Ausgabe 
12.12.1932
 
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Ein Major von Herzfelde Io

dem beim

Schneenacht.

Von Kurt Bock. GDS.

Sterne schneien von den Zweigen, die sich taftentief verneigen.

Selber strömt vom vollen Mond, der im Glockenstuhle wohnt.

Selig stemmt fein Lied der Wind. Eine Mutter wiegt ihr Kind, aus dem Garten spähn herein sieben kleine Engelein.

Heben sacht sich auf den Zehn, um das Menschenglück zu sehn; nun erklingt von fern und nah himmlisches Hallslujoh.

des Leibes.

Nein, mein Freund", lautete die Antwort,ich bin Philosoph und darf mich wohl mit Recht zu den Vorurteilsfreien von Sanssouci zählen, und darum bin ich kein Christ. Es wäre der menschlichen Anmaßung zuviel, die sich für ihre kleinen Leiden einen besonderen Himmelsarzt bestellt!" n ,

Da der Major die höchste Protektion besaß, indem ein Brief des Königs anlangte, in welchem besonders nach dem Besinden feines lieben Herzfelde gefragt war, so wurde nichts unterlassen, um dem tapferen Mann zu helfen. Aber die Wunden waren hoffnungslos, der Brand trat ein, und der Arzt eröffnete dem Kranken, er müße auf das Ende ge­faßt fein.

In der Nacht darauf geschah es, daß Heinrich an das Lager eines sterbenden Unteroffiziers gerufen wurde, der in dem großen Saale lag, Wand an Wand mit dem Major, der ein Einzelzimmer innehatte. Der Unteroffizier empfing alle geistlichen Tröstungen, bat Heinrich, daß er feine Frau und feine beiden Kinder in Potsdam der Gnade des Königs empfehle, und betete mit Heinrich zusammen um die Vergebung seiner Sünden.

Als Heinrich das Amen sprechen wollte, fuhr der Sterbende fort:Und in dieser Stunde, lieber Gott, wo es mit mir ans Sterben geht und kein Spaß ist, laß dir auch anempfohlen sein unfern König Friedrich, der nun schon sieben Jahre Not und Kummer des Krieges tragt für uns. Hilf ihm und rette ihn, o Herregott!" .

Dann war cs Heinrich, als geschähe em Wunder; denn rings auf ben Lagern, wo die armen Verwundeten wach geworden waren, klang es leise und ehrfürchtig wie in einem Chor wie eine Bestätigung wieder: fiilf ihm und rette ihn, o Herregott!" Und waren doch zum Teil Men­schen, die aus der Sträflingsanstalt kamen, oder gewaltsam gepreßte Vagabunden neben echten preußischen Landeskindern.

Da nun Heinrich dem Unteroffizier Gutes getan und ihm verheißen, er würde eingehen als Gerechtfertigter in die Ewigkeit, hörte er an der Wand ein Mopsen, und, wie er war, im geistlichen Gewand, ging er hinüber zu dem Major. _ , ., , . ,

Der lag ohne Perücke kalkweiß in [einem Bett. Heinrich bewunderte die kühn gewölbte Stirn und den Willensstärken Ausdruck um Kinn und Wangen. Der Major begann:Hab' gehört, wie die da drüben für den König gebetet haben. Es muß etwas Sonderbares fern um die Kraft

Heinrich antwortete nicht darauf; er wußte, die Stunde dieses Mannes war gekommen. So gerieten sie in ein langes Gespräch über Gott und die Göttlichkeit. Und Heinrich war es, als spräche aus ihm der. kindlich- starke Geist seines Vaters, des Riesen aus der Potsdamer Garde.Ja ,

fance-Nachahmungen übertroffen wurde. Erst das beginnende 20. Jahr­hundert versucht wieder mit Glück, an die schönen alten Formen des Ofens anzuknüpfen. der allerdings einen harten Kampf ums Dasein neben der Zentralheizung führen muß.

ijor von Herzfelde tag im Lazarett, ein geistreicher Kavalier, _____ ______ Anritt der Seydlitz-Kürassiere das rechte Knie zerschmettert war. Mit Bewunderung sprachen die Aerzte von der Tapferkeit, mit der dieser Mann sein Leiden ertrug.Es sind Einbildungen des Körpers!" behauptete er.Ueberlaffen wir diese Lügen dem alten Lügner!"

Der Wundarzt, der ihn behandelte, meinte, her Major müsse ein rechter Christ sein, daß er so erhaben sei über alle Unzulänglichkeiten

Stettin, und Frau und Mutter konnte er nur an hohen Festtagen sehen, wie zu Weihnachten, wo er sich die Zeit nahm, auf seinem unermüdlichen Kosakenpserd über die Landstraße hin und her zu kleppern.

Endlich brachte das Jahr 1762 Frieden mit den Rusfen. Die Schweden gingen jetzt nicht mehr aus ihrem Teil Pommerns heraus. Ein schwacher Kordon von Truppen genügte, sie im Zaum zu halten. So konnte zum ersten Male das arme pommersche Herzogtum aufatmen von der Kriegslast.

Das Bellingfche Korps zog nach Süden, hinab in die fränkischen Lande. Auf diesem Marsch tarnen sie durch Leipzig, und Heinrich ver­fehlte nicht, feinen alten Gönner, den Professor Gellert, aufzusuchen. Er fand ihn gealtert und schwer bedrückt vor. Der Prosessor war ein treuer Untertan seines sächsischen Kurfürsten, aber der Krieg hatte besonders den lächsischen Landen und zumal der Stadt Leipzig' schwere Wunden geschlagen. Jetzt erklärte er Heinrich, er müsse dem preußischen König den Sieg wünschen, damit endlich einmal die Not des Landes aufhöre. Beide plauderten von den alten Zeiten. Gellert traten die Tränen in die Augen, und Heinrich war innerlich jchwergemut, wenn er daran dachte, wie sich sein Leben verkehrt hatte, wie er von dein Studium und den Klassikern hatte ablafsen müssen, um sich ganz feiner Kriegsarbeit zu widmen. Auch er konnte die Tränen kaum zurückhalten, als der Professor ihm an der Haustür, wohin er ihm das Geleit gegeben hatte, die Hand drückte.

Aber gerade zog eine Schwadron der schwarzen Bellingschen Husaren vorbei und fang ein kräftig Lied. Er sah ein kleines Kosakenrößlein scharren und das ehrliche Gesicht feines Husaren. Und die Stimmung ergriff ihn er schwang sich in den Sattel, zog vor dem Professor den Hut und fühlte die Brust frei.

Auf diesem Streifzug, tief ins Fränkische hinein nach Bamberg und Würzburg, kamen sie durch gesegnete Landschaften, die von der Kriegs- furie noch nicht berührt waren, und die Kriegskontributionen waren leicht einzutreiben von den feisten Domherren und Prätaten. Ein Spaß war es ihm, mit diesen geistlichen Herren Lateinisch zu reden. Er ergötzte sich an den erstaunten Gesichtern der Prälaten, die es gar nicht glauben mochten, daß ein preußischer Kriegsknecht die Sprach« der Klassizität beherrschte.

Im Herbst stießen die Bellingschen zur Armee des Prinzen Heinrich von Preußen, und noch einmal erlebte der Kriegskommissar die Greuel einer großen, blutigen Schlacht, als die Preußen die Oesterreicher und Reichstruppen angrisfen.

Gleich nach der Schlacht wurde ein großes Lazarett in der Stadt Freiberg errichtet, über das Heinrich die-Oberaufsicht erhielt, weil Mangel war an geeigneten Beamten. Aber auch der Geistliche, der die Sterbenden trösten sollte, brach zusammen unter der Mühsal und dem Jammer. Da kam es Heinrich zugut, daß er Theologie studiert hatte und bibelfest war. Er zog sich geistlichen Rock an, setzte die Perücke auf und nahm auch diese Pflichten auf sich.

Oer Knegskommiffar des Königs.

Roman von Friedrich F r e 11 a.

Copyright 1931 by August Scherl, G. m. b. H., Berlin.

(Fortsetzung.)

Kommen Sie dicht her zu mir!" befahl die Mutter, schaute den sich Krümmenden groß an und sagte:Heinrich, hast du denn nicht gewußt, daß dies ein Mädchen ist?" .. .

Der Kriegskommissar war wie vom Donner gerührt.Ein Mädchen?

Da fing das Schreiberlein an zu weinen, warf sich ihm zu Füßen un*b bet-crnnte, es fei aD[o; fie h-ätte ihres Vaters Haus verlassen, n>cil fie gezwungen fein sollte, einen Mann zu heiraten, vor dem sie sich gefürchtet.

Was für eine Komödie!" rief Dorothee.

Di« Mutter wurde blaß und sagte:Ich habe meinen Sohn niemals als Lügner gefunden! Willst du chrn nicht glauben?"

Nein ich mag es nicht glauben!" schrie das Mädchen und lief die Treppe hinaus in ihr Zimmer.

Heinrich ging ihr nach, klopfte an und bat. ....

Aber er hörte nur ihre jammernde Stimme:Ich glaube dir nicht!

Ich kann dir nicht glauben!"

Während er immer noch vor ihrer Tur zitterte und bebte, horte er bie Stimme seines Husaren:Herr Kriegskommifsar der Kurier!

Da mußte er hinunter. Der Kurier übergab ihm Akten und Schrift­stücke und auch einen Brief aus Rostock. Heinrich schnitt diesen Bries aus und fand folgende Zeilen von seinem Rostocker Duartiergeber: ,3Jtem hochzuoerehrender Herr Kriegskommissarius und mein lieber Gastfreund! ; Seit einigen Wochen ist die mir befreundete Kaufmannssamilie Stterlmg I in höchster Bestürzung, weil ihre junge und schone Tochter heimlich das Haus verlassen und, wie wir es nun herausgebracht haben, sich, als Mann verkleidet, in die Welt begeben hat. Der Grund dieses Verhaltens ist die Siebe zu einem Kornett der Bellingschen Husaren^ wie wir gehört haben, eines leichtsinnigen und gewissenlosen jungen ©Mmannes. Um mit ihm zusammenbleiben zu können, hat sie sich bei Ihnen, mein He r Kriegskommissarius es tut mir leid, das zu berichten, als.Schreiber eingeschlichen. Wenn Sie einer guten, ehrenfesten 6amckie einen Dienst erweisen wollen, woran ich nicht zweifle, so schicken Sie al-bald da Mädchen unter Aufsicht nach Rostock zurück! Denndicer lunge Kornel st ein geborener Mecklenburger, wird in seinem Adelsstolz das Moschen nie heiraten Da Sie ein christlicher und fester Mann find, werden Sie überfeine Zumutung nicht entrüstet fein. Ich vertraue auf Ihr gute Herz das ein betrübtes Glternpaar gern trösten wird!

Sofort lief Heinrich hinauf, klopfte an Dorchens Tür und rief: ,Z-Y aVSÜJl? £' »kf unter der.Me <M.

Nach einer »eil. üffnele ich die P,orte 1S

kläglich:Verzeih mir letzt kann ichs glauben! Denn es fallt mir ein. Ich .habe sie gestern mit dem Kornett zu ammen gesehen.

$Ste gingenV Mutier hinunter. Die Pfarrerin saß 'n ,hrem SiuhI am Eton neben ihr auf dem Boden hockte das Schreib er-Madchen

in( ,.,1. hch um Verzeihung. Heinrich reichte dem Unglucksgeschops den Brief Nun war es mit der Fassung desftingen lesens ganz aus. Aber die Adutter schickte Dorothee und Heinrich hinaus und sprach m der Mißleiteten Nun wurden Kleider herausgesucht, aus dem Schreiber ward wieder «in Mädchen, und am Vormittag noch fuhr Dorochee in ehie-m 9Kietsn>agen als Begleiterin der Entlaufenen mit nach Rostock,

fei es gelungen, daß die Eltern das junge Ding Eder in ©naben auf- "'Ä gfäSX'tf er bestand nun darauf, daß Doroche fllIer Stille gefeiert. In

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