Fürsten zum Tod durch Verbrennen. Und nur dadurch, daß dieser die Lause über sich ergehen läßt, wird er zum Erdrosseln begnadigt. So stirbt am 29. August 1533 Perus letzter Inka.

Mit unwahrscheinlichem Geschick organisiert der Schweinehirt und ge­meine Soldat Pizarro die Verwaltung und Kolonisation des Landes. Er setzt einen Scheintönig Mangoeapac unter spanischer Oberhoheit ein und regiert klug und maßvoll. Erst im Jahre 1536 bricht ein verzweifelter Aufstand der Peruaner unter Mangocapacs Führung aus. Aber Pizarro hat die Stadt Cuszo fest in der Hand, und selbst ein gleichzeitiger Feldzug seines alten Freundes Almagro gegen ihn kann ihn nicht erschüttern. Er laßt Almagro ergreifen und 1538 hinrichten.

Da bekommt er die Nachricht, daß Almagros Sohn sich mit einigen Ossizieren verbündet habe, um ihn zu töten. Doch schenkt er diesen Ge­rüchten keinen Glauben oder ift des Blutvergießens müde. Am 26. Juni 1541 überfallen die Mörder den 70jährigen in feinem eigenen Haus. Er wehrt sich verzweifelt, und als er schwer verwundet niedersinkt, zeichnet er mit seinem eigenen Blut ein Kreuz aus den Boden, neigt sich darüber, um es zu küssen, und empfängt so den tödlichen Streich.

Schiffahrt auf dem Mein.

Von Alfons P a q u e t.

Die Schleppdampfer mit den wohlbekannten Uniformen ihres far­bigen Anstriches, den breiten Radkasten und den platten Böden, die kiellos wie Bretter sind, diese starken und gemächlichen Zugschisfe mit der Sprache ihrer Dampspfeifen, ihrer Läuteglocken und ihrer Flaggen­signale, das sind die eigentlichen Fuhrwerke des großen rheinischen Wasserweges. Vor Mainz liegen die haushohen Barken. Noch ist die weichende Macht am Himmel und ein urweltliches Gemisch von Dunst und Feuer und Wind. Der Dampser kommt, sie abzuholen. Die Matrosen knöteln die Drähte. Schon schweben die Kähne im Bogen herum. Vor dem Wäldchen an der Mainspitze beginnt der Zug. Von Kiel zu Kiel spritzen die kalten weißen Schäume. Das Wachthündchen bellt über das Deck. An der Leine flattern die Wäschestücke. Die Schiffersrau, hinter den Fensterscheiben mit den Blumentöpfen, steht am Herd.

Der Strom im Rheingau ist eine großartige Marine. Wässriger Glanz des Stromes und der 'Landschaft, mit entfernten Dächern, bewegten Schiffen, silbergeränderten Wolken, truimphiercndem Blau. Ueber Bingen blutet der Berg wie ausgeschnittenes Fleisch. In der Enge von Ahmnnns- hausen sind auf einmal Alpenwände mit kurzem, grünen Matten.

Man muß von oben irt den Eichenwäldern dem Schiff im Fluß folgen, wie es schwindet, um in den schmalen, glänzenden Ellipsen wieder aufzutauchen. Der Rhein erscheint als ein Kette kleiner Teiche, geheim­nisvoll gebunden und zerschnitten. Gehöfte, Aussichtstempel schauen hin­unter wie Köpse über den Rand von Schützengräben. Die mageren Knöchel der Berge greifen überall an das Wasser.

Es gibt auf der ganzen Welt kein Stromstück wie den Mittelrhein. Schiffahrt, Strombau, Weinbau greifen ineinander. Hinter Bingen schlüpft das Schiff mit seinem Rauchbüschel aus der offenen und Hellen Breite des Rheingaues in die Enge der zueinander strebenden Hohen. Der Strom fließt seinen Weg wie ein unendlich ausgezogenes Perspektiv. Der Schisser steht aus der Ruderkanzel seiner langen schwarzen Barke. Mit Seil und Kette hantiert der Matrose. Hinter dem Jnselgebusch liegt ein Fischerkutter mit emporgehängten Netzen, in denen noch Schlamm und Algen kleben. Er ruht aus von der Nachtarbeit, zu dem oorüber- sahrenden Steuermann ruft der Fischer hinauf; er bietet ihm einen Salm an, den er dem Hotelwirt in Bingen mit Gewinn verkaufen kann. Der Lotse steht mit seinem Fernglas am Ufer von Caub oder St. Goar; er nähert sich dann mit knappen Ruderschlägen dem zögernden Dampfer: mit einem Satz ist er an Deck und greift, mit einem Kopsnicken zu den alten Bekannten, in das Steuerrad. Das sind die strombesahrenen und -erfahrenen Wassermänner, die jeden Strudel des Fahrwassers kennen, wie es sich in den harten Ufern hin- und herwirft. Bergumrifse und alte Gasthäuser in schmalen Dörfern, graue Türme vor den Weinbergen, die abenteuerlichen Felsgestalten der Ruinen, alles hat für diese Leute das vertrauteste Gesicht. Alles hat seinen Namen, der Schiffer kennt st- von Kind an. Alle diese Fahrwasser, die selten die Mitte des Flusses halten, werden anders befahren, das eine mit dem starren Steuer, das onoere mit dem bewegten. Der Wellenschlag eines begegnenden Dampfers laßt einen Augenblick die Schaufelräder blind schlagen, der Schlepper roll! auf dem Wasser wie auf Steinen. Auf den Böschungen stehen mannshoch die weißen Kilometerzahlen. Mitten in der Strömung ragen bebend d,e Schiffahrtszeichen, eine dreieckige Tafel, eine rote Bo.e mit der Laterne und der darauf ausruhenden Möve. , v v- ,

Jede Insel im Rhein hat Namen und Geschichte. Da sind die be­waldeten Werte, die seildünnen Sandbänke, tue mit Gestrüpp und altem Gemäuer bewachsenen Auen und ihre Ausläufer, mit dem von Wind und Flut zerzausten Weidenbusch ... Es gibt Walder, d,e b-' Hoch­wasser in der trüben Flut verschwinden, flache Kiesrucken, d e schon. bei Mittelwasser in der dunkelgrünen Flasche des Stromes verschlissen find, die Hungersteine, die sich jahrzehntelang im Wasser verbergen. JhAuf- tauchen im Fluß bedeutet Trockenheit und Mißernte im Land, sie tragen eingehauene Inschriften aus uralter Zeit.

Fiir den Schifter ist jeder Bach bedeutsam, der aus dem Gelten tälchen hervorfließt. Jeder schiebt sein kleines Delta in das schmale Flußbett. Auch die Nahe oder die Lahn legen Schwellen vor sich h.m Aus dem Neckar und aus dem Main hervor, vom fernen Oberryem und von den feurigen Defen der Industriestädte om Strom tommen bie Kähne und sammeln sich zu sechs ober mer an ben Seflen ber Schlepp Zuweilen läßt kick einer, schwer beloben, von ber Strömung abtBarts treiben. Dann fährt er langsam wie biS holzfarbenen Floße mit.ihrer wippenben Fläche ihren langen Rudern und ihrer mit lanncnreifig unb roter Flagge geschmückten Hütte. Auch bie Eisenbahnzuge, bie aussen Gleisen zu beiben Seiten des Tales voruberschweben. z g l tung des Stromes, in ber bie Kähne bie Dampfer und bie Floße fahren. Die Musik der Läutewerke und das lnngverhallenbe Rollen ,

Güterzüge füllt bas Rohr bes Tales. Eine Kirmes, am Sommertag ftl einer Dorfstraße am Ufer bes Rheines, mit ben Tonwirbeln ber Karus^ feile unb ber Dampfpfeifen, bes Blechorchesters in der Allee, dem un»> geduldigen Klingeln ber Fähre, ben oorüberbraufenben Eisenbahnzügen^ dem Warnungsschrei bes Autos, bem Gejohle ber zwanzigjährigen Men«^ schen: bas ift eine Jazzmusik, bie in ber ganzen Welt nur am Mittel-' rhein möglich ist. Unb bann am Abend nach ber strotzenben unb bunten? Hitze bes Juli-Nachmittags bie beruhigende, träumerische Kühle des- Abends, das stille Gleiten ber Schisse im Strom, bas siebenfältige Echo- bes Walbhorns aus ben Tälern.

Nat Krespel.

Novelle von E. T. A. Hoffmann.

(Schluß.)

Ich fand ihn, wie «r mit ruhiger Miene Spielsachen drechselte.Wie kann nur", fuhr ich auf ihn los,'wie kann nur auf einen Augenblick Stieben in Ihre Seele kommen, ba ber Gebaute an bie gräßliche Tat Sie mit Schlangenbifsen peinigen muß?" Der Rat sah mich verwun- bert an, ben Meißel beiseite legenb.Wieso mein Bester?" fragte er; fetzen Sie sich doch gefälligst auf jenen StuhlI" Aber eifrig fuhr ich fort, inbem ich, mich selbst immer mehr erhitzenb, ihn geradezu anklagte, Antonien ermordet M haben, unb ihm mit ber Rache ber ewigen Macht brofjte. Ja, als nicht längst eingeweihte Justizperson, erfüllt von meinem Beruf, ging ich fo weit, ihn zu versichern, baß ich olles anmenben würbe, ber Sache aus bie Spur zu kommen unb so ihn bem weltlichen Richter schon hienieben in bie Hänbe zu liefern. Ich würbe in ber Tat etwas verlegen, ba nach bem Schlüsse meiner gewaltigen pomphaften Rebe der Rat, ohne eine Wort zu erwidern, mich sehr ruhig anblickte, als erwarte er, ich müsse noch weiter fortsahren. Das versuchte ich auch, aber es kam nun alles so schief, ja fo albern heraus, daß ich gleich wieder schwieg. Krespel weidete sich an meiner Verlegenheit, ein boshaftes, ironisches Lächeln flog über fein Gesicht. Dann wurde er aber sehr ernst und sprach mit feierlichem Tone:Junger Mensch! Du magst mich für närrisch, für wahnsinnig halten, das verzeihe ich dir, ba wir beibe in bemfelben Irren- Hause eingesperrt sind; wie magst du dich aber unterfangen, in ein Leben einbringen zu wollen, feine geheimsten Fähen erfaffenb, bas dir fremd blieb und fremd bleiben mußte? Sie ist dahin, und das Geheimnis gelöst!" Krespel hielt inne, stand auf unb schritt die Stube eimgemale auf unb ab. Ich wagte bie Bitte um Aufklärung; er sah mich starr an, faßte mich bei ber Hanb unb führte mich an bas Fenster, beibe Flügel öffnenb. Mit aufgestützten Armen legte er sich hinaus, unb so in ben Garten herabblickenb, erzählte er mir bie Geschichte feines Lebens. Als er geendet, verlieh ich ihn gerührt und beschämt.

Mit Antonien verhielt es sich kürzlich in folgender Art. Vor zwanzig Jahren trieb die bis zur Leidenschaft gesteigerte Liebhaberei, die besten Geigen alter Meister aufzusuchen und zu kaufen, den Rat nach Italien. Selbst baute er damls noch keine und unterließ daher auch das Zerlegen jener alten Geigen. In Venedig hörte er bie berühmte Sängerin Angelai, welche bamals aus bem Teatro di S. Benedetta in ben ersten Rollen glänzte. Sein Enthusiasmus galt nicht ber Kunst allein, bie Signora Angela freilich auf bie herrlichste Weife übte, fonbern auch wohl ihrer Engelsschönheit. Der Rat suchte Angelas Bekanntschaft, unb trotz aller feiner Schroffheit gelang es ihm, vorzüglich durch sein keckes und dabei höchst ausdrucksvolles Violinspiel sie ganz für sich zu gewinnen. Das engste Verhältnis führte in wenigen Wochen zur Heirat, bie des­halb verborgen blieb, weil Angela sich weder vom Theater, noch von dem Namen, der die berühmte Sängerin bezeichnete, trennen ober ihm auch nur bas übeltönenbeKrespel" hinzufügen wollte. Mit ber tollsten Ironie beschrieb Krespel bie ganz eigene Art, wie Signora An­gelo, (obalb sie feine Frau worben, ihn marterte unb quälte. Aller Eigen­sinn, alles launische Wesen sämtlicher erster Sängerinnen fei, wie Krespel meinte, in Angelas kleine Figur hineingebannt worben. Wollte er sich einmal in Positur setzen, so schickte ihm Angela ein ganzes Heer von Abbotes, Maestros, Akobemikos über ben Hols, bie, unbekannt mit feinem eigentlichen Verhältnis, ihn als den unerträglichsten, unhöflichsten Lieb­haber, der sich in bie liebensroürbigeßaune ber Signora nicht zu schicken wisse, ausfilzten. Gerabe noch einem solchen stürmischen Auftritt war Krespel auf Angelas Lonbhous geflohen unb vergaß, auf feiner Cremo- nefer Geige phantasieren!), bie fieiben bes Tages. Doch nicht lange bauerte es, als Signora, bie bem Rat schnell nachgefahren, in ben Saal trat. Sie war gerabe in ber Laune, bie Zärtliche zu spielen, sie umarmte ben Rat mit bißen schmachienben Blicken, sie legte bas Köpfchen auf feine Schulter. Aber ber Rat, in bie Welt feiner Akkorbe verstiegen, geigte fort, bah bie Wänbe widerhallten, unb es begab sich, baß er mit Arm und Bogen die Signora etwas unsanft berührte. Die sprang aber voller Furie zurück;bestia tedesca"2 3, schrie sie auf, riß dem Rat die Geige aus der Hand und zerschlug sie an dem Marmortisch in tausend Stücke. Der Rat blieb erstarrt zur Bildsäule vor ihr stehen, bann aber, wie aus bem Traume erwacht, faßte er Signora mit Riesenstärke, warf sie burch bas Fenster ihres eigenen Lusthauses unb floh, ohne sich weiter um etwas zu bekümmern, nach Venebig nach Deutschland zurück. Erst nach einiger Zeit würbe es ihm recht beutlich, was er getan; obschon er wußte, baß die Höhe bes Fensters vom Boden kaum fünf Fuß betrug, und ihm die Notwendigkeit, Signora bei obberoanbten Umständen durchs Fenster zu werfen, ganz einleuchtete, so fühlte er sich von peinlicher Unruhe gequält, um so mehr, da Signora ihm nicht undeutlich zu verstehen gegeben, daß sie guter Hoffnung fei. Er wagte kaum Erkundigungen einzuziehen, unb nicht wenig überraschte es ihn, als er nach ungefähr acht Monaten einen gar zärtlichen Brief von ber geliebten Gattin erhielt, worin sie jenes Vorganges im Landhaufe mit keiner Silbe erwähnte unb ber Nachricht, daß'sie von einem herzallerliebsten Töchterchen entbunben, bie herzlichste Bitte hinzufügte, bah ber marito amato e padre felicissimo* boch nur

2 Deutsche Bestie.

3 Geliebte Gatte unb glücklichste Vater.