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Jahrgang <932 Freitag, den 9. Dezember Nummer 96

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Eine Stunde später kam Emma mit einer riesigen Markttasche voll Nüssen nach Hause. Frau Druse war weggegangen. Sie wußte nichts von den Dingen, die in ihrer Wohnung vorgingen. Es waren tolle Dinge, Dinge, wie man sie nicht für möglich hält. Claudius Druse saß aus dem Teppich seines Zimmers. Er hatte einen Hammer in der Hand. Neben ihm waren die zehn Pfund Nässe ausgehäuft. Eine nach der andere» chlug er auf. Es war ein Höllenlärm und in der Wohnung unter Briefes fiel der Kalk von der Decke, aber Claudius nahm keine Rücksicht darauf.

Ms er den größten Teil der Nüsse erledigt hatte, klingelte das Tele­phon. Frau Ilse Windisch war da. Sie wollt« wissen, ob sich die Tibet- nüsse angesunden hätten.

Nein, noch nicht!" ,

Dann möchte ich Ihnen Folgendes sagen, Herr Druse. Mein Mädchen hatte von den Nüssen, die Sie fetzt gekriegt habem kuuz bevor Sie tele­phonierten, zwei Hände voll ' *

gegeben. Er sollte sich davon i und nun habe ich mir schon geda zurückgegebenen Nüssen welche aus

Na, da fällt ja ein Asse aus dem Nest!" fauchte Claudius.

Er ließ sich die Telephonnummer von Windischs Nußlieferanten geben. Dann fragte er bei dem Mann an, ob er vielleicht die Nüsse kriegen könnte, die Windischs zu Reklamationszwecken zurückgeschickt hätten. Er sei Gcheimdetektiv. Er müßte an den Nüssen nach den Fingerspuren eines Rohrlegers suchen, der bei Windischs gearbeitet Hütte und im Verdacht stände, jemanden umgebracht zu haben.

Ja, das is nu jo", sagte drüben mit zitternder Stimme der Obst- Mer.Die Lieferung taugte nichts. Die Kundschaft hat mir den größten Teil der Nüsse wiedergebracht. Die habe ich nu alle in den großen Sack zurückgeschüttet. Windischs ihre sind auch dabei, und morgen wollte ich den ganzen Posten an den Grossisten zurückgeben."

Wieviel ist denn drin in dem Sack?" fragte Claudius Druse.

Oie perle in der Walnuß.

(Eine vorweihnachtliche Geschichte.

Von Georg M ü h ! e n -S ch u 11 e.

Der Fabrikant Claudius Druse war ein guter Ehemann. So etwas gibt es! Er hatte für 497,80 Mark eine echte Perle getauft. Eigentlich sollte sie fünfhundert Mark kosten. Druse hatte aber 2,20 Mark abgehan- belt und er war stolz darauf, denn das Geschäft hatte ein «chlld mit der AufschriftFESTE PREISE im Laden zu hängen.

Claudius Druse gedachte die Perle seiner Frau zu Weihnachten zu schenken. Sie war noch nicht gefaßt, die Perle. Sie war noch so. w,e sie ich die Perlenfischer der Südsee nach dem Ausiernfruhstuck aus den Zähnen zu stochern pflegen. Ein herrliches Exemplar, groß und von jenem geheimnisvollen Glanz, der die Frauen erregt.

Claudius Druse dachte darüber nach, w,e er di« Perle am besten Überreichen könnte. Er kam auf einen guten Gedanken. Er kaufte ein Pfund Walnüsse und schloß sich damit in sein Stmmer ein. ©ine der Nüsse öffnete er. Er polkte den Stern heraus, tat die Perle hinein und klebte die Schalen mit etwas Leim wieder zusammen.

Ms er soweit war, klopfte das Dienstmädchen an die Tur und agte ein Polizeibeamter stände auf der Diele; er wünschte, Herrn Druse sofort iU Claudius Druse war erschrocken und verwirrt Wer von uns ist es nicht wenn es plötzlich heißt, ein Polizeibeamter fei auf der Diele. Die Gcse'tzesparagraphen sind zahlreich wie Bazillen und genau so gefähr­lich; man kann nie wissen ob man sich, nicht irgendwie '"l Z>ert hat.

Claudius Dru e warf die präparierte Nuß zu den übrigen. Lr legte bie Düte eiligst in ein Schreibtischschubfach, schloß ab, ließ den öd)luffel stocken und stürzte hinaus. Herr Dvuse möchte doch mal auf das Remer- biiro kommen jagte der Polizeibeamte. Er tot geheimnisvoll, und er steigerte die Unruhe des Fabrikanten ins Unermeßliche. Claudius Drul nabin 5>ut uni) SDlantcl und 9lng 107ort init. . . < w»nf

Es handelte sich um einen Quark, und der Fabrikant konnte nach fu f Minuten wieder gehn. In seiner Wohnung trat .hm Olga, seine Frau, ^^Maudius, du^hast den Schreibtischschlüssel stecken lassen!"

"N beroabrft du ja im Schreibtisch keine Dinge aus die

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Ein Doppelzentner."

Gut! Schicken Sie mir den Sack sofort mit quittierter Rechnung in meine Wohnung."

Ist gemacht, Herr Detektiv! meinte der Obsthändler.

Er fügte dann noch hinzu:

So etwa fünf Pfund habe ich übrigens rausgenommen aus dem Sack Die Herren vom Komitee für die Bescherung verschämter Armen waren bei mir; sie wollten was für ihr« Kollekte haben, und da habe ich ihnen die fünf Pfund Nüsse mitgegeben." .

Der Schlag soll Sie treffen!" schrie Claudius Drufe ln das Söii(£rPmä6igte sich aber dann und erkundigte sich nach der Telephon­nummer des Komitees. Er klingelt« gleich an und forderte die schleunig« Uebermittelung sämtlicher gesammelter Nüsse gegen Erzählung des doppelten Ladenpreises. Danach ergriff er wieder seinen Hammer.

Gegen Mittag kam Frau Druse nach Hause. Sie verschaffte ich Ein­laß in das Zimmer ihres Gatten. Ein« ganze Weile stand fie sprachlos auf der Schwelle, dann sagte sie:

Claudius, ich nehme an, du bist betrunken!

genommen und dem Obsthändler zurück- üoerzeugen, daß die Ware nichts taugt. Ja gedacht, wenn man bloß nicht unter den

Stiller Besuch.

Bon Erich K ä st n e r.

Jüngst war sein« Mutter zu Besuch. Doch sie konnte nur zwei Tage bleiben. Und sie müsse Ansichtskarten schreiben.

Und er las in einem dicken Buch.

Freilich war er nicht sehr aufmerksam.

Er betrachtete die Autobusse und die goldnen Pavillons am Flusse und den Dampfer, der vorüberschwamm.

Seine Mutter hielt den Kopf gesenkt Und sie schrieb gerade an den Vater: Heute abend gehn wir ins Theater. Erich kriegte zwei Billetts geschenkt." Und er tat, als ob er fleißig las. Doch er sah die Nähe und die Ferne, sah den Himmel und zehntausend Sterne und die alte Frau, die drunter saß.

Einsam saß sie neben ihrem Sohn. Leise lächelnd. Ohne es zu wissen. Stadt und Sterne wirkten wie Kulissen. Und der Wirtshausstuhl war wie ein Dhron. Ihn ergriff das Bild. Er blickte fort.

Wenn fie mir schreibt, mußte er noch denken, wird sie ihren Kops genau io senken.

Und bann las er. Und verstand kein Work.

Seine Mutter saß am Tisch und schrieb. Ernsthast vückte sie an ihrer Brille. Und die Feder kratzte in der Stille. Und er dacht«: Gott, hab ich sie lieb!

sei vernünftig! Du weißt, daß Nüsse schädlich sind. Sie enthalten ein giftiges Del. Ich glaube, es heißt Nusselin. Paulchen und Lieselotte hatten voriges Jahr tagelang belegte Bronchien, und mir war auch nicht gut*

Der Fabrikant stand stell und starr.

Olga", sagte er,wo sind die Nüsse?"

Ich habe sie Ilse Windisch mitgegeben. Ilse war vorhin auf einen Stipp hier. Ihre Familie ist robuster; sie wird nicht zu leiden haben unter dem Nusselin."

Nein, bestimmt nicht!" meinte Claudius Druse.

Er wankte in sein Zimmer und riegelte hinter sich ab. Er ging an den Schreibtisch und nahm den Telephonhörer ab.

Gnädige Frau", sagte er, als er die Verbindung mit Ilse Windisch hatte,ich habe eine Bitte an Sie, eine hohe, heilige Sittej Geben Sie mir die Nüsse wieder, die Ihnen mein« Frau geschenkt hat."

Drüben war eine Zeitlang alles still. Dann antwortete Ilse Windisch:

Das finde ich ja sehr merkwürdig. Herr Druse."

Liebe, gnädige Frau, es ist nicht so merkwürdig. Die Nüsse waren mir wertvoll. Ein Freund hat fie mir aus einem Klostergarten in Tibet mitgebracht. Der Baum, von dem sie stammen, ist von dem alten Buddha persönlich gepflanzt worden. Sie können sich ja denken, daß ich Wert daraus lege."

Ja, aber ich habe sie schon zu den andern Nüssen getan. Nämlich, wir haben zehn Pfund zu Weihnachten gekauft.^ Die Kinder knabbern doch so gern, und Nüsse sind doch auch so gesund."

Natürlich. Ich will Ihnen was sagen, gnädige Frau. Ich schicke unsere Emma zu Ihnen. Geben Sie die zehn Pfund heraus. Ich bestelle Ihnen dafür bei unserem Südfruchthändler einen Viertelzentner."

Aber gerne!"