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Diefes Entdeckertum geht zunächst den Menschen an. Es sind magische Kräste zu wecken, Instinkte wieder zu entwickeln, die sicher vor Jahrtausenden schon einmal kultiviert waren, und die der kritiklose Gotzen- dienst an der Maschine im Lause der Jahrhunderte verkümmert und verschüttet hat. Welch wunderliches Erlebnis war es, als vor Jahren em Rhönslieaer bei Kassel von einer Gewitterwolke in 2500 Meter Hohe ausaesoaen und in einer phantastischen Wolkenreise bis nach Weimar entführt wurde. Wie aufwühlend der Gedanke, daß es möglich ist, mit ben Wolken zu wandern, an ihren Rändern emporzuklettern, aus ihren Rucken abzugleiten — mit 'nichts mehr ausgerüstet, als den Fittichen einer einfachen naturgegebenen Maschine, die keiner Motorkraft bedarf.
Diese Auslösung neuer, ungeahnter Kräfte im Kampfe mit einer geheimnisvollen Raturkrast, die wir aus Verlegenheit „Luft"^ nennen, schafft in den ungen Leuten, die nach Rossitten eilen, eine Wandlung, eine Gläubigkeit die erschüttert. Ihr Wesen wird von aller Kleinlichkeit gereinigt Sorgen des Semesters, der Werkstube werden unbedeutend, em Bündnis'zwischen Geist und Hand vollzieht sich, durch das Tüchtige, Wagemutige Frohe wächst die Mannschaft heran, eine Einheit von Willen und Vorwärtsgeist. Rur Pionier sein wollen! Rur teilhaben an dem «ungen Lustfahrergeist, der Deutschlands Zukunst sein könnte!
Und dann kommen die ernsten besinnlichen Stunden in der Werkstatt, wo die fleißige Hand aus dem edlen Material Form und Zweck entwickelt, es kommen die Tage voll Sonne und Freiheit, wo die großen Vogel in den Wind springen es kommen die gleißenden Mittage voll Muhe und Schweiß die den Schüler eine äußerste Disziplin lehren und das Verhältnis von Körper und Geist mit einem frischen Sinn erfüllen, es kommen Abende an langer Tafel, die Stunden der Geselligkeit, der Lieder, der Kameradschaft — es kommt der große Augenblick, wo der Anfänger zum Prüfling und aus dem Prüfling der junge Meister wird Run ist er nach glücklichem Probeslug gelandet und steht überwältigt da. ubergellt von dem „Kranich"-Rus, dem Gruße der Segelflieger — -w Gluckser dessen Lebensgefühl von heute ab in em neues, gehobenes Stadium geruckt ist.
Karlsbader Novelle.
Von Erwin Guido K o l b e n h e y e r.
Copyright by Verlag Georg Müller, München.
(Fortsetzung.)
Goethe stand auf dem Stege still. Hier hatte «in bedeutender Aus» gleich Zeichen und Bild gewonnen, «in Ausgleich, der zu den fegens- reidtften einer ringenden Menschheit gehörte: unter der Talsohle die drängend« Dämonie der Urgewalten, heiß, inbrünstig, uberschauniend, i und ober ihr beherrschenden Ortes die gemeisterte Form der Kuchem front selbst noch voll leidenschaftlicher Zuge, aber gebunden m ihrer Bewegung, zur Harmonie entschlossen, freundlicher Ernst, dienende Eh - furcht Segen geworden. Wahrhaftig, dieser theresianische Baumeister, er erinnert sich des Namens Dienzenhofer, hat seine Kunst vermocht und gewußt Ort und Gelegenheit zu erfassen! Er hat dem kochenden Tr ebe zu Füßen seiner Kirche einen Zauberbann gesungen. In die weiten Auaen des Beobachters fiel ein Schimmer, um [eine Sippen jpielte ferne Wie wird es sein, bald, bald, nach Wochen zahlbar, wenn er der bildnerischen Gewalt eines Bramante, Raffael, Peruzzi und des riesenhaften Buonarroti gegenüberstehen werde? Still noch öaruber und heimlich! Daß kein Übles Geschick seine Hof nungen unterhöhle!
I Goethes Züge wurden heiter vor seinem bangenden Herzen. War es I auch wunderlich dah ihn hier eine abergläubische Furcht Aw g? Unter ftu,en S°hlen w°Ibte eine dämonische Natur die unterirdische Kuppel,
I beren Tiefe nicht zu ermessen war, deren Scheitel aber, stetig wachsend, das Flüßchen abdrängte. Und diese Gewalt sprengte den eigenen Bau,
I trieb den kochenden Kraftstrahl durch die Fugen, hauchte betäubenden Atem durch die Risse. Es war verständlich, daß hier Menschen um ihren unbändigen Quell zitterten, daß sie abergläubisch und ihres Reichtums bange roQ$a fiel fein Bück auf etliche Schlächtergesellen, die ein Schwein im heißen Abflüsse brühten. Es geschah neben dem Steg im Fluhbette. Er aina ernüchtert weiter, den Springer zu begrüßen.
I 8 Der Sprudelquell lag einige Ellen tiefer als der Nretterboden des I hölzernen ^Tempelchens. Eine feiner Adern lieh den Gischt durch eine I ewlzröhre steigen und mannshoch gegen das Dach des Tempelchens anspringen das durch eine offene Laterne gelüftet war. Der Dampf fand kaum Raum genug, füllte den Trichter der Decke und quoll unter deren Rand ins FrHe. Ein Gitter umzäunte die Quelle. Es war gcfchloffen.
I (Soetbe verfolgte durch die grünen Latten hindurch den ansturmenden I Rbnthmus. Er beschloß noch am 216 enb seinen Doktor Becher zu besuchen, um nichts von der lange versäumten Zeit zu verlieren. Und dann schritt er üb r ben leeren Platz vor bem Sprubelfaale am Haufe des berühmten Arztes vorbei über bie Brücke mit der Johannesstatue inmitten zu den ’^iJXS durch die Fenster der Farnilien-
I mohnuna erspäht Und nun empfing sie den Gast in steisgestärkten Sonn- wasröckeV über denen sich ihr Kleid bauschte, und einem blenbenbreinen I Schultertuche bas kreuzweis über die Brust gebunden war. Wahrend sie die tnisternden Falten zierlich lupfte und kmxte, füllte sie fast den engen Flurqang zwischen der Wohnungstür und der stecken Holzstiege. Und sie brachte8ihre Freude über die hohe Ehre zum Ausdrucke und die fioffnuna daß dero Exzellenz Geheimerat sich wohl befanden und dito durch die' beschwerliche Tour nicht fatigiert seien. O ja, sie wußte ihre Worte zu sehen! Das hatten sonderlich die Ehewirtinnen der Karlsbader den Herren Kammerdienern und Sekretären be^ Herrschaften abgelernt. Sodann liehe die Frau Oberftallmeisterln von Stein dero Exzellenz Ge- heOnerat ihr freundliches Kompliment bestellen und sie et auf einer aflcrnblee im Sächsischen Saal, erwarte aber Jhro Exzellenz gehabter Reisemolestie wegen auf diesen Abend nicht, freue sich desto mehr auf mDlj,Unb wo wohnt die Frau DberftaUmeifterin?"
Da geschah es, daß bie Düne erwachte, aus einem Jahrtausend-- | langen 'Hindämmern und sich der Pulsenden Gegenwart dienstbar -nackte die ein neues Jahrtausend der Luftbeherrschung erfchliehen I inodyte’ durch den Trieb der Statur und den Willen des Geistes.
lleberall Magie.
eeaelfluq ist weihe Magie, ist Dreieinigkeit und Schönheit, Tat I jnb Deseligung. Am Anfang aller seiner Offenbarungen aber steht die K-cinut vor der Natur, ein heißes, dankbares und sehnsüchtiges Emp» I linben für die unberührte Schöpfung aus Gottes Hand, für den Rausch I
Daseins, die Durchflutung des Lichtes, die Umarmung von Himmel an%5ir^toen&en den Mick zurück durch der Jahre Flucht. Ein Mensch | geht über die Düne, die in zärtliches Korallenrot eines frühen Som- mertages aus dem Schaum der Brandung, aus den Frühnebeln der I Aehrunasforste zu feierlicher Pracht erglommen ist. Wo die Sandhugel I ,ur Bastion sich türmen, da steht der Wanderer, wie festgebannt, eine I erzene Silhouette gegen den metallischen Schild des Himmels, die I Arme erhoben und die Augen in die stählerne Weite gerichtet, >n der, I unwirklich fern und doch sehnsüchtig nahe, ein ©eeablerpaar mit I regungslosen Schwingen durch den Aether segelt. Kern TLmdhauch I ft zu spüren, nicht die leiseste Luftbewegung träufelt das Wasser, und I wolkenlos, wie eine Wand aus lichtblauer Seide, ist heute auch das Firmament. Doch die Könige da oben, die Freien unter Gottes Stimmet scheinen keines bewegenden Antriebes zu bedürfen, sie gleiten I und schweben zauberhaft und körperlos durch den Weltenraum und schrauben sich beseligt in den Glast nur erahnter Regionen empor ohne Mühe, ohne den leisesten Flügelschlag, als sauge die Sonne selber I 'IC E^ tst ein Wunder geschehen, ein Mirakel, und wen es angerührt I hat den verzaubert es mit und läßt ihn nicht los. Diesen hier.der verzückt auf der Düne stand, den Betrachter eines herrlichen Schauspiels, traf das Erlebnis zutiefst und erregte ihn von Grund aus — bafi er jetzt schweigend an uns vorübergeht, fast finsteren Gesichtes i und, unseren Gruß kaum beobachtend, seinen Weg zu den Flugzeug- I schuppen nimmt. Seine Freunde kennen ihn: „ Laßt heute, sagen sie, . es hat ihn wieder mal gepackt , und sie erzahlen die seltsaiiftten I Dinge von Ferdinand Schulz, dem fliegenden Bolksschullehrer, dem I Bogelrnenfchen von mhstischer Kraft, dessen Andenken E wird, obschon ihn uns ein tückischer Zufall entriß. „Er hatte seine I Seele dem Segelfluge verschrieben und sein Schatten wandert auch I heute noch über die Düne" — raunen die Abergläubischen »ich munkeln I Don einer hohen geheimnisvollen Gestalt mit den Zugen des Ewigen, d > ihnen in der Dunenwildnis erschien, mit Augen, d'e dem Irdischen entrückt der silbernen Ferne über dem Meere verhaftet waren, wo über schneeigen Wolkengipfeln das Flugblld eines Seeadlers hing.
Solcher 'Mythen find viele, sie quellen ans bem Poetischen des Segelfluges, doch das Schöne dabei ist, daß sie Nichts verdunkeln und entstellen sondern gleichsam ermunternd und freundlich in öic ®egcn I wart hineinstrahlen. Jeder Jungflieger möchte em ^din°nd Schulz werden, und immer wieder «nt£omi2.‘CtArA^b^$SfaribeT?J bie sich aus Ahnung und Sehnsucht dem Geschlecht der „ckkarioen zugesetten, die aus innerem Zwang heraus zum fliegerischen Erlebnis
। lommen. *
Do ist her Rastenburqcr, Oberleutnant Dinort, Führer und Vorbild einer jüngeren Generation der über 14 Stunden das Luftmeer in motorlosem Fluge durchmaß. Auch in diesem schweigsamen Ostpreußen brennt das heilige Feuer einer Begeisterung, die weit über Nur-Sportliches binau^ n die Tiefe des Kosmischen leuchtet. Man mochte wissen, was er Ä.I. s*. @«9. »»•»»b-rn«. d-° x feines nächtlichen Rekordfluges, der fernen Namen durch Mnz^uropa Dünenkette, S^7?spr7n^ ?ervor/gro^und ^ke^gig>
huschte über den nächtlichen Riesenvoge! sernatinetedas^eer Bangen Überfiel die Zuschauer unten ,°u der Dime zwischen d n fwckern ben Siqnalfeuern ... doch wenn fie lausten nu t cmgejpiin’ ’
hörten sie den Klang einer menschluyen Stimme über sich M Den ft^n,
sie sang und jubelte. Der neue Tag kam heraus und Srußte^n jungen, starken Lickst das Gluck °u' der DlM^ in cincm
einer ungeheuren Freude, die sich nach Nossittener- g i g
Hellen Kranichschrei durch die hügelatmende Landschaft schwang.
D i e j u n g e M a n n s ch a f t.
. Immer, wenn Magie im Menschen wirkt geschieht es, dah^das Alltägliche, Angelernte, Gewohnheitsmäßige >n uns t . mafUr jn uns Wunder des Elementaren, das die Enftremdung vonHat« in uns verschüttet hat, neu in uns ersteht. Wer diese r “ ™ ™
Sehnsucht, den seelischen Auftrieb, den wunderoaren,^wklang v°n Mengt; und Schöpfung, der die jungen Segelfliegereifüllt und bcge lten, s> ctü Ort und Stelle erlebt hat, kann sich kaum ein »*«• »>«l« "K.
mäßig heroorquellenden Bewegung machen die sch .f. *L WQ5 mjt Jahren eine klassische Stätte schuf. Hier ist etwas entstanden was mu Sport im landläufigen Sinne nur wenig zusami ,, ^Kompliziertheit Durchbruch eines ungen Eroberergefttes, der ernaller Komp 0 ertye.r von Technik und maschineller Raffinesse, um Gesetz und Geheimmtze saft noch unbekannten Elementes ringt.


