Ausgabe 
12.8.1932
 
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wäre.

VII.

Verantwortlich: Or. Hans Thyriot. Druck und Verlag: Drühl'lche Universitäts-Buch- und Steindruckerei, D. Lange, Giehen.

Daher beschlossen sie untereinander, die Gemeinde zu retten, und aus daß es wohl gelingen möchte, versammelten sie sich, derweil die Manner bei Pieter Gans zechten, in dem Hause der Frau Syske, die da groß und stark war, mit lauter Stimme begabt, Haare am Kinn hatte und 2Littw war von fünf Männern oder sieben, deren genaue Zahl zu beschworen ich nicht wagen würde, aus Sorge, ich möchte lügen.

Da tranken sie, zur Verachtung ihrer zechenden Manner, schönes klares Wasser.

Wie sie recht versammelt waren, hier die Jungen, da die Alten, die Häßlichen inmitten der Alten, eröffnete Frau Syske die Sitzung und sagte, sie mühten ohn' Verweilen zur Trompete gehen und dort alle diese Zecher prügeln, daß sie für acht Tage gerädert und zerschlagen waren.

Die Alten und Häßlichen bekundeten solchem Ansinnen Beifall mit Händen, Füßen, Mund und Nase. Das war ein schöner Lärm, wie ihr mir glauben werdet. _, ri . .

Aber die Jungen und Feinen verhielten sich stumm wie Fische, außer einer, die gar hübsch und munter und reizend war und d>« da Wanste hieß Diese sagte in großer Bescheidenheit und mit Erröten, daß es nichts nütze die guten Männer so zu schlagen, sondern man sie zum Besseren bekehren müsse durch Sanftmut und durch Scherz.

Daraus versetzte Frau Syske und sagte:Kleine, du verstehst dich mA auf Männer, denn du bist eine Jungfer, vermeine ich. Dagegen weih ich wohl wie ich meine verschiedenen Männer leitete, und dies nicht m Sanftmut und Scherz, das bezeuge ich. Sie find alle verschieden, bie wackern Männer, Gott sei ihren Seelen gnädig! ober ich entsinne mich ihrer gar genau und weih wohl, dah beim geringsten Vergehen ich si- den Knüppeltanz auf der Gehorsamswisse tanzen liehe. Kemer hatte zu essen gewagt oder zu trinken, zu niesen oder zu gähnen, ich hatte ihm denn vorher Erlaubnis gewährt. Der kleine Job Syske, mein letzter war Pastetenkoch an meiner Stelle in der Wirtschaft. Er kochte mir gut, der arme wackre Mann. Aber ich muhte ihn recht schlagen, um ihn dazu zu bringen und so auch die anderen. Somit, du Kleine, verzichten wir au, jegliche Sanftmut und Scherz, der Wert ist gering, das bezeuge ich. Ellen wir vielmehr ahn' Verweilen gute Stöcke aus grünem Holz zu Schneiden, die wir leicht finden werden, da wir im Frühling find, und begeben mir uns zur Trompete, auf dah ein guter Guh von Schlagen aus die um getreuen Männer niedergehe." , .

Da Huben die Alten und Hähliche» gar schrecklich wieder an zu schreien und zu wüten und riefen:Auf, auf, zu den Trunkenen, man soll sie schlagen, man soll sie hängen."

Am nächsten Tag versammelten sich die Weiber von neuem und tranken wie des Abends zuvor viel klares Wasser und begaben sich mit Stücken bewaffnet zur Stätte, wo die lustigen Zecher weilten.

Vor der Tür der Trompete hielten sie an, und hier fand Kriegsrat statt. Die Alten verlangten mit den Stöcken einzutreten.

Nicht doch", sagte Wantje und mit ihr die Jungen und Hübschen, wir wollten dann lieber selbst geschlagen werden."

Da seht die Einfältigen", schrien die Alten,die dummen Ganse. Sie haben allesamt im ganzen Leibe nicht für einen Heller Stolz. Laßt euch verführen, ihr sanften Stimmer: an eurer Statt rachen mir der Frauen Ehrbarkeit, die durch diese Säufer verunglimpft ward."

Ihr werdet solches sein lassen", sagten die Jungen,so lange mir

I Wir werden also handeln", heulten die Alten.

Aber ein junges und lustiges Mädchen wollte vor Lachen bersten unö

sagte:Versteht ihr nicht, woher den Hexen der große Zorn und solcher

Rachedurst kommt? Das ist eitel Prahlerei, auf das mir glauben sollen,

ihre heiseren Männer wühlen ihnen noch Liedlein zu singen."

Bei dieser Rede geriet das Lager der alten Weiber in solche Erregung, dah es ihrer einige gab, die plötzlich vor Wut ihreen Geist ausgaben. Andere, die nicht an sich halten konnten, wollten die Jungen töten, die Über sie lachten (und das war eine hübsche Musik, alle diese muntern und verwelkten Stimmen), aber Frau Syske verwehrte es ihnen, ver­meinend, sie sollten sich bei ihr beraten und nicht sich töten.

Und so hetzten sie ihre Erwägungen fort und schwatzten und schrien und stritten sich bis zur Stunde des Zapfenstreichs, und da trennten |i« sich und hatten keinen Beschluh gefaßt, mangels Zeit zum Reden.

Und in dieser Versammlung der Weiber waren mehr denn 577 «4« uw Worte geredet worden, voll klugen Sinnes, gleich dem Froschteich voll alten Weines. . ,

Pieter Gans, der Hasenohren hatte, vernahm aus der Strafe ein Gepolter stürmischer Worte und rief:O weh, o weh, was ist solches. Gewißlich werden es Teufel sein, o himmlischer Jesus."

Ich will hingehen und schauen, schrecklicher Hasenfuß", erwiderte Blaekaek. Und er öffnete die Tür, brach in Gelächter aus und spracy. Ihr lieben Vollmondgesichter, da sind unsere Frauen!"

Da standen plötzlich alle Zecher auf und traten unter die Türe: einige hielten Flaschen in den Händen, andere schwangen die Kannen, andere ließen ihre schönen Becher gleich Glockenspiel klingen. Blaeskaek trat aus dem Saal, Überschritt die Schwelle, stellte sich auf den Weg und fprackl He, ihr Frauen, was führt euch hierher samt all diesem grünen Hol)

Bei dieser Rede ließen die Jungen ihre Stöcke zu Boden fallen, denn, sie schämten sich, in solchem Aufzuge überrascht zu werden.

(Fortsetzung folgt.)

Laune war dermaßen zornig und stürmisch, daß k-em Weib (ich rede von denen welche nicht vor Mattigkeit eingeschlummert waren) ein Wort zu sagen'wagte, nicht einmal zur Zeit des Frühmahls. Darob entstand große Betrübnis bei den Weibern, die da sagten, das Geschlecht derer von Uccle möchte aussterben, wenn solches Spiel anhalten sollte, was jammerschade

Oie Brüder vom guten Vollmondgesicht.

Flämische Legende von Charles de Coster.

(Fortsetzung.)

Und er sagte:Wohlan, vergessen wir den Tischsegen nicht, mein Freund. So werden wir vielleicht nicht verbrannt werden. Denn dem Herrn danken wir dieses Fleisch: er möge uns bewahren in (einem heiligen Glauben." , .... . ,__,,

_.Amen", sprach Blaeskaek:aber Gevatter, wir mußten doch wohl Zusammen dieses schlimme Bild zerschlagen." ,

Wer keine Schafe zu hüten hat, braucht den Wolf nicht zu furchten, und du hast gut reden, diesen Teufel zu zerschlagen."

Das wäre ein verdienstvolles Werk." .

,Wenn er aber jede Nacht wiederkommt und kläglich ruft: netze, netze, und er sich wider mich erzürnet und mein Bier bezaubert und meinen Wein und mich arm macht wie Hiob? O nein, lieber dann dem Rate des Koches folgen." . .

Wenn aber nun der Geistliche von dem Bilde vernimmt und uns beide vor feinen Stuhl beordert und uns verbrennen läßt als Ketzer und Götzendiener." , ...

Ach", sagte Gans,so der liebe Gott und der böse Teufel sich über unfern armen Körper streiten werden, jo sind wir vernichtet, weh, o weh!" . _ ...

Höre", sagte Blaeskaek,gehen wir zu den heiligen Brudern, und erzählen wir ihnen ohne Umschweife die Geschichte."

Wehe, wehe, wir werden verbrannt, Gevatter, sogleich verbrannt.

Ich glaube doch, daß es ein Mittet gibt, uns aus solcher Gefahr zu befreien." t .

Es gibt teins, mein Freund, es gibt (eins, und wir werden ver­brannt, und ich fühle mich schon gebraten."

Ich habe das Mittel gefunden", rief Blaeskaek.

Es gibt teins, mein Freund, es gibt teins, es fei denn die Gnade der heiligen Brüder. Seht Ihr da teinen kommen, den Bettelsack auf dem Rücken?"

Keinen."

Wenn Ihr einen seht, dann wollen wir ihm unsre ganze Wurst geben. Haben wir auch das Dankgebet gesprochen? dazu das ganze Brot, das wir hier haben, und wollen ihn gar höflich einladen, zu uns zu kommen, das Viertel eines gebratenen Lamms zu essen, wohl begossen mit altem Wein. Ich habe dessen nicht mehr viel, aber ich werde ihm alles gern zu trinken geben. Seht Ihr feinen kommen?"

Keinen", versetzte Blaeskaek.Aber öffne doch deine Hasenohren, ich will dir guten Rat geben, denn ich will dein Gutes, du Greiner: zur Hälfte wollen wir dem Vorschlag des Pastetenkochs folgen, zur Hälfte nur, verstehst du wohl? Das wäre ein frecher Götzendienst, in das Gast­zimmer dieses Bild zu stellen."

Wehe, wehe, Teufel, ja, das wäre es."

Also stellen wir es in einen Winkel, wohl abgeschlossen, bis auf eine Ocssnung oben, auf daß er atmen könne: dort werden wir eine ordentliche Biertonne aufstellen und werden ihn bitten, daß er sich ihrer nicht unmäßig bediene, und der Teufel wird da in dem Gastzimmer deiner Herberge fein, wo er sich sicher still verhalten wird, dieweil er sich ergötzen kann an den Liedern der Zecher, dem Klappern der Becher und dem Klang der Flaschen."

Mitnichten", sagte Gans,mitnichten, laßt uns befolgen den Rat des Pastetenkochs, denn er versteht sich weit besser als wir auf Teufelsart: den unseren aber werden wir recht erfreuen nach unfern armen Mitteln, ob wir auch eines Tags verbrannt werden sollten. Wehe, o wehe."

VI.

Als die beiden ehrsamen Bürger zur Trompete zurückgekehrt waren, zogen sie des pausbäckigen Teufels Bild mit großer Ehrfurcht aus dem Keller und stellten es auf eine Truhe, welche in der Wirtsstube stand.

Am nächsten Morgen fanden sich bei Pieter Gans fast alle die Männer aus Uccle versammelt, dieweil man an diesem Tage im Stalle zwei wohlgenährte Pferde des seligen Schöffen Jacob Naelfjens verkauft hatte. Sein Sohn hatte sie nicht behalten wollen, vermeinend, ein ehrsamer Bürger solle sein Roh im Strickstrumpf bewahren.

D-e von Uccle betrachteten das Bild des kleinen Pausback auf der Truhe und waren darob verwundert und ergötzt, und namentlich, wie Blaeskaek ihnen gesagt hatte, er hieße Meister Vollmondgesicht, und sie sollten ohne Verzögern zu seiner Ehre in Freude fröhliche Brüderschaft stiften.

Sie wollten es gerne und beschlossen miteinander, es könne keiner Bruder werden gleich ihnen, wo er nicht zu seiner laufe vierundzwanzig erschreckliche Becher Biers tränke, wahrend man zwölf Schläge auf den stärksten Wanst der Kumpanei schlüge.

An jedem Abend versammelten sie sich in der Trompete und zechten wacker, wie ihr wohl glauben möget.

Das Wunderbare war, daß sie gleichwohl tagsüber als wackre Leute ihre Arbeit taten, die einen in der Werkstatt, die anderen am Webstuhl, andere auf dein Felde, und jedermann zufrieden stellten. Nur nicht die Frauen, denn sobald die Vesper geläutet hatte, eilten alle Mann oder Bräutigam, ohne sich um dieselben im geringsten zu kümmern, zur Trom­pete und blieben da bis zum Zapfenstreich. Kehrte der Ehrsame in sein Heim zurück, so schlug er nicht (ein Weib, wie manche Zecher tun, sondern er legte sich neben sie und begann allsogleich, ohne ihr ein Wort zu sagen, gewaltig zu schlafen und mit der Nafe Fanfaren zu blasen, gleich Meister Grunzeschwein.

Da hob das arme Weib an zu schlagen und zu kitzeln, den Schläfer beim Namen zu rufen, auf daß er ihr andere Neuigkeiten berichte, aber alles war umsonst: ebensogut hätte sie Wasser schlagen mögen, um Feuer zu gewinnen.

Sie wachten alle erst beim Hahnenschrei auf, aber ihre morgendliche