Deutsche Dome.

Von Ilse Riem.

Ueberall in deutschen Landen ragen sie auf, schwer und wuchtig, erd- | gebunden, die romanischen Kirchen, leicht und himmelstrebend, mit ; Säulen und edlem Maßwerk geschmückt, die gotischen Dome. An sie denkt man wohl zumeist, wenn manDeutsche Dome" sagt, sind sie doch weck zahlreicher vertreten als jene, in denen sich der romanische Stil noch rein und unvermischt bewahrt. Jahrhunderte bauten an ihnen, verschie- bene Zeitalter drückten ihnen ihren Stempel auf und auch die romanisch begonnenen haben in ihren jüngsten Teilen leise Anklänge an die Gotik oder schon rein gotische Türme und Chöre. In jenen Zeiten, da die Architektur sich ständig fortentwickelte und anderseits Jahrzehnte und Jahrhunderte an einem Bauwerk schufen, konnten so die reizvollen Bau­ten des Uebergangsstils entstehen, in reinem romanischen Stile begin­nend, sich langsam wandelnd und zuletzt mit gotischem Höhenstreben be­schlossen.

Aus den Tagen des Frankenkaisers Karl haben wir noch einige wenige Bauwerke. Dahin gehört der Westbau des Münsters zu Essen, St. Michael in Fulda, die Kirche von Lorch und das Münster zu Aachen ... Lieblingssitz Karls, Krönungsstadt der deutschen Könige. Aus Karolingerzeiten noch grüßt das Münster herüber, irgendwo hier unten in seinen Gewölben schläft geheimnisvoll sein Gründer, im Kaiser­mantel, die Krone auf dem Haupt. Geschäftig webt die Sage ihren Schleier, ihre bunten Hoffnungen und Möglichkeiten um seine Gestalt, Jahrhunderte kommen und gehen, Kaiser gehen aus und ein, die Zeiten wandern, sie bauen alle am Münster, immer bunter, immer mannigfaltiger wird das Gesicht der ehrwürdigsten deutschen Kirche. Um das karolingische Oktogon legt sich allmählich ein Kranz reizvollster go­tischer Kapellen und Kapellchen, verschieden in Gestalt und Stil und Schmuck wie die vielen Meister, die sie gebaut. Da ist die Annakapelle, die reichste unter ihnen, um deren Schönheit schon ein leiser Hauch des Versalls mählich untergehender Gotik schwebt. Die Mathiaskapelle da­gegen, die älteste des Kapellenkranzes zeigt noch die reiche und dennoch maßvolle Ornamentik edelster Gotik, in der noch nichts von Ueberladung zu sehen ist. Gleich dem Münster ist sie in Ober- und Unterkirche ge­teilt und sah nach der feierlichen Krönung den neuen Kaiser in Be­ratung mit den Kurfürsten des Reiches.

Unverändert, nach den Plänen des ersten Meisters, sehen wir keinen deutschen Dom mehr vor uns. Zu zahlreich waren die Brände, die die Kirchen verwüsteten, zu oft Krieg und Rot im Lande. Und zu gewaltig waren die Pläne und Entwürfe, als daß sie ein einzelner hätte vollenden können. So folgen dem ersten Meister ein zweiter und dritter, jeder kommt mit seinen eigenen Gedanken, jeder setzt sie dem Werke des Vor­gängers einfach auf, ohne weitere Bedenken. So kann man die verschie­denen Bauperioden deutlich erkennen. Aus Frankreich kommt, über die Rheinlande her, die Gotik herüber, die Kirchenfürsten erbauen in ihren Metropolen die begonnenen Dome in dem neuen Stil weiter und so ent­stehen jene zahlreichen Bauten des Uebergangsstils, in denen sich Rund­bogen und Zwerggalerie mit Strebepfeilern und ragendem Turme mengen.

Eine der ältesten romanischen Kirchen Deutschlands ist die Michaelis­kirche in Hildesheim, zu welcher der Bischof Bernward 1001 den Grundstein legte. 1033 war der Bau vollendet und 130 Jahre später

zerstörte ihn eine Feuersbrunst. Rach dem Wiederausbau entstand oud) jene berühmte gemalte Decke. ~ _

Drei große Kaiserdome besitzt das Rheinland, den zu S p e y er, z« Worms und im Goldenen Mainz. Nachdem der erste Bau zu Mach abgebrannt war, wurde 1036 ein neuer errichtet, ber aber auch die stach Holzdecke hatte und abbrannte. Dann wurde der Dom zum bn tenmai errichtet, und zwar im wesentlichen in der heutigen Gestalt. Auch hie, ging es langsam vorwärts, erst 1239 war er ganz vollendet. 1030 eg t Kaiser Konrad den Grundstein zum Dom zu Speyer, der BegrabnisstM der deutschen Könige, die 1689 von Ludwig dem Vierzehnten zerstört und ausgeraubt wurde. Im Anfang des vorigen Jahrhunderts wur>.e er in einer nicht ganz zweckmäßigen Weife wlederhergestellt. Auch der Don zu Worms, dessen Anfänge bis vor das Jahr 1000 zuruckrelchen, ist in 12 Jahrhundert erneuert. Mächtig und kraftvoll wirkt der Hohe Chor mit der romanischen Zwerggalerie, flankiert von den beiden schwer»

Der gewaltigste der deutschen Dome ist der zu Köln, um füns Schisst legt sich ein Umgang und ein Kapellenkranz. Acht Jahrhunderte baut« an ihm 1248 legte Erzbischof Konrad von Hochstaden in feierlicher Fürstenversammlung den Grundstein, am 15. Oktober 1880 wurde b?r Dom geweiht. Wechselreiche Jahrhunderte liegen dazwischen, Zecken, it denen der Dom Magazin und Schober war. 135 Meter ist er lang und 61 Meter breit, bis zum Dachfirst mißt er gleichfalls 61 Meter und feine beiden Türme erreichen die Höhe von 160 Metern. Gerhard von M war der erste Baumeister, ein Kölner Kind, der in Frankreich den go,,. kchen Stil studiert haben mag. Im 15. Jahrhundert trat ein ©tillftanii an der Arbeit ein und man gewöhnte sich allmählich an das unfertire Aussehen des Münsters. Dann machten die Romantiker das Mitlelalitk von neuem lebendig, man schaute auch wieder nach Deutschlands ge­waltigstem, unvollendeten Dom und der Bau begann, durch Samw tungen gefördert, von neuem, bis endlich, endlich feine Glocken über Des Heilige Köln tönen konnten.

Ist der Kölner Dom ein Wahrzeichen französischer Hochgotik, so ist der M a g b e b u r g e r rein deutsche Gotik. Kardinal Albrecht der Zw-i« legte 1209 den Grundstein und war auch zugleich der erste Baurnelsisi. Erst 1520 konnten die Bauhütten abgebrochen werden. Viel schwerer um ernster, gesammelter wirkt diese deutsche Gotik auf den Beschauer, ton Rankenwerk, das alles umspannt und fast verwirrend wirkt grogt, ruhige Flächen, sparsames Maßwerk, das ist hier das Wesentliche.

Erwin v. Steinbach, der der berühmteste der deutschen Bau­meister des Mittelalters war, schuf die lange Fassade des Straßbu-- q e r Münsters und die herrliche Rose. Von 1284 bis 1318 leitete er tM Straßburger Bauhütte, ihm folgte sein Sohn bis 1339. Wie nut feinst!» Spitzen, so ist seine ganze Fassade mit Bildhauerarbeit überzogen, Figuren von einer wundervollen, schlichten und doch so eindringlich-» Schönheit. , ,

Roch eines der gewaltigsten Münster sei genannt, jenes zu U IN 1377 begann der Bau, als der Chor vollendet war, war er für das »!- gonnene Langschiss schon zu klein geworden. Die steigenden Kosten schn-l- ten die Bürgerschaft von weiterem Bauen ab, erst im vorigen Jahr­hundert wurde er vollendet.

Roch viele deutsche Dome wären zu nennen, jener zu Limburg und jener zu Bamberg, der Dom zu H a l b c r ft a ö t und der JU Freiburg und alle die unzähligen andern. Wurden doch auch maW Abteikirchen geschaffen, die in ihrer Größe und Macht wohl als Dom anzusprechen wären. . _

Die Backsteinkunst Norddeutschlands gestaltete die Gotik wieder 1 ganz anderer Richtung um. Hier hatte man es mit einem (proben« Material zu tun, bas sich nicht wie der Haustein willig bem Steinmetz;» und bem Bildhauer darbot. Durch die Verwendung von farbig glasiert» Ziegeln schmückten die Meister des Ziegelsteinbaues ihre Kirchen, eil Schmuck, der gerade in seiner Schlichtheit, die nur durch das Materm ' wirkt, von wundervoller Schönheit ist. Ein typisches Beispiel dieser ftrew qeren, kargeren Kunst ist die Katharinenkirche in 23 r a n ö e n b u r g« der Havel und, wenn auch in kleinerem Maßstabe, die Marienkirche i K ö n i g s b e r g in ber Neumark. Den Höhepunkt biefer Kunst aber billt die herrliche Zisterzienserkirche des Klosters C h o r i n , die auch noch > ihrer Zerstörung ein Zeichen ber ebelften und reinsten Gotik ist, wie mm irgendein anderer Dom in deutschen Landen.

Vergangenheit wird lebendig, wenn wir diese stummen Zeugen trachten, an denen eine Fassade, einen Turm, ein paar Kapellen j« bauen eines Meisters ganzes Lebenswerk ausmachte, das er roeiterg.« in die Hände eines anderen, nur fein Meifterzeichen auf den Steim« hier und da gemahnt an ihn.

Kunstharz.

Neue lechnlfche Möglichkeiten.

Von Dr. Emil Carthaus.

Große, tief in das wirtschaftliche Leben eingreifende Erfindung!! wollen, um sich ganz geltend zu machen, Zeit haben. Das sieht man 1*8* wieder bei den Kunstharzen. Schon vor mehr als zwanzig 3atjren ti ber bekannte amerikanische Chemiker B a k e l a n d mit einem tünftliQ harzartigen Stoff hervor, ben er durch Einwirkung von zwei Mmeku-t Phenol auf ein Molekül Formaldehyd erhallen hatte und ber einige c Naturharzen nicht zukommenbe, technisch fehr wertvolle Eigenschaften saß. Abgesehen davon, daß dieses Kunstharz leicht herzustellen war, Y-»- es auch den Vorzug verhältnismäßig geringerer Gestehungskosten, m doch Phenol ein recht billiges Erzeugnis der auf der trockenen Desli» tion von Steinkohle beruhenden teerfarbeninbuftrie; Formaldehyd ->». ein in wässeriger Lösung als Formalin bekanntes, stechend riechen-- ' Gas, welches sich zu geringem Preise leicht aus Methylalkohol b°rsteu, läßt. Ist doch dieser, wie schon seine Bezeichnung als Holzgeist. ver» ein Destillationsprodukt aus Holz, das bei ber Fabrikation von Holz- t massenhaft als Nebenprobukt gewonnen wirb. Kocht man Phenol u

noch einige Stunben halten konnten, warfen wir die Wafserfasser zu ihnen hinab. Ein grausiger Kampf umtobte bie Fässer. Wahrend eine Gruppe mit aller Gewalt versuchte, bie großen Gebinde nach ihrer Seite zu rollen, fielen ihnen andere in den Rucken und metzelten sie mit ihren Messern nieder. Ein Faß zersprang, und das kostbare Naß rann über den Boden. Was waren die wenigen Fässer für Hunderte vor Durst halb wahnsinnige Menschen! In ihrer Verzweiflung steckten diese schließlich die Ladung in Brand; der Dampfer brannte und begann zu sinken.

Sind wir jetzt verloren?" beschwor mich die junge Engländerin. Verloren ist man erst dpnn, wenn man sich selbst aufgibt , antwortete ich ihrwir werden jetzt versuchen, uns mit dem Berthon 311 retten, mit bern Rettungsfloß, wenn das Vorderschiff überflutet und die Tobsüchtigen weggeschwemmt werden!"

Der Telegraphist packte seine Violine in ben Kasten, ber Stemarb brachte jedem von uns einen Rettungsgürtel, während der Kapitan die Schiffskasse holte und seinen kleinen Koffer packte.

In diesem Moment rief der Mann aus dem Ausguck:Rauchwolke nähert sich aus Nordost, hält gerade auf uns zu!"

Die Wahnsinnstat der tobsüchtigen Kulis, das Schiff unter ihren eigenen Füßen in Brand zu setzen, war g-erabe unsere Rettung ein Dampfer, ber zwischen ben Philippinen und Australien fuhr, hatte die Flammen und bie Rauchsäule, die aus unserm Vordeck schlugen, bemerkt, und sofort Kurs auf bas drennenbe Schiff genommen.

Ein Tobsüchtiger sprang noch angesichts der kommenden Rettung, als die Matrosen ihn packen wollten, aus Angst über Bord und ertrank. Wir stiegen in die Boote, als erste die Engländerin, als Vorletzter ber Telegraphist, seine geliebte Violine unter dem Arm, zuletzt der Kapitän in seltsamer Adjustierung: seinen neuen steifen schwarzen Hut hatte er auf bem Kopf, damit er nicht beschädigt würde, die Marinekappe unter bem Arm eingeklemmt, in ber einen Hanb seinen Kosfer, in ber andern trug er ben Sextanten und seinen Zeiß; am Rücken hatte er an einer Schnur den Käfig mit seinem Kanarienvogel hängen, den er nicht ben Wellen preisgeben wollte. Jeder von uns trug seine eilig zusammen- geraffte Habe.

Als wir an Bord unseres Retters waren, des australischen Dampfers Sunland", sahen wir, wie sich eben bie halb ausgebrannt?Pu Shun" zur Seite legte unb in ben Wellen versank. Bugüber ging sie unter, bas Heck hob sich noch einmal hoch in bie Luft unb zeigte bie nackte Schraubenwelle ohne Schraube ...