übrigens, das; die Erfindung nicht neu fei; er habe schon 1617 eine solche Feuerspritze gesehen, nur nicht so groß und trefflich ausgeführt. Eine weitere Vervollkommnung der Feuerspritze durch Benutzung des Wind­kessels führten dann Perrault und seit 1720 der Mechaniker Leu - polt) in Deutschland durch und gaben der Maschine im großen und ganzen die Gestalt, die sie auch noch heute hat. Durch die Erfindung des Hollanders van der Heide traten die großen Schläuche hinzu, die leicht zu handhabendenSchlangenspritzen", und so sah sich die Feuerwehr im Anfang des 18. Jahrhunderts im Besitz von Mitteln, die wirklich eine nachhaltige Wirkung bei der Bekämpfung des Feuers versprachen. Durch diese vortressticheu Einrichtungen wurden im 18. Jahrhundert die Brände weniger häufig, aber die Plage war noch immer arg genug, so daß stets neue Feuerordnungen die Bürger zur Borsicht und Pflicht ermahnten. Typisch ist dafür die berliner Ordnung von 1728. Die Haus­eigentümer müssen für jeden Schornsteinbrand 3 bis 4 Taler Strafe zahlen, auf den Böden sollen im Sommer stets Eimer mit Wasser stehen. Die Löschmannschast stellen Bürger und Handwerker, die vonFeuer­herren" befehligt werden. Die Kunstpfeifer, die vom Turm herabFeuer Olafen", die zuerst ankommende Spritze usw. erhalten Belohnungen.

Die Not der Abgebrannten suchte man durch Kollekten und Hilsskassen zu lindern. Die Feuerversicherungen, deren Einrichtung schon Leibniz empfohlen hatte, wurden im 18. Jahrhundert überall durch­geführt. Goethe brachte diesenFeuersocietäten", die die Herzogin Amalie zum Segen des Landes für Weimar schuf, so großes Interesse entgegen, daß er mit dem Ritter von Lang zu dessen größtem Entsetzen von nichts anderem sprach. Eine stehende Berufsfeuerwehr wurde zuerst in Paris 1699 durch Dumourier du Perrier ins Leben gerufen. In Deutschland folgte man erst spät diesem Beispiel. Noch in den zwanzi­ger Jahren des 19 Jahrhunderts war der Feuerlöschdienst sehr schlecht organisiert; immer noch standen die Bürger an der Spritze unddurch der Hände lange Kette" gingen die ledernen Feuereimer, die der Spritze das nötige Naß zusiihrlen. In Berlin war es dis 1850 nicht anders. Es gab eine Anzahl Rohr- und Druckmeister; das übrige mußte van den Einwohnern geleistet werden, die nur in schweren Fällen das Militär unterstützte. Der Polizeipräsident von H i n k e l d e y mar es, der 1851 auf Kosten Berlins eine Berufsfeuerwehr gründete. Sie gab den Anstoß zur allgemeinen Durchführung des modernen Läschwesens.

Das Rennen um Evelyn.

Bon Willy Zirm L i n b e n a u.

Sir Henry Wellington Chikagos gewandtester Detektiv, reichte dem Polizeiagenten, der ihm eine wichtige Mitteilung gemacht hatte, flüchtig die Hand:Ich danke Ihnen!" ' ' U

Dann griff er zum Telephon.Bitte 384a V! Hallo?"

Gouldenborg Stahlwerke!"

Wellington, Staatsdetektiv. Ist dort Herr Gouldenborg persönlich?" Ja."

Ich habe Ihnen eine wichtige Mitteilung zu machen! Sie hegen die Absicht, die Pläne einer äußerst wertvollen Erfindung, deren Patent noch nicht angemeldet ist, nach Des Moines zu schicken."

Woher wissen Sie das?" Staunen,

Eden erfahren. Ich mochte Ihnen raten, die Sendung momentan unterbleiben zu lassen, da von darüber unterrichteter Seite der Plan gehegt wird, mit bedenklichen Mitteln in Besitz der Zeichnungen zu gelangen."

Aber ich bitte Sie..."

Es ist ein UcberfaU geplant. Jedenfalls sichern Sie vor allem die Papiere, bis die Angelegenheit entsprechend geregelt ist."

Die Papiere sind nicht mehr in meinen Händen."

Sa? Wo sind sie?"

Bereits unterwegs ..."

Hallo!? Ja. Ist dort nicht mehr Gouldenborg? Nicht? Wir sind unterbrochen bitte 384a V! Hallo! Gouldenborg?"

Ja. Ich habe meine Tochter Evelyn mit Exprehzug..."

Ihre Tochter mit den Papieren?"

Ja. 7.30 Uhr. Bor 25 Minuten ab Illinois Station."

Kommen Sie sofort mit dem besten Wagen, ich erwarte Sie in zehn Minuten hier, es ist äußerst dringend!"

Ich komme!"---

Wellington telegraphierte während der gegebenen Frist nach Dapen- port Bahnhof, wo der Zug halten mußte.

Fünf Minuten später stieg der Detektiv in den eleganten Viersitzer Gouldenborgs 20 Minuten danach jagte der Wagen in rasender Fahrt durch die Ebene, Chikagos Lichter hinter sich versinkend lassend.

*

. einem Wagen 1. Ktzsse des Expreßzuges der Pacific Railway saß ein Mädchen, neben sich ein kleines Köfferchen, in ein Buch vertieft. Draußen flogen die Lichter der Stationen, die man in schnellster Fahrt paffierU', vorüber. Es war dunkle Nacht.

Gleichmäßig wie Maschinengewehrschüfse scholl das Schlagen der Räder an den Schienenbindungen. Funkengarben, dem Schlot der fauchenden Lokomotive entfliegen, umsprühten den davoneilenden Zug und ver- irrten sich durchs offene Fenster, so daß man es schließen mußte.

Das Mädchen hatte geglaubt, im Abteil allein zu sein. Nun, da sie zum Fenster ging, lächelte ihr das bleiche Gesicht eines jungen Mannes entgegen.

-Mochten Sie sich nicht ein wenig mit mir unterhalten? Gestatten Sie. ich heiße Mae Tomfon."

Evelyn Oloulbcnborg!"

Dauenport Station. Eine Minute hielt der Zug. Kaum daß man cs gewahrte. Dann hämmerten wieder die Räder und die Lichter der Stabt entschwanden.---

*

Verantwortlich: Dr. Hans Thyriot. Druck und Verlag; Brühl

Fahren Sie schneller, wir müssen den Zug in Davenport erreichen", sagte Wellington. Die Nadel am Geschwindigkeitsmesser stieg. 100 110 120 Kilometer Gouldenborg steuerte. Es ging um fein Kind.

Die zwei Lichtkegel fraßen die Finsternis vor sich auf. Es schien, als ob die Bäume am Straßenrand auf den Wagen stürzen wollten.

Schneller!"

130 Kilometer.

Wenn wir zu spät kommen, werden Sie außer den Papieren auch Ihr Kind verlieren. '

Davenport. Gott sei Dank! Die Station lag im Halbdunkel. Wellington rannte zum Ches. Der machte ein ernstes Gesicht.

Es tut mir sehr leid. Ich erhielt zwar Ihr Telegramm. Aber zwei Minuten vorher fuhr der Zug fahrplanmäßig aus. Ich habe nach Hova City gedrahtet!"

Dort ist es zu spät!" sagte Wellington und eilte davon.

*

Mac Tomsmi hatte sich gegenüber Evelyn gesetzt.

Man sagt, Miß, daß Gouldenborg eine sehr energische Tochter besitzt, die In den schwierigsten Situationen die Interessen ihres Vaters vertritt. Das hörte ich. Aber ich kann auch sagen, daß Gouldenborg eine sehr schone Tochter hat; das sah ich"

Ich bitte Sie, die Unterhaltung nicht mit Komplimenten zu bestreiten! Wollen Sie mir nicht etwas von Ihnen erzählen?"

Von mir? An -mir möchten Sie wenig Freude haben. Ich bin Techniker, interessiere mich für Erfindungen. Epochale Neuheiten! Es soll da eine Erfindung geben, mit der es möglich ist, Türen nur mit einem bestimmten, aber jeweils anderen Wort zu öffnen und zu verschließen, ohne daß dazu ein Schlüssel nötig wäre. Diese Entdeckung würde Bank- trösors die vollste Einbruchssicherheit geben. Der Scholl allein löst die Tätigkeit des komplizierten Mechanismus aus das ist doch interessant, nicht?"

Evelyn lächelte:Gewiß! Besonders für Tresorinhaber und Ein­brecher." Mac Tomson hatte die Bewegung in ihrem Gesicht wohl betrachtet.

Man sagt, Gouldenborg besäße die Erfindung!"

Man sagt und weiß es wohl?"

Ja. Und fürchtet die Tochter Gouldenborgs nicht, infolge dieser Umstände in Lebensgefahr zu kommen?"

Nein. Ich habe stets etwas bei mir." Spielerisch langte sie einen zierlichen Browning aus der Tasche.

Eben ging der Kontrolleur durch den Wagen.

In rasender Eile durchsuhr der Zug die Nacht. Als ob es eine Wette gelte. In zehn Minuten mußte er die große Brücke erreichen.

*

Nun faß Wellington am Steuer. Die Nadel am Geschwindigkeitsmesser wippte. An den Kurven drohte der Wagen zu tippen. Um ein Haar! Der Motor brüllte!

An Gouldenborgs Stirn stand kalter Schweiß.

Werden wir die Brücke vor dem Zug erreichen?"

Wir müssen!"

Und warum soll es gerade auf der Brücke geschehen?"

Sie ist in Reparatur. Der Zug fährt dort so langsam, daß man abfpringea kann "

Aha!"

Mac Tomson wird dort erwartet!"

Nun tauchte Straße und Bahnlinie liefen hier parallel ein roter Schimmer auf, der nur das Schlußlicht des Zuges fein konnte.

Noch fünf Minuten", stöhnte Gouldenborg.Könnte es nicht schon geschehen sein?" Der Wind riß jedes Wort vom DJiunbe fort.

Nein! Sicherheitshalber nicht! Wenn man mordet, darf von der Tat bis zur Fluchlmöglichkeit keine Minute Zeit sein."

Sie kamen dem roten Licht näher bald Seite an Seite mit dem Zug nun voraus.

Noch waren zwei Kilometer bis zur Brücke.

*

Evelyn legte den Browning neben sich. Mac Tomson sah an die Uhr. Zwei Minuten noch. Die Luft raste an den Scheiben vorüber.

In Des Moines werde ich übernachten", sagte er.

Ich werde dort erwartet von meines Vaters Geschäftsfreunden." Miß Evelyn sprach weiter:Vielleicht daß dort ein kleines Vergnügen meiner harrt morgen ist meine Verlobung!"

Noch sechzig Sekunden.

Miß Evelyn Gouldenborg! Sagen Sie mir, kann nian mit diesem kleinen Ding da auch töten?" Er faßte blitzschnell die Waffe, so daß es das Mädchen nicht verhindern konnte. Sie lächelte wieder.

Gewiß!"

Mit höhnischem Gesicht hielt er ihr den Browning vor den Kopf. Sie tat verlegen.

Spielen Sic nicht mit geladenen Waffen!"

Nein! Ich mache em ft!"

Dann seien Sic nicht feige!"

Nein!" Er drückte ab. Nichts! Blind geladen.

Da erhob Evelyn, ihren Arm, in der Hand einen zweiten größeren Browning.

Mac Tomson! Ergeben Sie sich!"

Jäh bremste der Zug. Stand. Fünfzig Meter vor der Brücke. Welling­ton hatte bas Auto ihm gegenüber auf bie Schienen gestellt. Die beiden Scheinwerfer blendeten den Zugführer.

Mar Tomson bekam Handschellen.

Gouldenborg schloß seine Tochter glücklich in die Arme.

Der Detektiv bugsierte den Räuber ins Auto.

sche Universitäts-Buch» und Steinbruckerei, R. Lange, Gießen.