Alle diese Erscheinungen sind Zeichen einer Krankheit. Sie sind be­sonders durch zwei Tatsachen bedingt. Einmal dadurch, daß während des Krieges die von der europäischen Industrie obgesperrten Rohstoff- lnnder sich eigene Industrien aufgebaut haben, dadurch Millionen von Europäern arbeitslos machten und an die europäischen Fabriken ihre Rohstoffe nicht mehr verkaufen können. Wichtiger aber ist die Tatsache, daß die Staatsmänner, die nach dem Weltkriege die Welt verbessern wollten, nichts aus den Fehlern der Vergangenheit lernten, sondern Hast säten, wo es galt, abgebrochene Brücken wieder aufzubauen und den schwer leidenden Völkern endlich den ersehnten Frieden zu geben.

Auch die Verteilung des Bodens ist durchaus nicht immer richtig. Wir wissen heute, daß uns in Deutschland auf die Dauer nur eine starke Jnnenkolonisation helfen kann, also eine Aufteilung zahlreicher über­großer, unrentabler Besitze auf gutem Ackerboden in kleinere Bauern­stellen.' Ohne diese Umstellung ist z. B. unsere Ostmark auf die Dauer nicht mehr zu halten. Aber auf dem Papier ist dies leichter durchzu­führen als in Wirklichkeit. Große Teile des deutschen Volkes sind heute verstädtert und das Leben auf dem Lande und die ganz andere Art der Arbeit daselbst nicht mehr so gewohnt, wie die Tausende von billigen Sommerarbeitern, die wir immer noch aus dem südöstlichen Europa hin­zuziehen. Hier einen Wandel zu schaffen, ist eine wichtige Aufgabe der Zukunft. Aber Länder wie Holland und Dänemark zeigen, daß dies nicht unmöglich ist. Noch unerfreulicher liegen die Verhältnisse in Ländern wie den Vereinigten Staaten, Kanada, Argentinien, Brasilien und Australien. Hier gehören riesige Flächen von der Größe preußischer Land­kreise nur einigen wenigen großen Besitzern. Diese Riesengüter sind wegen der teuren Arbeitslöhne auf den extensiven Maschinenbetrieb eingestellt. Um Löhne zu sparen, arbeiten dort Maschinen in einem bei uns kaum denkbaren Umfang, und der Boden wird nicht in dem Umfange gdüngt und kultiviert, wie bei uns in Deutschland. Jahrelang bleiben riesige Flächen zum Ausruhen als Weideland liegen. So ist es verständlich, daß ein Land wie die Vereinigten Staaten auf seinen besten Böden irn Durchschnitt noch nicht halb so viel erntet, wie unser deutscher Landwirt, Argentinien sogar nur ein Drittel.

Wir sehen also, daß in der Weltwirtschaft große Umstellung«! er­forderlich sind, um den der Menschheit gegebenen Raum in der richtigen Weise auszunvtzen. ,

Etwa ein Viertel der Erdoberfläche besteht aus Land. Die gesamten Landslächen der Erde bedecken eine Fläche von rund 150 Millionen Quadratkilometer. Für die Landwirtschaft brauchbar sind aber nur solche Gebiete, in denen Regen und Wärme in genügendem Umfange vorhanden sind. Beides brauchen die Pflanzen zu ihrem Gedeihen, vor allem unsere anspruchsvollen Nutzpflanzen, wie Getreide, Südfrüchte, Hackfrüchte und Faserpflanzen. Zwei große Gebiete scheiden.also> auch in Zukunft für die Landwirtschaft und damit für die dichtere Besiedlung durch die Mensch­heit aus. Das sind die Wüsten mit ihrer zu geringen Regenmenge und die Gebiete jenseits der Getreidegrenze.

Die Wüsten werden umrahmt von ausgedehnten Grassteppen. Große Teile derselben kommen wegen der geringen Regenmenge für die Land­wirtschaft nicht in Betracht und sind höchstens zeitweise als Weideland verwendbar. Berechnungen haben ergeben, daß heute genügend regenr ch und zugleich genügend warm etwa 80 Millionen Quadratkilometer s . Ein g'roßer Teil dieser gewaltigen Fläche, d,e mir ° dOekumene (Wohnronrn) bezeichnen können, ist noch heute von dichtem, >n Tropen fieberschwangerem und feuchtem und deshalb sehr ung f Wald bedeckt. Die Geschichte zeigt, daß die meisten europäischen Lander, wie auch Deutschland, früher viel waldreicher waren ebenso die Ver­einigten Staaten Die Waldrodungen fortzusetzen, hat. aber [«neJBe­renten. Waldrodung bedeutet vielfach, wie wir das aus Lta ien, Griechen­land und Frankreich wissen, Verschlechterung des Klimas und Nachlassen der Niederschläge. Ein Wiederausforsten macht Schwierigkeiten, da die Sonnenglüt vielfach die für den Wald so notwendigen JB vernichtet hat. Auch in Zukunft wird also em recht 6^" Teil dies 80 Millionen Quadratkilometer als Wald bestehen bleiben. WeiUr muh damit gerechnet werden, daß auch Weweslachen und An s Jndustriepflanzen, wie Baumwolle, Flachs und Jute n°twend g sind. In allergrößten Zügen kann man sagen, daß von diesen verwan-

dratkilometer etwa die Hälfte in Kulturland, d. h. in ratfilometer

delt werden kann. Heute find erst etwa 8 ^tillwnen Nord-

in Ackerland verwandelt (Europa 2,6, Asien 2,S,Afrik - amerika 1,2, Südamerika 0,5 und Australien 0,13), bauon bienen 0,5 J lionen dem Anbau von Nutzpflanzen (Baumwolle, Kaffee, Jute, Kaut,cyur

Für die Europäer sind die Räume besonders wichtig, 3.'^ der Palmengrcnze und der Getreidegrenze liegen f unb Sibi- Dereinigten Staaten, Südkanada, der größte Zeil P füblicben

riens sowie Teile von Australien, des südlichen Afn Menschen Von

Amerika. Heute leben auf der Erde rund 2 Millwrd n Men. Von ihnen sind etwa 850 Millionen Europäer, ^0 Millionen ^ceg , mje

lionen Indianer und Mischlinge und ,e 500 llAülw -Nndochinesen Inder, Araber und Malaien und Ostasiaten, w,e Chinesen, Invocymeie

Teile Afrikas, Südamerikas und Asiens, vielleich ch farbige Australien und Mitteleuropa günftigere -L.Q^er,"®be^rn,9 b?e9 SatM mc!ci;e als für Europäer bieten. Betrachten wir darum 3 '

die Maximalbevölkerung der einzelnen Erdteile z g r rt,id)en Teile brauchen wir nur die genügend warmen und z g ck) 0 mjt etwa unserer Festländer in Quadratkilometer ^drucken un

200 zu multiplizieren. 6old)e ölad)en unb

Kenntnis die Einzelerdteile nach Abzug der Millionen, Nord-

Waldflächen wie folgt: Europa 3 Millionen^ « Millionen und

°merika 5 Millionen, Afrika 7 Millionen, SudaE ka 8 M.Uwne Australien 1.5 Millionen Mit 200 multipliziert eg Rußland etwa bare Einwohnerzablen: Europa m denn europäischen JWB«0

600 Millionen, Asien etwa 2 Milliarden, Nord- uno

t

Gedächtnis. Kummer, etwas, atmen.

1 Milliarde, Afrika 1,4 Mlliarden, Südamerika 1,6 Milliarden und Australien mit Ozeaiiien etwa 5Ott Millionen. Die Zukunftsaussichten für den farbigen Menschen sind also erheblich günstiger. Man nimmt daher an daß in Zukunft der Anteil der Weißen an der Erdbevölkerung ständig inten wird, falls nicht neue wissenschaftliche Forschungen, wie dieWohn- raumabtühlung", es dem Europäer gestatten werden, auch tropische Räume in Zukunft dauernd und in großer Zahl zu besiedeln. Die Ans­ichten für den Europäer gegenüber dem Farbigen sind also in Zukunft nicht übertrieben günstig zu beurteilen.

Günstiger würden die Verhältnisse für die Weißen werden, wenn große fruchtbare Tropenräume lediglich als Plantagenland benutzt wur­den, um mit Hilfe farbiger Arbeiter hier die notwendigen Nahrungs­mittel zu erzeugen. Ob dies aber im Zeitalter desErwachens der Far­bigen" in größerem Umfange möglich sein wird, ist zu bezweifeln.

Raum für alle hat die Erde", aber nur bann, wenn Eigenbrodelei, Machtsucht unb Egoismus zurücktreten unb immer größere Teile ber Menschheit für die Menschheit unb nicht von ber Menschheit leben wurden.

Oie pariser.

Roman von Alfred Bock.

(Fortsetzung.)

Der Franz aber redete weiter:

Von meinem Musiklehrer muß ich dir noch erzählen. Das war ein treuer Mann, dem ich ewig dankbar bin. He war blind wie ich. Unb halt' ein schweres Schicksal hinter sich. He war brunten im Rheinischen Dokter gewest. Unb war berühmt. Nu hott' er viele Jahr bruber simeliert, wie er eine Arzenei machen könnt', die bas Blut verbessern sollt. Enblich meint er, er hätfs ausgeklugt. Unb probiert bas Mittel an sich selbst Zwei, brei Monat' lang. Auf einmal merkt' er, baß er net mehr wt sah Unb rourb schlechter babemit unb immer schlechter. Unb eines Tags war er btinb. Wahrscheins is bie Arzenei dabran schuld gewest Etz war er mit einem Mädchen versprochen. Wie das Unglück passiert war, spricht er zu ihr, er gab sie frei. Sie wollt' aber mx bevon wissen unb schwur hoch unb heilig, sie töt ihn net verlassen. Die Hoch­zeit war schon festgesetzt. Da kommt ein Vetter vom Doktor an. Der war lang in Amerika gewest. Unb war ein luftiger Bruber. Der Dok.er hatt kein Arg unb schickt ihn als mit feiner Braut spazieren. Mein Ameri­kaner macht sich an sie, verbrehf ihr ben Kopf unb bracht sie richtig so weit, baß sie mit ihm auf unb beoon gangen is. Denkst bu, ber Dokter wär' etz verzweifelt? O nee. He nahm sein Kreuz auf sich. Mit seinem Beruf war's vorbei. Unb weil er immer Freub an ber Musik gehabt hatt' tat er sich babrin ausbilben unb bewarb sich um eine Lehrerstell. Auf bie Art is er bei uns in bie Anstalt kommen. Daß he |id) so viel mit mir abgeben hat, war für mich ein groß Glück. Kannst mjr s glauben, mir is he Vater unb Mutter unb Parrer unb Lehrer zusammen gewest. Wann er abenbs im Anstaltsgarten mit mir auf unb ab ging, brubelt s aus ihm eraus, baß man hunbert Eimer hält' unterstellen können. Ich will mich net rühmen, Annegret, aber bas barf ich wohl sagen, ich hab ein guten Behalt*. Freilich geht net alles auf, was so em Mann in ein legt. Dann man hat bloß sein' Bauernverstanb. Demwegen hab ich boch soviel profentiert, daß ich mein Leden lang bevon zehr. s ge­denkt mir, einmal sprach er von ber Bibel, unb baß ihm bie Geschieht vom Hiob besonbers ans Herz gewachsen wär'. Die könnt er net oft genug hören. Die wär' für die Ewigkeit geschrieben. Und tat >eder sein Teil drin finden, wann er nur suchen wollt'. Was lernt ein der Hiob I Der Mensch is gegen die Welt gestellt net mehr wie ein Stäubchen an der Sonn'. Unb boch kann, er unter seinesgleichen viel bebeuten. Was eigentlich an einem is, bas weist sich erst im Unglück aus. Da geht einer aus sich eraus unb beguckt sich fein' Lebensbaum. Hier is bieJRmb zer­rissen ba is ein Ast kaputt. Nu fängt er an zu graben, bis daß er an bie Wurzeln kommt. Sinb bie krank, bann o weh! Sinb sie gefunb, holt er sich von brunten bie Kraft herauf unb bas Vertrauen. Unb weiß, der Baum schlägt wieder aus. Und guält sich net mit Flannern und Fragen. Dann die rechte Antwort steht doch nur bei Gott!"

Er erhob sich und trat an die Freundin heran.

Gell, Annegret, ich schwätz' als von mir und anderen Leut. Unb (ottf boch von dir schwätzen. Du hast viel durchgemacht. Ich hab s mit dir durchgemacht. Das is nu geschehen. Und is de beft, man rührt net mehr dran. Du muht drüber weg. Und kommst auch drüber weg. Das .s ia ein Segen in deinem Brost**, daß so eine Tüchtigkeit in dir steckt. Guck, wann bu mir als aus ber Zeitung lieft, kann ich mir 1$° cin Begriff bevon machen, roies brausten zugeht m ber Welt Was steht m io einer Zeitung net all brin! Von Politik unb Richtgewalt, von Fabriken unb Gewerbsamkeit, von guten unb schlimmen Sachen unb noch viel mehr unb boch wirb von ebbes*** zu wink geschrieben, von ber ge­ruhigen Arbeit im Haus unb aus'm Selb. Unb was für ein Segen baraus auittt Unb baß sie bie bösen Gebanken Derjagt. Unb bah sie em spuren ,äßt, man lebt net umsonst. Das Rezept verschreib ich btr. Unb schätz, 6u^mieg.^sV aber nahm seine Hand, unb über ihre zitternden Lippen tams:

Du seist mein bester Freund!

Nach einer Weile fing er wieder an: ...

muß ich doch noch emal von mir schwatzen. Ich hab schlechte Nachricht kriegt von meiner Schwester. Ihr' Krankheit hat sich nach m Herz gezogen. Sie is sehr schwach. Ich glaub als, sie hat sich zuviel zw aemusi 's war oft eso, wann sie abends heimkam daß sie kaum noch Idiniebenf könnt'. Unb sie braucht' gar net aus n Fichtenhos. Sie könnt bei mir bleiben. Ich hott' Brot für uns zwei. Sie is holt gar eigen-