Das war auch für uns hinter den Kulissen das „Sesam, tue dich auf!" Man muhte sich zu den hossnungslos Verlorenen zählen, wenn dieser Laut, in dem alle Märchenlust, alle Erlebnissähigkeit des Kindes schwingt, nicht die lejzte Mauer hemmender Bewußtheit und Schwere einrennen wurde, — ach nein, spielend umstoßen mit einem Finger.
Wir Haden gespielt aus „Teufel, komni rausl" (er kam ja auch leibhaftigl) In der Hauptprobe noch befangen voreinander, hatten mir uns nun restlos selber vergessen. Keines hat nachher nach gewußt, was es alles gesagt hatte, ii> jedem Fall viel, viel mehr, als je auf den Blattern stand, die wir jetzt nicht mehr vor uns liegen hatten, und doch klappte es wundervoll!
Was haben die Kinder gelacht, wenn der Kasper die chinesischen Rainen hosfnungslos verwurstelte, wenn er statt „Pagode „Papagode — Mamagode" sagte, wenn er statt vom „Reich der ausgehenden Sonne" vom „Teich mit der untergehenden Tonne" sprach, wenn er statt über den „Stillen Ozean" über den „Lauten Ozean" fuhr, wenn er, ich weiß es nicht niehr, was er noch für Späße machte! Nur, daß fein unbe- kümmertes Schwatzen im Dialekt — er muh doch sozusagen selber mitten aus der Kinderschar kouuneu, muh reden und handeln, wie sie es in der gleichen Situation täte oder doch träumt, muß ihr Vertreter sein und sich als solcher ihren Rat erbitten — sich in lustigem Zickzack von der höflichen, gewundenen Feierlichkeit der Chinesen abhob.
Und unsere Bühnentechnik! Es mar ein einziges Lachen und Kreischen im Zuschauerraum, als Kasperle aus dem Fisch Flitzeblitz durch die wilden Wogen ritt und auf- und untertauchte, mit Hilfe einfacher gezogener Fäden, an denen der Flitzeblitz hing. Und das Unwetter im Stillen Ozean, der Taifun! Wir ließen hinter der Szene den Fön, der sonst nur ein sanft-blondes Kinderköpfchen ein bißchen zaust, lausen, schalteten immer wieder ein und aus, so daß sich das Ausheulen und Abnehmen des Sturmes ergab, zum Fürchten naturgetreu. Dazu schüttelte mein Müdelchen Erbsen in einem Sieb — der Lärm eines gewaltigen Platzregens —, und blitzte aufregend mit der Taschenlampe. Ich schwang den Hammer, wie Thor der Donnerer, nur daß ich eben aus eine Gasherdplatte schlug —.
Sie zeigt heute noch Spuren des Unwetters, — und ein paar Tage lang aßen wir „Kasperlesuppe", um das Regenreguisit aus rationelle Art zu beseitigen.
Ach, ich will in den nächsten Ferien wieder meinen ganzen Haushalt gefährden lassen durch Theaterdonner, will eine Woche lang Kasperlesuppe essen, wenn's sein muh, um wieder jenen beglückenden Aufschwung, jene Selbstvergessenheit des Spieles zu erleben, in denen das schreckliche Erwachsensein wie eine Bergeslast von einem abfällt.
Aber ich will es auch darum tun, damit wieder die rotbeschienenen Kindergesichter in meiner dunklen Stube schweben wie Lampions, damit die Kinder am Ende sich wieder um das Kasperletheater drängen, neugierig in die Kulissen spähen und ausgelassen singen: „In Chinesien, in Chinesien —", damit ich wieder höre, wie einem sonst fast krankhaft schüchternen Kind, das ich heimfllhre, das Mäulchen nujgeht, daß es wunderbare Stücke zusammenphantasiert, die es zu Hause mit seinen Puppen spielen will, und damit mein Mädelchen wieder abends im Bett das Kasperle an sich drückend, daß es unternehmungslustig den Kopf hebt, strahlend fragt: „Mamale, spielen wir morgen wieder — ?
Büffeljagd in Uffangu.
Von Curt B l o e d o r n.
Doktor Sch. und ich kamen von Kirando am Tanganjika. Ich hatte dort Vermessungen geleitet. Doktor Sch. hatte sich mir angeschloßen, und er wollte, wie ich, zur Küste. Sa zogen wir an der Grenze von Rhodesia hin, bogen bei Jkomba ab, um über die Passe des Hochgebirges auf Langenburg zu marschieren. Von dort, durch llssangu, sind es bis Daressalam achthundert Kilometer.
Wir hätten einen anderen Weg nehmen können, aber wir woll en Büsfcl jagen. Das Gewaff (die Hörner) der von mir bisher erlegten Tiere war nicht allzu stark. In Staka sagte mir der Lechjager des Häuptlings Mlabese, daß in den Tälern und Ebenen, am Fuße des Gebirges, Büffelherden feien. Die einzelnen Stucke foltten stark fein, aber auch böse. Der Häuptling kam meinem Ersuchen nach und gab mir den Jäger mit. Mbasu sollte ein unerschrockener und grder Sabrterv sucher (ein. Rur solche Leute kann man auf der Jagd aus Bussel, diesem mehr als Grohkatzen gefürchteten Wild, brauchen. h.
Bergauf bergab zog unsere Karawane; wir Weihen voran, die Träger0hinterher Trotz der Kletterei war dieser Weg eine Erholung .für uns nach der Hitze in den Ebenen. Frische Berglust gab es, tauige Morgen, die so schön waren, wie sie nur noch n europäischen A pem tälern zu finden sind. Baumriesen geben Schatten. Bergbache frisches Wasser, und Kleinwild war genügend vorhanden, "m frisches Fleisch zu haben. Mbasu, der geliehene Fährtensucher, schien wirklich etwas von
waren wir gezogen, als endlich Mbasu meldete: Herr mbogo> __ Büffel!" Hier ist Mist, einen Tag alt. Biele waren
d? D'er Jäger machte uns begreiflich, daß mehr als drc.ß.k. °»ewe en feien. „Halt! Lasten 'runter, Lager aufgeschlagen! Wir hatten Zell. Und wenn es acht Tage dauern sollte — einen starken Bussel mu| ) haben. Auch der Doktor, sonst Richtjager bekam Geschmack ander Sache. Am nächsten Morgen pirschten wir Weißen und der schwarze Fahrten sucher die Umgebung ab. Es war em niederträchtiges Klettern, Hricdjen und Springt in dem Dickicht der Urwälder Immer ging es rgan Wäre es nicht so kühl gewesen w,r Weihenha en schlapp gemacht Armdicke Ranken, Bambusdickichte vom Sturm gefällte Baume, ue>^ und einen anderen Weg nehmen cecoer , > f~.< M h..rcf. djtz ein war dasselbe. Ich entdeckte eine nicht allzu L V ' i«._ flatterten kleiner Bach floß. Die Abhänge waren hier freier. In ihn “eiterten wir weiter bergan. Mbasu immer vorauf.
Hundert Schritte weiter auswärts lag eine Ebene. Auch die war bewachsen, fast dichter noch als die Bergabhänge. „Hier sind sie drin, vor kurzem waren sie an dieser Stelle. Sieh, Herr, der Mist ist noch warm!" Mbasu trat in einen Fladen, der noch dampfte. Wir hielten Rat. Der Doktor wollte links gehen, der Schwarze sollte die Mitte halten, ich nahm den rechten Flügel. Abstand sollte Rufweite bleiben. Vorsichtig und langsam gingen wir vorwärts. Eine Viertelstunde verstrich, da pfiff der Fährtensucher das verabredete Signal. „Büffel!" Ich blieb stehen, um zu horchen. Vor mir links seitlich brach es im Bambus und Holz. Halt! Da schimmert es graublau durchs Blüttergewirr; kaum habe ich den Fleck gesehen, ist er auch schon verschwunden. Dort ist noch einer — wieder weg! Ich fluche leise. Zu dicht ist der Busch. Soll ich vorgehen? Vielleicht laufe ich dem Wild gerade in die Hörner, und es nimmt mich an. Ich überlege noch; im selben Augenblick bricht es krachend links in den Bambussen. In großem Sprung nehme ich Deckung hinter einem starken Stamm. Keine Sekunde zu spät. Kaum habe ich die Büchse am Kopf, als sich der massige Kops eines alten Büsfelbullen aus dem Bambus hervorschiebt. Breit ausgelegt ruht das kolossale Gemäss gleich einer dicken Wulst über der breiten Stirn. Die Hörner sind lang, an den Enden gebogen, Und hängen voll Ranken und Bambussetzen. Der Bulle steht und schnaubt zu mir herüber, er muß meine Witterung bekommen haben. Jetzt steht er vorne frei, hinten ist er noch gedeckt vom Grün. Mein Mantelgeschoß habe ich erprobt, es durchschlägt den dicksten Schädel. Rur um ein weniges brauche ich den Laus der Büchse zu heben, Kimme und Korn stehen mitten auf der Stirn — der Schuß bricht —, dumpfer Widerhall in den Tälern, an den Bergen. Wie vom Blitz erschlagen, bricht der Büffel am Platz zusammen. „Repetieren!" Einen Augenblick tiefe Stille nach dem Schuß. Dann wurde es um mich lebendig. Die ganze Büffelherde mußte auf meinen- Stand gezogen sein. Ueberall brach, stampfte, schnaubte und polterte ein Stück. Wie hingestellt stand plötzlich ein zweiter Bulle breit und ganz nahe vor mir. Eine Kühe und ein geringer Bulle schoben sich hinter ihm heran. Ich gab dem starken 'Büffel eine Kugel auf den Stich. Der Bulle raste los, die beiden Stücke ihm nach. Richtung aus den Doktor zu. Gleich darauf brach drüben ein Schuß, dann noch einer, und nach einer kleinen Pause ein dritter, dem Hilferufe des Doktors folgten. Ohne mich um meinen gestreckten Büffel zu kümmern, rannte ich den Rusen zu. Hatte er einen Büffel krank geschossen, und ist von ihm angenommen? Das wäre schlimm! Ich rief den Schwarzen an — keine Antwort. Ich meldete mich dem Doktor. Der rief zurück: „Kommen Sie schnell, aber vorsichtig. Ich sitze auf einem Baum, unter mir tobt eine Büffelkuh: ich habe sie angeschweißt!" Melden Sie sich weiter, damit ich gerade aus Sie zugehen kann!" gab ich zurück. Er tat es. — In Strömen floß mir der Schweiß, ich dampfte. Das Dickicht wurde lichter. Ich rannte. Mein Atem pfiff, die Lungen wollten kaum mehr. Endlich! — Da ist der 'Baum, auf dem der Doktor sitzt! Mit nötiger Vorsicht arbeite ich mich durch 'Bambus, denn ich höre schon die Büsselkuh schnauben. Jetzt sehe ich sie. Sie hat den Hut des Doktors auf einem Horn und tobt um den Stamm. Oft stößt sie nach der Erde und trampelt auf einen Gegenstand. Jetzt kommt sie mir breit — ich schieße. Die Kuh taumelt, bleibt aber hach. 'Nochmals schieße ich, schräg von hinten, in den Hals. Das Stück brüllt laut auf, stürzt und bleibt liegen.
„Die hat genug!" schreit der Doktor und rutscht vom Baum. „Wie kam bas?" fragte ich. „Ja, sehen Sie, ich schoß, kam zu tief ab, schoß wieder, diesmal zu hoch, bei dem dritten Schuß machte das Tier eine schnelle Wendung, ich streifte sie, und dann nahm die Kuh mich an. Ich konnte auch nicht mehr schießen, hatte Ladehemmung. Was sollte ich machen? Ein Glück, daß der 'Baum mir so nahe stand; ich also hinaus. Und da hing ich, und unter mir tobte das Vieh. Der Hut war mir entfallen; die für mich zwecklos gewordene Büchse ließ ich unten. Der 'Büffel hat meine Witterung an den Gegenständen gefunden und ließ seine Wut an ihnen aus. Da!, sehen Sie, was das Vieh aus ihnen gemacht hat. Das Gewehr ist total unbrauchbar geworden, und der Hut ist in Fetzen!" „Ja, Sie haben noch Glück gehabt, Doktor! — Haden Sie etwas von Mbasu gehört ober gesehen?" — „Nein! NichtsI Wirb sich verbuftet haben, als er bie 'Büffel bemerkte!"
Noch ftanben wir bei ber oerenbeten Büffelkuh unb beratschlagten über bas Fortschaffen, — da schnaubte es in kurzer (Entfernung hinter uns. „'Büffel!I7, Schon saß der Doktor wieder auf seinem Baume; ich suchte Deckung hinter einem anderen Stamm. (Ein 'Büffelbulle, wie es sich nachträglich herausstellte. War es der, den ich zuletzt beschossen? (Er brach jetzt durch das dichte Gebüsch und stürmte auf den Platz. Sein massiver Kops war ganz besudelt von 'Blut. Grauenhaft sah das Tier aus. Der 'Büffel raffe heran, sinnlos auf bie gestreckte Kuh los, bohrte [eine Horner in deren Pansen, riß ihn auf, roieber, immer roieber. Versuche, bie Kuh hochzunehmen mit bem Gemäss unb hochzuwersen — es gelang ihm nicht Dann trampelte unb stieß ber Büffel mie verrückt auf bie schon formlose Masse ein.
„Schießen Sie borfjl" rief ber Doktor.
Als mir ber Büffel breit kam, jagte ich ihm eine Kugel ins Blatt. Der Bulle wankte ... Ich repetierte und schoß nochmals. Halsansatz hatte ich gezielt, boch eine schnelle Bewegung seines Kopses: bk Kugel ging anbers, sie traf oberhalb bes Auges unb ging ins Hirn. Mit bumpfem Fall brach bas Tier zusammen.
Der Doktor langte roieber aus ber (Erbe an. Wir betrachteten ben Büffel. Gräßlich sah ber Kopf aus.
„Nanu! Was ist bas da am rechten Horn? Ein Tuchfetzen — von Mb'üsu! — Wir standen da und starrten uns an ...
Deshalb hatte der gute Bursche sich nicht melden können! Der Büffel hatte ihn auf dem Gewisfen! Mbasu muß dem Büffel direkt entgegengelaufen sein. Der hat ihn angenommen und erledigt. Rasch muß das Drama sich abgespielt haben, denn der Schwarze hatte nicht einmal Zeit gehabt, einen Schrei auszustoßen.
Wir suchten und fanden Mbasu. An Ort unb Stelle begruben wir ben Toten. Eine Anzahl Steine würben über das Jägergrab des schwarzen Fährtensuchers gehäuft. — Dann zogen wir weiter, der Küste zu.


