Ausgabe 
17.10.1932
 
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Der Diener reichte Ehesinspektor Derrmg eine Visitenkarte.

Simon Ashley, P. D. D.", tos der Inspektor.Lassen Sie den Mann kommen!" ...... £ s.

Ashley hatte mit dem Inspektor eine einstundige Unterredung.

Also, morgen bei der Generalversammlung", sagte er abschließend. Sie können sie alle aus einen Schlag fassen ... so viel mir bekannt ist, wurde auch für die Aushebung des ,Micks der Glühwürmchen eine Be­lohnung von 5000 Dollars ausgesetzt; ich denke, es steht außer Frage, ^^Sttißer Frage! Uebrigens, Mr. Ashley, roas haben diese drei Buch­staben hinter Ihrem Namen zu bedeuten: P.D.O.?"

Private Detective Office ... wenn ich ganz offen fein soll, besteht von ' meinem Privatdetektivinstitut vorläufig nur diese Visitenkarte. Ich brauchte zur Einrichtung des Büros 5000 Dollars. Ich glaube, ich habe sie mir ehrlich verdient."

Die Stille wurde unheimlich. Man hätte eine fallende Stecknadel hören ^Simon Ashley ließ sich in einen Fauteuil sinken und musterte neu­gierig den fünfgliedrigen Dorstand derGlühwürmchen .Die Spitzen der Unterwelt von Denver, schätze ich?"

Fünffaches kühles Kopfnicken.

, Well, meine Herren, Ihr Bote hat mich erreicht. Die wollten mich sprechen. Hier bin ich. Was wünschen Sie von mir?''

Wir hatten da neulich eine nette Probe Ihres Könnens ... begann Jim, die Krähe, sehr formell und hüstelte.

Denke wir arbeiten künftighin zusammen? unterbrach ihn Simon Ashley mit verblüffender Offenheit, und der fünfgliedrige Vorstand der Glühwürmchen" atmete erleichtert auf.,

Das war auch unser Vorschlag ..."

Gemacht! Was biegen wir also in nächster Seit?

Simon Ashley erwies sich als Mann von Initiative und erstaunlichem Ideenreichtum. Binnen kurzem war ein Arbeitsprogramm für die nächsten Wochen ausgearbeitet. DieGlühwürmchen" strahlten.

, Und daß Sie morgen bestimmt kommen", beschwor man Ashley zum Abschied.Wir werden eine Generalversammlung einberufen. Alle Glüh­würmchen sollen Sie kennenlernen."

Sie können sich auf mich verlassen."

Walfänger.

Von Hans Friedrich Blunck.

Unter alten Angehörigen erzählt man sich noch oft die Geschichte vom großen Jauberwal, den ein Verwandler von mir bei Spitzbergen gesichtet und harpuniert hat. Er hätte darüber beinahe -den Weltuntergang ver- I schlafen, und das ist so gekommen. t ,

Es mag um die zwanziger Jahre des letzten Jahrhunderts gewesen I sein, als in unferm Land ein geistlicher Redner aufstand, der Gesichte I hohen wollte und im Eifer um das Seelenheil seines Völkchens wieder I einmal den großen Weltuntergang wahrsagte ganz genau auf einen bestimmten Tag im Herbst voraussagte. Es war eine ärgerliche Ge­schichte für die Glückstädter Walfänger, die damals eine große Flotte von zwanzig Schiffen hatten und damit just nach Spitzbergen segeln wollten, nun aber von ihren Frauen zu hören bekamen, daß es besser sei, den Sommer mit Büßen und Beten zu verbringen.

Nun, daß alte Schiffer sich da gegen allen geistlichen Rat entscheiden, bedarf kaum der Erörterung. Aber jener Künder des Untergangs muß doch ein gewaltiger Kanzelredner gewesen sein und die Menschen recht- chasfen erschreckt haben. Biele Leute gingen in sich, die ärgsten Lieder- ahne übten die Einkehr und auch die Walfahrer bestiegen bedächtiger als | : onsk ihre Boote. Und sie strichen sich voll Unbehagens den Tag im Kalender an und versprachen ihren Frauen, sie würden ihn für alle Fälle nicht ohne ein gutes Gebet verbringen, um des Seelenheils sicher zu sein.

Es scheint ein guter Sommer für die Walfahrer gewesen zu sein, sie machten reichliche Fänge, sie hatten auch Frischwasser und Branntwein genug an Bord und kreuzten lange unter der grönländischen Küste und am Rand des Packeises hin und her. Gegen Herbst segelten die Gluck­städter noch einmal in die sog. Hamburger Bucht auf Spitzbergen, weil die Wale sich um die Zeit östlich unter Land drängen, vielleicht auch, weil man dort auch Schisse aus Emden und Bremen anzutreffen hoffte, die vielleicht schon mehr über den bezeichneten Weltuntergang gehört hatten. Denn auch .die anderen Walfänger wußten davon, und wenn der jüngste Speckkoch grohmaulte, 6er liebe Gott würde sich, mit dem geist­lichen Herrn allein begnügen, überdachte doch dieser und jener nicht ohne Sorge seine bisherige" Lebensführung. Dabei geschah es wie oft ein großes Unglück von einem kleinen Unheil angekündigt wird daß ein früher Herbststurm einen Gürtel von Packeis vor die Hamburger Ducht schob und die meisten Schisser zu unfreiwilliger Ruhe und müßigen lieber- legungen zwang. ,,, . ,,

Nur Walfänger, die der Sturm noch vor der Bucht überrascht hatte, blieben im offenen Fahrwasser. Sie hielten sich nahe der Eisbarre, um, wie es im Nordmeer Gesetz ist, die Mannschaft von den eingeschlosfenen Schiffen zu übernehmen, wenn es ihnen nicht mehr gelingen sollte, vor Einbruch ins freie Wasser durchzubrechen. Auch dieGoodefahrt" auf der mein Vorfahr, Utwey, angeheuert war, hatte das Glück, in offener See zu liegen. Die Mannschaft benutzte die Zeit, um zum letzten Male und ohne Mißgunst anderer auf Wale auszuschauen. , .

Nun wurde gerade in jenen Tagen auf derGoodefahrt einer der Harpunierer krank und Utwey, der von großer Leibeskraft gewesen sein muh, wurde mit dem Wurfspieß an di« Spitze einer Schaluppe gestellt. Die Walschiffe jagen nämlich nicht selbst, sie schicken ihreSlupen" aus; auf jeder dieser Slupen ist ein Harpunier, der den Kamps mit dem Wal aufnimmt damals war es noch ein Ringen zwischen Riefen und Men­schen, was heut« nichts als ein Abschlachten mit Sprenggeschossen ge­worden ist.

Nu jener Jett war der mächttge König Wal auch noch mit hundert Sagen umwoben; da waren di« wilden Schwestern, lüstern« Lustweiber, die di« wackeren Walfänger vom Fang abzulenken suchten, da waren di« Bannhunder, die übers Meer liefen, da war zumal der König Zauberwal, den man ungeschoren lassen soll, ein riesiges uraltes Tier, moosgrün überborkt, mit hundert Spiren zerbrochener Harpunen auf dem Leck, Jeichen früherer Siege über den Menschen.

Ein wenig spät, erst rund eine Woche norm Weltuntergang war es, daß Deert Utwey Harpunier geworden war; nun lauert« er um so hart­näckiger auf den ersten Wurf. Und wenn er auch nicht so bald Gluck haben sollte eines Abends, als er schon zu seinem Schiff h^imkehren wollte, das wie eine kleine Mott« unterm Packeis lag spat abends geschah es, daß auf Wurfweite norm Doot das M««r sich hol' und ein ungeheurer Kopf wafferfpeiend auftaucht«. Und so sehr die Matrosen dem Harpunier zuschrlen, er solle das Eisen sitzen lassen wer anders als der Walkönig käme ohne Atem so weit durch die Tiefe überkam lenen Deert Utwey der Jagdeifer so unbändig: er schleuderte die Harpune zum ersten Mal.

Sie traf den Wal dicht hinter dem Btosloch, es war ein Meister­wurf. Im nächsten Augenblick sank das Tier nieder, di« Lein« spulte sich rauchend über die Rolle, schon knotete 'der Bormann das zweite Tau und hielt über Wasser Ausschau, ob Hilfe in der Nahe sei. Aber die andern Schaluppen hatten den Tag schon verloren gegeben und waren auf halbem Heimweg zurGoodefahrt".

Es war bald erkenntlich, wen Utwey in seinem Ungestüm angenom­men hatte; so machtvoll er mit der zweiten Harpune bereit stand, dieser Wal brauchte keinen Atem wie andere Tiere, die zweite und auch di« dritte und letzte Leine flidderten über den Bootsrand, ohne daß der Necke wieder auftauchte. Und dann kam ein Ruck, der Wal ^haite das Doot im Schlepp und jagte den schaumenden Bug wild durch das Wasser auf die Disbarre zu.

Das war gefährlich; Utwey muhte die Harpune in di« Link« nehmen, er nahm 'bas Beil in die rechte Hand. Aber er konnte sich bis zuletzt nicht zum Kappen entschließen eine schöne Heimkehr, wenn er dem Schiff ohne Fang drei verlorene Seinen hätte melden müssen! Inzwischen kam das Eis näher, und einige Ruderer drohten: wenn der Weltunter­gang kam, so wollten sie dabei sein und nicht einen Tag vorher in I bi« kalte See hinunter. Da ließ di« Sein« nach, ein Zeichen, daß der Wal hochkam. Die Harpune in der Faust stand Utwey bereit und wartet«.

Er könnt« die Wasfe gerade noch einmal niedertreiben; dicht vonn Boot kam der Riese hoch. Im nächsten Augenblick aber, als sie f^on gegen die Ciskante schrägten, bekam die Schaluppe einen fürchterlichen Schlag, zerbrach wie Reisig, und es ist ein Wunder, daß die Männer sich zumeist ohne gebrochen« Glieder auf das Eis retten konnten, Harpunier und acht Matrosen.

Es war Spätabend geworden; das war um so schlimmer, als sie die Lichter der Schiffe verloren hatten. Aber sie konnten sich doch für tue erste Nacht aus den Bootstrümmern ein Notfeuer anzünden, das war gut.

In der Frühe berieten sie über den Aufbruch. Die Lust war dunstig, bas Eis flippig und rissig und schlecht zu begehen. Einige der Manner I hatten den Mut auch schon verloren und meinten, es sei unnutz, sich noch I ums Leben zu kümmern, wo doch in wenigen Tagen ine himmlische Ge- I rechtigkett an brach. .....

Andere aber sagten, es sei die Rache des Walkomgs am Harpunier, I bah sie hier auf dem Eis verloren liegen müßten. Und sie redeten so I drohend, daß jener Deert Utwey sich schließlich erbot, allein den Weg zum Schiss zu versuchen. Vielleicht glaubt« er auch, er müsse es darauf an- I kommen lassen und sich dem noch einmal stellen, den ihm das «chicksal I entgegengeschickt hatte.

Und der Tag ging, und die Nacht fiel ein, und der Mann ist wie irr und wirr über das Eis geklommen; jedes Ausruhen wär« gewisser Tod gewesen. Am Morgen hob sich die Lust ein wenig, er konnte die I Richtung aufnehmen, und ist mit blutenden Gliedern und schon in halbem I Wahn noch einen Tag und eine Nacht von Eis zu Eis geklommen, mit- I unter ab gedrängt durch Spalten und Brüche, aber doch mit allen Ge- I danken ans Leben verhaftet, das er nicht loslief}. ,

Als am dritten Tag die Dämmerung fiel, hat Utwey dieGoodefahrt gesichtet. Es ist ihm noch gelungen, das Schiff anzurufen; es lag m Lee des Windes und hatte den Anker auf das Eis ausgeworfen. Er hat auch, an Bord gekommen, noch befehlen können, mit Schaluppen und Fackeln die Eiskante abzufahren, um nach feinen Leuten zu suchen, und wirklich sind di« Geretteten jener Bootsmannschaft durch ihn am Leben erhalten. I Dann aber ist der Eiswanderer in einen Schlaf von sieben Tagen I und sieben Nächten verfallen, so erzählt man sich. Ja, di« Leut« haben sich I sogar am Tag des Weltuntergangs vergeblich Mühe gegeben, Deen Utwey zu wecken und ihn zu einem einzigen Gebet zu bewegen es | rogren fromme Leute an Bord, die sich und ihren Freunden die Seligteil Kern und, wenn man schon sterben mußte, auch drüben mit der alten mnschaft beisammen bleiben wollten. Aber so viel Sorgen sie sich ge- I macht haben, niemand hat Deert Utwey zu wecken vermocht, er hat den Tag des Weltuntergangs verschlafen und wäre, wenn wirklich damals I das jüngste Gericht eingebrochen wäre, ohne ein letztes Vaterunser hm- I über gefahren.

Es ist gut, daß sich die döse Ahnung jenes Weltuntergangspredigers nicht erfüllt hat; wo wären wir heute, was wäre mit Deert Utwey ge­schehen? Man erzählt sich noch, daß er den ganzen Winter über einen I Tag wach gewesen ist und danach immer sieben Tage geschlafen hat.

Aber schon im nächsten Frühling wird er wieder auf Walfang ge- I meldet und ist ein berühmter Harpunier und später auch Kaplton ge* I worden. Wie er es weiterhin mit dem Schlaf gehalten hat, weiß ich mcy. I Ich vermute, daß die lange Winterruhe daheim ausgereicht hot, um i) I zu kurieren; es wäre ja auch ärgerlich, hätte er von seinen londerva I Eigenschaften auf die Hausfrauen und Männer, die von ihm abjtamm , I vererbt.