Nummer 65
Montag, den 15. August
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3m Weingang.
Von Friedrich Griintz. Sommerliche Trauben Schwellend aufgereiht Unter dichten Lauben In der Erntezeit.
Innerliches Reifen, Wahrend alles ruht. Lichte Schatten greifen In die tiefste Glut.
Stündest du inmitten. Sommerliches Kind, Gingst mit jungen Schritten Wie ein Sommerwind,
Daß die schweren Trauben Zitterten im Gang, Daß die Schattenlauben Schwirrten von Gesang!
der Reibe."
„Ich möchte aber nicht, daß du dich benachteiligt fühlst, Emil/
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Drei Männer und ein Auto.
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Siebener Samilienblätter
Unterhaltungsbeilage zum Giehener Anzeiger
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Ilm sieben fuhren sie los. Evelyne setzte sich ans Steuer und kommandierte Emil an ihre Seite.
So hatte sie es bestimmt. Friedrich und Sepp kamen überhaupt nicht dazu, mit ihr eine Unterhaltung zu führen. Spat in der Nacht i in Genf. Alles, was Evelyn sagte, wart „Das ist mal ein Ab Dann verschwand sie in ihr Zimmer. Friedrich bot Emil an, am nächsten Tag den 'weißen Mantel anzuziehen.
Möchte dir so passen, du Dussel! Ueberhaupt bist du gar nicht an
Im Beamtenkasino hatten sie sich ein Jahr lang von Krautwickeln und Milchreis mit Dörrobst ernährt. Abends spielten sie Skat im Cafe Bembel i,schöner schattiger Garten, prima Ausschankweine"), oder sie fuhren 0 Minuten mit dem Personenzug in die nächste Großstadt zum Bunv ii ein. Das kostete Geld, und überdies ging der letzte Zug zuruck nach ichlappsrshausen an der Schlapper um halb zwölf! Wenn man all diese Momente in Betracht zieht, leuchtet es ein, daß drei hübsche junge Monier, Sepp, Emil und Friedrich (es genügt, ihre Vornamen mitzuteiien, in die Familiennamen, Huber, Lehmann und Schröder nicht das Ge- i ngfte über Charaktere und gute Herkunft aussagen!), Dr. phil. un6 Chemiker bei den „Synthetischen Braumalzwerken Schlappershausen vornu ^otterhalts & Söhne", es schließlich satt bekamen, schlecht zu essen und br Geld an strapaziöse Vergnügungen ohne happy end ju vergeuden.
„Jungens wir sind ja doof", erklärte eines Tages Emil, der aus Ber- lm und selbstverständlich Helle war, „x"A""t 1 m'r
sich Emil bei „Herrschastliche Livreen" herum und entdeckte „Duke of Jork, den waschechten Fahrzeugführermantel", welcher „dank unserer großzügigen Disposition" samt dazugehöriger Mütze für 29 Mark und 85 Pfennige zu haben war. Weiß, mit schwarzen Aufschlägen.
Sein Vorschlag, auf der Reise habe jeder zwei Tage den Mantel und die Obliegenheiten eines hochherrschaftlichen Chauffeurs zu übernehmen, wurde einstimmig angenommen. Wer gerade dran ist, der wird mit dem Vornamen angeredet und hat selbst im Verkehr mit den anderen die dritte Person anzuwenden, nimmt seine Mahlzeiten in der Gesindeschwemme, trägt das Gepäck auf die Zimmer usw. Länger als zwei Tage wird sowieso nirgends Station gemacht. „Natürlich" — erklärte Sepp — „sitzt der Chauffeur immer hinten. Das ist zünftig!"
Die Reise ging soweit gut vonstatten. Bis auf Kleinigkeiten. Ein Portier hatte Sepp verwehrt, die Hotelhalle durch die Haupttür zu betreten. Ein Garagenbesitzer hatte Emil ein saftiges Trinkgeld zugesicherk, wenn er seine Herrschaft von der Notwendigkeit einer durchaus überflüssigen, aber kostspieligen Reparatur überzeugen würde. In Nizza war Sepp von einem Stubenmädchen arg inständig gebeten worden, eine abendliche Schwarzfahrt mit ihr zu unternehmen. Er unternahm sie. Der Wagen wurde am nächsten Morgen abgeschleppt, dem Schwarzfahrer drohte man mit fristloser Entlassung. In den drei Tagen, die die Reparatur in Anspruch nahm, mußte er erfahren, daß noch so liebenswürdige Stubenmädchen für Chauffeure ohne Wagen keine Verwendung und für abendliche Fußtouren keinen Sinn haben.
Das Hauptmalheur ereignete sich in Iuan-les-Pins. Das heißt, es begann dort und hörte auf den Namen Evelyne. Sepp und Friedrich waren gerade im Begriff, durch das Portal eines fürstlichen Gasthofes zu schreiten, Emil öffnete den Schlag und lüftete die in den Preis von 29,85 Mark einbegriffen gewesene Njütze, als das Malheur in den Ruf ausbrach: „Landsleute aus dem Schlappergebiet!" Denn nicht nur Schlappershausen, sondern auch die am gleichen Fluß gelegene Großstadt nebst weiterer Umgebung trug auf dem Nummernschild das Zeichen Schl. Zwei Minuten später wußten Friedrich und Sepp — und auch Emil, für dessen Ohr es gar nicht bestimmt war —, daß Evelyne eben Evelyne war, nämlich beheimatet in jener Großstadt, wo die Manhattan-Bar eine enge, aber gastliche Pforte offen hielt, daß sie seit drei Tagen allein in Iuan-les-Pins wohnte, weil Papa vor lauter Aufsichtsratssitzungen unabkömmlich war, daß sie das studierte, was junge Mädchen so reizend als Kunstgeschichte bezeichnen, daß sie ferner den Führerschein lila, einen Rennwagen und ein Autogramm von Rabindranath lagere besaß, sehr abenteuerlich und extravagant (nicht oft genug konnte sie es betonen) war usw. Daß sie überdies nichts an hatte als einen rostbraunen Badeanzug, eine gelbseidene Pyjamahose und rote Holzsandalen (die Fußnägel waren in der gleichen Farbe lackiert) brauchte sie nicht erst zu erzählen. Denn das sahen die jung m Männer auch jo und nicht einmal ungern.
„Wir wollen gerade nach Monte. Wenn Sie Lust haben..."
„So wie ich ..."
„Das ist doch mal was Extravagantes!"
„Gut!" Das Extravagante hatte seine Wirkung nicht verfehlt. Sepp schubst! Friedrich kurzerhand auf den Führersitz, winkte Emil auf den Platz daneben und setzte sich behaglich neben Evelynchen hinten rein. Abends tanzten sie zusammen im „Provenzale". Emil spielte mit einem Berliner Ehepaar in dessen Fremdenpensivn einen Skat und gewann 12 Papierfranks. In der Bar vom „Provenzale" fand indessen folgendes Gespräch statt:
Evelyne: „Morgen machen wir eine ganz große Tour."
Friedrich: „Wohin?"
Evelyne: „Irgendwohin." Sie funkelte die beiden mit frechen Aeuglein an. Leider wußten Friedrich und Sepp nicht, daß es gar nichts zu bedeuten hat, wenn ein junges Mädchen namens Evelyne zwei junge Männer zugleich anfunkelt. Jeder machte sich schon seine Gedanken, wie er es anstellen wird, einmal unter vier Augen angefunkelt zu werden.
Sepp: „Dann fahren wir schon um acht. Ist's recht?"
Evelyne: „Um sieben! Wir wollen ganz weit. Wir gehen auf Abenteuer aus."
Friedrich: „Ich übernehme es, Emil zu instruieren."
Evelyne: „Wer ist Emil?"
Sepp: „Bloß der Chauffeur."
ich habe ausgerechnet, daß wir mit
Kleinauto auf gemeinsame Kosten enormes Geld sparen. Ein Kleinauto kostet so gut wie gar keinen Betriebsstoff. Wenn wir z. B.in die k labt fahren, so kostet das für uns nicht mehr als eine Karte dritter hin >ud zurück." Daran anschließend machte er eine phantastische Unwahr- sheinlichkeitsrechnung mit vielen Unbekannten und wenig Bekannten aus, danach beispielswei e die Amortisation auf fünf Jahre umgelegt ungefähr irr zweiten Fahrkarte hin und zurück entsprach, so daß einer immer Potis fuhr , „
Friedrich sagte nur „Ja", was sich, da er aus „Hamborch war, wie lme sanfte Reinigung der oberen Luftwege anhörte.
Sepp, aus Freising in Oberbayern, kratzte sich am Hinierkops 'm Großbauer der einen Versicherungsantrag unterschreiben soll, und hurrte fast hochdeutsch: „Ich denk schon, dann tonnt'n mir s machen.
_ Also kauften sie ein Auto und fuhren Zweimal am Tage m die 'Synthetischen" und zurück, fuhren in die Stadt und machten Touren 'm Sonntaa. , ~ ...
Ihre Ferien verbrachten sie im ersten Jahr bei den werten ,
>m die Wagenanschaffung einigermaßen auszugleichen. Im zweiten xiagr wer, jo war es längst schon ausgemacht, fuhr man zusammen ini den üben. Mit der Karre, versteht sich. Sie nahmen ihre Urlaube zu gleicher ;*it. Bei den „Synthetischen" war das möglich. Denn das Werk bejchas- •Ste nicht weniger als 24 Chemiker. . .
Emil wollte für die Reise partout einen Tropenhelm kaufen, und «epp summte- r- #>•
. „Ich fahr in kurzer Wichs, mit nichts als Badeanzug und Smokmg ]r1 Koffer. Sollen sich an den Wams gewöhnen die Bazis, ki aus- ' "difchen " Und bestellte bei seinem Münchener Schneider Zwei '"Züge. Denn das mit der kurzen Wichs und den bchUvarrschen Fluchen
bei ihm doch nur Koketterie. Er fand wsgeheim, daß sich solches ^uturburschentum gut zu seiner sonst so eleganten Erscheinung ausnehme.
Indessen fuhren Friedrich und Emil in die Stadt zu ®*nel?ere^ Peoije: „Wir kleiden klein und groß — haltbar und famos ^ Wahrend M'edrich in der Abteilung Herrenmäntel „Prince ost Wales, den unoer ; östlichea Overall in der bekannten Suffoltqualitat anprobierte, trieb
Jahrgang 1952


