Feuerwehr in alter und neuer Leit.
Von Dr. Georg Kuhn.
die Farben der Wiesengründe ineinander, wie roev lende Meer der Aehren, wie ruhig dehnen sich im
Nachtwachen" führte. Patrouillen durchzogen die Straßen; sobald sie einen Brand entdeckten, schickten sie nach allen Seiten Leute, die mit dem Ruf: „Wasser! Wasser!" alles in Erregung versetzten. Die Alarmglocken ertönten- aus der „Hauptfeuerwache" eilten im Laufmarsch die Kohorten, mit Eimern, Aexten, Stangen, Leitern bewaffnet; zugleich fuhren die öffentlichen Spritzen auf. Freilich vermochten all diese Maßregeln nicht viel gegen die Macht des Elementes. Das beweisen die Riesenbrande, die im ersten christlichen Jahrhundert die Stadt verwüsteten, die aus den ungeheuren Feuersbrünsten unter Tiberius, Nero und Titus gleich dem Phönix aus der Asche verjüngt und herrlicher stieg. Das Feuer wütete so furchtbar, weil es an den hölzernen An- und Vorbauten, die selbst die Paläste hatten, stets Nahrung sand, dann aber auch, weil die Spritzen bei der Höhe der Häuser nicht wiksam sein konnten. Die Stoßspritze mit zwei Stieseln war bereits von Hero von Alexandrien konstruiert worden, und die römische Feuerwehr hatte umfängliche Maschinen, die man „Sipha" nannte, augenscheinlich Spritzen mit Schläuchen, wie mari aus den Angaben von Plutarch, Strabo, Cassius Dio und den Loschvorschnften im Gesetzbuch des Ulpian entnehmen kann. Aber da die Romer schon bescheidene „Wolkenkratzer" bauten, vermochten die Spritzen einem Dachstuhlbrand überhaupt nicht zu Leibe zu gehen. Schlimmer als m ber Hauptstadt war es im weiten römischen Reiche um die Feuerwehr bestellt. Als in Nikomedia eine Feuersbrunst wütete, war nach dem Bericht des Plinius an Trajan in der ganzen großen Stadt kein Feuereimer, keine Svrüze überhaupt keine Löscheinrichtung vorhanden. Plinius beantragte, wie es in anderen Städten der Fall war, aus Handwerkern besonders aus denen, die dazu am brauchbarsten waren, den Zimmerleuten und Deckenverfertigern, eine Feuerwehr zu schaffen, aber der Kaiser begnügte sich, zu verordnen, daß in Zukunft jeder Hausbesitzer Eimer und Spritzen bereit halte. Immerhin waren im zweiten Jahrhundert, wie uns auf- ! gefundene Inschriften erkennen lassen, Feuerwehren in säst allen großen Städten erreichtet; sie bestanden noch bis in das frühe Mittelalter hinein, dann aber gerieten wie so viele antike Institutionen auch die Lcstch- anstalten in Verfall. Die Verordnungen KarlsdesGroß en überall Feuerwächter anzustellen, nutzten wenig. Wie in primitiven Zeiten war der Mensch auf sich selbst und auf die Hilfe „guter Freunde, getreuer Nachbarn und dergleichen" angewiesen.
umstellen ist, da der wichtigen Einzelheiten zu viele sind — daher das J Mer Grandiosität des Anblicks ost unbefriedigte Gefühl, das uns bei inichauen der Aussicht von einem Gipfel im Hochgebirge überkommt, r5 bleibt eine gewisse, mit unwillkürlich betriebener Analyse verbundene lnruhe in uns, ein Verlangen nach Ausruhen, nach einer Gesamt» leit in der sich nicht mehr sortwährend Einzelheiten bemerkbar und es ins unmöglich machen, alles mit einmal in uns aufzunehmen (die ideale -ösunq der Frage gibt natürlich das Meer und zwar vom Schiff aus, venn lein Land zu sehen ist): kurz, wir bemerken sogleich^ daß eine Landgast die im großen Ganzen Wiesen, Aecker, ein paar Waldstücke, einige Dörfer vielleicht einen kleinen See und Flutzlauf in sich schließt — so ürften die Mehrzahl der mittel- und norddeutschen Ebenenlandschasten ieschasfen sein — bereits wegen der unumgänglichen Synthese und der jogleich aus dieser sich ergebenden seelischen Erholung und Erleichterung itwas ungeheuer Wohltuendes hat.
Für nervöse Menschen ist deshalb nichts mehr zu empfehlen als ein Aufenthalt in solcher Umgebung. Natürlich braucht der ganze innere Borgang dem Betreffenden nicht klar zu werden^ aber er wird fraglos rach kurzer Zeit die Wirkung des beruhigenden Gesamteindruckes müren — etwa, wie ich es aus einem Erleben mir sehr Nahestehender weiß, verlorenen gesunden Schlaf überraschend schnell wiederfinden. Es ist ganz klar: die Beobachtungsorgane sagen sich beim Anblick der weit» vgrenßten Sicht, deren Einzelheiten an sich nicht weiter interessant sind and unmerklich ineinander übergehen: „Gott fei Dank — hier brauchen Dir nicht zu registrieren, uns nicht anzustrengen, uns nichts weiter ein- tuprägen — hier haben wir Ruhe und sind dankbar dafür . Wir gewinnen also von Anfang an zwei wichtige Vorteile beim Sehen einer einfachen" Landschaft: Seelenruhe und damit die beste Vorbereitung für bas ästhetische Genießen der Gegend, das nun nicht mehr im fortwahren- ben Verarbeiten wechselnder Einzelheiten besteht, sondern im behaglichen ' Konsumieren aller feinen und spielenden Schattierungen von Farbe, Licht, Lust Wolken, Sonnenschein oder Regenschauern, durch welche die Ge- iamtheit des überschauten Landes bewegt wird oder, wie wir zu jagen pflegen ihre Stimmung bekommt. Es ist natürlich, daß neben einer solchen,' sozusagen makrokosmischen Betrachtungsweise noch eine andere, die nükrokosmische, steht, welche sich an jedem Blatt, am Wunder jeder 1 Blume an der geologischen Formung des Gesteines oder wessen sonst alles erfreuen kann; nur ist diese zweite nicht an die „einfache Landschaft I gebunden, sondern mag überall geübt werden, so daß sie nicht als eigent sicher Charakteristikum der hier wichtigen Beobachtungsart gilt.
Jeder, ber mit offenen Sinnen die anspruchslose Gegend im geschilder- - , . , - r.( J. .. .,. w. »vWah Mlrnlö llnOtl liillTP
Kaum hat die lang ersehnte warme und tr°ck°ne Jahresze^ chren E.w zug gehalten so reckt der rote Hahn in Stadt und Land, in -toaloeyn “ aus ausgetrodneten Wiesen drohend seinen ^uerkamm gegen mel. Das verheerende Element erhalt in der glühenden ©arme berWft, in der allgemeine Dürre gefährliche Bundesgenosten. Aber ber Menjch hat sich im Laufe der Jahrtausende Massen ge^m,ebet mit benen^^er mutig den Kampf aufnimmt gegen den erbarmungslos n F , gelingt es ihm auch nicht, die Brandgefahr zu beseitig , s 9 £Q5
doch häufig sie zu beschränken und einzudammen. Eine „Wehr 99 Feuer" ist wohl so alt wie die Menschheit; vielleich b Feuers
entstandener Waldbrand in Urzeiten Schrecken und Segen des dem erstaunten Sohne der Tertiarzett zugleich besch1 murt>e ;a hoch Bekämpfung des in (einer Wut fo furchtbaren Elementes wurde 1« W erst von den Kulturvölkern unternommen; die Nachbarn tatensich zu men, um dem vom Unglück Heimgesuchten »u helfen, eine steiwiu^ Feuerwehr entstand. Noch wichtiger aber war die F Israeliten den Brand rechtzeitig melden mußte. Deshalb 9° machten und im Aegyptern und Griechen Wächter, die nachts die R ... L ö s ch- Falle einer Brunst Alarm schlugen. Ein ausgebildetes regelrech cy wesen wurde jedoch erst von den Romern gesch ff . .
Das Rom der Republik ist van Bränden H^L^rch den stets kaum eine andere Stadt. Die Hügel wuchsen a h ch &enn
höher sich aufhäusenden Schutt der. Brandruinen. Sovon endlich Augustus im Jahre 6 n.Chr., eine Beruf i Vorbild einer 70ü0 Mann zu errichten, die ganz militärisch nch Wache für
Legion organisiert war. Die 7 Kohorten von denen , de d.e waaje^ zwei der 14 Stadtbezirke Roms zu versehen ha"e Stande nter Befehl von Tribunen, während das Oberkommando der „Praserr
Erst im späten Mittelalter wird ber Kampf gegen bas heiße Element wieder bester organisiert. Das Holzwerk der Häuser die hohen Dachstuhle die Dächer mit ihren Strohhauben waren em rechtes Fressen für, bas Feuer, das sich gierig in sich hineinwühlte; das Fehlen von Schornsteinen die Enge der Gassen trugen des weiteren daran Schuld, daß uns lebe iSKL-ÄLWSR» | MWWZMtzW Steinhäusern und bas Vermeiden von Strohdächern hin, doch ohne Erfo g, denn noch im 17. Jahrhundert gab es viele mit Schindeln gedeckte Holzbauten. Aus dem 13.Jahrhundert erzählten uns d,e ersten Feuerorb- nunqen, bie nun neben bie Bauorbnungen traten von der Sorgfalt, bie man dem Löschwefen zuwandte. Ludwig IX. erließ 1254 em Edikt m bem er die Zünfte von Paris zum Kampf gegen bas Feuer verpflichtete und eine Feuerwehr einrichtete, und feine Nachfolger vervollkommneten seine Bestimmungen. In Deutschland stammen die frühesten Feuerorb- nungen ebenfalls aus dem 13.Jahrhundert und zwar aus Nürnberg. Jeder Bader, Torwärter, Weinablader, Weinmesser und Brauer soll einen Wasserzuber in gutem Stand halten und allsogleich bei Feuer aus die Brandstätte bringen. Eine ausführliche Schilderung der mittelalterlichen Löschanstalten findet sich in dem Baumeisterbuch von Endres Tücher von 1449 Sobald ein Feuer ausbricht, haben es die .Scharwachter, ob die Sturmglocke läutet ober nicht, ben Hauptleuten, die über das Feuer- gesetzt sind den Feuermeistern und Viertelmeistern zu melden, die alles leiten. Dann sollen die Scharwächter fleißig nach Dieben ausschauem da diese nickt selten sich bei Bränden einfinden, und bie geretteten Sachen bewachen-Bürgermeister und Ratsherren verfügen sich aufs Rathaus und geben von hier aus ihre Befehle. Auch Armbrust-Bogenschützen sowie die Söldn'r treten sogleich zusammen und warten, bis man ihrer bedarf Die Deutliche Löschmannschaft bilden: die gemeinen Frauen bie Ablader Schröter, Wagknechte, 16 Zimmerleute und 8 Maurer, alle Meister und 3U Lösckmeistern bestimmt, mit ihrem Werkzeug unb alle Baber samt ihrem Gesinde mit Kübeln und Schäffern. Alle Lohnfuhrleute und Muller haben die Wasterkufen, die bereit stehen, auf ihren Schleifen heran- zufahren .. Es entsteht also ein lebendiges und buntes Treiben m ber mittelalterlichen Stabt, wenn ber schaurige Ruf „Feurio! erschallt bas arelle Blasen ber Alarmsignale unb bas bumpfe Drohnen ber Sturm» qiotfcn die Gassen durchtönen. Als eigentliche Massen gegen das Feuer wurden verwendet: Leitern, Feuerschaffer, lederne Eimer und einfache Itandivriken die aus Eisen ober Bronce mim hölzernem Griff waren.
Ä verfügte jeder Diertelmeister über vier solcher Spritzen und K Cime" Verfügungen wie in ber Stabt Dürers gab es .m
15 ^äbrbunbe-t überaU. Die Breslauer hatten noch bie weste Verfügung, baß ?er Magsttrat jebem müßigen Zuschauer, Mann, Jungfrau ober I Weid, einzusperren unb zu bestrafen brohte...
Alle biefe ausführlichen unb besorgten Anweisungen, bie die Räte ber I Stadt aaben konnten aber erst wirklichen Nutzen stiften, als weittragende I iinh aroste Wassermassen schleudernde Spritzen konstruiert waren. Die ÄanbÄen bat n nur einen kleinen Brand ersticken können und waren arokm Rammen gegenüber machtlos. In Augsburger Rechnungen sind I P crnLr(> 1518 ^nftrumente zum Brünften,
S ä" «Ä,"b?e“on eineÄ Goldschmied Anton Blatner ver-
. VON dem ihn überströmenden Zauber überrascht werben Me fugt sich plötzlich dem Auge die Rundung der Ebene, welche vielleich. als. Ganz,aS durch einen Kirchturm, einen leicht vorspringenden Hügel ein sanft sich in einer Senkung schmiegendes Waldstück wohltuend gegliedert wird! L spielt der Himmel als durchsichtig-unermeßliche Kuppel, a s Wolkew erdjitettonit als wildes Treiben strudelnder Rebel stets als mächtige Folie mit ber unter ihm sich ftredenben Gegenb! Wie zart schieben sich die Farben ber Wiesengrünbe inemanber, wie weich wiegt fid) bas mal- lenbe Meer ber Aehren, wie ruhig dehnen sich im Glanz der Mittagstille oder im Dämmern des sinkenden Abend- die Stoppelfelder- — vielleicht (Erinnerungen an gute Galopps hinter den Hunden wachrufend... Alles
! fließt sagte der weisen Griechen Weisester: wahrhaftig, die ganze Landschaft' scheint, von niemals endendem Leben bewegt, zu fließen, in ihren i Einzelheiten, die in einander übergehen, untrennbar zu werden und jenes merkwürdige Glück auszuströmen, das stetei bie ®nne
lösen vermag Etwa wie Goethe im musikalstch-archttektonischen toinne vom griechischen Bauwerk lagt: „Mich dünkt, ber ganze Tempel singt, ' fo empfinben wir, nehmen wir ben Zauber ben Segen der einfachen Landlchast n uns auf bie ungeheure Wohltat ber Einheitlich ke 11 uns zu Teil werden, die in ber Tat „höchstes Glück ber Crbentmber z sein verbient.


