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leben ein wenig zu modernisieren, druckt jetzt dte Tokioer Frautnzeilung Fujokal" bisweilen Anstandsregeln für Ehemänner ab, in denen sie unter anderem etwa folgende Ratschläge gibt:Betätigt Euch^ein 9«n<^s Leben lang nicht mehr als Spielverderber und Störensriede. Seid mnnd)= mal spaßig und witzig, auch Eurer Frau gegenüber, nicht nur in Gesell­schaft Eurer Freunde."Laßt die Frauen nicht immer allein Einkäufe besorgen; begleitet sie manchmal und bevor Ihr heimkehrt, kauft ihr eine Kleinigkeit zu essen. Das erfreut das Herz einer Frau." ^Derartige Ratschläge bilden das Tagesgespräch in den Haushalten von Tokio und Dokohama. Und wenn auch gegenwärtig japanische Kanonen in der Mandschurei und in den chinesischen Häfen donnern, der Japaner nimmt das eine nicht minder wichtig als das andere. Er denkt an alles, bespricht alles in gleicher Weise und hält immer die Waagschale für sämtliche Dinge in gleicher Höhe.

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sinnige Temperatur gewöhnt und die ärztliche Wissenschaft behauptet, daß eben jene heißen Bäder ihn gegen alle Erkältungs- und Grippekrankheiten beinahe ganz unempfindlich machen. Das heiße Wasser stärkt die Haut, nimmt ihr alle weiche Nachgiebigkeit, sie wird zur Hornhaut der Siegfriede und unempfindlich gegen alle Wiiterungseinflüsse.

Die Blech- oder Kachelwannen europäischen Formats kennen die Ja­paner nicht. Sie baden in hölzernen Trögen, die durch eine Zwischenwand in einen großen und einen kleinen Teil abgetrennt werde». Im großen Teil befinden sich das heiße Wasser und der badende Mensch, im kleinen steht der Badeofen, der mit Holzkohle geheizt wird und eine ständig gleichbleibende Temperatur des Wassers verbürgt. In Tokio baden die wohlhabenden Leute im eigenen Hause, auf dem Lande, wo die Hütten nur klein sind, trägt man die Wannen des Morgens auf die Straße und nun begibt sich die ganze Bevölkerung, völlig ungeniert, ins Bad. Das Wasser, das erhitzt wird, gilt jedoch nicht nur für eine Person, sondern stets für den gesamten Hausstand. Erst badet der Gast (wenn ein solcher in der Familie weilt), nach ihm steigt der Hausherr in das gleiche Bad, ihm folgt die Frau, hierauf tauchen die Kinder unter, und den Abschluß bilden die Domestiken. Bis vor kurzem war es auch noch gestattet, daß in den öffentliche» Badeanstalten Männer und Frauen gemeinsam badeten, doch ist dies jetzt verboten. Verboten auch: im Bade die Seife zu benützen. Man seift sich erst ein, wenn man das Bad verlassen hat und reibt die Seife wieder trocken ab. .

Wenn man durch eine japanische Straße geht, so fallen einem nicht nur die vielen Brillen aus, die die Männer tragen, sondern auch die vielen Regenschirme. Die Brillen sind nicht immer ein Zeichen schlechter Augen, sondern sie solle» eine gewisse Intelligenz ausdrücken. Die Männer schmücken sich damit wie die Frauen mit Edelsteinen. Der Schirm ist em altjapanisches Requisit. Wenn man ihn schließt, darf man ihn nicht wie in Europa mit dem Griffoben" tragen, sondern mit einer Schlinge an seinem anderen Ende und muß ihn auch in die Schirmständer mit dem iff nach unten einreihen.

Will man höflich sein und betritt man ein Haus, so ist es nicht not­wendig, sofort den Hut abzunehmen, wohl aber muß man die Schuhe ausziehen. Bringt man ein Geschenk mit, so hat man es bei sich zu behal­ten, bis man wieder geht. Erst beim Abschied überreicht man es. Wird man zum Essen eingeladen, so sieht es sehr unmanierlich aus, alles von einem Teller zu nehmen. Man muß einen großen Rest übrig lassen so wie unsere Voreltern immer denRespekt" auf den Tellern zuruckließen. Soll eine Rede gehalten werden, dann besorge man dies vor Beginn der Mahlzeit. Ist das Essen beendet, erhebe man sich sogleich und zögere auch

Güne.

Roman von Theodor Fontane.

(Fortsetzung.)

Es gilt von dieser Ebenbürtigkeitsregel, was von jeder Regel gilt, sie dauert so lange, bis der Ausnahmefall eintritt. Gott sei Dank! daß es Aus­nahmefälle gibt. Es lebe der Ausnahmefall! Es lebe... Noch ein halbes Glas, Waldemar. Und was ich Ihnen zum Abschiede noch sagen wollte, ja sagen muh, der jüngste Schwilow, von dem ich Ihnen vorhin erzählte, hatte recht, und Ihr Onkel hatte zweimal recht, und die Gesellschaft beruhigte sich über die Duperre. Noch kein Vierteljahr, daß ich die jetzige Baronin Schwilow auf Tzatschschow, etwas schwer auszusprechen, im Französischen Theater traf, wo die Subra die Freifrau spielte. Sie sah reizend aus, ich meine die Schwilow (die Subra natürlich auch), und als sie im Zwischenakt das Köpfchen warf und dabei die Brillanten im Ohr­läppchen hin und her läuteten, da läutete sie zugleich die ganze vornehme Gesellschaft zusammen. Und wissen Sie, wer ihr am meisten den Hof machte? Natürlich der Herr Onkel, der aussah, als ob er selber geneigt sei, das von ihm prognostizierte dicke Buch von der gräflichen Admirals­tochter zu schreiben. Ja, ja, Waldemar, Erfolg und Mut! Oder beginnen wir mit dem Mut. Am Mute hängt der Erfolg. Und nun Gott befohlen!

Waldemar hatte sich inzwischen erhoben und seinen Hut genommen. Er dankte dem Baron und bat ihn, wenn ein ernsteres Zerwürfnis ein­trete» sollte, seinen Besuch wiederholen zu dürfen.

Zwölftes Kapitel.

Waldemar, als er bei Baron Papageno vorsprach, hatte die Meinung des Barons in einer ihm wichtigen Angelegenheit hören, im übrigen aber in eben dieser Sache durchaus nicht beeilen wollen. Umgekehrt, ein seiner Natur entsprechendes Abwarten und Hinausschieben, und wenn auch nur auf ein paar Tage, war aus diesmal fein Plan gewesen, und erst der ermutigende Ton, in dem der Baron gesprochen hatte, hatte den Gedanken in ihm angeregt, den Besuch beim Onkel, in Ausnutzung der guten Stimmung, in der er sich befand, auf der Stelle machen zu wollen. So bog er denn vom Zietenplatz her in die Mauerstraße ein; sah, als er das Königsmarcksche Palais passierte, zu der zweiten Etage, hinter deren kleinen Fenstern er mit einem vor Jahr und Tag dort wohnenden Freunde manche glückliche Stunde verplaudert hatte, hinauf und stand nach einer abermaligen Straßenbiegung vor dem altmodischen, im übrigen aber gut und sauber gehaltenen Hause, dessen oberes Stockwerk der Onkel seit einer Reihe von Jahren innehatte. Portiersleute sehlten, statt ihrer aber war I ein ganzes System von Gittertüren da,- das, wenn man unten oder 1 was dasselbe sagen wollte, vor einem mit allerhand unleserlichen Blech- schilden reich ausgestatteten Parterreverhau klingelte, mitunter wie durch einen rätselhaften Federdruck in seiner Gesamtheit aufsprang, mit­unter aber auch nicht, in welch letzterem Falle die nun von Etage zu Etage nötig werdende Einzelklingelei gar kein Ende nahm unb bet ledern neuen Gitter zu dem Erscheinen eulenartiger alter Köchinnen führte deren Eraminationsverfahren um fo peinlicher und eindringlicher war, als nur ihr Auge die Fragen stellte. Waldemar war zu lange und zu gut mit dieser altberlinischen Haus- und Treppeneinrichtung bekannt, um für gewöhnlich Anstoß daran zu nehmen, heute ledoch hatte dieses Absper­rungssystem eine gewisse Bedeutung für ihn, unb lebe neu zu passierende Gittertür erschien ihm wie eine Mahnung,es lieber nicht verfugen ju wollen". Der mitgebrachte gute Mut indes überwand alle Bedenklichkeiten und ließ ihn schließlich bei der dritten und letzten Gittertur ankommen, an der er von einem alten Muffel von Diener (natürlich vom Lande), dessen Umwandlung ins Herrschaftliche sich nur sehr unvollkommen voll­zogen hatte, mit einigermaßen llberraschlicher Freundlichkeit empsangen wurde. Der Herr Gras seien zu Haus und wurden sich sehr (neuen.Er sitzt über die Kupferstiche" (so schloß er),und wenn er da drüber her is, is er immer guter Laune." t

Der Diener ging voran, um zu melden, und der Eindruck, den Walde­mar gleich bei seinem Eintreten empfing, war der denkbar günstigste. Wenn schon immer eine gewisse, durch einen guten Geschmack in Ein­richtung und Ausschmückung bedingte Behaglichkeit in dem Wohnzimmer des Onkels anzutrefsen war, so war diese Behaglichkeit heute bis zur Gemütlichkeit gesteigert. Die Fenster standen aus, und von denLinden her klang die Musik eines auf Wache ziehenden Bataillons herüber. Aber das war nicht alles; einfallende Lichter blitzten an den Womben hm und her und auf einem großen unb eleganten Ständer von Mahagoniholz, dessen Wände niedergeklappt waren, lag eine Kupferstichmappe, darin der alte Graf emsig unb andächtig zu blättern schien. Er trug schottisch tarierte Pantalons, Samtrock unb einen Fes mit Puschel, alles m allem ein ziemlich sonderbar zusammengestelltes Kostüm, das freilich vollkommen zu seiner Versicherung stimmt: dem Eklektizismus gehört die Welt.

,Ah, Waldemar. Herzlich willkommen, mein Junge! Nimm einen Stuhl ober stelle dich persönlich hierher... Im übrigen ganz nach deiner Bequemlichkeit. Du findest mich in einer gewissen Aufregung: eben hat

nicht eine Sekundei , m _ ...

Der Japaner ist ein trefflicher Schütze: Gewehr unb Revolver sind ihm ebenso vertraut wie dem Europäer; aber bas erste, was er lernt, ist auch heute noch der Gebrauch von Pfeil unb Bogen. Er druckt seine Zeitum gen, die in Millionenauflagen erscheinen, auf Rotationspapier. Doch besonders interessante Geschehnisse werden selbst in unseren Tagen »och handschriftlich vervielfältigt und in kleinen Röllchen in den Handel gebracht. Die Großstädte erleuchten ihre Straßen mit grellen Bogen­lampen, wenn sie im Mittelpunkt des Verkehrs liegen. Kommt man in ein äußeres Viertel, so muß man froh sein, vor den Häusern einige bunte Lampions zu finden, di« ein schwaches Licht über den holperigen Boden werfen, oder man hat sich mit einer kleinen Laterne zu versehen und sich selbst seinen Weg durch die Finsternis zu bahnen.

Wird man bei einer japanischen Familie zu Gast geladen und über­nachtet man im Hause des Japaners, so erwarte man keine Belten, wie man sie in der Heimat gewohnt ist. Der Japaner verabscheut weiche Polster und Kissen, findet sie lächerlich und würde sie nie zwischen seinen Papierwänden dulden; man gibt Holzklötze für den Kopf zur Sturze und keine Decken zur Umhüllung des Körpers. Auch Stuhle fmbet man auf dem Lande nirgends, sondern bloß Hocker, etwas höhere für die Männer, etwas niedrigere für die Frauen. Unb wenn man "Tokio auch bereits eine Versuchsanstalt eröffnete, in der man die lapanischen Schüle­rinnen die europäische Eßart bei Tisch und auf Sesseln lehrt, so ube man sich selber doch lieber in der Geschicklichkeit, seinen Reis mit gesalzenem Pflaumensaft aus dem Schälchen, das auf der Matte auf dem Boden steht, mittels der Eßstäbchen in den ach, so weit davon entfernten Mund

Auch an bas japanische Geschäftsleben muh man sich erst gewöhnen, wird man als Fremder betrachtet, bann geht es ganz amerikanisch zu. Kurze Fragen, kurze Antworten, Briefe und Auftrage sind in gedrängter Form gehalten. Kaum aber betritt ein Einheimischer das Büro des Chefs, jo verbeugen sich die beiden Japaner bis zum Boden, halten lange ß- grüßungsansprachen unb brücken in ihrer blumigen Rede möglichst u - stündlich und langsam das aus, was unsereiner in zwei Minuten erledigt. Ist der Chef mit einem Angestellten unzufrieden, fo laßt er if)n rufen und schimpfte ihn aus. Der Gescholtene blickt (emem Herrn 'ns Gesicht und lächelt. Denn wenn man in Japan getadelt wird, mutz ma lächeln, wenn man gelobt wird, hat man ernst dremzuschauen. Und we der Chef einen Witz erzählt sei er auch noch so albern' dann geht es in Japan wie auf der ganzen (Erbe: es haben alle 21ngeftellten aus vollem Halse zu lachen und zu brüllen, daß die Papierwande Zittern.

Die japanischen Damen sind in den Großstädten schon so modern westlich" orientiert, daß sie sehr gerne, wenn sie kernen Mann bekom­men, Heiratsannoncen aufgeben. Jede rühmt sich ihrerunverg e > chsh Schönheit". Aber in einem Punkt wirkt noch die Ueberlieferung nach. in der Versicherung der unbedingten Ergebenheit in die Wunsche künfti­gen Gatten. So las man folgende Anzeige:Junge Dame 24 Jahre alt, mit akademischer Bildung, von unvergleichlicher Schönheit, sucht einen sympathischen Ehegesährten, dem sie, wenn notig, als Sklavin dienen will." Oder:Junge Same, 32 Jahre alt, mit akademischer Bildung, schön unb bescheiden wie die Pfingstrose im W.nter, laßt es gleichgültig, wieviele Kinder ihr eventueller Ehegatte hat oder welche Stellung bekleidet." Darum bedient auch heute noch die Drau ben Mann, sobald er sich in feinem Hause befindet, geht erst dann Zu Bett, wenn auch er heimgekehrt ist und erwartet ihn mit freundlichem Lächeln, selbst wenn sie eine ganze Nacht zu durchwachen gezwungen ist. Um aber doch das Ehe­

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