auch ihr zu leuchten.

XII.

eine Stätte der Gottesfurcht fei." Wie sah es in Wirklichkeit darin

vor sich hin

Schriftleitung: i. V. Dr. Ar. W. Lange, Gießen. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch- und Steindmckerei, 9i. Lauge in Gießen.

Ich bin in Jesu Macht, Jesus gibt mir Kraft. Wer stärker ist Als Jesus Christ, Der komm heran Und greis mich an!"

Der Schiwwerkäsper war nachts durch ein unheimliches Getöse aus dem Schlaf geweckt worden. Wie er das Fenster öffnete, gewahrte er den großen schwarzen Mann, der ihm am Abend vor der Bürgermeister­wahl unweit des Röderkopfs begegnet war. Diesmal schwang er eine feurige Kugel hin und her. Ehe sich der Schiwwerkäsper von seinem Schrecken erholt hatte, war der unheimliche Gast verschwunden. Durch den Hof verbreitete sich ein starker Schwefelgeruch. Kein Zweifel, es war dec Teufel.

Zum Glück verstand sich der Schiwwerkäsper aufs Besprechen. Wäh­rend die Glocke das Weihnachtsfest einläutete, ging er mit langsamen Schritten dreimal um sein Gehöft und sprach mit halblauter Stimme

Haus eine Stätte der Gottesfurcht fei. Wie sah es in Wirklichkeit dann aus? Der Melcher war ein Götzenknecht, der dem Geld nachjagte. All das Böse in das er verstrickt war, kam von seinem Unglauben her. Ihr Sohn, der Philipp, hing an den Lüsten der Welt und war dem Eltern­haus entfremdet. Auch ihre Tochter war von Hoffart nicht frei, war nachlässig im Gebet. So stand sie in ihrem Glauben allein, ohne Ein­klang mit denen, die ihr die Nächsten sein sollten im Leben. Wenn sie heut starb, ließ sie keine Lücke zurück. Das war das Traurigste, was eine Hausfrau von sich sagen konnte. Ihr Herz krampfte sich zusammen, und unaufhaltsam rannen ihre Tränen.

Nun war die Gewalt des bösen Feinds gebrochen. Auf dem Hof hatten Menschen und Vieh nichts mehr zu fürchten.

Beruhigt verzehrte der Schiwwerkäsper sein Abendbrot und begab sich darauf in dasLamm", wo etliche von den Parisern ihren Schoppen tranken.

Was hört man dann von dir?" rief der Buschur dem Eintretenden entgegen.Der Deubel is bei dir gewest?"

Ja", versetzte der Schiwwerkäsper,unds is mir ein Rätsel, wie he dezu kimmt, bei mir zu haselieren*. Man weiß doch, he hat Speziale*" genunk im Dorf."

Oho!" machten die Pariser.

Gerad' geht mir eine Geschicht durchs Hirn", sagte der Schiwwer­käsper,die mir mein GUertnenn*** verzählt hat. Der is hier im Ort bei eine Frau kommen. Die tat buttern. Und krag mit ein paar Stümpers ein' ganz kolissalen Butterweck. Mein Ellerknenn denkt, das geht net mit rechten Dingen zu. Wie nu die Frau emal enaus gemacht war, hebt he das Butterfaß in die Höh' und sieht ein' roten Lappen drunter liegen. Fix zieht er sein Messer aus der Tasch' und schneid ein Stück devon ab. Deheim sagt' er über seine Frau: .Lang mir emal die Milch.' Sie hott aber nur wink. Die schütt' er ins Butterfaß und legt den roten Fetzen drunter. Wupp! war ein barbarischer Butterweck da.

(Fortsetzung folgt.)

* sein Unwesen treiben.

* * gute Freunde.

* ** Großvater.

t Stößen.

Blick für den Hof." Zur Arbeit fehlte ihr keineswegs der gute Wille, wohl aber die rechte Freudigkeit. Das würde auch nie anders werden. Einst bei ihrer Trauung hatte der Pfarrer gesprochen:Sorgt, daß euer

Bald darauf trat ein Ereignis in ihr Leben, das ihr allen Froh­mut nahm und ihrem Denken und Fühlen eine andere Richtung gab. Eine ihrer liebsten Gespielinnen war die Lina Horn am Klappereck. Die hatte unter der Roheit des Stiefvaters viel zu leiden. Nach dem Tod ihrer Mutter verging fast kein Tag, daß sie nicht geschimpft und ge- chlagen wurde. Dabei war sie ein stilles, zartes Geschöpf, das fein Un­glück mit Ergebung trug. Nun hatte der Lehrer befohlen, die Schuler und Schülerinnen des obersten Jahrgangs sollten sich ein neues Rechenbuch kaufen. Alle brachten es denn auch mit, ausgenommen die Lina Horn, deren Stiefvater das Geld dafür verweigert hatte. Der Lehrer drohte ihr mit Arrest. Wieder vorn Stiefvater abgewiesen, schlich sie sich in die Kammer ihrer Freundin, der Lisekathrin, entwendete deren Rechenbuch und legte es in der Schule als das ihre vor sich hin. Es dauerte nicht lange, so hatte die Bestohlene die Diebin entdeckt und zeigte sie an. Der Lehrer hielt der Lina eine zermalmende Rede. Noch ehe er dazu geschritten war, sie zu bestrafen, hatte sie sich im Mühlbach ertrankt. Beim Anblick der Leiche wurde die Anklägerin von Krampfen befallen. Wochenlang lag sie fiebernd zu Bett. Als sie genesen war, zeigte sie ein völlig verändertes Wesen. Sie sonderte sich von den Kameradinnen ab und ging jeder Lustbarkeit aus dem Weg. Eine Verwandte roar s dann die sie, da sie erwachsen war, in die Versammlungen der Ge- meins'chaft zu Herleshausen führte. Der Prediger, der sich Bruder Pau- lus nannte, sprach mit ihr wie eingemeiner Mann'. Sie klagte ihm ihre Seelennot und fand Ruhe und Trost bei ihm. Fortan war er ihr Berater und Herzensfreund. Mit ihm als Missionarin in fremden Lan- dem für die Sache der Gemeinschaft zu wirken, war ihr sehnlichster Wunlch. Im entscheidenden Augenblick hatte sie dann doch nicht den Mut gehabt, sich von all dem loszureißen, was sie an Eltern und Heimat band. Dem Machtspruch ihres Vaters sich beugend, folgte sie dem Melchior Wallenfels in die Eheschaft. Die Jahre hindurch hatte sie die Wahrheit des Spruchs an sich erfahren:Erzwungene Eh' bringt Herzensweh.,

Anfang an war ihres Mannes Rede gewesen:Du tjaft Jem

köpfig. Eh verlangt sie nach mir. Morn will ich mit dem Postwagelchen in die Stadt, 's is gar net abzusehn, wie lang das noch dauerU Die Zeit her hab' ich mir selbst geholfen. Aber 's geht beim besten Willen net mehr. Und da möcht' ich dich fragen, ob du für mich ein wink kochen und Ordnung halten willst, bis die Lene wieder so weit ts.'

Bon Herzen gern", sagte die Annegret,s war recht schlecht von nur, daß'ich net ehnder* kommen bin. Etz spring ich schwind heim und melk. In einer Stund sein ich wieder da." ....

So schied sie, innerst beglückt, daß sie, wie ehedem als kleine Sama­riterin jetzt für den Jugendfreund wieder sorgen konnte. All die Tage hatte sie in ihrem Jammer gezagt, zum Zkegenpsad hinunter zu gehen. Der Franz hatte sich als ein guter Propher gezeigt. Eben darum, hatte sie gemeint, müsse der Besuch doppelt peinvoll für sie sein. Nun gatte er jhr's leicht gemacht, hatte nur mit zarter Hand ihr Leid gestreift. Und eine Beruhigung war von ihm ausgegangen, die sie wundertätig empfand. Der Vater daheim grollte ihr. Die Mutter war verschlossener denn je. Einzig der Freund blieb sich in seiner Milde gleich, die alles verstand. Und seiner Blindheit ungeachtet strahlte ein Licht aus ihm, hell genug,

Christtagabend. Aus dem Rathaussaal hallte der Gesang der Schul­kinder:

Der heil'ge Christ ist kommen,

Der teure Gottessohn, Des freun sich alle Frommen Am höchsten Himmelsthron."

In dem schlecht geheizten Raum machte sich die Kälte fühlbar. Un­ruhig trippelten die jugendlichen Sänger hin und her und waren froh, als der Lehrer sie entließ.

Nur in wenigen Häusern der Bauern hatte der Christbaum mit seinem Lichterglanz Eingang gefunden. Von den Parisern war es allein der Schusterjakob, der sich ein Tannenbäumchen verschafft hatte. Weil ihm die Wachskerzen zu kostspielig waren, hatte er Nußschalen an den Zweigen befestigt hatte kleine Stückchen Docht hineingelegt und Sparöl darauf gegossen. So trübselig die angezündeten Lämpchen brannten, so hatte er doch seine Freude daran.

Die Kinder im Dorf waren voll Erwartung und jauchzten auf, da die Eltern und Paten Aepfel, Nüsse, Backwaren und allerlei nützliche Gaben an sie verteilten. Mit leuchtenden Augen zeigten sie einander ihre Reich­tümer. Des Eckschulz Schorsch, der im vierzehnten Lebensjahr stand, hatte von seiner Patin einen Riesenweck erhalten. Wie er ihn aufbrach, fiel ein Messer heraus. Das wollte besagen, daß er künftiges Jahr auf ein Geschenk nicht mehr zu rechnen hatte. Sein Altersgenosse, dem dicken Balthes fein Hannes, war besser daran. Er sand kein Messer in seinem Weck.

Seist du-schon abgeschnitten?" wurde er gefragt.

Nee", antwortete er, einen Luftsprung machend,ich krieg' noch emal!"

Die Bürgermeisterin hatte auf das Grab ihres Erstgeborenen em schön geschmücktes Christbäumchen gestellt. Aus dem Heimweg vom Fried­hof begegnete ihr die Annegret, die dem Mandlersfranz ein Paar selbst- gestickte Hosenträger brachte.

Der Melcher Wallenfels saß an seinem Schreibtisch und entwarf eine Eingabe an das Kreisamt, die feine Anhänger unterzeichnen sollten. Darin wurde unter Beibringung vieler Gründe gegen die Abholzung des Röderkopfs Verwahrung eingelegt. Selbst die Singvögel wurden ins Feld geführt, deren Nutzen für die Landwirtschaft unzweifelhaft sei und deren Nistplätze der Zerstörung verfielen. Der Melcher hatte die Brauen hochgezogen. Er war ganz bet der Sache. Das Schreiben ging ihm flink von der Hand. Herrgottsackermentl Man mußte sich wehren bis aufs 18lut.

Den Hof überschreitend, erwiderte die Bürgermeisterin den Gruß Hannveltes, des Knechts, und zog sich dann in ihre Kammer zurück. Ihre Gedanken waren noch auf dem Friedhof. Der frühe Tod ihres Heinrich hatte sie am härtesten getroffen. Sie hatte sich in dem Jungen selbst wiedergefunden. Ohne daß sie es eigentlich wollte, zog sie ihn ihren anderen Kindern vor. Wenn der Bürgermeister ihr eine Pille zu schlucken gab ober gar seinen Spott mit ihr trieb, _fonnte sie sicher fein, daß sie an dem Heinrich einen Rückhalt fand. Sollte sie eigensüchtig klagen, weil ihn Gott zu sich genommen hatte? Nein, das wäre sündhaft ge­wesen. Wider Gottes Ratschluß durste man nicht murren. Der Heinrich hatte nun längst allen Schmerz und alles Weh der Erde vergessen und wohnte in den ewigen Hütten des Friedens. Wohl ihm!

Draußen hob die Glocke zu läuten an. Sie klang fast so schrill wie die Stimme des jungen Pfarrers, der ihr, der Bürgermeisterin, nicht zu Gefallen predigte. Darum machte sie sich Sonntags jetzt öfter eine Aus­rede und ging zu ihrer Schwester nach Herleshausen, mit dieser die Versammlungen der frommen Gemeinschaft zu besuchen.

Hier im Hause merkte man nichts von Weihnachtsstimmung. Sie wollte wenigstens auf ihre Weife den heiligen Abend feiern. Sie stand auf, holte ihr Gebetbuch aus dem Wandschrank und vertiefte sich barem.

Nach einer Weile ließ sie bas Buch roieber sinken. Die Erinnerung an bie Weihnachtszeit in Friebborn, ihrem Heimatort, würbe in ihr wach. Einmal am Christabenb war sie, bes angesehenen Talmüllers Lisekathrin, bazu ausersehen worben, als Christkinb zu erscheinen. Sie zog ein weißes Kleib an und bebeckte ihr Gesicht mit einem Schleier. In der einen Hand ein winziges Christbäumchen tragend, in der anderen eine Rute, wan­derte sie von Haus zu Haus. Ein Mädchen mit einem Korb voll Gaben folgte ihr. Wohin sie kam, wurde sie von den staunenden Blicken der Kleinen empfangen, Die ihr Gebet hersagten, wurden beschenkt, die sich sträubten, mußten mit der Rute Bekanntschaft machen. So feierlich war ihr zumut gewesen, als fei sie wirklich vom Himmel herabgeflogen.

* eher.