SietzenerZamilienvlimer
Unterhaltungsbeilage zum Gießener Anzeiger
Nummer (9
Montag, den 7. März
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März.
Von Jürgen Thiel.
Nun ist es Zeit. Schon schwillt der Lebensstrom In allem Sein, in Wurzeln und In Adern. Die Felder liegen schwer und breit wie Quadern, Hoch überragt vom Wald, dem ewigen Dom.
Und manchmal weht ein Lüftchen, mild und warm. Das Meer will seine kühnen Stürme senden. Das Leben schasst an alten Erdenenden, Die Welt liegt einem süßen Glück im Arm.
Und hier und da bricht sich Erfüllung los. Wir glauben blind und werden stumm und reifen. Und noch wo unsre Sinne nichts begreifen, Umblühn uns Wunder, hold und himmlisch groß. Wie lange noch? Der Baum steht lenzbereit, Der Samen keimt im dunklen Schoß der Erde, Auf daß er Blüte, Frucht und Ernte werde. Und alle Herzen schlagen: es ist Zeit!
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ich ein eigentümliches Klappern. Oben angelangt, sand ich, angenehm überrascht Aufklärung. Im Schein des trüben Nachtlichtes sah ich eine reizende junge Dame stehen, die nach dem dunklen Korridorende starrte und mit den Zähnen klapperte. Galant, wie ich bin, fragte ich sie, ob ihr kalt sei und was ich für sie tun könne. Lange brachte sie nichts anderes hervor als „www, brr" und „oh". Nachdem ist sie eine Weile gestreichelt haste, beruhigte sie sich soweit, daß sie mir sagen konnte, sie habe schreckliche Angst denn sie habe ein leuchtendes Gespenst sitzen gesehen. Me Rolle des Beschützers lag mir, und so ging ich in der angegebenen Richtung, den Geist 'zu suchen. Natürlich war keiner zu finden. Die Nahe eines Mannes beruhigt junge Damen meistens, und bald war auch jene soweit, daß ich sie zu ihrer Tür bringen konnte. Vorher hatte sie mir noch verraten, sie heiße Lieselotte, sei die Tochter des Hauses, im Hause puke es chronisch und sie wäre noch nicht verlobt.
Am nächsten Abend blieb ich daheim und lernte. Einmal horte ich am Gang Schritte, die in der Nähe meiner Türen plötzlich innehielten Ich erinerte mich angenehm der jungen Dame, öffnete mit leiser Hosftmng die Tür und lugte hinaus. An der Treppe stand ein gepflegter sehr junger Mann, halle ein Bein vorgestreckt, um auf die erste Stufe hinab- zusteigen, verharrte ober regungslos in dieser Stellung Neugierig schaute ich hinüber und sah gerade, wie sein brillantineglänzender, glatter Scheitel sich langsam aufstellte, sträubte. Es widerspricht meiner Art, mich in die Angelegenheiten fremder Leute einzumengen: ich war aber so neugierig, daß ich nicht umhin konnte, hinzuschleichen und dem Erstarrten schönes phosphoreszierendes Gespenst. Leider verschwand es sofort nach über die Schulter zu sehen. Am Fuße der Treppe salz tatOibbq, rsesgefr meinem Hinzutreten. Der junge Mann war so steif, daß es knackte, als ich ihm den Arm biegen wollte, um ihn abzulenken. So mußte ick) ihn in mein Zimmer tragen, wo ich ihn an die Wand elhnte und ihm Kognak eintrichterte. Er war Lieselottes Bruder, und daher brachte ich ihn, als er sich soweit erholt hattte, zu seiner dankbaren Schwester und ÜDiutter. Nun erfuhr ich erstmalig offiziell vom Hausgeist. Mich berührte das nicht sehr, denn ich halte immer etwas für Geister übrig gehabt und mir schon lange gewünscht, einem zu begegnen.
Den fo'g i Abend verbrachte ich mi Gasthaus „Zum Grünen Baum" und b.fand mich bald in einer Gesellschaft junger Studenten. Stark benebelt sand ich eist lange nach Mitternacht heim, und, nachdem ich das Licht verlöscht hatte, fiel ich ins Bett. Ich drehte mich nach der anderen Seite und als ich nochmals blinzelte, bemerkte ich mitten im Zimmer das leuchtende Gespenst. Gewohnheitsmäßig hatte ich meinen Revolver am Nachttisch liegen, und ich tastete danach. Zu meiner Schande muß ich gestehen, ich war damals derart betrunken, daß ich die Lage nur verschwommen erfaßte und nach dem Revolver vergeblich herumgnsf. Ich versuchte es mit „Gsch, gsch, marsch, marsch" und „Gss, gfj . Das Gespenst rührte sich nicht Da gab ich's auf, drehte mich zur Wand rum und schlief bis in den Tag hinein. .
In der nächsten Nacht war ich gerade mit den Berben die aus as und t enden, beschäftigt, als sich vom Gang her surchterliches Schreien einer Frauenstimme vernehmen ließ. Besorgt um Lieselottchen riß ich die Tür auf, als mir Lieselottchen auch schon weinend am Hals hing. Das Gespenst habe sie ins Profil gestochen, schluchzte sie. Jetzt war mir klar es mußte ein ganz gemeines Gespenst sein wenn es eine junge hübsche Dame ins Profil stach. Ein Gespenst mit Stacheln ist mir außer- k^lsbatö tarnen familienzitternd die Mutter und der Bruder zu uns herein obwohl Lieselottchen noch immer an meiner breiten Brust Schutz suchte.' Die Mutter jagte, sie sei nun bald mürbe, und werde das Schloß mit Verlust des halben Kaufpreises zurückgeben
Einige Nächte war Ruhe. Einmal kam ich wieder spat vom „Grünen Baum" Ich verlegte vorsichtshalber meinen Revolver von der Nach^ tischlode unter das Kopfkissen, st,eg ins Bett und schlief em P otzl.ch fuhr ich auf. Mitten im Zimmer, einen Meter über dem Fußboden, schwebte ein schrecklicher, phosphoreszierender Kopf und starrte mich aus arünleuchtenden Augen unverwandt an. Ich suchte nach Streichhölzern, ober sie waren verschwunden. Für einen Augenblick überkam mich die Versuchung, unter die Decke zu kriechen und zähnezuklappern. Rechtzeitig erinnerte ich mich an meine Männlichkeit, griff nach dem Revolver und entsicherte ihn. Leise stieg ich aus dem Bett, um dem Geist mit einem Fußtritt den Krieg zu erklären. Ich näherte mich Schritt für Schritt, dann zog ich das Knie hoch und ... „Au, wie gemein brüllte ich. Das Gespenst hatte mich in die Fußsohle gestochen. „Hundegespenst, dämliches fluchte ich, „wenn du aus Drei nicht verschwunden bist, schieße ich dich 3UIGin™P®as Gespenst rührte sich nicht. Zwei! Drrrei ... peng ... Der Schuß dröhnte, das Gespenst tarn ein Stückchen naher, räusperte sich und spuckte mir etwas Hartes ins Gesicht. Ich erwischte dies unb suhlte eine Stahlmantelkugel. Nur Ruhe! Ich ziele genau. Peng ...Peng ...Jetzt muß es umfallen, dachte ich, als es wieder ein wenig naher kam. Leider fiel es nicht um aber es spuckte mich zweimal mit Kugeln an. Das war
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Das Leuchtgespenst.
Line schreckliche Geschichte.
Von Ralph Urban.
Der Sturm peitschte den Regen durch die rabenschwarze Nacht In der Behausung des alten Donald saßen wir, em halbes Dutzend Wel en- bummler unb Abenteurer, um den Kamm herum schlurften ®rog unb sprachen von Gespenstern. Willy Kohl, Kapitän snr lange Fahrt unb allerer Seebär, hatte gerabe von einem Sch.fssgespenst erzählt, das vor zwanzig Jahren, als er zweiter Steuermann auf der „Aurora mar, öort iem uMen trieb. Es hielt sich mit Vorliebe im Mastkorb auf unb (eine Lieblingsbeschäftigung bestaub darin, hmaussteigende Matrosen zu erschrecken. War es schlecht gelaunt, brach es bem Matrosen auf Auslug das Genick und warf ihn auf Deck. ... (f
Natürlich glaubte keiner ein Wort. Sonderbarerweise hatte diese Er- zühlung auf Fred Mabel großen Eindruck gemacht. Der ruhige Manii wurde lebhaft, goß einen Grog nach dem andern hinter die Bmde und als einer von uns die Geschichte eines Fnedho sgespenstes zum' besten gab, das um Mitternacht mit dem Kopf unterm Arm auf der Mauer saß, ersuchte er uns, mit dem Quatsch auszuhören. Er glaubte nicht an diesen Blödsinn, obwohl er selbst einmal Gelegenheit hatte, eine §anz schreckliche Geistergeschichte zu erleben. Wir ruckten sogleich zusammen und waren
„«*»«,.. ».6 VSÄ burdmefaUen war. Darüber kränkte ich mich, ging "ach Afrika, grub Diamanten unb hatte mir in zehn Jahren ein stattliches Urinogen ^u- sammengekratzt. Ich war bamals dreißig Jahre alt und beschloß, me ne Bildung zu vervollständigen. Mit Ausnahme von Boxen, Schieß n unb Reiten war sie sehr mangelhaft, unb als id) eine ^"e verloren hatte, weil ich behauptete, Sokrates fei der zweite Mann Mana Theresias ge^ roe en reifte ich geradewegs nach Europa. Eine kleine Stadt, die außer Studienräten, Studenten unb Jungfrauen nur wenig beherbergte hiett ick für meinen Zweck geeignet. Ich wollte zum Studieren Ruhe haben unb fah mich nach einer geeigneten Wohnung um. Nach längerem Suchen gelang cs mir, eine solche in einem schloßartigen Gebuube außerhalb bes Städtchens zu finden. Das Haus war früher ein Kloster gewesen und sei kurzem In den Besitz einer älteren Dame ubergegangen, die von^mer anderen Stadt gekommen war und hier ein Madchenpensionat emgendstet hatte Vorerst blühte dieses Unternehmen, dann herrschte zwei flachte lang ein fürchterliches Geschrei im Schloß und eines Margens mar- Werten die bleichen Töchter in Doppelreihen nach dem Bahnhof ab. 3m6ÄPff«^9S?'mi. »-»-ÄS nafiaften und mit ihrer bildhübschen, achtzehn,ahr,gen Tochter allem tm Schloß. Sie bemühte sich vergeblich, den Besitz 3u e>nem halbwegs annehmbaren Preise wieder zu verkaufen. Der vormalige ch ßh - mit feinem Sohn im Schloßpark -in Häuschen gewohnte lebte fe.t 3ajren von bem ftänbigen Verkauf des Schloßes. gelang H f roärtige Käufer zu finden, die nach kurzer Zeil und fch . .. kämpfen froh waren, wenn der ehemalige Besitzer des ch 13 halben Kaufpreis zurückkaufte. Von all bem erfuhr .d) erft Pa‘er ’;' Ich bewohnte zwei Zimmer, die nach einem langen Gang gelegen märet. Den Türen gegenüber lag die Treppe. Dame
Bisher hatte ich nur flüchtig mit ber alten, /'ebenswurd gen^Dam gesprochen unb interessierte mich nicht für die'sonst। ör(c Als ich einmal spät nach Hause kam unb bie Treppe fftnaufftieg, hone


