.nachsehen", aber der Graf war nicht in der Laune, sich
„Was du
räumen, es
änd a
fordern.
von dir
Ge-
die
Sie, daß
Derainwortlich: vr. Hans Thyriot. — Druck und Verlag. Brühl'sche Univerfitäis-Buch» und Steindruckerei, A. Lange, Gießen.
sn unsere Familie hineinspielen. Aber ich werde dem Hause Pittelkow mit all seinen Annexen zeigen, daß es denn doch die Rechnung ohne den Wirt gemacht hat. Undankbare Kreatur! Aus dem Kehricht hab ich ste aufgelesen, und als Lohn für meine Guttat zahlt sie mir in dieser
• „Guten Tag, Witwe."
Die Pittelkow sah, daß er schlechter Laune war, und erwiderte deshalb, ohne sich von ihrer Fensterstelle zu rühren, im gleichgültigsten Tone: „Guten Tag, Graf... Eine schmähliche Hitze..."
Der alte Graf bezeugte keine Lust, sich in ein Wettergespräch einzulassen, warf sich vielmehr ohne weiteres ins Sofa und sagte, während er sich mit dem Taschentuch etwas frische Luft zufächelte: „Komme heut in einer ernsten Sache, Pauline. Was ist das mit der Stine?"
Was »oll das mit dem anzüglichen Vorwurf und deinem spöttischen Gesichi dabei? Waldemar ist ein armer, unglücklicher Mensch uni) kann freilich keinen Degen verschlucken ober sich einen Amboß auf die Brust legen lassen. Und wenn du das ein „Untätchen" nennen willst, nun, so tu s. Aber seine Krankheit und sein Elend, das ist es ja gerade, was ihm vor Galt und Menschen zur Ehre gereicht. Denn woher hat ers? Aus dem Krieg her hat ers. Er war noch keine neunzehn und ein schmächtiger, dünner Fähnrich bei den Dragonern und sah aus wie ’ne Milchsuppe. das muß wahr sein. Aber ein Haldern war er. Und weil er einer war, war er der erste von der Schwadron, der an den Feind kam: und vor dem Karree, das sie sprengen sollten, ist er zusammengesunken,
dann sehen wir weiter."
Die Pittelkow war im wesentlichen damit einverstanden und fiel, als ihr Haldern auch erzählt hatte, daß Waldemar nach Amerika wolle, rasch wieder in ihren Alltags- und Gemütlichkeitston. „Ich war von Anfang an dagegen. Un nu will er auch noch nach Amerika! Du mein Gott, was will er da? Da müssen sie scharf ran, un bei sieben Stunden in Stichsonne, da fällt er um. Erst heute früh haben sie hier einen vom Bau vorbeigebracht un war noch dazu ein Steinträger mit Schnurrbart un Soldatenmütze, was immer die stärksten sind. Un nu solch armer Invalide! Graf, ich werd es schon machen und will gleich zu Wanda, die muß mir eine Geschichte zurechtlügen. Un wenn ich die habe, dann packen wir Stinen ein, nach Altlandsberg oder nach Bernau mits Storch- neft ober nach Fürstenwalbe. Sie will immer beistehn un helfen, un wir müssen ihr so was Vorreden von Beistand un Hilfe."
Der Graf war erfreut, und fo trennten sie sich.
Vierzehntes Kapitel.
Die Pittelkow, als der Graf fort war, warf sich in Staat, nahm ihren Umhang und ging in die Tieckstraße, um mit Wanda zu beraten, was zu tun und in welchem märkischen Neste Stine wohl am besten unterzubringen sei. Wanda, dessen entsann sie sich, hatte eine ältere, nach Teupitz hin an einen Schlächtermeister verheiratete Halbschwester; vielleicht wenn man sagte, daß da was Kleines angekommen und der Mann samt seinen bleien Kindern eines Beistandes in der Wirtschaft bedürftig sei? „Ja, so muß es gehn. Un is erst wer in Teupitz, so kommt er sobald nid) wieder weg. Un die Frau wird sie schon festhalten, — so viel wird sie dock) woll von Wanda'n haben, daß sie nid) gleich locker läßt. Un wenn jrade geschlachtet wird, kann Stine ja zusehn und hat en bißchen Zerstreuung."
In dieser Richtung gingen die Gedanken der Pittelkow, die, während sie diese Pläne machte, nicht ahnen konnte, baß ziemlick) um eben diese Zeit bereits Entschlüsse gefaßt und Entscheidungen getroffen worden waren, die jeden weitern Klugheitsplan unnötig machten.
(Fortsetzung folgt.)
„Kann ick) nicht."
„Weil du nicht willst."
„Oh, ich will schon. Ich habe schon gewollt, gleich als ich schichte kommen sah. Es is ein Unglück für meine Stine."
„Was?"
Während er nod) so sprach, traf fichs, baß sein Blick von ungefähr in den Spiegel fiel. Er trat benn auch heran, rückte sich bas rote Halstuch zurecki unb lachte: „So also sieht ein Ehrenmann aus, em Witwenretter und Waisenvater... Habe die Ehre." Unb er betomplimenherte sich selbst. Sinnier bas alte Lieb. Sowie man in ber Patsche sitzt, spiest man sich mif ben Unschuldigen hinaus, schimpft über die Komplicen, die meist viel weniger Schuld haben als man selbst, unb läßt andere die Dummheiten entgelten, die man höchst eigenhändig gemacht hat. Und in meinem Falle nennt sid) diese schnöbe Weißwascherei noch aristokratische Gesinnung und erhebt sich über die Pittelkows, die sich wenigstens nicht mit .Noblesse oblige1 durch die Welt zieren. Jammervoll. Wohin man sieht, hat man sich zu schämen. Und doch muß etwas geschehen, und wenn meine Schuld noch zehnmal größer wäre." n
Bei diesen Worten zog er die Klingelschnur. „Eine Droschke, Johann! Unb während dieser sich nach dem nächsten Halteplatz aufmachte, machte ber alte Graf Toilette, sorglich unb vor bem Spiegel, aber boch mit der Raschheit eines alten Militärs.
Eine halbe Stunde später hielt die Droschke vor dem Eingänge zum Invalibenpark. Der alte Graf stieg aus unb ging, über ben Damm fort, auf bas ihm wohlbekannte Haus zu, bas im grellen Scheine ber Msttags- fonne wie ausgeftorben balag. Pauline stand am Fenster und erkannte den Grafen, als er hastigen Schrittes auf ihre Wohnung zusteuerte. „Jost", sagte sie, „nu schon bei Tage!" Dabei rückte sie ober doch ben Kragen zurecht und warf ihre Kiichenschürze hinter den Ofen. Und letzt hörte' sie’s klingeln.
„Mama zu Haus?" . ..
Olga wollte „nachsr>/r>. , «vn. vn ...... ,.,vv
auf seinem eigensten Territorium allerlei lächerlichen Anmeldeformlich- teiten zu unterwerfen, und trat also, während er Olga folgte, gleichzeitig init dieser in das Vorderzimmer ein.
„Es is ein Unglück für meine Stine. Ja, Graf. Oder denken ich so dumm bin,'so was für ’n Glück zu hasten? Ach, du meine Güte, da sind ber Herr Graf mal wieder ans Jrrland, un ganz gehörig. Un nu hören Sie mal ein bißchen zu! Hier drüben wohnt ein Schlosser, ein Kunstschlosser, und hat ’nen Ressen, einen allerliebsten Menschen, der bei den „Maikäfern" gestanden — aber jetzt is er wieder ins Geschäft. Nu, der war letzten Sommer immer um die Stine rum, un wenn der das Mächen nimmt, bann geh ich nächsten Sonntag in’n Dom ober zu Buchsein unb meine mir aus unb danke dem lieben Gott für feine große Guttat un Gnade, was ich nu schon eine gute Weile nid) gedhan habe. Ja, Graf, so steht es. Mein Stinechen is kein Mächen, das sich an einen hängt ober mit Gewalt einen rankratzt, Graf ober nich, un hats auch »ich nötig. Die kriegt schon einen. Is gesunb und propper un kein Untätchen an ihr, was nid) jeder von sid) sagen kann. He?"
„Komme mir nicht damit! Das sind Ausweichungen unb Redensarten, bloß um von ber Sache loszukommen. Darum hanbelt sichs nicht. Untätdien. Was heißt Untätchen? Ich habe ber Stine nichts auf den Leib gereb’t, ich weiß, sie ist ein gutes Kind. Aber was soll das mit deinem „Untätchen" unb „was nicht jeder von sich sagen kann"? Meinst du mich? Meinetwegen. Mir tute nichts; ich bin drüber weg. Aber du meinst meinen Neffen, und das reizt mich unb ärgert mist), weils mal roieber deinen schlechten Charakter zeigt. Oder wenn nicht deinen |d)led)ten Charakter, so doch, daß du hart bist und ohne rechte Güte.
„Mit Stine?"
„Ja. Sie hat da mit meinem Neffen angebänbelt. Unb nun ist er verrückt geworben unb will sie heiraten. Und wer ist schuld daran? Du, Pauline. Du hast mir dies eingebrockt. Du, nur du, Stine macht nicht drei Schritte, geht nicht von hier bis ans Fenster, ohne dich zu fragen; sie hat nie was andres getan, als was du gewollt oder gutgeheihen hast, uf dick) fällt dieser Skandal. Ich frage dick), ob ick) Anspruch auf solche Behandlung habe? Nun, wir wollen sehen, was wird. Wolle du, was du willst, ich will, was ich will. Die Welt ist verrückt genug geworben, ober so weit sind wir noch nicht, baß die Häuser Haldern unb Pittelkow Arm in Arm ihr Jahrhundert in die Schranken Nein, Pauline. Solchen Unsinn verbitt ich mir, unb was ich forbre, ist bas, daß bu dieser Kinderei ein Ende machst."
seinem Neffen, das ist die Hauptsache, das hat mich überführt. Ich glaube jetzt, daß du unschuldig an ber Sache bist, und muß auch ein- " dir nicht ähnlich. Du bist viel zu klug und zu verständig, um solchen Ünfinn in Gong zu bringen. Denn du sagst es ja selbst, ein Unsinn ist es und ein Unglück dazu. Und noch dazu für alle beide."
Pauline nickte zustirninnd.
„Also ein Unglück, sag ich. Unb nun laß uns überlegen, wie wir da rauskommen ober es wenigstens eingrenzen unb wieder Schick in die Sache bringen. Waldemar ist eigensinnig (alle Kranken sind es) und wird von feinem Vorhaben nicht lassen wollen, davon bin ich überzeugt. Es ist also nur dadurch etwas zu machen, daß wir auf den andern Part, auf deine Schwester, einen Einfluß gewinnen."
Die Pittelkow zuckte mit ben Achseln.
„Du willst sagen, es fehlt auch ihr nicht an Eigensinn. Und ich glaub es beinah. Außerdem ist alles. Zureden umsonst, solange noch die Möglichkeit für Stine bleibt, Waldemar zu sehn und zu sprechen. Den wird sie natürlich lieber hören als uns. Jeder hört am liebsten, was ihm schmeichelt unb wohltut. Ich seh also nur ein Mittel: sie muß fort. Unb ich stelle bir alles babei zur Verfügung. Ueberlege! Sie wirb boch irgenbroo in ber Welt, in ber Priegnitz ober Uckermark, eine Freunbin ober Anverwandte haben, unb wo nicht, jo müssen wir so was erfinden. Da muß sie hin. Nur weg von hier, weg. Zeit gewonnen, alles gewonnen. Unb ist erst eine Trennung ba unb haben beibe vierzehn Tage lang eingesehn, daß sich auch ohne Monbscheinkuß immer noch (eben läßt, so haben wir wenigstens einen guten Anfang gemacht. Unb
zwei Kugeln unb ein Bajonettstich, unb bas Pferd über ihn. Unb das mar zuviel für ben jungen Menschen. Zwei Jahre hat er gelegen unb gedoktert unb gequient, unb nun brückt er sich schwach unb krank in ber West herum, unb weil er nicht weiß, was er machen soll, besucht er Stine unb will sie heiraten. Das ist ein Unsinn. Aber komme mir nicht mit allerlei Spitzen und Anzüglichkeiten, die für ben armen Jungen nicht passen. Er hat bas Eiserne Kreuz, unb ich will, baß bu mit Ächtung von ihm sprichst."
Pauline lachte. „Jokt,Graf, wenn bas einer hört, so muß er ja wahr unb wahrhaftig benten, ich wollt einem einen Spott braus machen, daß er ein braver Junge gewesen. Ader bas is auch so eine von euren Marotten, bah ihr immer denkt, wir verstünden nichts davon und wüßten nichts von Vaterland und knappzu von Courage. Aber wie steht es benn? Alle Wetter, ich bin auch fürs Vaterlanb und für Wilhelm, unb wer feine Knochen zu Markte getragen hat, vor bem hab im Respekt unb brauche mir nich erst sagen zu lassen, daß ich Respekt vor ihm haben soll. Un benn, Graf, man nich immer jleich mit bie Haldems. Ich habe welche gekannt, bie waren auch erst neunzehn un keine Halberns un saßen nich zu Pferbe, nein, immer bloß auf Ge- brüber Benekens un mußten auch immer vorwärts. Un zuletzt, als es bergan ging un sie nich mehr konnten, ba hielten sie sich an bie Kusseln, weil sie sonst rücklings runkergesallen wären, un immer die verdammten Dinger dazwischen, bie so quietschen un sich anhören wie ’ne Kaffeemühle. Nee, nee, Graf, bie Haldems haben es nich alleine gemackst un ber junge Graf auch nich. Aber er hat feine Schuldigkeit getan un feine Gesundheit drangegeben, und da werb ick) ihm boch nichts anreben — i, da biß ich mir ja lieber bie Zunge ab. Ich habe bloß sagen wollen, daß an Stine kein Untätchen is. Un dabei bleib ich. Un ba wir nu mal davon reden, babei bleib ich auch, baß ans Gräfliche öfter so was is als an unserem, un nu gar erst an Stinechen. Ich weiß nicht, wie bie Dokters es nennen, aber das weiß ich, es gibt Untätchen schon von'» Urgroßvater her. Unb bie Urgroßväter, was so bie Zeit oon’n dicken König -war, na, die waren schlimm. Un bie Halberns werben woll auch nich anders gewesen sein als bie anbern."
„Cs ist gut", sagte ber alte Graf mit wiebergewonnener Ruhe, gleich zuerst gesagt hast von dem Sckstosser drüben unb fen, bas ist die Hauptsache, bas hat mich überführt. Ich


