waren.

Wie schon gesagt, liebte der König bei Tafel das Disputieren, ward aber leicht ärgerlich über Widerspruch, an den er nicht ge» wohnt war. Dennoch benutzte ich jede Gelegenheit, wo ich ihn schlecht unterrichtet sand, um ihm die Wahrheit zu sagen. Einmal ward er ernst­lich böse auf mich wegen des Fürsten von Weilburg, der ein sehr wür­diger Mann und mein vertrauter Freund war. Der König sagte, er habe ihn vor Jahren gesehen, und nannte ihn einen Dummkops. Ich wider­sprach und nahm ihn gebührend in Schutz. Da legte der König die Ser­viette hin, und man stand nach einer ziemlich kurzen Tafel auf, während er sich ohne ein Wort in sein Zimmer zurückzog.

Alle machten mir lange Gesichter; Finkenstein und Schulenburg traten auf mich zu und sagten:'Mein Gott, Sie haben den König erzürnt."

Das sollte mir sehr leid tun", entgegnete ich,ich habe ihm nur die Wahrheit gesagt."

Aber warum ihn ärgern?"

Ich ärgerte mich nun selbst, erwiderte jedoch:Ich hätte mein Schwei­gen für Feigheit gehalten. Ich sage Gott täglich die Wahrheit: ich werde sie auch dem König sagen. Wenn er sich auch einen Augenblick ärgert, wird er doch am nächsten Tage sinden, daß ich recht hatte."

bewundert." ,

Daraus bemerkte er:Ich begreife nicht, warum diese Leute sich trotz meines wiederholten Rats, ihren Handel nach Amerika auf dem nächsten Weg über Cadix zu betreiben, nicht von Hamburg losmachen können, das den größten Vorteil daraus zieht." Ick> entgegnete:Der Grund liegt darin, daß die Kaufleute von Cadix erst nach 1% Jahren be­zahlen, denn der Weg nach Cadix ist sehr weit und die Leinwandwaren müssen an der Elbmündung eingeschifft und von da nach Cadix beför­dert werden von wo man sie nach den amerikanischen Häsen bringt. Der Hamburger Kaufmann gibt dem Spanier, der Seinen in Amerika verkauft, 1% Jahre Kredit: der Schlesier aber kann nicht so lange warten, um seine Fabrikanten zu bezahlen und seines Geldes sicher zu sein. Der König verstand mich gleich und war befriedigt, über einen Punkt auf­geklärt zu sein, über den er schon viel gesprochen, den aber niemand ge­kannt oder klarzumachen verstanden hatte. ,

Als wir in die Vorstadt von Iägerndorf kamen, fragte der König, wo sein Hauptguortier sei.In der Stadt", entgegnete man ihm. Er sah einen großen Hof und befahl, sofort alles aus der Stadt dorthin zu bringen. Er setzte sich vor die Haustür aus eine Holzbank und rief mich herbei, mich neben ihn zu letzen. Es währte ziemlich lange, bis das Ge= pack kam. Derweil unterhielt sich der König über allerlei, wobei er sich über den Hof. den er ausgesucht hatte, lustig machte. Er war voller Rauch und Schmutz und gehörte, wie wir erfuhren, einem Fürsten

WMWZSW '°"Rtein^ErzähEsch!: durch einen Geruch sich anzuzeigen war nun eine besondere Findigkeit des Toten. Denn in der Nachbarschaft fernes- qleüben jemand dadurch aus dem «chlas zu wecken das war unmöglich, wie mir feiger der ich fast kein Geruchsvermogen besitze. Es war durch­aus, meinte er lächelnd, berechnet auf die scharfe Tierna,e meiner guten Frau.

mebenstem Taas darauf als ich zur Tafel des Königs kam, sagte er zu mi? ,Zch habe°dte Ehre, im Schweinestall Sr. Hoheit, de- Fürsten Liechtenstein zu wohnen." ...

Eines Tages fragte er mich bei Tafel in Gegenwart mehrerer Gene- rale nachdem er viel vom Siebenjährigen Kriege gesprochen hockte. Sagen Sie mir, Heber Prinz, aber recht aufrichtig, wo habe ich nuch in jenem Kriege nach Ihrer Meinung am besten gehalten? Ich en npnnete- Damals, als Sie nach der Schlacht bei Hochlircy vir Armee die nach einem nächtlichen Ueberfall in Verwirrung fern mutzte, auk dem Höhenzuge nahe beim Schlachtfeld wieder ordneten, dadurch einem siegreichen Feinde Halt geboten, dann nach Reiße marschierten, das im Begriff war, sich zu ergeben und dort d'e Oesterreicher Zurrst Hebung der Belagerung zwangen. So trugen E. M. bie Ehre und den ®° Mein?Anttvorr" Wen°dem König Vergnügen »u machen, obwohl ich an den Gesichtern der anderen das Entsetzen über meine Kühnheit merkte, daß ich von einer verlorenen Schlacht sprach. Der König antwortete m .

Das war nicht so schwer, wie Sie glauben. Ich dachte an die Schlmh bei Soor (1745): Prinz Karl war geschlagen und zog sich Muck. Em Korps von 5000 bis 6000 Sachsen unterstützte ihn um die Nachhut zu bilden. Meine Kavallerie machte nicht weit davon Halt

Ich eilte hin und rief:Marsch, vorwärts! Drauf! 34 mürbe mit Vivat und Viktoria empfangen, doch ich rief immerfort. "Marsch. un niemand wollte marfchieren. Ich ärgerte muf), 14I4lu9. *4 14 >», mb ich denke ich versiehe zu schelten, wenn ich ärgerlich bin, doch ich konnte die Kavallerie keinen Schritt vorwärts bringen. Sie war trunken vor Freude und hörte mich ni4t ...

Als ich auf den Höhen bei Hochkirch die Armee ordnete, sagte ich nur: Wenn ich damals meine Truppen, bie doch meine Untertanen waren und mir den Eid geleistet hatten, nicht zum Vorrucken bringen konnte, so" wirb es dem Daun sicherlich nicht besser gelingen, In der- Tat griff er mich in meiner Stellung nicht an. Wenn Sie jemals das Unglück hoben sollten geschlagen zu werden, lieber Prinz, was >4 gewiß nicht wün!4e denn es ist eine sehr verdrießliche Sache, so rate ich Ihnen, sich alsbald'aus die nächsten Anhöhen zu Ziehen, z.B. hier-bei: Oaaernborf auf diese Höhen. Dadurch macht man den Feind stutziger wirb nicht wagen bie eben gewonnene Schlacht wieder zu verlieren. ...

In'Breslau bestand bie Tafel aus 12 bis 14 Personen. Der König saß an einer Ecke und ich links von ihm. Man speiste sehr gut auf dem schönsten Berliner Porzellan. Neben den König setzte man einen Stuhl ür feine Lieb lingshündin. Alle feine Hunde, fünf b.s sechs, kamen mir mit großer Zutraulichkeit entgegen. Dagegen tonnte der 2lbbe Bastiani, Domherr von Breslau, em sehr geistvoller Mann, benber £omg sehr gern hatte, nie fein Zimmer betreten, ohne baß alle Hunbe sich in der Reihe vor ihm aufstellten unb zu heulen begannen was den Komg belustigte.Meine Hunde", pflegte er dann zu sagen,können die Katyo-

^Einmal hatte ich mit dem König eine sehr lebhafte Unterhaltung über Religion. Wenn er bei Tafel auf dies Thema kam, mischte ich mich mcht in das Gespräch, sondern schlug die Augen nieder und schwieg. Der Komg merkte es wohl. Endlich wandte er sich lebhaft an wich und fragte. Sagen Sie, lieber Prinz, glauben Sie an diese Singe? Ich antwortete in sehr festem Ton:Ich bin nicht sichrer, Sie zu sehen, als daß Christus gelebt hat und als unser Heiland am Kreuze gestorben ist.

Der König blieb einen Augenblick in Gedanken versunken, dann ergriff er plötzlich meinen rechten Arm, drückte ihn kräftig unb sagte: Wohlan, lieber Prinz, Sie sind ber erste Mann von Geist, ben ich gefunben habe, bet baran glaubt." . , ., . , .

Als ich nach der Tafel durch das Vorzimmer ging, traf >4 dort den General v o n T a u e n tz i e n, wohl den größten und chärksten Mann, den ich gesehen habe. Er legte mir beide Hände auf die Schultern und sagte, in Tränen ausbrechend:Nun, Gottlob, hab' ich es doch erlebt, daß em ehrlicher Mann Christum bekannt hat vor dem König." Der gute Greis überhäufte mich mit Liebkosungen.

3m Frühjahr 1779 begab ich mich über Braunschweig nach Berlin, wo ich sogleich eine Einladung des Königs nach Sanssouci erhielt. Wie man mir sagte, hatte er nach seiner Rückkehr nach Berlin einen sehr leb­haften Wortwechsel mit feinem Küchenchef Noel gehabt, da er ihm , erklärt hatte, jetzt, nachdem er den Krieg habe führen müssen, könne er ihm nur noch die Hälfte, nämlich 4 later, für jedes der acht Gerichte bezahlen Noel versicherte, bann werde keins gut und nach feinem Ge­schmack sein. Um es kurz zu machen, wollte der König nur noch vier Ge- ; richte zu vier Talern haben, doch am Tage meiner Ankunft befahl er, bie acht Schüsseln wieder aufzutragen. Soviel Gäste geladen waren, soviel Leibhusaren unb Lakaien traten jeher mit einer zugedeckten Porzellan­schüssel ein, die mit allen möglichen ausgezeichneten Speisen angefuüt

Friedrich der Große im Atter.

Rach ben Denkwürdigkeiten des Landgrafen Karl von Hessen.

Bon Fri.drich von Oppeln-Bronikowski.

Der jüngere Bruder des nachmaligen Kurfürsten Wilhelm. I. von Hessen-Kassel Landgraf Karl, der in jungen Jahren zum dänischen Feldmarschalt unb Gouverneur von Schleswig aujgestiegen war und al solcher dein alternden Abenteurer Graf Saint-Germain bie letzte Freistatt iXernförbe be" Schleswig gewahrt hatte, hat 181C wemg bekannte aber vielseitig fesselnde Denkwürdigkeiten diktiert die erst 1860 in deutscher tteberjetzung von Dr. Bernhardi in Kassel erschienen ftnb.

Wohl das Fesselndste daraus sind seine Erlebnisse im Bayerischen Erbfolgekrieq von 1778:79, den er mit feinem Bruder, dem spateren Kur- fürften im Gesolqe Friedrichs des Großen nutgemacht hat, und eine Ünterrebungen mit diesem. Durch fein freimütiges, °ber liebens­würdiges Wesen unb ein unabhängiges Urteil gewann er bald das Herz des greifen Helden, der in einsamer Gröhe dastand und m (einer Familie wie in (einer ausfterbenben Tafelrunde kaum noch Personen sand denen er sich voll anvertraute. Eine Ausnahme bildete nur sein ständiger Gesellschafter, der Schweizer be Katt, ber aber Anfang 1780 ein Vertrauen verlor unb erst un Ma, desselben Jahres e>nen Nach- olger in dem Marchese Lucchesi,>i fand. So gewahren Karls Aufzeich­nungen neben ben Tagebüchern dieser Beiden hefe Einblicke in das Wesen unb die Eigenarten des alternden Königs und verdienen der Ber- »'"Ä's'Ä'l"W -- m f.« »..!*.«, für mich sehr interessant, aber alle anderen Gäste fürchteten sie und waren trostlos über ihre lange Dauer ... Wenn es eine Diskussion oder ein Wortgefecht gab, was er sehr liebte, fo verlängerte sich bie Tafelzeit ins Unenbliche. Ich hörte zu Anfang zwar, daß der Komg oft sage:Meine Tafel ist eine Republik; jeher kann habet reden, was er will. Doch man fügte hinzu:Aber er spricht nur allein." Ich suchte ihn daher bei jeder Gelegenheit zum Sprechen zu bringen, über sein Leben wie über seine politischen unb militärischen Ansichten, unb ich darf wohl sagen, daß ihm bas viel Vergnügen machte." . ...

Hd) muh bei dieser Gelegenheit bemerken, dah niemand dem ftotug ' das Vergnügen machte, ihm etwas Angenehmes zu sagen, wogegen man sich gewissermaßen ein Fest baraus machte, ihm die unangenehmsten Nachrichten zu bringen. Ich habe ihm, wenn sich die Gelegenheit bot, stets bie reine Wahrheit gesagt, aber ich war erfreut, wenn ich ihm inbirett und ohne Schmeichelei sagen konnte, daß ich feine großen Eigen- chaften unb seine Großtaten in (einem Lande wie im Knegswesen zu schätzen wisse. Nicht minder aber hielt ich es für meine Pflicht, ihm zu widersprechen, wenn er falsche Ansichten über Personen und Dinge hegte, die mir besser bekannt waren als ihm ... Seine Ausfälle gegen bie Religion, besonders gegen die Kruzifixe an den böhmischen Land­straßen, waren mir unerträglich, doch an meinem völligen ^4u>ePen, selbst wenn er mich ansprach, merkte er wohl, wie sehr ich sie mißbilligte. Erst in Breslau sand ich Gelegenheit, mein Schweigen hierüber zu brechen, wie ich später erzählen werde."

Nach dem Abmarsch ber Truppen in bie Winterquartiere begab sich her König nach Breslau. Unterwegs, in Lanbshut, als er bei Tafel (, inelbete man ihm eine ülborbnung ber reichsten Kaufleute unb Fabri­kanten ber Stabt.Sie werden mich auslachen, aber ich muß mit diesen Leuten über ihren Handel unb ihr Geschäft sprechen." Sie setzten sich ZU Viert dem König gegenüber, unb er fragte sie sehr eingehend aus. Ihre Antworten waren sehr freimütig und genau.

Als sie fort waren, sagte er zu mir:Sie werden über diese Unter­haltung gelacht haben." ,, . .

Nein, Majestät, ich habe Ihr Wohlwollen unb Ihre Sachkenntnis