Ausgabe 
31.8.1931
 
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, ihren Walschiffen in die nördlichen Meere zogen. Und vollends schlimm >urbe sie, als die Amerikaner in den südlicheren Meeren den Pottwal zu

strengung an die Längsseite des Schisfs und machten ihn dort mit Ketten fest Mit Hilfe von Ankerwinden und Speckhaken schälten sie dann den Speck in Streifen vom Körper los. Vorher aber wurde der Wahl ent­hauptet. Denn im Kopf des Pottwals ist eine riesige Oel-Wabe, das große Heidelberger Faß" des Wals, das das reinste und wohlriechendste Oel liefert und eine Tiefe und Ausdehnung von 6 bis 7 Meter hall Schließlich wurden dem Kopf noch die Zähne ausgezogen. Der Speck wurde dann auf eingemauerten Steinherden auf Deck zu Tran ausgekocht, was vor allem bei Nacht einen phantaftifchen Änblick geboten haben muf}.

Den abgeschälten Rest des Wals, einUngeheures, weißes, kopfloses Phantom" lieh man hinaus ins Meer treiben.Es ist ein furchtbar trauriges und noch dazu spöttisches Begräbnis" sagt Melville.Die See- aeier erscheinen in stummer Trauer und die Lufthaie sind alle schwarz oder mit Punkten gesprenkelt. Zu Lebzeiten würden nur wenige dem Wal Hilfe gebracht baden, wenn er zufällig ihrer bedurft hatte. Aber bei seinem Leichenschmaus fallen sie in stummer Trauer darüber her.

Es ist noch etwa zu ergänzen, daß die Walfische sehr gesellige ->ere sind, die in Herden leben und in friedlicher Gemeinschaft durch die Ozeane wandern, merkwürdigerweise meist in gleichen Bahnen, so daß man sie fast wie Schiffslinien in Seekarten einzeichnen könnte. Ihr einziger gefährlicher Feind ist der Mensch. Das Weibchen bringt immer nur ein Junges zur Welt und umgibt es mit derartig sorglicher Mutterliebe, daß es schwer ist, im ganzen Tierreich eine ähnlich rührende Mutter zu finden. Wird ein Junges verwundet, so ist die Mutter verzweifelt, kommt ihm unter Lebensgefahr zu Hilfe und läßt selten von ihm, solange es noch lebt Die norwegische Regierung hat jetzt verboten, weibliche Wale, die von Jungen begleitet sind, oder junge Wale Zu toten allerdings nicht aus Tiersreundlichkeit, sondern weil das Walfischgeschast schlecht geht und man die Wale daher ruhig leben lassen kann. Auch in anderen Ländern sucht man den Schutz des Walfisch-Geschlechts zu organlsieren. Hoffentlich kommen die notwendigen Maßnahmen noch so rechtzeitig zustande, daß die sympathischen Riesen des Meeres vor der Ausrottung bewahrt bleiben.

Oer Kampf der Tertia.

Erzählung von Wilhelm Speyer.

Alle Rechte beim Rowohlt Verlag, Berlin W 35.

(Fortsetzung.)

Natürlich gab es jetzt Hader und Streit genug. Denn von den Knötzingianern zahlte niemand auch nur einen Pfennig. Sie hatten aber gestempelte Ausweise erhalten, und so konnte kein Zweifel bestehen, daß sie zu ihrem Amte berechtigt waren.

Um die Mittagszeit war es ihnen tatsächlich gelungen, die noch ver­bleibenden Tiere einzusammeln, eine beträchtliche Anzahl. Kem Tertianer schien es zu wagen, sie bei ihrer Verrichtung zu stören. Kundschafter hatten gemeldet, man habe Räder und Motorräder in der Richtung nach dem Schulgut davonfahren sehen. .

In der Tat hatte der Kurfürst mit der ganzen Bande e>n Täuschungs­manöver unternommen. Mit großem Lärm hatten sie sich auf ihre Rader geschwungen und waren die Straße nach Lindenau hinabgefahren. Dann aber kehrten sie auf Schleichwegen in Falks Haus am Rande der Kies- g^Der^Große Kurfürst hatte einundzwanzig Jungens dort im Hause versammelt. Zwei nur, außer Schabzieger, fehlten, Hartwig und Borst, denn diese hatte er auf Repperts Motorrad mit einer geheimnisvollen Mission in das Schulgut zurückgeschickt. .

Zweiundzwanzig Jungens standen «ng aneinandergedrangt in der Küche des alten Falk, wuschen sich die Gesichter tranken Wasser aus der Leitung und besprachen sich aufgeregt im Flüsterton, wahrend sie das Treiben in der Kiesgrube mit den Augen oder mit dem Fernstecher des Häuptlings beobachteten.

^Achtundfiebzig Knötzingianer!" riefer, begeistert kauend und spei­chelnd.Meine Herren, das gibt Arbeit!"

Es war nicht ersichtlich, wie viele von den Knötzingianern sich an dem Katzenmord beteiligen und sich zur Wehr setzen wurden, wenn die Tertia sie anqriffe, wie viele nur als Schaulustige herbeigeeilt waren. Ueber die Stimmung dort drüben war man sich bei der Bande im unklaren. Wur­den sie nicht mit ihrem Kampf um die Tiere Bundesgenossen gewinnen können? Bis heute hatten sie nur immer in Feindschaft SU allen Knotzm- gianern gelebt Dennoch, lag es nicht im Bereich der Möglichkeit den einen ober den andern für ihre Sache zu gewinnen? Wie, wenn sie den Häuptling mit einer weißen Fahne herüberschickten und er eine feiner cieeronianischen Ansprachen an die Jungens dort drüben richtete? Frei- lick, hätte die Tertia dies damit erkaufen muffen, ihre Anwesenheit hier im Hause kundzutun. Aber wäre der Gewinn nicht doppelt reich gewesen?

Sie flüsterten dem Häuptling zu, aufgeregt wisperten sie ihm ins Ohr der mit seinem Fernglas das Gewimmel dort drüben beobachtete.

'Geh herüber, Kurfürst! Sprich zu ihnen!" .

Der Häuptling gab keine Antwort. In einem langen Schweigen wandte er sich um, er sah die Kameraden zornig und großartig an:

Unsere Schwerter und HandknLchel werden sprechen!

Da kicherten die Jungens alle, und sie freuten sich mit klopfenden Herzen auf den Kampf gegen die dreifache Uebermacht.

Nun aber wurde Hornbostel als Spion in die Kiesgrube entsandt. Sobald dort drüben die Knüppel sich erhoben, um auf die Sacke emzu- schlagen, sollte er einen Pfiff ertönen lassen.

Kaum war Hornbostel, zwischen Kartoffelstauden emherschleichend drüben bei den Feinden eingetroffen, als er schon sein Signal Crt°3n3rosten hatte sich hinter Falks Haus die Schlachtfront gebildet. Drei Trupps. Der linke Flügel unter dem Kommando von Luders. Der rechte kommandiert von Reppert. Die Mitte vom Großen Kurfürsten persönlich. Hier auch wehte die Standarte der Tertia, ein ockerbraunes Tuch, auf das mit himmelblauer Farbe ein Wolfshund und eine Katze

JMber9gerabe bas ist bie Zeit ber heroischen Walfisch-Obysseen, wo bie Slalfitofänqer auf kleinen Schiffen vor allem aus ben Orten New Bebsorb ^nd Nantucket ausfuhren unb, wie der göttliche Dulder Odysseus, eine uhrelanqe Irrfahrt durch alle Ozeane begannen. Einziger Wegweiser urer Kreuz- unb Querfahrt war bie aufzischenbe Wassersaule, bte ben i tem bes Walfisches anzeigte. Man mußte monatelang fahren, bis man uf Beute stieß, unb ehe nicht alle Fäffer mit Tran unb Walrat gefüllt -jaren trat ber Walfischsänger nicht bie Heimfahrt an. So kam es, baß ne solche Walfisch-Obyssee vier, fünf Jahre bauern konnte. In bieser mnien Zeit zehrte bas Schiss von ben mitgenommenen eigenen Vorräten i ntz lief nur selten einen Hafen an. Schließlich wuchs dem Schiffsbug in Bart, bie Schiffsfarbe bleichte, bas ganze Fahrzeug sah aus wie bas Skelett eines an ben Stranb getriebenen Walrosses" unb bie Besatzung ilich mit ihren langen unb zerrissenen Kleibern einer Schar gottverlassener *£ Walfischfänger verachtete alle Walfischarten außer ber einen, nach >er er jagte: ben Pottwal. Nach Brehm finb bie ungeschlachten Wale im Verhältnis zu ihrer Größe ungefährliche Gegner. Der Pottwal aber acht eine Ausnahme. Er war für bie Harpuniere jener alteren Zeit ein iurdjtbarer Gegner, ber Erzfeinb, gegen ben sie mit lener Haßliebe tnftürmten, die ber Torero vor feinem Stier empfinben muß. Ein solches Gefühl ber Achtung spricht aus einem Walsischlieb:

Ja ber alte Wal ist, bei aller Gefahr, In bem Ozean Herr bes gesamten Heeres;

Er ist ein Riese an Macht, unb wer bie Macht hat, ber hat Recht.

Er ist der König des unendlichen Meeres."

Ein anderes Lied preist dagegen die Kühnheit des Walsischjägers: Habe frischen Mut und laßt mir nur bas Klagen;

I Der Harpunier ist ein verwegner Mann,

Der wird schon ben Wal erjagen."

Mit Trophäen von biesem ebenbürtigen Gegner schmückte man nach bem Siege bas Schiff, man hing überall bie Walfischzähne auf, ließ bie laue statt über hölzerne Haltepflöcke über Rollen von Walfischbein lausen ober brachte am toteuerrab Knochenteile des Walfisches an. Schließlich mag solch ein Schiff wirklich ausgefehen haben wie ein Kannibale in vollem Kriegsschmuck.

Man versteht diesen Triumph, wenn man stch den Pottwal etwas genauer vorstellt. Es ist ein Riesentier, bis zu 23 Meter lang unb leuf/t 100 000 Kilo schwer. Der kolossale Kopf allein nimmt ein Brütet bes ! Körners ein er ist eckigkeulen- ober kastenförmig aufgetrieben (Brehm), ein Charakterkopf, ber eineübermältigenbe Würbe" au^ruckt. Die Augen fitien wie bei allen Walen etwa bort, wo ber Mensch bie Ohren hat, während bie Walfischohren sich ein wenig hinter ben Augen b-sinben Man versuche banach, sich auszubenken, aus welcher Perspektive ber Wal bie Welt betrachtet! Obwohl Augen unb Ohren von einer gerabezu ladjer- lichen Winzigkeit finb, scheint ber Walfisch boch ausgezeichnet zu sehen unb zu hören. Wenn der Pottwal das Maul aufrecht, muß dem Zu­schauer das Herz vor Schreck stillstehen, denn er steht em wahres Fall- fiitter von Zähnen (nicht Barten). Und wenn er mit dem Schwanz Wagt, verwandelt sich stille See in stürmisches Meer, das auch große Boote mim Kentern bringen kann. Dabei ist ber Pottwal mutig unb ungewöhn­lich Wau und weiß von feinen Waffen °°rzüglich Gebrauch zu machen Kein Wunber, baß ber Aberglaube sich an ein solches Tier hangt und feine Macht noch ins Unermeßliche übertreibt (fi[ h ey n

Der Kampf mit bem Wal spielt sich bei ben alten Wastifch-Jagern etwa folgenbermaßen ab: hatte ber Ausguck oben vom Mast: eine Wal- sisch-Fontäne bemerkt, so brachte er mit bem trabüioneUen 5Ru .5Dort bläst sie!" bas Schiff in gewaltige Erregung. wachsten Augenb ick ertönte ber Befehl bes KapitänsBoote ^erunteriaffen! kürzester Zeit fielen bie Boote, etwa vier an ber Zahl, ms Wasser, in maghalstger Turnerei nahmen bie Mannschaften barin 'h" BW° °m unb^egannen unter anfeuernben Kommanbos auf ben Wal laszurubern. Wenn o Wal fortschwamm ober untertauchte, konnte es «kunben bauern d,s man in bie nötige Nähe tarn. Alles harrte nun in atemfofe ®Rannu"32a' den Moment, in bem ber Harpunier stehend d'e Harpune m den Le^ des Ungetüms schleuderte. Jetzt kam ber gesahrlichs e , 9 hrobte

Wal schäumte in Wut unb Schmerz, bas Boot schwankte und broM umuitinnen das Seil an bem bie Harpune befestigt war, wurve vvnl sliehenben Wal in rase'nber Geschwinbigkeit non ^"^STmuSÄ daß es zu rauchen begann unb m>t Wasser begas stürmisches

unb Wal sausten in größter Geschwinbigkeit e J?- <er jga( ;n

(einer wahnsinnigen Wut in ben unaussprechlich t m sg(ut

fetzt wirb. Das Ungeheuer wälzte sich auf gräßlich We.se m semem Bmr unb bespritzte sich mit bem unburchbringliche , ch unb ri(i) mjf regen, jo bas bas bebrohte kleine Fahrzeug ch laqes*

aller Mühe burch bas Dämmerlicht bes Wahnsinns in bas yeue ^ag

,einen Weg erkämpfen mußte! von Hermann Mel-

Wir haben zuletzt aus bem Buch »^ovy ^abrbunbert ist ber

ville zitiert. Dieser Amerikaner aus bem der ungeheuer«

Homer ber Walfisch-Odyssee, ein großartiger cy . ^ern gm Buch lichen Erlebnisse, die an die Drachenkampfe - schließlich Sieger über bleibt zu unserer innersten Genugtuung der Wal chlietzucy ben Mürber Mensch. Die Wirklichkeit verfuhr, wie wir JO Zuerst bie Ausrottung, bann ber Tierschutz! bas ,st le,der meyr

als bie Ausnahme. nhr kurz zu schildern,

Verlassen wir bie alten Walsischfanger n ), .< mit großer An-

wie sie mit bem toten Wal umgingen. Sie brachten um h