Ausgabe 
5.8.1932
 
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ran keine zehn Meter weit sehen könnte. Na, das sah ja mal wieder recht □eiter aus.

Meine Aengste wegen des schlechten Wetters waren übertrieben ge­wesen es war nicht viel schlechter als in der Monsumzeit auf den Sunda- □nfeln. Glücklicherweise hatte ich auch einen ziemlich guten Tag erwischt. Als dann verschiedene schwere Regenschauer einsetzten, war ich gewarnt und ging ganz dicht auf den Wasserspiegel herunter, so daß ich gerade noch die Konturen der Küstenlinie undeutlich im Auge behalten konnte. Für eine Notlandung sah die Sache aber auch wirklich böse aus: Urwald, Urwald! Unb zwar der dichteste und höchste, den ich je bisher auf allen Flügen sah. In den Bais viele der riesengroßen Tiger-Haie, die an der nordwestlichen fiüfte von Südamerika besonders zahlreich vorkommen. Bei Buenaventura, wo die deutsch-kolumbianischeSkadta" ihre erste Station hat leider nur Wasserflugstation flog ich den Landsleuten einige Begrüßungs- runden, die sie mit Aufziehen der deutschen Flagge beantworteten. Nach­dem ich diese Strecke gesehen habe, habe ich den allergrößten Respekt vor den Männern, die jahraus jahrein unermüdlich dort in den Fiebernestern ihren Menst tuen und so die beste Werbung für die deutsche Heimat darstellen.

Die Kordillere, trotzdem sie hier meist nur 2000 Meter hoch ist, war zum Ueberfliegen keine reine Freude. Hoffnungsloses Gelände unter mir, neben mir und Über mir. Urwaldberge, sonst nichts. Kein Haus, kein Hüttchen kein Stein zu sehen. Wald! Aber als ich dann nach stunden­langem Flug über den Paß gerutscht kam, konnte ich gleich nach Cali hereingleiten, das in einer weiten Hochebene liegt.

Wirklich: die BezeichnungGrüne Hölle" ist für große Teile Süd­amerikas die bezeichnendste. An den Flußmündungen ins Meer einige kleine Eingeborenensiedlungen, wo sicher ganz primitive Menschen, die sich bestenfalls von Fischen ernähren, wohnen mußten. Ich bedauere es, daß ich jetzt keine Heinkel-Amphibie hatte, mit der ich einfach vor ihren Hütten landen und für einige Tage ihr Leben beobachten konnte. Na, vielleicht rin andermal.

Schließlich kam ich doch trotz aller Unterei nach Guayaquil- Ecuador. Schon solange ich noch in Panama saß, hatten alle sübamerika- nischen Zeitungen ausführlich über mich berichtet, so daß auch hier wieder Empfang Sekt usw. fällig war. Und an jedem Platz eine Masse Deutsche, denen meine Ankunft wirklich eine von Herzen kommende Freude war und erst recht für mich, nachdem ich solange nicht deutsch gesprochen hatte. Und die beiderseitige Freude war Belohnung genug für alle Muhen und Gefahren. . ,

In Guayaquil bekam ich dann auch den ersten kleinen mumifizierten Menschenkopf zu sehen. Ich hatte schon viel über dieseSitte" der Kopf­jäger Südamerikas gehört, aber wenn man dann solch ein Produkt dieser abscheulichen Tätigkeit vor sich sieht, ist man doch ehrlich erstaunt, wie lseltsam menschlich und anständig so ein faustgroßer Menschenkops aussieht. Er wirkt eigentlich mehr künstlerisch, und die Vorstellung, daß dieses Besicht gelebt und geatmet haben sollte, ist eigentlich unmöglich.

Kurz hinter Guayaquil verwandelt sich das Bild vollständig: steinige Wüste, riesige Oelfelder mit Tausenden von Bohrtürmen, dann spater m ganz ungewohnte flache Sandküste übergehend. Unbewohnt eigentlich nein: bewohnt von Millionen von Bügeln und deren Nahrung Don Fischen. Tausende von Pelikanen scheuchte ich auf, weil ich wegen der guten Küste ganz dicht über den Wasserspiegel fliegen konnte. Nicht viel zahlreicher die Guanovögel, non' denen unzählige tot am Strande lagen. Es herrscht zur Zeit eine schwere Seuche unter ihnen, deren verheerende Wirkung ich deutlich erkennen konnte. Viele versuchten, sich bei meinem brausenden Herannahen zu erheben und zu entfliehen, aber^fte waren schon zu schwach Es konnte einen jammern, und ich gab schnell mehr Tas, um sie nicht durch mein Niedrigfliegen zu sehr zu erschrecken Nie vorher habe ich solche riesigen Vogelschwärme gesehen und manchmal war ich selbst in eine Wolke von schlagenden Flügeln gehüllt, daß ich Muhe hatte, sie nicht in den Propeller oder in die Flächen zu bekommen.

Wieder ein anderes Land: Peru. Trujillo, eine kleine peruanische Stadt ist direkt neben den Ruinen von Chan-Chan angelegt, den Rumen einer alten Indianersiedlung, wo die Chimus gewohnt haben, bis sie von den Inkas, der herrschenden Kaste, unterworfen waren, die sich, bevor om Europäer ins Land kamen, alle Gebiete von Kolumbien bis herunter nach Chile unterworfen hatten. ,, ,,,__

In Chan-Chan sollen nach der Berechnung von Wissenschaftlernüber 5000 Menschen gelebt haben. In den völlig versandeten Rumen erkennt man noch die großzügige Anlage der Gebäude; bei den Grabungen hat man viele Gegenstände von hohem Kunstwert gefunden. Jetzt folge td) ben Spuren der Inkas bis herunter nach Santiago. Da lagen unter mir Ruinen der alten Forts, die sie sich zum Schutz gegen raubernbe 3nbmner- stamme aus dem Inneren und Piraten von der Wafferfelte her angelegt "^Märchenhaft schön wurde der Flug, als im Westen di° gew°»igen schneebedeckten über 5000 Meter hohen Kuppen der Anden sichtbar wurden. Der Himmel hat hier nachmittags ein ganz besonderes B au, das oer ganzen Landschaft einen so fremden, geheimnisvollen Ton g' Im Stillen war ich wieder einmal glücklich über dieses wundervolle Erlebnis das mir mein kleines Flugzeug geben konnte: mit donnerndem Motor über einen der gewaltigsten und schönsten Teile der Erde. -rmkital

, Die Küste ist felsig und sandig, nur gelegentlich durch ein Mußt cm weit und scharf abgeschnittener grüner Streifen, aus dem sich Ansie

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Rber das war beim drittenmale jetzt nicht sehr aufregenb g l'ch Zuletzt eben an alles, sogar an den Aequator. Erstaunlich war h, nur, daß es an der ganzen Küste hier, so dicht unterm Aequator durch den humboldtstrorn so auffallend kühl ist. Ich kam dadurch m t meiner M düng in Schwierigkeiten. Wegen der neuen Tanks hatte ich W nur ö Rllernotwendiqste mitgenommen und mich mehr aufH'ü qj .

fror ich hier wie ein Schneider, verwöhnt rote ich durch die Hitze der Sundas war.

Lima, die Hauptstadt Perus, war die große südamerikanische Uebei raschung für mich. Eine große schöne Stadt, die in Spanien genau so gut oder vielmehr nicht so gut, liegen konnte. Meine Wohnung im Country- Club mit eigener Schwimmhalle, Golf und Poloplatz!

Mit dem Präsidenten von Peru hatte ich einen Tee mit einer stunden­langen Unterhaltung. Er ist glühender Peruaner und hatte, und hat auch heute noch, gegen viele Widersacher in diesen unruhigen südlichen Ländern zu kämpfen. Ich glaube, er ist schon zehnmal durch Attentate verletzt worden. Und da sitzt er nun allein in dem Riesenpalast, der aus der Zeit Pizarros stammt, und regiert seine Peruaner.

Das waren also die ersten Eindrücke von Südamerika, meinem letzten Erdteil, zu dem ich fliegen konnte. Und nun muß ich erst einmal Schluß machen', weil ich jetzt den Orden der Militärsliegerei bekommen soll.

Auf dem See.

Von I. W. von Goethe.

Und frische Nahrung, neues Blut saug' ich aus freier Welt; wie ist Natur so hold und gut, die mich am Busen hält!

Die Welle wieget unfern Kahn im Rudertakt hinauf, und Berge, wolkig himmelan, begegnen unserm Lauf.

Äug', mein Äug', was sinkst du nieder? Goldne Träume, kommt ihr wieder? Weg, du Traum! so goto du bist;

hier auch Lieb' und Leben ist.

Auf der Welle blinken tausend schwebende Sterne; weiche Nebel trinken rings die türmende Ferne,

Morgenwind umflügelt die beschattete Bucht, und im See bespiegelt sich die reisende Frucht.

JurWald- und Wafferfreude

Novelle von Theodor Storm.

(Schluß.)

Schon längst, mit dem Instinkt der'Liede, hatte er herausgefunden, weshalb feit nun schon vielen Tagen sein Liebling so seltsam stumm und blaß einherschlich; als er ihr jetzt in das erregte junge Antlitz blickte, dessen Züge heut eine eigentümliche Schärfe zeigten, ergriff er lebhaft ihre beiden Hände:O Mamsellchen", sagte er und hob seine grauen Augen in an­betender Entsagung zu ihr aus;Sie sollten sich das nicht gar zu sehr zu Herzen nehmen; es gibt noch andere, die es ehrlich meinen!"

Sie blickte ihn traurig, aber freundlich an:Ich weiß das, guter Sträkelstvakel; aber ich versteh' dich nicht."

Wenn ich nur reden dürste, Mamsellchen!"

Weshalb denn solltest du nicht reden dürfen?" Sie horchte noch einmal hinaus; aber es war nichts zu hören.

Strökelftrakel hatte sich abermals die Stirn getrocknet.Der Unter- lehrer" sagte er,er ist fern feiner Herr; aber ich kenne ihn, er ist ein guter Älensch; Sie wissen, Mamsellchen, er versteht auch seine Orgel recht mit Schick zu spielen, und er hat doch nun das schöne Brot dort in der Stadt bekommen wenn Sie gütigst ihm erlauben wollten, wieder ein­mal anzufragen!" ,

Ruhig hatte Kätti ihm zugehört.Am Ende bist du schon als Frei­werber an mich abgesandt!" sagte sie und lehnte müde das dunkle Köpf­chen an eine der Verandasäulen.

Sträkelstrakel wurde sehr verlegen.O Mamsellchen", sagte er zögernd; aber wenn es denn so wäre!" .

Sie antwortete nicht; sie hatte sich jählings ausgerichtet. Von der Dorf­straße her kam deutlich das rasche Rollen mehrerer Wagen.

Raich trat sie auf den kleinen Musikanten zu unb legte fest die Hand auf seinen Arm:Schweig, Sträkelstrakel! Sprich nicht mehr; ich will nichts weiter von dem Narren hören!" ,

Als er sich umblickte, war sie verschwunden; draußen bei der Anfahrt aber erhob sich das Getöse der ankommenden Gäste, und von der Fels­treppe heraus erschien der Doktor, um sie zu begrüßen

__Der Nachmittag verging, während Satti hinter verschloßener Tür in ihrer Kammer saß; als es drunten stiller geworden war ging sie vorsichtig in das Haus hinab. Der Saal war leer, in der Veranda sah sie zwei altere Damen beim Pikettspiel sitzen; aber hinter dem ©arten, vom Fluß herauf scholl ein fröhliches Stimmengewirr. E,n paar Augenblicke stand Kätti, den Kopf vorgeneigt, und mit verhaltenem Atem, als ob sie aus dem fernen Schall sich einzelne Worte aufzuhaschen muhe; bann, saft roiber ihren Willen, schlich sie in ben Garten.

Die juqenbliche Gesellschaft hatte bas größte ber beiben Boote los- getettet unb war jetzt im Begrisf, sich einzuschiffen; ber Doktor unb bie blonde Dame waren die letzten, unb eben ergriff sie feine Hanb, um