Und men mutz, wenn er gesunden ist, zu geben wissen. Manche Schenker haben mit ihren Geschenken die geheimsten Wünsche erraten un>d bringen trotzdem keine ©pur oon Glück zuwege. Sie geben so schlecht! Sie machen es dem Beschenkten so schamlos schwer. Sie stehen da wie Zuschauer vor ihrem bezahlten Theatersitz und warten nun, datz die Pro­duktion beginne, die sie für all ihre Mühe und ihr Geld durch eine prompte Gegenleistung an Freude und Dankbarkeit entschädigen soll. Und sie warten ungeduldig, lassen dem andern nicht einmal die Zeit, die die Scham braucht, um aus den Zimmern des Dunklen die blendende Schwelle zum Glanz zu übertreten; jede ihrer Mienen trumpft auf:Na, ... was sagst du! Ist Las nicht prachtvoll! Bin ich nicht seelengut?" Viele tun ein übriges und preisen die geschenkten Ware ausdrücklich an:Da mußt du mal sehen, wie weich der Stoss ist! Nimm das in die Hand! Wie das glänzt...?"

Nein. Es glänzt gar nicht mehr, es löscht im selben Augenblick aus. Diese fordernden Schenker ahnen nicht, wie behutsam man beim Schen­ken sein muß, da das Schenken aus» Schritt und Tritt von der Gefahr der Beschämung, vom Gift der Demütigung so bitter bedroht wird; sie ahnen nicht, daß die Wohltat nur dann eine ist, wenn , man ringsum alles sorgfältig wegräumt, was sie als Tat erscheinen läßt. Und sie spüren gar nicht, m.e sie überfordern, da sie noch einen Anspruch zu haben meinen, während sie doch durch die Erlaubnis, Freude zu bereiten, maß­los überzahlt sind! Wer geschenkt hat, hat keine Forderung mehr. Darum trete er beiseite.

Lob des O-enö.

Von Dr. Friedrich S p r ee n.

Ein alter Ofen aber stand In der Ecke linker Hand. Recht als ein Turm tüt er sich strecken Mit seinem Gipfel bis zur Decken, Mit Säulwerk, Blumwerk, kraus und spitz O anmutsvoller Ruhesitz!

Betrachtet mir das Werk genau!

Mich däucht's ein ganzer Münsterbau; Mit Sch ldereien wohlgeziert, Mit Reimen christlich ausstasfiert.

Davon vernahm ich manches Wort, Dieweil der Ofen ein guter Hort Für Kind und Kegel und alte Leut' Zu plaudern, wann es wind't und schneit.

Mörrkes alter Durmhahn stimmt dieses Loblied auf den Ofen an, und im Chor sollen die Stimmen aus allen Ecken und Enden der deut- fchen Dichtung ein, um den standfesten, wackeren Wärmefpender zu feiern. Man hat den Ofendie Seele der Stube" genannt, und er ist auch wirk­lich nicht nur ihr lebender, erwärmender Mittelpunkt, sondern aus dem Ofen gleichsam heraus und um ihn herum ist die Wohnstube unseres Hauses überhaupt erst entstanden. Solange sich alle Mitglieder der Fa­milie und das Gesinde um das offne lodernde Herdfeuer in dem einen großen Wohnraum des altgermanischen Hauses versammelten, da war noch nichts von Behaglichkeit in dem von Zugluft und Rauch erfüllten Saal zu verspüren. Erst als unsere Vorfahren aus den Gedanken kamen, die bisher nur in dem Badehaufe der alten Hofanlage, in derStube", benutzte Heizvorrichtung in die Wohnung zu verpflanzen und diesen Ofen nun in dem ungeheizten Nebenaemach des großen Herdraumes aus­zustellen, entstand ein gemütliches Zimmer, nach dem alten Badehause dieStube" benannt, das immer mehr in der Gunst der Hausgenossen stieg und die unwirtliche Halle mit dem Herdfeuer allmählich zur Küche, ja schließlich zuckt Eingangsflur degradierte. Um den Ofen aber, der so gleichsam die Form der Wohnung bestimmte und der seste ruhende Pol in der Flucht wechselnder Hausgeräte und Möbel blieb, sammelte sich nun all die Verehrung und der fromme Glaube, mit denen der Germane seine Feuerstätte von altersher umgibt. Ihn umschwebten die guten Geister der Familie, der Einkracht, des Friedens, wie sie noch Dickens in Gestalt seines Heimchens um die sengende Flamme summen und singen läßt.

Im Glauben des Volkes wurde der Ofen, der die von Thor selbst ent­zündete Flamme des Hauses barg, zu einer bedeutungsvollen geweihten Stätte; die stillen Mächte des Herms, des Rechtes, der Zukunft wohnten in ihm. Neues Hausgesinde wurde an den Ofen geführt, um fo in die Familie ausgenommen zu werden. Aus dem Brummen, Knattern und Knistern des Ofenfeuers konnten die Jungfrauen erraten, ob sie einen Mann bekommen, oder gar in der Neujahrsnacht fein Bild im Ofenloch sehen. Wer etwas zu bekennen hatte, was er keinem Menschen anver­trauen wollte, der klagte dem Ofen fein Leid, kündete ihm sein Geheim­nis, und der brachte dann Verbrechen und Unrecht an den Tag. Am Ofen fand der Verfolgte Schutz und Obhut; wer aber rechtlos geworden war. ausgestoßen aus dem Kreis der Sippe, dem ward der Ofen nieder- gerissen und das Feuer gelöscht. So spielt der Ofen in Sage und Märchen die Rolle eines behäbigen guten treuen Kumpanen, der an Freud und Leid seiner Stubengenosfen gewichtiger Anteil nimmt. Auf den runden bequemen Sitzen zu beiden Seiten feiner warmen Wände ruhten Vater und Mutter in traulicher Feierstunde von des Tages Last und Mühen aus; der Ahn bekam sogar ein Plätzchen hinter dem Ofen mit Fußbank und Lehne. Vorn auf der breiten großen Ofenbank drängten sich Kinder und Gesinde aneinander und lauschten dem Prutzeln der Bratäpfel im Rohre. Oben um den Ofen herum, amOfengeländer", hingen Kleider und Windeln zum Trocknen und daran schloß sich bisweilen eine warme Lagerstätte, zu der eine kleine Treppe hinaufführte. Zwischen dem Ofen und der Wand, der sogenannten Hölle, deren Hitze einen Vorgeschmack späterer Sündenbuße kosten ließ, wurde mit Vorliebe die Schlafstelle auf­geschlagen. Auch das belehrende Element durfte nicht fehlen, das die bunten Bilder, Figuren und Zierate des stattlichen Kachelgebäudes dar- boten. Die Kinder konnten an diesem wetterfesten Gesellen einen erhei­ternden Kursus biblischer Historie und heidnischer Mythologie durchmachen

und von seiner kunft- unib farbenreichen Gestalt die ersten Eindrücke der Schönheit empfangen. Zum Abbild der Welt ward so der Ofen, zum Symbol des Familienlebens und des Vaterhauses.

Der Ofen ist des Deutschen Stolz. Don primitiven ärmlichen Anfängen entwickelte er sich zu jenem Meisterwerk harmonischer Schönheit, bas er in der Renaissance darstellt. Die ersten Oesen, die der fränkische Bauer aus dem Badehause in seine Wohnkammer hinübertrug, bestanden aus einer in Lehm über einen Herd gemauerten kuppelförmigen Stein- Wölbung, die stark erhitzt, dann mit Wasser begossen wurde und fo dem darüber im Gebälk des Daches und an den Wänden Sitzenden eine Art Dampfbad gewährte. Diese ursprüngliche Ofenform muß schon den alten Germanen bekannt gewesen fein:1 gab es doch Töpseröfen schon in der Urzeit! Der plumpe, aus dicken Steinen und Lehm schwerfällig breit aufgerichtete Ofen des frühen Mittelalters wurde aber bald von dem Kachelofen abgelöst, dem die Zukunft gehörte.

Die Technik, aus trugartigen Gefäßen, d. h. aus Kacheln, einen kuppelförmigen Bau herzustellen, stammt aus dem Orient und wurde über Griechenland den Römern vermittelt. Da das WortKachel" ein lateinisches Lehnwort ist und vor dem sechsten Jahrhundert in die ger­manische Sprache eingeführt sein muß, wird der Kachelofen bei den Germanen schon sehr früh Ausnahme gefunden haben. Der älteste der­artige Ösen, von dem wir etwas wissen, gehört dem 8. Jahrhundert an und ist langobardischer Herkunft; 250 Kacheln wurden zu seinem Bau ver­wendet. Die Kacheln hatten zunächst eine runde, konvexe oder eine schüssel- artige konkave Form; sie wurden zu kugeligen Hausen züsamm engesteilt. Durch das Aneinanderrücken verloren aber die Kacheln bald die runde Form, wurden eckig und konnten nun zu jedem beliebigen architektoni­schen Aufbau verwendet werden. Diese unglasierten Kacheln, die wie ver­tiefte Näpfe aussehen und durch ihre Aushöhlung die Wärmewirkung vergrößerten, wurdenHafen" genannt. Um sie herzustellen und zu verschönern, entfaltete sich die Ofenhafnerkunst, in der die deut­schen Töpfer ihr Höchstes geleistet haben.

Daß man zu Anfang des 9. Jahrhunderts bei der Anlage von Dcfen einen gewissen Luxus trieb, beweist der berühmte Grundriß der Klofter- anlage oon St. Gallen, wo die Wohnzimmer, Krankenräume und Gast­zimmer durchgängig ihren Ofen haben. Der große Saal, in welchem man zur Ader ließ und Abführmittel nahm, wird sogar durch vier in den Ecken befindliche Defen geheizt. Von Oesen, die mit Marmor und kostbaren Holzarten verziert waren, erfahren wir aus mittelhochdeutschen Dichtungen. Ihren besonderen eigenartigen Schmuck erhielt die Kachel durch die Glasur, die wahrscheinlich von Frankreich aus bekannt wurde. Nach einem Bericht der Colmarer Chronik soll ein Töpfer in Schlettstadt, der 1283 starb, der erste gewesen sein, der im Elsaß Töpferwaren mit Glas, also jedenfalls mit Bleiglasur, überzog. Die ältesten tongebrannten, einfarbig glasierten und schon künstlerisch verzierten Kacheln sind aus dem 14. Jahr­hundert von der Burg Tannenberg auf uns gekommen; die ersten voll­ständig erhaltenen Oesen stammen vom Ende der gotischen Epoche. Da steht gleich am Amsang ein Meisterwerk der Hasnerkunst; der herrliche Prunkofen, den «der wackre Bischof Leonhard von Keutschach zu Ehren Gottes und zu seiner Freude auf der Feste Hohen-Salzburg setzen ließ. Wie ein Architekturwerk des strengen gotischen Stils steigt er auf mit feinem viereckigen Unterbau, der auf Löwen ruht, mit feinem turmart.g spitzen,iinnenärtig bekrönten Oberbau, den fein durchbrochenes Maßwerk, schön stilisierte Ornamente, Türmchen und Spitzen umgeben und beleben. Wie ein köstlicher Altarschrein, wie ein Dom im Kleinen, wirkt er in seinen harmonisch schweren Farben, geschmückt mit der vielgestaltigen Welt von heiligen Figuren und Reliefs, wie sie auch von den Kathedralen niedergrüßen. Der Öfen ist hier noch ganz als architektonisches Werk behandelt. Er wird sogar bisweilen zu einer ganzen Burg, die von dop­pelten Türmchen stolz und verwegen überragt wird. Es war die Aufgabe der Renaissance, dieses plastisch ungefüge Kunstwerk koloristisch reich zu beleben und in die geschlossene Harmonie des Raumes einzuordnen.

Die Defen wurden zunächst schlanker und seiner gestaltet. Figürliche Reliefdarstellungen wurden in den Kacheln angebracht, die die Form flacher Rundbogennischen hatten; eine zarte Farbigkeit klingt freundlich und anheimelnd an. Auf diesen Defen, die besonders in der Schweiz meister­haft angefertigt wurden, breitete sich das bunteste Bilderbuch aus. Heilige, allegorische und geschichtliche Szenen waren zu sehen und durch lehrhaft naive Sprüche erläutert. Antike Ornamentik, Masken und Arabesken, Sphinxe und Greife, Fruchtschnüre, Muschelwerk und all der ausgelasiene üppige Formenreichtum der deutschen Kleinmeister umspielten und be­reicherten die zartgliedrig und leicht aufsteigenden edleren Baulinien, wie sie etwa die wundervollen Defen im Fürstenzimmer des Augsburger Rat­hauses zeigen. Statt der vielen kleinen Kacheln wird bann in der weiteren Entwicklung jede Seite des Unter- und Oberbaues aus einer einzigen großen Füllungskachel aufgeführt und eine einheitliche warmleuchtende Schönheit statt der luftigen Buntheit erzielt. Der Ofen beginnt als rein malerisches Element zu wirken; er fügt sich dem Raum ein, in dem feine Farbe weiterklingt. Bor allem in Nürnberg wird die Kunst der fein abgetönten, an venetianischen Borbildern geschulten Glasur heimisch, aber sie entfaltet sich auch in Lübeck und Hamburg. An die Stelle der schönen grünen und schwarzen Tönung tritt nun ein leuchtendes, doch mildes Blau, mit dem sich Gelb und Grün, Violett und Gold reizvoll verbinden.

Die gesättigt reichen dunkleren Glasuren verdrängt bann im Rokoko das zierlich zarte weiße Zinnemail mit sparsamer Vergoldung; die Form ergeht sich in den ausgelassenen Schnörkeln, den geschweiften Profilen und koketten Bizarrerien, die dem Stil überhaupt eigen sind. Einen monumental-gravitätischen Geist entfaltet das Empire, bas ben Ofen wie eine große wuchtige Vase gestaltet ober wie ein ernstes Srabmonumcnt. Der , Dpfernltar bes Vulkan", bem Perlenschnüre nur steif und nüchtern angeheftet sind, sieht bald wie eine Pyramide aus und bald wie eine Säule, die eine Urne oder eine Büste trägt. Von diesen wunderlichen Ver­irrungen drängte Schinkel wieder aus einfache schlichte fonftruttwe Form in bescheidenem Weiß hin. Er_ schuf das Urbild desBerliner Ofens", der aber bald von schlechten überladenen und unechten Renaist