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HausZur Rose". Ein

Nach einer Wache ging es zu einer größeren Unternehmung gegen die Schiveden. Der Schreiber fuhr auf dem Bagagewagen, auf dem sich die Skripturen befanden, mit hinaus. Heinrich sah, dah er sehr verlegen >var, als er neben dem Traftknecht Platz nahm, einem schönen, kräftigen

der einen Safte ebenfalls mit Perseus und Andromeda, auf der andern Seite aber mit seinem Bildnis und den Worten:Paulus de Werner, Colbergae Liberator**,

Verantwortlich; Dr. HanSThyriot. Druck und Verlag: DrühlschrUntversitätS-Vuch-und Dteindruckerel, R. Lange, Giehen.

Heinrich lies; sich also vor dem Abendessen den Zopf neu ein flecht en, den Rock abbiirsten, zog frtschgemichste Stiefel an und begab sich ins 7. 7 Husar nahm ihn in Empfang und führte ihn ins

erste Stockiverk. Schon aus der Treppe hörte Heinrich seltsame Töne. Der Husar, der eine Pfeife im Munde hatte, bemerkte aus dem Mundwinkel:

Bauernburschen.

Aber sehr wunderte es ihn, als er ein paar Tage danach in einem Dorfwirtshaus den Schreiber neben einem jungen Kornett traf, der durchaus nicht zu den Blödesten gehörte, der sogar als ein böser Weiber­held galt. Heinrich hielt es für seine Pflicht, den jungen Menschen vor diesem Umgang zu warnen. Er riet ihm, sich zurückzuhalten, denn sonst käme er In Berührung mit Trunk, Spiel und liederlichem Welbspack. Er bedauerte gleich, vielleicht zu hart gesprochen zu haben; denn das Schrct- berlein kauerte sich zusammen in die Ecke und weinte.

Es mar Heinrich eine große Freude, daß ihn sein Dienst aus ein paar Wochen nach Kolberg zuriicksührte. Er schlug nun sein Büro in der alten Schulstube der Mutter auf und freute sich, mit seinen Lieben ver­eint zu fein.

Was bst das nur für ein Mensch, den du da haft?" fragte ihn Doro­thee am nächsten Abend.

Es ist ein junger Student, Sohn eines Landpfarrers, den ich als Ersah für meinen Unteroffizier in Rostock gewonnen", erwiderte Heinrich.

Dorchen sah Ihn fest an. Er wunderte sich, dah sie den Wend über einsilbig blieb.

Am nächsten Tage fand er sie mit verweinten Augen. Aus seine Frage, was ihr fehle, gab sie bhm zur Antwort: Das müsse er selbst missen!

Er war ratlos, fragte die Mutter; diese muhte von nichts. Am Abend suchte er sein Mädchen und sand es In dem kleinen Gemüsegarten am Zaun lohnend. Er drang tn sie, ihm zu sagen, was Ihr fehle.

Sie zuckte die Achseln. Schließlich wandte sie sich um und rief hart: Wenn du meinst, du hast dich in mir geirrt, so braucht ja nicht wahr zu fein, tuns bisyer war, und ich gebe dir deinen Ring zurück!"

Heinrich imifahte die Bebende, versicherte ihr, feine Liebe und Treue sei unverändert.

Aber sie stieß ihn zurück und rief:Nein! Dah sich ein Mann verirrt oder vergafft, das können wir armen Frauenzimmer ja begreifen, denn ihr feit) ein wetterwendisch Geschlecht! Aber dah du mich anlügst, mich und deine Mutter, das will ich dir nie verzeihen!"

Heinrich war empört. Was hatte das Mädchen? War sie selbst anderen Sinnes geworden? Machte sie ihm Vorwürfe? Er ging zur Mutter, bat sie, mit Dorothee zu sprechen, und als das Mädchen kam, verlieh er das Zimmer.

Rach einer Weile wurde die Tür geöffnet. Dorchen rief hinaus:Hein­rich die Mutter hat dir etwas zu sagen!"

Er kam Ins Zimmer. Die Mutter sich ihn traurig an und fragte:Wer hat dir bei men Schreiber empfohlen?"

Er antwortete, der Wahrheit gemäß:Niemand!"

Indem ward an die Tür geklopft. Der Schreiber trat ein. Ihm folgte Dorothee, rot, mit blitzenden Augen, wie ein schöner Racheengel.

(Fortsetzung folgt.)

Er, sorge Er dafür, dah diese Schläge gerecht verteilt werden! Schlimm genug, dah wir die Leute ausschinden müssen! Tu' Er es wenigsten» honett!"

Auf diese Weise gelangte Heinrich nach Rostock und bekam Quartier in einem schönen Hause. Da die einkommenden Gelder burd) seine Hand gingen, erhielt er zum erstemmal fein Gehalt ohne Rückstände von drei bis vier Monaten, wie es bisher der Fall gewesen war.

Aus dem ersten Ritt, den er hinausmachte, um mit einer herzoglichen Domäne abzttrechnen, stürzte das Pferd seines begleitenden Unteroffiziers, der zugleich [ein Schreiber mar, so hart, dah der Mann beide Bein« brach unb für viele Monate In ein Lazarett gebracht werden muhte. So lieh er bekanntmachen, er brauche einen neuen Schreiber. Alsbald meldete sich ein hübscher junger Mensch, der zwar sehr dünn und zart ausfah, aber er hatte ein angenehmes Gesicht, ein schönes Auge und eine zwar leise, doch angenehme Stlmime. Er setzte den jungen Mann an den Tisch, nahm die Probe der Handschrift, die recht gut ausgeschrieben war, und merkte, dah dieser Assistent gut zierlich orthographisch und grammatisch richtig schrieb; auch war er der französischen Sprache ziemlich mächtig. Als Legitimation zeigte er ein Papier vor, worin er als Sohn eines nrmen Land Pfarrers ausgewiesen war. Heinrich gab Mütze und Mantel des alten Schreibers diesem jungen Menschen, der freilich wie in einem

Abends singt unser General immer geistliche Lieder!" Es war schwer, aus diesen falschen, schrillen Tönen die Melodie vonJesu, geh voran" herauszuhören.

Oer Husar klopfte dreimal an. Eine börenmähige Kommandostimme schrie:Herein!"

Heinrich trat ins Zimmer, aber der General, der eine Tonpfeife in der Hand hielt, beendete erst sein Liöd, ehe er sich an Heinrich wandte, Ihm die Hand reichte und seine Befriedigung aussprach, daß er die Ge- e feines Korps Übernähme. Ein kleines Tischchen stand am Fenster;

f lag ein grohes lutherisches Gesangbuch. Der alte Belling benutzte den Rest des Tageslichts, uni dem grohaedruckten Text zu folgen.Ich hoffe doch, Er ist ein guter Christ?" fragte er plötzlich, da er den langen Blick feines neuen Kriegskommissars aus dem Gesangbuch ruhen spürte.

Das konnte ihm Heinrich nun mit gutem Gewissen versichern und berichtete auch, dah fein Bater Gardist, Feldprediger und Pfarrer ge­wesen fei.

Das gefiel Belling, und er plauderte behaglich:Bibel lesen macht mich zu miiibe. Wenn ich tagsüber geritten habe, will ich abends allein fein mit meinem Gott im Kämmerlein, wie es der Doktor Martinas geboten. Sitze ich da und lese, so komme Ich über zehn Bibelverse nicht hinaus und schlafe ein. Aber ich will wach fein, wenn der Adsittant mit den Kerzen kommt und ich die Abendbefehle um neun Uhr unterschreiben muh. Und da habe ich herausgefunden, dah das Singen das beste ist. Ich singe und rauche dazwischen, und so komm' ich fromm über den Abend hinweg, bis alle Geschäfte vollzogen sind."

Heinrich erlebte wieder einmal das Wunder eines sonderlichen Men­schen. Er kannte diesen zähen, drahtigen Husaren, der bei seinen Leuten ebenso gefürchtet wie geliebt war; aber diese eigenartige Frömmigkeit hätte ei' nie bei ihm vorausgesetzt.

Bald merkte er, dah er das .Herz des alten Husaren ganz gewonnen hatte. Das zeigte sich, als eines Tages Belling ihn erst fragte, warum er Wallache nicht einem bestimmten Kaufmann ab nähme, der ihm eine gute Probe ins Hans habe schicken lassen.

** Kokbergs Befreier.

Heinrich wies ihm nach, dah dieser Kaufmann einen Posten auch zu ihm gesandt hätte und dah nur die Decktuche schwer wären, alles andere Zunder. ,Hch gebe da bei einem ehrlichen Mann für den Quadralsuh zwei Pfennig mehr, aber ich habe gute Ware!"

Belling freute sich, und am nächsten Tage wurde e» stadtbekannt, dah er den Kaufmann, als er wiederg morn men war und sogar dem General eine Geldbörse offeriert hatte, mit einem Fußtritt über die Treppe be­fördert hatte und ihm die Börse aus dem Fenster wohlgezielt auf den Kopf warf, als er zum Hause hinaustrat. Dazu schrie er:Gleich aus­hängen soll man die Schufte, die sich durch Heereslieserungen bereichern wollen und damit unsere armen Soldaten mehr schinden als die Feinde!"

Zu Hause vertraute sich Heinrich seiner Mutter an. Die schüttelte den Kops Über feine Selbsdvorwürse:Das ist Gottes Fügung! Du hast dies Mädchen nicht beiraten wollen sie ward dir plötzlich in den Weg gestellt. Ich feg es ein: Du konntest nicht anders handeln in deines Herzens Nachgiebigkeit. Aber sie hätte Geduld haben müssen; Ihr unruhig Blut hat sie duvangetrieben. Wer weih, ob's gut ausgelaufen wär' in den Zeitläuften, hättest du sie zum Weib genommen."

Dies alles tröstete Heinrich nur halb; die Selbftoorwürfe schwiegen nicht. Da brachte ihm am andern Tag Joachim Nettelbeck nähere Kunde über Klara: Gagarin hatte sie bei einer Streife in einer kleinen Post- hallerel getroffen. Sie war in der Tat aus der Reise nach Kolberg be- Ä, aber die Reiseroute erschien nicht sehr klar; denn sie mar zuvor lunschweig und Berlin gewesen. Gagarin, als schöner Mann, hatte ihr Herz In Flammen gesetzt, und ohne weiteres war sie ihm gefolgt. Ja, selbst Ins Lager war sie nachgekommen, ohne dah er's gewollt hatte, und daraus war das Unglück ihres vorzeitigen Endes entstanden.

Doch auch diese Erzählung lieh Heinrich nicht ganz zur Ruhe kommen. Er brütete Trübsal über seinen Skripturen.

Da trat um die Mittagszeit Dorothee bei ihm ein und fragte:Was soll ich von dir denken? Hast du meiner vergessen, oder willst du es tun?"

Er schaute auf und blickte in helle Augen.

Da 'sagte sie zu ihm:Denk, was geschrieben steht: Laßt die Toten ihre Toten begraben! Wenn sie deiner vergessen konnte, so gehörte sie nicht zu dir!"

Des Fürsten Gagarin nahm sich die Frau von Modell an, denn sie, als eine geborene Stein von Kamienski aus Preußen, war mit den Ga­garins verwandt. Sie bat beim Gouverneur von Helden um die Ver­günstigung, den Fürsten in ihrem Hause pflegen zu lassen. Hier blieb der Fürst so lange, dis er abtransportiert werden konnte. Er ward freigelaffen auf Offiziersmort, und Frau von Wedel! nahm ihn mit auf ihr Schloß, damit er bald zu Kräften käme. Christine ging als seine Pflegerin mit.

Für Heinrich gab es nach Aushebung der Belagerung einen neuen Wirkungskreis, denn der Krieg ging weiter. So hieß cs, von.der Mutter Abschied nehmen. Die alte Frau war bewegt, dah die Festung befreit war von der Belagerung der Feinde, aber sie war ängstlich und hatte einen Wunsch, den sie sich nicht zu sagen traute. Heinrich und Dorchen drangen in sie, sich doch zu äußern. Sie hatte sich zur Wand abgewandt. Schließ­lich drehte sie sich um, reichte beiden die Hände und sagte:Macht mir die Freude und versprecht euch einander!"

Die beiden wurden rot; sie sprachen nicht ja und nicht nein, aber sie umfingen sich.und küßten einander, während die Mutter vor Freuden weinte.

Im Frühjahr 1761 wurden die Kriegsverhältnilse In Pommern neu geordnet. Der Herzog von Bevern sprach Heinrich seine Zufriedenheit aus und stellte ihm in Aussicht, vberkriegskommlssar zu werden; fürs erste aber sollte er sich bei dem General Belling melden iim HauseZur Rose". Belling sei auf ihn aufmerksam geworden und fordere ihn an. Ans die Frage, wann er am besten den General fände, erhielt er vom Adjutanten den Rat, sich nach dem Abendessen zu melden; denn tagsüber fei der General Im Sattel.

Belling schickte Heinrich nach Mecklenburg, um Kontributionen ein- struktion:Unser König sagt immer, lalle nur tüchtig draufschlagen, damit das Mehl herausquölle. Nun, unser gnädigster König hat Recht aber

Sack darin versank.

Auffällig war an dem jungen Menscken ein sonderbar scheues Be­tragen. Er huschte in das Haus hinein, huschte hinaus, als ob er fürchtete, gesehen zu werden. Und dabei war der Kaufmann, bei dem Heinrich ein- quartiert war, ein sehr wohlwollender und rechtlicher Mann, der, ohn« gefragt zu werden, auch dem Schreiber Wurst, Brot und Bier ins Zim- Iner schickte. Auch bemerkte Heinrich von feinem Stehpult aus, daß der junge Schreiber sehr rot wurde, wenn sich das dralle, hübsche Mecklen- biurger Mädchen über ihn beugte; er hielt es für Verliebtheit.

Nach einer Woche ging es ;