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tie Sonderstellung der baltifchen Lande bestätigt Die Abwehrstellung nenen die Umwelt festigte bei den Deutschen das Rassenbewußtsein, den Bnftoh Es galt als eine Pflicht, das deutsche Blut rein zu erhalten, und so kamen denn Mischehen mit den Esten fo gut wie niemals »or fie waren vorn gesellfchastlichen Standpunkte aus unmöglich, und mit Russen oder Russinnen nur, falls die baltischen Deutschen nach Rußland übersiedelten, ober sich in der Petersburger Hofluft verloren und dann in der weiten oder dritten Generation ihr Deutschtum vergasten.
n am er Dorpat und die Universität blieben deutsch. Bis gegen Ende be* vorigen Jahrhunberts würben alle Fächer deutsch gelesen. Die Professoren, die meistens aus reichsbeutschen Universitäten, wo sie einen ivili'enschastlichen Ruf erworben heilten, nach Dorpat berufen mürben, waren Vorkämpfer des Deutschtums. Die ungefähr 1500 Studenten waren in ihrer Mehrheit Deutsche, wenn natürlich im Laufe der Zeit auch die wohlhabenden Esten und Letten ihre Sohne an der Universität studieren ließen. Sie verschmolzen sich aber gesellschaftlich wenig mit den deutschen Kommilitonen. In den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts drangen auch manche russischen Elemente >n du: Studenten- welt ein, die aber ganz für sich lebten und landfremd biteben. Die ton anaebenden Korps, die Livonia, die Estonia, die Kuronia, die rraterm- tas Rigensis und die Neobaltia zählten in ihren Reihen nur Deutsche und wohl nirgends ist das Deutschlandlied nut mehr Begeisterung und lieber,«uqung als auf den Konventsquartieren und auf den Kommersen in Dorpat" gesungen worden. Deutschland war bas geistige Vaterland dös man idealisierte und feierte. Aus baut Domberge hatte man rum Mißfallen der hohen russischen Behörden, dem „Vater Rhein em Bronzedenkmal errichtet. Die bunten Farbenmutzen verdrängten Die russische Stubentenuniform, bie kein Deutscher ohne Zwang anlegte. Das nüchterne Universitätsgebäude in der Johanmsstrahe, mit feiner breiten Front ohne alle architektonische Verzierungen umgab eine Aureole deutscher Tradition, an der alle Umwälzungen und Sturme der letzten Zeit wenig geändert haben. .
Die Bewohner Dorpats nannten ihre Stabt gern .»bQ5 '-c,,™a(y= Athen" (ber Embach stiehl durch Dorpat). Es war das em etwas kühner Vergleich, denn Dorpat hat mit der Sonnenstadt Griechenlands gar keine Aehnlichkeit, es sei beim, daß mein bie hohe Ruine auf dem Domberge, in bem die Universitätsbibliothek untergebracht ist, mit der Akropolis vergleichen wolle. Die Bezeichnung paßte nur injofcrn, als geistige Kultur und Bildung in Dorpat das Primat besaßen. Es gab vielleicht etwas geistigen Hochmut, sehr viel Respekt vor der Abstemvelung durch Examina und Inleressenheuchelei für ,..^erle> 3° ehrte Dinge. Selbst alte Damen, um nicht Zuruckzuftehen, fugten sich ''wnchmal ver- pflichtet gelehrte Vorlesungen zu be uchen und Kollegienhefte zu fuhren, man verkapselte sich in der eigenen Weit und vergaß den Zeilae st darüber. Man lebte nach streng vorgeschrlebenen Normen, m ben i-te - fein unumstößlicher Traditionen. Aber das Hochhalten des deutschen Paniers war nicht nur eine Pflicht, sondern eine Religion. Und wenn auch Krieg und Revolution bas alte Dorpat vernichtet 'chbeifoiragi boäi noch jedes Haus und jeder Stein bie Erinnerung an die deutsche Zeit.
Die Studentenherrlichkeit Dorpats ist in den Herzen
tonen lebendig geblieben. Die feuchten Kommerse d'- Ausfahrten zu ben Bällen nach Fellin und Wenden sind unvergessen. Etwa 40 Kilometer von Dorpat liegt in grüner, hügeliger Landschaft Helligensee, em^ bevorzugter Ausflugsort der Korpsstudenten. Die atten Baume im Park weifen noch Hunderte von Inschriften auf, die in ihre Rinde geritzt wurden. Im Kruge am Seeuser tragen die Wände Hu)ide:rte> oon baltischen Stubentennamen, unb die durchsichtigen Kriege ^aa
npfn hpni Träumer all das wieder, was war. Dor dem Kriege lag rings um den See urdeutscher Besitz, blühende Güter, sih^arttge Gebäude, die durch Jahrhunderte den Nachkommen der Deutfchrittei g - hört batten die einst mit dem Schwert unb mit dem Kreuz na.h UU- land gekommen waren, unb die im Verein mit den Herren der Hansa und mit der nachfolgenden deutfchen Intelligenz den emg f h.. L ihre Kultur schenkten, sie zwar in den Feudalzeiten unterdrückten aber für ihre Wohlfahrt und ihre Bildung sorgten; "ur unterließen sie es, sie zu germanisieren ober um ihre Liebe zu werben. Das war e n Hehler, de? ich furchtbar gerächt hat. Die Esten sind f be
inrunnes rallenverwandt mit den Finnen und Ungarn. Das -Holt oci i»--sp'-ch. «ir»
Volk verstanden sie hat mit dem Deutschen oder Russischen nicht die entfernteste Aehnlichkeit. Obwohl die Esten fo wenig ^^°,'A ^,'nde bildeten die Deutschen dennoch m ihrer M'"e e ne verschwindenb Minderheit. Aber seit ber Feubalzeit waren d>e unbestrittenen Herren i Lanbe bie Deutschen. Unter ben Esten aber, bie sich immer mehr ihrer Nationalität bewußt würben, wuchs di- Auflehnung gegen die Herrfcher- slellung der Deutfchen, die an ihren V°rrech en festhielten und m den politischen Cmanzipalionsbestrebungen der Esten eine attade f ureigenes Gebiet sahen. Man muß sich erinnern, d H baltischen
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uär^Braudeangesteckl" s'c b^imn^ineii P'u^eungdig^gcn du: Güter der Deutschen, und wenn auch der Aufstand unterdrückt wurde so schlossen sich doch die nationalen esinijchen Berdcinbe gehe bas Denlschlum zusammen, unb als das Reich "ach d c 6ie
Boden lag unb der Ausstand ber Bolschewisten ausbrach da würben die Deutschen wie Freiwild gejagt, ber Feuerbrand w . schließlich geworfen, Hunderte unb Tausende wurden ermordet, und fchiiestii ) wurde der deutsche Besitz enlfchadigungslos konfisziert. man.
Zwölf Jahre find feit jenen grausamen Tagen f (i-h'm:n0.;n ,ric cher frühere Gutsherr erinnert sich heute mit Wehmut Rr Chwrnsso-Vett vom Schloß Boncourl". Die Wogen des Daffes_ beg tn nen f i d) 3 u g atten Die Universität Dorpat (heule „Tartu ) bestehl fir . mirh
soweit das möglich ist, die Universität estnijch geworden ft |o wird doch nach wie vor der deutsche Kultureinstuh be Ich,.
Gtine.
Roman von Theodor Fontane.
(Fortfetzung.)
''Das wag ich nicht vorherzusagen, vielleicht bloß >n den der Lang- weite, vielleicht auch in einen schlimmeren. Unb den Tag danach schreibst du ihr einen Abschiedsbrief unb trittst deine brüte Romersahrt am Rom paßt ohnehin für die Haldems, alt zu alt. Aber nicht Amerika. Ja, für die diggings oder ein Goldgräberkamp ist mir, offen gestanden, auch ^^Wawemar^erhob sich von seinem Platze. „Du hastz Onkel, von deinem Standpunkt aus, ein Recht, so zu sprechen, ja, vielleicht ^ter und Herder nod)- es liegt dir fern, mich kränken zu wollen, ich höre das heraus, und ich danke dir dafür. Aber alles, was bi- gesagl, kann wichnicht nm- ftimmen; es muß bleiben, wie es ist. Ich suhle mich zu.diesem liebens- würdigen Geschöpf, bas nichts ist als Wahrhaftigkeit, Natürlichkeit unb Gute, nicht nur hingezogen, das lagt nicht genug, ich fühle mich an sie gekettet, und ein Leben ohne sie Hal keinen Wert mehr für mich und ist mir undenkbar geworden. Es braucht nicht Amerika zu sein; es findet sich auch wohl . ein Winkel hier..."
”Bann@a“fo drüben.' Und ich bitte bid), mir bei den Eltern in ®rofr Haldern, wenn nichts weiter, so doch das Ausbleiben emes großen, auf- aefteiften Protestes erwirken zu wollen. Eine gegen Mich verhängte Fa° milien-Acht rnöcht ich, wenns irgend geht, vermieden sehen, so wenig Schreckliches alle Bann- und Achlerklarungen von leher fur mich gehabt haben. Ich erwarte kein Ja, keinen Segen; ich verzichte darauf, schon einfack weil ich muß. Es verlangt mich nur, zu Horen, daß man sich in bas Unvermeidliche gefunden hat, daß man sich ihm unterwirft, als war es eine Schickung oder welch -sonstige fromme Bezeichnung man dafür wälllen mag Der junge Pastor kann ja Worte zur Auswahl stellen. Lebte der alle Buntebart noch, so wär es besser. Der Besitz fällt meinem lungeren Bruder zu, trotzdem Groß- und Klein-Haldern Primogenitur sind, sch -vlL den Verzicht gerichtltth aussprechen. Rur -'n Pslichttei ettR t ich mir, um das Nötigste durchfuhren zu können. Und nun noch u'ma , willst du mein Fürsprecher (em, ber wenigstens bas Schmerzlichste von mir nbmenbet unb mir für die Zukunft, und wenn es bie fernste wäre, die Möglichkeit einer Versöhnung osfenhalt?
Der alte Graf schüttelte den Kopf. ...
Also nein. Und auch das ist gut, weil es etwas Bestimmtes qt. Ich danke dir, daß du mich angehört und mich mit Standesrebensarlenund vor allem auch mit jenem französischen Worte, das bei solchen Gelegen heilen in unfern Kreisen gang unb gäbe ist, verschont hast. Unb nun lebe wohl- ich sehe bich nicht wieder. Alles, was noch zu tun ober zu lagen pich hin, aus und ab. Jetzt aber blieb er stehen und sprach nicht ohne Bewegung vor sich hin: „Und daran bin ich schuld .. .in).
Schuld? Du? Schuld an meinem Glück? Nein, Onkel, nur Dank und wieder Dank." Und dabei nahm er den Hut, um zu geben, hielt aber nA einmal an, augenscheinlich in Zweifel, ob er dem Oheim die Hand rCi<2cr alte Graf fat es unb trat seinerseits «men Schritt zurück.
So verbeugte sich denn der Nesse nur m aller Förmlichkeit und schritt dann auf bie Tür zu, bie nach bem Korridor hinausfuhrte.
d Draußen stand Johann, der gehorcht hatte, nut dem Ueberz.eher schon in der Hand und ließ es an Dienstbeflissenheit nicht fehlen. Aber das nach, drückliche Schweigen, in dem er verharrte, schien doch auch {emerieits eint miifehilliauna ausbrücken zu fallen. War er doch lange genug im Haldern- ftfien^Dienftfum über Mesalliancen noch strenger zu denken als fein Herr.
Dreizehntes Kapitel.
Erst als er wieder allein war, wurde sich der alte ®raf aUcs befielt, was er gehört hatte, voll bewußt. Allerdings war ihm gleich im elften Sluaenblick bas Blut zu Kopf gestiegen, Walbemars ruhiges «sprechen aber unb vielleicht mehr noch ein ihm tief im Blute steckender Hang nach bem Aparten unb Abenteuerlichen hatte feinen Unmut Aruckg-halten. Ji^efsen dieser Zustanb konnte nicht dauern, und jetzt, wo Waidemar fort unb die Diskussion einer ihn prickelnden Frage geschlossen war, war auch der Moment wieder da, die zurückgedrangten ersten Empfindungen. Entrüstung und Schreck, wieder auflohen zu lassen. .
In der Tat auch Schreck. Er war Grund unb Ur fad) all dieser Wirrnisse, di« nicht gekommen wären, wenn er, für feine Person, aus die ton eß Laune "Waldemar bei ber Pitlelkow einzuführen, verzichtet halte. Dieser Hnx o'as seinerseits mußte früher ober später zur Kenntnis seines alteren Srubfrs 'des Majo7atsherrn auf Groß- unb Mein-Haldern, kommen, unb wenn er sich bann verklagt sah, gleichviel laut ober leise, wie wollt er ba bestehen? Unb wenn vor ihm, dem Bruder, wie vor ihr, der Frau Schwägerin? Sie war die stolzeste Frau weit und breit, eme von Petersburger Erinnerungen getragene kurländische Same, oor ber |clbft bie Haiberns nur mit Mühe bestehen konnten unb der eine Schwiegertochter im Stile von Stine Rehbein einfach Tod und Schande bedeu ete Was half es wenn Waldemar aus dem Lande ging und sich für vn}^F erpatrüerte? Die Tatsache der „Enkanaillierung eines Haldern blieb bestehen und mit ihr der Skandal, die Blame, das Ridikul. Und das letztere^ war das^Schlicht"! übcr((?gie der Graf, während er, immer erre^ ter "und nervöser werdend, in seinem Zimmer aus und ab fd^itt. ,,üd) werbe mit Gewalt dazwischenfahren. Ich bin schulb, ja und nochmals ja, nnb immer wieber ja - ich will es nicht von mir abwalzen. Aber meine DummhZt allein hat es nicht bahin gebracht, da steckt meme gute Freun- hin dahinter dieser schwarze Gottseibeiuns, meine gute Pitlelkow, bie ieben Tag röppelköppischer wirb. Denn soviel bon sens sie hat, so ist sie doch vom Hochmutsteufel besessen, und währenb sie nach links bin sich einbildet, mit mir machen zu können, was sie will will sie nach recht bin die blonde Schwester mit ihrer langweiligen Tugendgrimasse direkt
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