'Beflaggt sind Stabt und Hasen" vorsührte, geht darauf aus, Körper und Geist gleichmäßig auszubilden, zu kräftigen, zu veredeln, und dieses Ideal hat nicht nur in Norwegen eine Umwälzung in der Pädagogik hervorgerufen, sondern auch bei uns gewirkt. Wie er überhaupt den Frauen im Leben eine hohe, bessernde Aufgabe zuspricht, so ist es vor allem die Mutter, die die ererbten Triebe und Leidenschaften zu gleich- mäßiger Srastbeherrschung läutert. Die zwei MeisternooellenAbsalons f)aary undMutters Hände" fingen ein solches Loblied auf die Mutter als Erzieherin. Der wichtigste Punkt der Pädagogik ist das religiöse Element. So steht denn die Religion im Mittelpunkt eines großen Teils von Björnsons Schaffen: der Pastorensohn, der kindlich Gläubige ist zum Goitzweifler, zum Gottsucher geworden. Aus diesem größten Konflikt im Innern des Dichters ist die Grundidee seines größten DramasHeber d i e Kraft" erwachsen. Das Gebot des Christentums erschien ihm, dem praktischen Lebensmenschen, alsüber die Kraft". Alles Wundersame, Ewige, was er in der Natur seines Landes und der Seele der Menschen geschaut, das bot er in dieser Dichtung auf, legte fein eigen zerquältes Herz in die Gestalt des ungläubigen Bratt, aber zuleßt ward ihm doch das Wunder feines Helden Sang zu einem naturwissenschaftlich-medigini- 8en Vorfall. Und auch in feinem großen religiösen RomanAus Gottes egen", wohl feiner reifsten erzählerischen Leistung, vermochte er nicht, feinen Glauben an das Ueberirdische anju'tnüpfen. Sein Freigeist bekennt sich zu dem Gott des Lebens, der sich im Wirklichen und Irdischen unab­lässig offenbart.Heber die Kraft" ist es, das menschliche Geschehen lenken und beeinflussen zu wollen. Das predigt auch der zweite Teil seines Dekenntnisdramas, der bas soziale Problem mit dem religiösen verknüpft und in seinem Schulideal ausklingt.

Tiorbmännerlieb.

Don I. V. von Scheffel.

Der Abend kommt, und die Herbstluft weht, Reifkälte fpinnt um die Tannen, O Kreuz und Buch und Mönchsgedet Wir müssen alle von bannen.

Die Heimat wird dämmernd und dunkel und alt. Trüb rinnen die heiligen Quellen:

Du götterumschwebter, du grünender Wald, Schon blitzt die Axt, dich zu fällen 1 lind wir ziehen stumm, ein geschlagen Heer, Erloschen sind unsere Sterne O Island, du eisiger Fels im Meer, Steig aus aus nächtiger Ferne.

Steig auf und em p sich unser reisig Geschlecht Auf geschnäbelten Schiffen kommen Die alten Götteri bas alte Recht, Die alten Nordmänner geschwommen.

Wo der Feuerberg loht, Glutasche fällt, Sturmwogen die Ufer umschäumen, Auf dir, du trotziges Ende der Welt, Die Winternacht wolln wir verträumen!

Oer Kriegskommissar des Königs.

Roman von Friedrich F r e k I a.

Copyright 1931 by August Scherl, G m. b. H.. Berlin (Fortsetzung.)

Heinrich begleitete das Mädchen, und es war ein seltsamer Gang durch die ausgcftorbenen Straßen, während über ihren Häuptern toe Zombm brausten, von einzelnen Häusern sich der Kalk und die Stetne losten und krachend herabstürzten. Am Haustor der Glaserin sahen sie emander an Heinrich konnte nicht anders: Er schloß das tapfere Mädchen m ferne Arme und küßte es. Und auf einmal wußte er: Die und keine andere "'"^ie^Not^der Stadt wuchs. Eine zahlreiche russische Kriegsflotte unter bem Admiral Mischakow erschien vor dem Hasen und beschoß die Stadt von der Seeseite. Da gab Beispiel für Tapferkeit vor allem der Komman­dant, der alte, wackere Heiden selbst Wo sich die Lemdezum Wall heran­arbeiteten, hatte er in einer Kasematte ein Lager °ufschlagen lassen und schlief alle Nächte unausgekleidet in seiner engen Uniform. Sobald irgendwo Gefahr drohte, mar er selbst auf den Beinen. Mitten >m hef­tigsten Feuer, wenn es um ihn krachte und bornierte, rauchte er sei kleine Tabakspfeife, deren Kopf ganz schwarz vom langen Gebrauch geworden war. Sofort murmelten die Leute, die immer etwas wissen.

Ja der Heiden kann sich das leisten der ist kugelfest. - .. "3 Mer Hoffnung war ein Entsatz durch preußische Truppen, den Heiden durch seinen letzten Kurier vom König gesordert hatte. Wie oft h«ß -s.

Preußische Regimenter kommen!" Aber wenn Heinrich m*t etmgen PA ffJfauitänen auf die Galerie des Kirchturms hinausstieg und Ausschau w°hl in der Ferne jagende Kosakenpulke, aber keine maÄtObemn20 September konnte nach Heidens Berechnung Überhaupt «MÄS Äff ?ASS W'ÄSS 6? s*"» BiiSiiiStS

Alle Gesichter wurden froh, und um fünf Uhr nachmittags konnten bi» Bürger aus der Glockenstube des Tuims und aus mehreren (reigelegenen Giebelfenstern von Wohnhäusern ganz deutlich den Staub von starken, anmarschierenden Kolonnen erkennen.

Alles Volk strömte nun in die Kirche, als wären sie dahin gerufen worden. Heinrich ging hinauf zur Orgel, weil kein Organist gekommen war, und stimmte, so gut er's vermochte, das schöne, alte Lied an:Großer Gott, wir loben dich!" Da fielen alle mit ein, und die Wirkung war so groß, daß die meisten weinten und schluchzten. Wie sic aus der Kirche heraustraten, hörten sie schon das helle Bellen der preußischen Kanonen, die mit den Russen das Gefecht eröffnet hatten.

Der Oberst von Heiden rief sein« Mannschaften aus, musterte di« Kräf­tigen, Beweglichen und Zuverlässigen aus, die Seeleute schlossen sich an, unter ihnen auch Joachim Nettelbeck und Heinrich, und sie machten einen kräftigen Ausfall, um dem preußischen Entsatzkorps zu Hilfe zu kommen. Der Angriff ward so schnell und tüchtig geführt, daß der russische Befehls­haber sofort alle Truppen an sich zog und die Belagerung aufhob. Die Infanterie schiffte sich so eilig wie möglich auf die Flotte ein, und di« russische Kavallerie ritt nordwärts, verfolgt von den preußischen Husaren.

In den russischen Gräben und Batteriestellungen wurden viel« Ge­fangene gemacht: denn nach ihrer Sitte hatten sich selbst Offiziere vor dem Abmarsch sinnlos betrunken nur, um den Branntwein in ihren Bäuchen forttragen zu können. Heinrich sah, daß große Mengen von Salzfleisch, Mehl und anderen Lebensmitteln zurückgelassen waren. Er forderte Bergungskompanien an, damit diese Kostbarkeiten reicht verwüstet würden. Freiwillig folgten ihm Joachim Nettelbeck und seine Seeleute. Das waren ehrenfeste Gesellen, auf die sich Heinrich verlassen konnte, denn daß bei einer solchen Sache ein jeder auch an sich selbst denken würde, lag ja begründet in der menschlichen Natur.

Ms sie das Rusienlager durchforschten, stießen sie auf eine Art von Offi­ziersschenke, die voll lag von sinnlos Betrunkenen. Hinken, in einem be- onberen Kabinett, fanden sie, in seinem Blute schwimmend, einen ruf« ischeu Ossiz.er und in einem Sessel mit durchschossener Brust ein hübsches, taktisches Mädchen. In einer dunklen Ecke waren zwei struppige So- aken zusammengebrochen. Das Drama war leicht kenntlich: Der Offizier hatte wohl die junge Dame gegen die beiden Kerls verteidigt.

Sie trugen den noch Lebenden und das Mädchen hinaus. Als der Glanz der Fackeln auf sie fiel, glaubte Heinrich, die Hölle äffe ihn. Es war Klara daran war kein Zweifel! Selbst die kleine goldene Kette mit dem Kreuzlein, das sie von Emma geerbt, bewies es. Hub er brauchte sich nicht zu bücken, um die Schrift zu lesen, die er selbst auf das Kreuzlein hatte grameren lassen am Tage nach dem Verlöbnis mit

So nahm diese Expedition für Heinrich ein vorzeitiges Ende; denn er konnte sich nach diesem Schlag kaum auf den Beinen halten. Joachim nahm ihn am Arm und fragte: Warum bist du totenblaß wie ein Laken? Bist du verwundet?" Heinrich gestand, daß sein Herz eine Wunde fei, und erzählte dem Freund, was er soeben erlebt.Da soll bod)--!" wollte Joachim fluchen, verschluckte es oder, rief ein paar

feiner Seemannstameraben und trug ihnen auf, für die Vorräte, die gefunden waren, zu sorgen.

Die anderen Bergungskornpanien hatten inzwischen Arbeit geleistet, und so fuhr Heinrich mit Joachim Nettelbeck auf einem schwerbeladenen Wagen unter Fackelbeleuchtung heim. Cs war eine schöne und milde Mondscheinnacht, und da sie in die Stadt hineinrollten, fanden sie all«

Wagen unter Fackelbeleuchttr Mondscheinnacht, und da sie ... --------------------- . .

Häuser mit Kerzen beleuchtet; denn zu gleicher Stunde hielt ein Teil der preußischen Entsatztruppen unter dem Generalmajor von Werner ihren Einzug. Es war ein schönes Schauspiel, aber Heinrich hätte sich am liebsten davon gemacht zu seiner Mutter. Doch da der General vom Obersten Heiden und dem Bürgerworthalter Nettelbeck im Rathaus feier- PH empfangen wurde, ward er vom Gouverneur dahin befohlen, um Belobigung und Dank entgegenzunehmen.

Mit Jubel wurde General Werner begrüßt. Groß war in der lat bte Energie dieses Mannes gewesen, denn erst am 6. September war er von Glogau abmarschiert und hatte in zehn Tagen einen Marsch von über vierzig Meilen zurückgelegt. _ .

Zu Ehren des Obersten von Heiden ließ die Stadt eine^grohe golden« Denkmünze prägen. Auf der einen Seite sah man die Stabt Solberg unter dem Bildnis der Andromeda am Meer« sitzen, wahrend Perseus sie gegen ein Ungetüm, das mit weit geöffnetem Schlund aus den Fluten aussteigen wollte, gezückten Schwettes verteidigte. Auf der anderen «eite war bas wohlgeiroffene Bruftbildnis des Obersten von He den mit Der Unterschrift:Henricus Sigismundus von der Heide, Colbergae Defen­sor*. _ Der General von Werner erhielt eine gleiche Denkmiinzg auf

(Emma.

Ihm war es, da er den Glanz der Fackeln um sich lohen sah, als stünde er im Feuer der Verworfenen. Warum hatte er nicht den Wunsch des Mädchens erfüllt, warum ihr nicht geschrieben, ihr den Weg gewiesen und Bedeckung geschafft, daß sie sicher hinaufkommen konnte? Nun war alles klar: Die Irrende war Rusten in die Hände gefallen! Was mußte sie erduldet und erlebt haben hier in dem Lager vor Solberg!

Da störte ihn in feinem Brüten Joachims StimmeDa haben wir einen Fang, über den ganz Solberg lachen wird! Nach Gesicht und nach den Papieren in der Tasche ist dies der Oberst Fürst Gagarin, der wi« ein Sriegsgott in Solberg auf getreten ist "

Der Verwundete, der inzwischen verbunden und mit Wasser und Branntwein gelabt war, schlug die Augen auf, wandte den Kopf, sah ben Frauenkörper neben sich liegen und seufzte:Oh m'amie Claire, petite, viens!

Diese Worte ließen Heinrich erstarren, da er zu ahnen begann, daß noch mehr hinter Klaras Tob verborgen war. Was für Schuld hatte er auf sich geladen? Seinetwegen war sie in Unehre versunken! Das wurde bestätigt; denn da Joachim Nettelbeck dem Fürsten mitteilte, daß diese Dame tot (ei, begann er zu weinen:Oh pauvre ange! Und er bat um ein ehrlich Begräbnis der Gemordeten, das er gern zahlen wollte.

* Solbergs Verteidiger.