recht. — —
IV.
schwiegen.
* Fase-tochs.
(Fortsetzung folgt.)
t t+
blökt.
Mund voll.
heut.
leichtsinnig
charnktertoser Mensch.
hin.
rille
„Da beschwert sich der Eckschulz, der BriiUochs* töt' sein' Dienst n«l mehr. f>at eins dadevon was gehört?
Der Eckschulz hat ewig was zu nuscheln", sagte der Beigeordnete
Der dicke Balthes fügte hinzu: „Und wann er in ein Lops Mit-Y
der Flachs gerate vortrefflich.
Ich denk', wir sangen an", brach der Bürgermeister die Unterhaltung ab und legte das Protokollbuch nebst allerlei Geschastspapieren vor sich
brauchen.
In diesen und ähnlichen Gedanken wurde der Bürgermeister durch seine Frau unterbrochen, die ihn zum Mittagessen rief. Sie war eine Fünfzigerin mit weißem Haar. Ihre stahlblauen Äugen die sonst müde blickten, hatten heute einen eigenen Glanz. Bon dem Missionar, dessen beaeiiterte Zuhörerin sie in jungen Jahren gewesen, mit dem sie seit jener Zeit in Verbindung stand, war ein Brief aus Argentinien gekommen. Das war ein Festtag für sie, und ihr ganzes Wesen war von einer inneren Freudigkeit gehoben.
Wallenfels begab sich in die Wohnstube. Diese wies die herkömmliche Einrichtung auf. An den unten getäfelten, oben mit Kalk geweißten Wanden liefen vorn Atter gebräunte Banke entlang. In der einen Ecke stand ein großer Tisch von Eichenhvlz davor altertümliche Stuhle deren Lehnen schönes Schnitzwerk zeigten. In der anderen Ecke hatte em riesiger Kachelofen feinen Platz, dessen unterer Teil aus Eisen bestand während der Aufsatz aus Lehm geformt und kornblumenblau gestrichen war An den Wänden sah man eine Schwarzwälder Uhr, einen kleinen Spiegel und ein paar Oeldrucke, Schlachtenbilder aus dem deutsch- sranzosifchen Krieg. ..
Die Annegret trug das Essen auf. Es gab Milch,uppe, geräuchertes Schweinefleisch und eingemachte Bohnen. Während der Mahlzeit wurde so gut wie nicht gesprochen. Auf dem Land gehts nach dem Spruch. Wann das Schaf blerrt*' schad'! 's ihm ein' Muffel"." Als abgegeffen war, wandte sich der Bürgermeister an feine Tochter:
's könnt' fein, wir kriegen die Nacht Frost. Sorg', daß das Erchen- sutter bau*** noch ereinkommt."
Ich wollt' hernach die Birn' schälei,", erwiderte die Annegrek „Und dann is heut abend Singprob' fürs Erntefest. Bis ,ch vom Wickenstuck wieder deheim bin, wird mir's zu spät."
In der Singprobe, das wußte der Bürgermeister, traf die Annegret mit dem Spechtskarl zusammen. Da wollte er nicht dazwischenfahren.
„Dann mag's mit dem Futter bleiben bis morn , sprach er und erhob sich. r., , .
An der Tür drehte er sich noch einmal um.
Ich versteh' nur net, daß der Spechtskarl jo lang druckst. Schatzerei und Handschlag sein zweierlei. Das merk dir. Und werf dich net weg!
Das Gesicht der Annegret bedeckte sich mit glühendem Jtot.
Ich mich wegwerfen? Nee, Baier, fo »erfchwobelts- fein ich net. Und der Karl is kein Flappchstj. 's gibt >« Menschen wann die .n die Luft gucken, haben sie schon eine Lug gemacht. Für dem Karl seine Treu- heil leg' ich die Hand ins Feuer!" .
Immer wieder kamen dem Bürgermeister Bedenken, ob man dem Pariser trauen könne. Seiner Tochter Zuversicht beruhigte ihn.
Die Abfütterung des Viehs nach Tisch besorgte Wallenfels felbstz jetzt zumal, wo der Uebergang vom grünen zum dürren Futter Barsicht erheischte. Danach gab's in der Amtsstube mancherlei zu tun. Die Gange der Feldqe chworenen und Wiesenoorstände waren in das Reister em« zutragen. Ein Kaufvertrag mußte sertiggeftellt werden. Endlich war die Gemeinderatssitzung vorzubereiten, die abends stattfinden sollte. Die ersten vier Gegenstände der Tagesordnung machten dem Lurgermeifter
guckt, wird sie sauer."
Das mag sein", nahm der Iörgheinrich das Wort, „etz nut den Brü'llochs, da is was dran, Ich hab' auch beobacht, daß er net mehr rStein^unber", sprach der Schmelzersluis, „der Wollbart hängt ihm &l?n Deu"e? cuich!" rief der Bürgermeister. „Jor was gibt ihm die Ke- meind' dann zwei Wiesen in Nutzung? Ich will ihm emal den Leim warm machen. Wann er den Brüllochs net ordentlich halt, kriegt er ih" genommen. Sein die Herrn dademit einverstanden?"
' „Jawohl!" hieß es von allen Seiten.
Der Bürgermeister ging zum zweiten Punkt der Tagesordnung über. Durch den Heßlocher Grund sollte ein Weg geführt werden, dessen Bedürfnis außer Zweifel stand. Weder der Bürgermeister noch die Ge- meinderäte hatten ein besonderes Interesse daran, weit ihre Aecker weitav von dem Gelände lagen. Der Schmidtkonrad und der «chmelzersluu sprachen sich für die Anlage aus, die übrigen Gemeinderate hielten Widerpart In hitziger Debatte warfen die Pariser ihren Kollegen vor l>e dächten nur an ihren Sack. Bei der Abstimmung wurde die Vorlage gegen die Stimmen des Bürgermeisters und der Pariser abgelehnt.
vorstander nur wenige Leute eingesunden. Darüber führte der Herr WaWr ‘für Sun$ut, Herr Pfarrer", erwiderte der Bürgermeister mit einem Gesicht in dem sich Schlauheit und Selbstbewußtsein spiegelten, „uh will enial stei eweg schwätzen. In einem Teil sein ich für die neumodische Predigung, in einem Teil auch wieder net. Die Wett will vorwärts, dm, wahr Ob sie allefchlag dadebei projektiert, is noch sehr die Frag. Ja, mann einer täm', d r das Wetter machen könnt', das war' was anders. So weit halten wir noch net. Meine Sag' is: Die Bibel >s das Vordermd am Kirchenwagen. Wann das erst zerbricht, dann o weh Dernach Sauert's net mehr lang un die Lumpenstecher kommen un wollen teilen. Die Leut sein hier de' mehrst kirchlich. Und sein auch vom Herr Parrer selig dran gewöhnt, daß deutsch mit ihnen gered't wird. Der,^er^°^er jod9nur ordentlich über die Kanzel donnern, und ich mach eine Wettung, die Kirch' is gestoppt voll." m ..
Der Pfarrer, betroffen und verstimmt über die Art und Weise wie der Bürgermeister sich erdreistete, ihn zu belehren, schied, ohne, sich m eine längere Unterhaltung einzulassen. Wallenfels trat ans Fenster und schaute ihm nach. Das war der dritte, den er wahrend feiner Amtszeit erlebte Der erste war auch ein Aufgeklärter, hatte zum Text feiner Antrittspredigt die Worte des Apostels gewählt: „Wir sind weht Herren eures Glaubens, sondern Gehilfen eurer Freude . Dw Mucker hatte er derart mit der Hechel gestrählt, daß sich die Gemeinde beschwerdefuhrend an das Konsistorium wandte. Daraufhin war er versetzt worden. Der iunae Herr da war kein Spottvogel. Und kein Heuchler. Bielleicht zu einem Schaden. So ein bißchen Duckmäusern hatte auch sein«Gujes Nun, es fiel kein Meister vom Himmel. Die Jahre lagen vor «hm. Er konnte noch lernen. Soviel er, der Bürgermeister, von der Sache verstand, war er einer Meinung mit dem neuen Pfarrer. Auf die schonen Auslegungen in der Bibel war nichts zu geben. Das war dazumal für Menschen geschrieben, die sich alles vorschwätzen ließen. Worum drehte sich s in der Welt? Um Leben und Sterben. Mit den Lebendigen mußte man Hausen, mit den Toten konnte man's nimmer. Wie ein Baurn fiel, lag er. Was tot war, stand nicht mehr auf. Da war kein Zweifel. Ader wozu denn das alles an die große Glocke hängen! Das hieß, sich das Heft aus der Hand winden lassen. Die Kirche hatte einmal die Macht und follte sie
kein Kopfzerbrechen, wohl aber der fünfte und letzte. Es handelte sich um Öen Bau eines neuen Schulhauses. Die Schulverhaltnisie un j-orf waren Die denkbar kläglichsten. Da sich das alte Lokal für die wachsende Zahl der Schüler als zu klein erwies, wurde der Unterricht vorläufig im .hat- Haussaal erteilt. Der Lehrer selbst wohnte in einer dumpsen, feuchten Spelunke die [eine und seiner Familie Gesundheit untergrub, -rotz der chreiende'n Uebelstände wirkte der Bürgermeister dem geplanten Neubau entgegen. Die Schule war in seinen Augen eine Zwangsanstatt die die Kinder der Haus- und Feldarbeit entzog, vor allem Hatzte er ben Lehrer Moldenhauer, der ihn durchschaute und mit feiner Meinung nuty hinter bem Berge hielt. Die Angelegenheit länger hinausziiziehen war nicht gut möglich ^öenn der Kreisschulinfpektor hatte ein Machtwort gesprochen unö —' was am meisten ins Gewicht fiel — die Regierung hatte einen Beitrag in Aussicht gestellt. Unter diesen Umstanden war im ®eineinÖe« rat schwerlich auf eine Mehrheit zu rechnen, die sich für die Ablehnung der Vorlage entschied. Es war nurmehr zu bedenken, wie d e Gelder beschafft werden sollten. Die Pariser in der Gemeindevertretung, der Schmidtkonrad und der Schmelzersluis, hatten verlauten lassem man dürfe die Gemeindelaste» nicht vermehren, man muffe den Roder köpf nhhnlren und aus bem Erträgnis bie Kosten für den Schulbau bestreiten. Aut dem Röderkopf entsprang der Hesselbach, der des Philipp Wallenfels Säaemühle trttb Fiel der Wald als natürlicher Wassersammler, nahm die^Wasferkraft des Bachs ab, und der Gang des Sagewerks war gefahr- det So wuchs sich die Sache zu einer Existenzfrage für den Sohn des Bürgermeisters aus. Wallenfels war entschlossen, alles aufzubieten, den Schlau von seiner Familie abzuwenden. Der Wald, von dem er einst mü wucherischen Händen Besitz ergriffen, mit ^m der Ruin der Pariser verknüpft geipefem stand plötzlich au ihn mit der Last feiner G^en unö Buchen zu erdrücken. Unwillkürlich reckte er die Arme, ein Bud unbeugsamer Kraft. Er war der Stärkere. Und der Stärkere behielt
verantwortlich: vr. Hans Thhriot. - Druck undDerlag: BrÜhl'fche Universitäts-Buch. und ©teinbruderei, R. Lange, Gießen.
Pünktlich um halb acht stellten sich die Gemeinderäte neun an ber 3abl mit dem Beigeordneten ein, vom Bürgermeister mit einem „Seid Willkomm'!" begrüßt. Noch vor wenigen Jahren war es geschehen, daß Wallenfels in Anwandlung einer üblen Laune beschloß.eine ^mem^e- ratssitzung, die er anberaumt hatte, nicht abzuhatten. Was tat er. er rückte seine Uhr um eine’ halbe Stunde vor. Da nun die ^Einderat« zur sestgesetzten Zeit erschienen, schnauzte er ste, auf das Zifferblatt deutend an: „Wißt ihr bann net, um wieviel Uhr ich euch bestellt hab? Auf die Einrede, das wisse man wohl, seine Uhr gehe vor donnerte er.
Meine Uhr geht recht, und dadenach richt ich mich. Macht, daß ihr enatis kommt!" Seitdem die Pariser zwei Sitze im Gemeindera gewonnen hatten, war dergleichen Unverschämtheiten ein Riegel vorgeschoben.
Alle batten bereits Platz genommen, als der Rundbrenner sich ein- änd. Der nahm für seine Person das akademische Viertel in Anspruch. Obendrein hatte er wieder einmal zu tief ins Glas geguckt. Kaum, daß er sich in einer Ecke niedergelassen hatte, fielen ihm bie Augen zu.
Die Versammelten traten nicht gleich in die Tagesordnung ein, sie unterhielten sich über die Witterung und über wirtschaftliche Dinge. Als die Rede au den Flachs kam, meinte der dicke Balthes, was er davon geerntet fei weit hinter feinen Erwartungen zurückgeblieben. Der Jorg- Heinrich' riet ihm, zur Saat russischen Lein zu verwenden, mit dem er die besten Erfahrungen gemacht habe. Auch muffe man wohl beachten, ban der Flachs einen gut bearbeiteten Boden brauche. Der ^-chiwrver käsper erzählte, er habe'in diesem Jahre wieder die längsten Stengel in der Gemarkung erzielt. Er habe von seinem Ellervater em Rezept, bas sich stets bewahre. Fastnacht koche leine Frau Schweinerippchen mi Erbsen. Nach dem Essen sammle er die Rippchen und hebe sie aus. «°- er im April den Lein, lege er ein paar Rippchen in das Satuch, und vortrefflich.


