Mütze auf, zieht allerdings die Brille von der Nase. Der Diener schreitet ihm stets voran. Der Gast findet seinen Ehrenplatz an der linken Seite des Hausherrn. Beginnt er aber die gereichte Tasse Tee wirklick zu trinken so wird geglaubt, er habe genug, unb man befiehlt den Tragstuhl. Beim Wettspiel im Klub muß der Chinese trinken, der verliert. _____
Vor Ostern.
Don Richard von Schaukal.
Ich bin am-Bach gewesen. Er ist stumm, Sonst ging der Schnee in (einem Rieseln um. Die Bäume stehen noch ganz starr und nackt, sie ächzen, wenn sie nachts der Sturmwind packt. Im Garten aber längs dem Gittertor strebt an der Hecke grüner Hauch hervor.
Und manchmal zwitschert's so vom Hang ins Haus, als richteten sie eine Botschaft aus.
Und Primeln find schon da und Veilchen auch, ■ es duftet leise nach bescheidnem Brauch.
Die graue Lust ist leicht und dürftig-rein: es kann nicht mehr so weit zum Frühling sein.
Land der Abenteuer.
Von E. v. Ungern = Sternberg.
Alljährlich kreuzen Hunderte von Dampfern Über die Wasserbrücke zwischen dem Atlantischen und Stillen Ozean. Die Passagiere sehen das bunte Sieben von Panama, bewundern die ie^nischeu Wunder der Schien-. [en bei Gatun, werfen einen Blick aus die Pracht der .ropischen Walder, an denen sie vorbeifahren, auf die Kaffeeplantagen, die Europa die kostbarsten Sorten liefern, unb gleiten dann wieder m die Unendlichkeit des Ozeans hinaus. Zentralamerika, das Land der Indianer, das Land der Abenteuer mit seinen Revolutionen und blutigen iZreihelts- kämpfen, Hai sich ihnen nicht erschlossen. .
Freilich wenn der Fremde nach Guatemala ober nach einem der anderen Kleinstaaten Mittelamerikas kommt, so merkt er wenig davon, daß es eigentlich die Indianer sind, die die Grundbevolkerung bilden, er fiebt sie als Arbeitssklaven auf den Plantagen, sic erscheinen ihm geistig träge unb sinb in der Nähe der Kulturzentren dem Alkohol verfallen Hier wirkt, wie auch in den anderen ibero-amenkanifchen Landern, noch immer die Einstellung der früheren Konquistadoren nach, die die eingeborenen als „Oente sin Razon“, als Menschen ohne Vernunft, betrachteten unb behandelten. Weiter ober im Hochland, im Dickicht der Wälder kann der Besucher noch manches Lederstrumpfabenteuer erleben. Der letzte große Jndianeraufstand gegen das Fronjoch der Weißen unb Ladinos fand 1898 statt. Die Chujindianer überfielen Hunderte von Weißen, banden sie an den Marterpfahl und ermordeten fie. Das Straf« bericht war furchtbar, jo blutig, daß die Indianer seitdem keine größere Erhebung wagten. Und doch, nach 1917 fielen mehrere Weiße, darunter auch zwei Deutfche, Klaudius Bornholt und Otto Kreß, einem UeberfaU der Indianer zum Opfer. Sie hatten eine Besteigung des Vulkans Santa Maria in Guatemala unternommen, auf dessen Gipfel die indianischen Zauberer und Medizinmänner ihre Versammlungen abzuhalten pflegten, hort hatten die Weißen einige dem Dämon Sejemit geweihte Gerate in Unordnung gebracht und dadurch die Rache der Indianer heraufbcfchworen. In der Nacht wurde die Gruppe von Indianern überfallen und überwältigt.
Die indianischen Dpferftätten findet man über ganz Mitteiamerika, meist in unzugänglichen Wald- und Gebirgsorten, verstreut. Oft befinden sie (ich am Fuße eines Kreuzes, das hier sowohl ein altes heidnisches, als auch ein christliches Symbol ist. Reste von Blumen, von Maiskörnern und von geschlachteten Tieren, die dem „Mundo", dem Gott der Welt, geopfert werden, liegen auf den Stätten umher. Der „Mundo' gilt als ber höchste Gott. Es ist schwer zu ergründen, ob die Indianer damit eine konkrete Vorstellung eines göttlichen Wesens verbinden, oder ob es sich nur um eine formelhafte Zusammenstellung einer Mehrzahl göttlicher und dämonischer Wesen handelt, deren individuelle Namen den Nichteingeweihien unbekannt sind Gefürchtet ist der Dämon Sefemit, der einäugig mit nach vorn gerichteten Fersen dargestellt wird. Seine Farbe ist rot Mit einem Knüppel im Arm durchreist er die Wälder und sucht die Menschen ein« zufangen um sie zu fressen. Er soll in Penon de Siquinala in einem unsichtbaren Palast leben. Auch bei der Finca „El Porvenir" besitzt der Dämon in einem hohlen Felsen ein goldstrotzendcs Schloß, aus dem in der Nacht Hundegebell und Glockenläuten ertönen. Dann lauschen die Zauberer den seltsamen Klängen und wissen, daß ihrem Stamme Unheil droht.
Herren der mittclamerikanischen Staaten sind nicht die eingeborenen Indianer sondern die Kreolen spanischer Abstammung und die Mischlinge, Herren sind aber vor allem die Nordamerikaner, die über sechs Milliarden Dollar in Plantagen, in Banken und in Bananenhainen investiert haben, deren Agenten allerlei Waren und Tand in das Gebiet der bedürfnislosen Indios einführen ihre Gier wecken und sie in Schuldabhängigkeit zwingen. Man trägt in Washington der Liebhaberei der Kreolen, Verschwörungen anzuzetteln und Präsidentenwechsel vorzunehmen, Rechnung, jedoch nur solange die eigenen Interessen nicht darunter zu leiden haben. Dann wird rücksichtslos durch Landung von Marinetruppen und durch andere Gewaltmittel Ordnung geschaffen. Panama und Nikaragua sind dafür ein beredtes Beispiel, denn der Präsident in der Hauptstadt Managua hält sich auf [einem Sessel nur im Schutz nordamerikanischer Bajonette, und nord- amerikanische Truppen bringen tief in die Djungeln und Urwälder ein, um den legendären Freiheitshelden Mittelamerikas, General Sandino, zu fangen.
Es sind bereits vier Jahre darüber vergangen, daß die Vereinigten Staaten von Nordamerika ihre Marinetruppen in Managua landen ließen, Puerto Cabezas besetzten und den Präsidenten Diaz zwangen, ihnen die alleinige Konzefsion auf das Graben des Nikaraguakanals, parallel zu dem Panamakanal zu gewähren. Damals war es, daß sich General Sandino gegen die fremden Eindringlinge auflehnte, eine Schar kühner Abenteurer um sich sammelte, in die Urwälder zog unb nicht eher Frieden zu geben versprach bis ber letzte Nordamerikaner aus Mittelamerika vertrieben ober vernichtet sei. Ein blutiger Guerillakrieg begann, Expebition auf


