Ausgabe 
13.6.1932
 
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Nummer 45

Montag, den 13. Juni

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Zwei Lunigedichte.

Von Max Dauthendey.

Glühwurm im Gras.

Die Juninacht, sie hat's entzündet, Und wie ein Blick, der dich ergründet, So liegt ein kleines Licht im Gras, Als flog es dir vom Herzen fort, Ein Liebeswort, das ungesprochen Und ungebrochen weiterglüht, Und lautlos müht sich dir zu nennen. Doch eh' die reife Juninacht Zu End' gedacht, Sollst du's erkennen.

Sie hak Rosen angezündek.

Meine Liebste ist mit Lächeln Durch die Dornen hingegangen, Und an allen wilden Dornen Hat ein Blühen angefangen. Sie hat Rosen angezündet, Eine blieb am Rock mir hangen. Und blieb dicht an meinem Herzen Bangrot wie der Liebsten Wangen.

m, ch. Endlich )en. ih| habe fit mal, m halsluch

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hndti. Rinnen, Auch!

iw üben in Kleidm

Das war meine erste Begegnung mit dem Draußensee, dem toten See, wie ich ihn bei mir nannte, den ich heute als reifer Mann Wieder­sehen soll. *

Im Sonnenglast liegt die Landschaft am Frischen Haff. Im Osten ein paar holländische Windmühlen, dahinter einige hochstämmige Erlen und Pappeln. Von Norden her grüßt ein Turm: Elbing. Weiterab geistern über glitzernder Wasserfläche die Dünen der Frischen Nehrung. Heber einem Feldbahngleis, das aus ausgedörrtem Gras herausragt, flimmert die heiße Luft; über dem weiten Wiesengelände liegt das müde Gezirp der Grillen. Aber die schlanken, zartflügeligen Libellen, die da knisternd und raschelnd hin und her jagen, kennen keine Mattigkeit. Es ist, als hätten sie alle das Bestreben, ihr kurzes Sonnendasein weidlich zu nutzen. Ob im Kolbenrohr oder über den Seerosen, im Schilf oder über dem Ried, überall Blitzen und Schwirren, Jagen und Rütteln der verschiedensten Jungfern. Und verschieden ist auch die Art des Fluges. Hier Minneflug, dort Beuteflug. Und nebenan int Schilf lautes Geraschel­letzte Zuckungen einer sterbenden Libelle, die ihr Leben, das sie gerade erst begann, unter scharfen Kiefern Sushaucht. Ja der Tod kommt hier in der großen Schilföde in jeder Sekunde, wie denn auch in jeder Sekunde das Leben geboren wird im Röhricht und Laichkraut, zwischen Binsen­gestrüpp und im Usergehölz. ,

Der See wird sichtbar. Aber nicht in blanker Wasserfläche tritt er auf uns zu. Nur Schilfwälder sieht das Auge zunächst, Schilswälder, die etwas von der Unendlichkeit des Meeres oder der Wüste haben ober der Ströme. Ad und zu erscheint das Flugbild eines Vogels über leicht schwankendem Rohr. Zuweilen tönt auch ein schriller Schrei. Und jetzt blinkt auch schon Wasser im Sonnenglanz, dunkles Wasser, und allerlei Farben treten aus dem Grün und Grau des Röhrichts hervor weit­hin leuchtende Farben. Das sind Seerosen und Mummeln und noch man­cherlei andere Pflanzen. Sie alle liegen im erbitterten Kampf mit dem Wasser. Seit ungezählten Jahrtausenden. Sie alle führen einen Kampf, der sonst dem Menschen zusällt: Eroberung des Wassers. Und so wenig einige Jahre auch vermögen, das Gesicht einer Landschaft zu verändern, dieser Naturprozeß hinterläßt schon in einem kürzeren Zeitabschnitt deut­lich sichtbare Spuren. Es ist wie mit Wasser und Düne. Aber das Wasser arbeitet unmerklich langsam, und die Dünenbildung ist von einem be­stimmten Winde abhängig. Die Verlandung aber, die wir hier sehen, schreitet unaufhaltsam vorwärts, als wären hier viele, viele Hände am Werk bei Tag und bei Nacht. Stumm weist der Fischer auf eine Stelle. Es ist ein Gewirr von Pflanzen, die innig ineinander verschlungen sind. Ein Filz.Hier warf Ich noch vor zwanzig Jahren meine Netze aus. Uni) bann bebeutet er auf eine anbere Stelle, auf ber Rohr unb Schiß miteinanber um bie Vorherrschaft kämpfen.Da konnte ich bamals noch mit bem Boot anlegen. Damals bas finb erst zehn Jahre her.

Weiter geht's burch Erlenbickicht. Dichter wirb ber Pflanzenwuchs, unb munterer tönt es burdjeinanber. Schrille, lockenbe flötenbe Stimmen. Unb ich muß benten an meinen ersten Besuch unb bie Einbrücke biefer Jugenbsahrt. Heute weiß ich, wem biefe Stimmen gehören. Heute? Da­mals schon wenn ich auch bie Sänger unb bie Rufer nicht zoologisch be­stimmen konnte. Unb richtig ist es auch, baß biefer See mit aller ®el in Verbinbung steht: ber graue Vogel, ber bort über ber Schilfbucht schaukelt ist ber Rohrweih unb ber hat ben Winter an ber Mittelmeer- tüfte zu'aebracht; ber kleine Lärmmacher im Rohr ist ber Sumpfrohr- fänqer unb ber ist noch weiter gereift. Unb bie flitzenben schmucken Kerß dien bie ba so behenb über ben Schlamm'trippeln, baß das Auge sich anstrengen muß, die flinken Bewegungen der dünnen Stanberchen zu erfassen sind Stranbläufer. Und bie finb bie reinen ReisAxe m ber Voaelwelt. Aber sie verstehen es mit Genuß zu reifen, biefe Globetrotter. Ohne sonberliche Hast ziehen sie bahin. Wo es ihnen gefallt bleiben sie. Unb hier gefällt es ihnen. Sie haben ,a bie herrliche Fähigkeit, Ver­zögerungen burch bie Schnelligkeit ihres Fluges wettzumachen.

4 aeia dieser See sieht viele Gäste. Aus fernen und fernsten ßanbern kämmen sie über Meere unb Gebirge, an großen Strömen entlang unb über weite Ebenen. Noch bevor ber Lenz ben See von feiner Eisbecke be­freit kommen bie ersten ßuftroanberer. Unb bann halt ber Zug an bis in ben Mai hinein, bis ber Rohrsänger fein schalkhaftes Sieb singt unb die jungen Kiebitze aus ben Eiern schlupfen Unb wenn bas Jahr auf feiner Höhe ist, kommen bereits bie ersten Ruckwanberer, die zierlichen Stranbläufer bie auf ber Reife nach Westen hier längeren Aufenthalt nehmen Wenn aber bie Stare in ben bichten Rohrwalbern große Reife- aeiellschaften bilden, unb ber Nebel bick unb schwer über bem See lastet, roenn in Silber bes ersten Reiss bie Wiesen erglänzen, bann kommen scbon bie ersten norbischen Gäste. Aus bunklem Wasser gleitet unser Kahn an schwarzen Elstern vorbei unb leudjtenben Seerosen. ®in ©emtrr von mfinn«n versperrt uns ben Weg. Hin unb her wiegen sie sich. Em ragender Rohrwalb bleibt zurück. Die Aussicht auf offenes Wasser wird frei. Aber weit geht ber Blick auch l°ßt nicht Da taucht Jdjon eine ber chwimmenden Kämpen, biefer abfonberlidjen Sebilbe, bie ber Arbeit bes

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Der sterbende See.

Von Ebmunb S ch a r e i n.

Elbing, im Juni.

Ein kleiner Junge war ich, unberührt von aller Schulweisheit, als t bie Bekanntschaft biefes Sees machte. Sei es nun, baß es bas erste lußere Gewässer war, bas ich sah, sei es, baß es mir gerabe mir - tnberes zu sagen wußte ich geriet sofort in seinen Bann unb würbe i Erinnerung an biesen See nicht mehr los.

Es geht ja oft eine rounberbare Kraft von einer Lanbfchaft, etwa eiem Walb ober See ober Berg aus. Manchmal genügt f$on ein ein- i ner Baum ober ein Stein ober eine .Blume eine starke Wirkung aus ihn Menschen auszuüben, ihn auszuschliehen für Empfangniffe, bie hm tcher versagt waren, ihn zu einer Weisheit zu fuhren, b.e 'hm kem »üehries Buch vermitteln kann, einer Urweisheit die nicht vom Berstanbe trmmt, fonbern von ber Seele. Unb biefer See mit feinen Schilfbickungen iimen unburchbringsichen Rohrwälbern unb feiner ganzen mir damals »verständlichen Pflanzenwelt hinterließ fo tiefe Embrucke bas alles ° bere, was ich bisher gesehen, bagegen aurüdtrat. Ich 9öie

dm Flug ungezählter Entenscharen, bie Stimmen ber Rohrsänger, tigenben Rufe der Kiebitze auf ben nahen Wiesen -was war h.

S iese, was See?; ich sah Vögel kreisen Vogel von: wannigfacher Mtalt unb von verschiebenartigem Feberkleib. Ich wußte meüier t'6 es ßänber unb Meere gibt, anbers beschaffen, als bie Stad e meiner feburt. Ich ahnte auch, bah biefer schwer emzu fthenbe SJtlfg mrt Inen ßänbern irgenbroie in Verbinbung stehen müsse, nM durch Wasser^ laßen, fonbern burch feine Vogelwelt. Unb ich ahnte, h f 'ch engere Verbindung bestanden haben müsse als he tubung non Mensch zu Mensch ... Es war mir, als dürft 'ch nicht 'ebt Weggehen von diesem See, als sei ich gekettet > - s ftwimmenden Kämpen, wie bie ftüsternben Rohrwalbe dieses

ln Schilfbuchten, als sei ich selbst em Stuck von 'h fühlte

t-rwassers, bas mir erschien wie em rmgenber Mensch. J . .aq|.

daß sich hier einst Großes zugetragen haben müsse. Und> g

(« daß halb ein Bilb vor meine Seele trat von einem ka pf '"d daß sich weiter Bilb zu Bilb fügte Unb feen -ch auch )ei^ Lr !ah, ob im Gebirge ober im Flachland dieser ung ge= Mte des Frischen Hasfs ist mir allzeit in lebhafter Crtnner g y Sieben. n

. Aber so laut unb bunt bas fleben hier auch «o'bfoern(än?ten ich !ö)ter ber Fischer über die reiche Beute, bie ihnen war , 'gee

tnirbe eine leise Traurigkeit nicht los. Immer er|d) 'immer ver-

»n starker unb boch vom Tobe gezeichnete Menfcft^Jmmer v^^ tutete ich hier ein oroszes Geheimnis, bas id) 3 hpmnnbert

'Hhm, sobald ich erst in ber Kunst bes Lesens uud Schee'be,

*« Als ich dann einige Tage später an einem Gutshof eine '»bile ein Schöpfwerk treiben sah, bas ber ^ntwa ftrung e n »mte, spuckte ich vor bem raudjenben, h b?, ru6ige Heizer

Mte auf bie rote Ofentür, daß es 3'We, unb L""scherz hielt.

Rtnutig lachte, weil er bas für einen übermütig . Maschine, 'der es war kein Scherz, es war Verachtung gegenüber ber

ietzenerZamilienbMer

Unterhattungrbeilage zum Giehener Anzeiger