Waldemar fragend „Ich nehme an
Derantlüörtlich: Dr. Hans Thhriot. - Druck und Verlag: Brühl',che Univerf ilätS-Buch- und Sleindruckerei, R. Lange, Gießen.
Iekt war das Lachen aus des alten Grafen Seite, Der gute Baron. Er nennt es Lafitte, Gott verzeih es ihm, und bildet sich noch ein, eine Wein ginge zu haben. Und warum? Weil er von der Voraussetzung aus- aebt ein beständiger Frühstücker müsse sich auch zum Fruhstucksverstan- d aen ausbilden Ein Satz, der grundfalsch ist und an die Doktoren erm- nett die mit Stolz von ihrer fünfzigjährigen Erfahrung sprechen, nachdem ihnen jeder einzelne, wenn irgend möglich, gestorben ist. Glaube mir, Waldemar, wer beständig zwischen Hiller »nd,presse hm.und> her pendelt, kann seine Zunge verseinern, aber aucy nicht. Und das letztre bildet die Regel. Uebrigens um elf beim Baron; was bedeutet das. Da mutz was vorliegen. Und nun heraus damit! „
„Ich war da, mir seinen Rat zu holen. , .
, Bei dem Baron, Rat? Nun, da steh ich doch noch lieber zu ! einem Lafitte. Der ist schlimmstenfalls mit Pepsinpastillen zu bekämpfen, aber von seinem Rat ist kein Erholen. Waldemar, ich dachte doch... Rat! Nun, ich bin auch nicht von den sieben Weisen Griechenlands, aber neben dem Baron... Oder vielleicht war der gute Papageno nur Vorstufe. Latz hören! Ist es eine Sache, von der ich erfahren darf, an der ich möglicherweise mit raten und taten kann? .... ...
„Ja, Onkel. Und zu dem Zwecke bin ich hier. Es ist, wl« du sagst, der Baron war nur die Vorstufe."
„Nun denn?" „
„Also kurz, ich habe vor, mich zu verheiraten. _
Der alte Graf schlug mit der flachen Hand aus den e.i;ch.
'^Jch erschrecke nicht. Das ist nicht das rechte Wort, und wenn ich eben mit der Hand auf den Tisch schlug, so war es nur em lebhaftes oder vielleicht auch zu lebhaftes Zeichen meiner Teilnahme. Nervosität nichts weiter Du bist überhaupt ein Gegenstand meiner Teilnahme, Waldemar, denn ich bin dir ungeheuer gut, und wenn ich das Wort nicht Hatzte, weil soviel Mißbrauch damit getrieben wird so sprach ich d'r rundheraus von meiner Liebe. Wahrhaftig, Junge, du bist der beste von allen lebenden Halderns (vielleicht können wir auch die Toten mit emrechnen), und ich weitz nicht, was ich alles für dich tun könnte. Daß du mich beerbst, ver- ftelit sich von selbst: ich wünsche dir jedes erdenkliche Gluck. Aber eines, wenn es eins ist, wünsch ich dir nicht. Ein Mann wie du heiratet nlcht. Das bist du drei Parten schuldig: dir, deiner Nachkommenschaft (die bei kränklichen Leuten wie du nie ausbleibt) und drittens der Dame, die du gewühlt."
„Es ist keine Barne." _ . . ™.. ...
Der alte Graf verfärbte sich. Unter einem halben Dutzend Möglichkeiten, die durch sein Hirn schossen, war auch eine.. .Nein, nein... Unö et fasste sich wieder und sagte mit wiedergewonnener Ruhe: „Reine Dame. Was denn? Wer?"
Stine." „
Der alte Graf Sprang auf, warf seinen Stuhl um einen Schritt zurück und sagte: „Stine! Bist du toll. Junge?" ...
„Nein. Ich bin bei Sinnen. Und ich frage dich, ob du mich Horen ™ • «< fx •) 41
Der Graf sagte nicht ja und nicht nein, setzte sich aber wieder und sah
gusts Tvori erbitte so geschiehi e's, weil alles Gehässige meiner Natur widerstreitet. Hatz ist mir häßlich. Ich erbitte dein gutes Wort, west uh versöhnungsbedürftig bin und in Frieden aus dieser Alten Welt scheiden möchte. £■-, Was hast du vor? Waldemar, ich bitte dich, du wirst uns doch nicht eine diestr modernen Selbstmordkomödien auf,uhren und dich mit deiner Stine nach erfolgter Kopulation, das Wort bleibt mir in der Kehle stecken, auf eine Bahnschiene werfen oder mr Hans- und Gretestil in einen Dorftümpel stürzen wollen? Ich.bitte dich,, Waldemar, ver chon uns wenigstens mit einem Betnit im P"!'^'^ncht.
. Es ist nicht das. Ich habe nur einfach vor, mit der Alten Well Schicht zu machen und drüben ein anderes Leben anzufangen.
„Und als Hinterwäldler deine Tage zu beschließen. Umgang mit Cbinaachgook, alias le gros serpent, und Vermahlung deiner ältesten Tochter Komtesse Haldern mit irgendeinem Unkas oder einem Ettotz- grotzneffen von Lederstrumpf. Was meinst du dazu? Und wenn,n cht Hinterwäldler, so doch cowböy, und wenn nicht cowboy, so vielleicht Kellner auf einem Mississippidampfer. Ich gratuliere WÄdemar, ich begreife dich nicht. Ist denn keine Spur von Haldernfchem Mut m dir. Ist es denn so leicht, aus einer Welt bestimmter und berechtigter, Anschauungen zu scheiden und bei Adam und Eva wieder anzufangen.
„Da trifsit du's, Onkel. Ja, bei Adam und Eva wieder anfangen, das will ich da liegt es. Was dir ein Schrecken ist, ist mir eine Lust. Ich habe mir sagen lassen alles regle sich nach einem Gesetz des Gegensatzes, das zugleich ein Gesetz des Ausgleichs ist, eine neue Theone von diesem ober ene?die Vorhand ist, glaub ich, streitig. Aber gleichviel, von wen'. st. herrührt, es hat damit nach meiner eigenen Erfahrung unb eben|o nach meinem bißchen Wissen seine vollkommene Richtigkeit. Der Alte tfri8 haßte das Alte Testament, weil er in seiner ^gend erbarmungslos damit aeauält worden war, und der dicke König liebte die Frauen und über Wtzte sie, weil sie fünfzig Jahre lang vom preußischen Hofe verbannt gerne en waren. Alles, was unten ist, kommt mal wieder oben auf, nd was wir Leben und Geschichte nennen, lauft wie em Rad, ,1a grancke roue de l’histoire1 sagen die Franzosen. Und nun laß mich die Nutz anwendung machen. Die Halderns haben lange genug °" der Feudalpyramide mit bauen helfen, um endlich den ^gensatz oder den Ausg e ch oder wie du's sonst nennen willst, erwarten zu ourfen. Und da kommt denn nun Waldemar von Haldern und bezeigt eine Neigung, wieder bei Adam und Eva anzufangen."
Der Alte war nicht unempfindlich gegen solche ---atze, die, wenn sich» nicht um Verwirklichung an einem Fami ienrnitgliede gehandelt hatte, sehr wahrscheinlich seinen Beifall gehabt haben wurden. Ein Lächeln inf über sein Gesicht, das ausdrücken mochte: „Sieh, er fuhrt feine Sache aut" ia vielleicht entsann er sich sogar, in Uebennut und Weinlaune mehr L ttnmal dasselbe Proklamiert zi "haben. Und so war es denn in einem oiel ruhigeren Tone, dah er antwortete: „Waldemar, laß uns vernünftig reden! Ich bin nicht so verrottet, wie du glaubst. 2ch kann dem allen folgen und ich habe von der göttlichen Weltordnung nicht die Vorstellung, daß sie sich mit dem Staatskalender und der Rangliste vollkommen deckt. Ja, ich will dir noch mehr sagen: ich habe Stunden, in denen ich ö>emlich fest davon überzeugt bin, daß sie sich nicht damit deckt. Und es weiden, und vielleicht in nicht allzuferner Zukunft, die Regulierungszelten kommen von denen du eben sprachst, und vielleicht auch wieder die Adam- und Evazeiten. Und sie mögen auch kommen, warum nicht? Ich bin vor Adam nie erschrocken und vor Eva erst recht nicht. Aber sind gerade wir dazu da, dem weltgeschichtlichen Umschwungsrade, das du da vorh in Situ "es, sind, sag ich, gerade wir dazu da, diesem grande toue de 1 histoire solchen energischen Vorwärts- oder meinetwegen auch Zuruckruck zu geben. Ueberlasse das andern! Zur Zeit sind wir nur noch bie Beati possidentes. ,Sei im Besitze, und du bist im Rechst ist vorläufig noch für uns geschrieben Warum sich selbst um diesen Besitz bringen unb auf eigene Kosten eine Zukunft heraufbeschwören, von der oie(leid)t keiner profitiert und wir gewiß nicht. 21bam, Neubeginn der Menschheit, Paradies und Rousseau das alles find wundervolle Themata, für die sich m praxi alle bieiemgen begeistern mögen, die dabei nur gewinnen und nichts verlieren können die Halderns aber tun gut, all dies in der Theorie zu belassen und nicht persönlich banad) zu handeln." k
Der junge Graf lächelte vor sich hm. „Ja, Onkel, das ist bas Allgemeine, bas Alltäglich-Gültige. Gewiß ich weiß es Da gilt das wasdu jagst. Unb laß mich bir versichern, ick) bin weit ab davon, den Welt- ober auch nur den Gesellschaftsresormator machen zu wollen. Dazu hab ich nicht die Schultern. Aber das Besondre, das Besondre.
„Welches Besondre?"
"Ja"so' die", sagte der alte Haldern und ließ in allem erkennen daß er im Laufe des Gesprächs den Ausgangspunkt so gut wie vergessen hatte. Ja Stine... Dummes Zeug. Ich kenne bas. Ein Junggeselle, ber über fünfzig hinaus ist, ist mehr als einmal in Gefahr gewesen, an dieser Klippe zu scheitern. Aber bas sinb Anwandlungen, Fieberanfalle. Solange sie dauern legt man sich die Weltgeschichte nach dem »einen Gefühl Brecht das einen gerade beherrscht: aber von heute auf morgen oder, wenn es hocb kommt, von heute bis übers Jahr, hat man sich besonnen unb sieht die Dinge nicht mehr durch das Trug- und Zauberglas unterer erhitzten Phantasie, sondern durch die Fensterscheibe der Alltaglichleit. Stine' Bu sollst nicht brüsk mit ihr brechen, im Gegenteil, besuche sie. solange dichs dazu treibt; habe deine Plauderstunde mit ihr ruhig weiter; aber es mutz ber Augenblick kommen, wo sichs ausgeplmibert hak unb wo bu beinen Irrtum empfindest. Eines schönen Tages fällt es dir wie Schuppen von den Augen, unb du siehst in einen Abgrund.
i (Fortsetzung folgt.)
) an.
an", fuhr dieser fort, „daß bu mich hören willst. Unb wenn bu meinen ersten Satz gehört haben wirst, so wirst bu ruhiger werden Ich bin in den Jahren unb in ber Lage, selbständig handeln zu dürfen, und ich werde selbständig handeln. An »em allen ist nichts zu ändern; Krankheit macht eigensinnig, und die Halderns sind es von Natur. Ich komme nicht, um eine Familienerlaubnis nachzusuchen. bie mir, wenn das Gesetz eine Verweigerung zuliehe, verweigert werden würbe. Da dies
mir Amsler diese Mappe voll italienischer Stiche geschickt, unb ich schwelge | unb so'denn noch einmal: metie Enst-Msft sinb°ge^ßt.^Du sollst nicht ben . (cX i all ** I „.. < ./. ... am* man • aCIaw fite* Sein tllrt C* in) 1) I) f hl) I) P. IT11L
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*•* * kürchte- lieber Dntel . Waldemar. Ein Jialianissimus wie
sein denn ich seh in deinem Gesichte so was wie Fieberrote die mir d)
schwärmte Nächte sind nicht für jedermann »nb sicherlich mch siir duch.
yäs Ä-» Ä-'S mußt leben wie eine eingemauerte Nonne; den andern trau ich mcht St Unb nun Sage mir, wenn sichs sagen läßt, woher die.roten F ecke?
Waldemar lachte. „Von einem zu frühen Frühstück, lieber Onkel, dcy war beim Baron, unb als ich gehen wollte, hielt er mich mit einem Glase


