Ausgabe 
30.11.1931
 
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Gruß

damit feigen,

"(Beben Sie ihr die Gänse", sagt er.Sie soll sehen, was sie macht. Und sagen Sie ihr, ich wollt' sie ihr bezahlen. Sie soll was sie dafür haben will."

8C%e'r Rittmeister sitzt in einem Sessel und trinkt Kognak, am frühen Morgen, auf nüchternen Magen. Das Mordgewehr liegt noch auf der Fensterbank. Vom Fenster aus hat er sie geschossen, sieben junge Ganse, vielversprechend. .

Morsen", sagt er. -------<->- . -..,Q

Frau weint. Finden Sie, daß das^ein Grund zum Weinen ist? meine Wicken hat sie nicht geweint."

Die Frau Mutter wird ungehalten fein , sage ich.

, Wird sie", bestätigt er.Also, bestellen sie ihr einen schonen von mir. Und es täte mir ja leid. Aber sie wäre an allem schuld.

Wir suchen au zweit. Der Junge läßt die Hände sinken.Hier waren sie bestimmt, Herr Rendant. Sehen Sie, hier ,st noch blutiges Stroh

Ich seh ihn an, er sieht mich an. Der Junge hat sie nicht geklaut. Der ist ehrlich! soviel kann ich sehen. Er sagt kummervoll:Ja, Herr Rendant, das ist ja nun nicht leicht. Was der junge Herr ist, der ist ein duschen hitzig " , , ,, ,

Stimmt wieder. Mir bubbert das Herz als ich anrufe.

Nun?II!" , _ . ..

Ich beichte.Und nun hat einer doch die Ganse gestohlen ...I

Soll ichWutschrei" sagen? Nun gut, ich sageWutschrei . Jeden, falls habe ich den Hörer fein sachte hingelegt. Ich konnte ans andere Ende vom Bureau gehen, der Wutschrei blieb klar verständlich. Auch dauerte er noch länger. Nach einer Weile habe ich dann angehangt, bin auf mein Zimmer gegangen und habe meine Sachen gepackt. Kasper hat mich noch in derselben Nacht zum Bahnhof gefahren. Aus. Fertig. Schluß. Arme Dörte.

Und der verdammte Kerl, der die sieben klapperdürren Ganse im Jahre 1929 auf Rittergut Tütz aus der Scheune geklaut hat, der soll sich nun endlich bei mir melden und sich wenigstens entschuldigen, ver- dämmt noch mall

Oer Paulus der Lustschiffahrt.

Bon Hans Rosenkranz.

Sonderbarerweise gab es bisher keine große Zeppelin- biographic. In diesen Tagen erschien ein Buch von Hans RosenkranzGraf Zeppelin, die Geschichte eines aben­teuerlichen Lebens", dem wir mit Erlaubnis des Derlags Ullstein auszugsweise den folgenden Abschnitt entnehmen.

Im Jahre 1899 saß Zeppelin einmal im Hotel Marquardt in Stutt­gart und erläuterte mit ausfälliger Lebhaftigkeit einem Kreis von Offi­zieren feine Pläne. Ein Schauspieler aus Wien, fremder Gast, der an einem anderen Tische saß, fragte einen Einheimischen, wer denn dieser lebhafte alte Herr wäre. Da sagte der Einheimische:Dos sicht e Narr ein Gras Zeppelin! der guate Mann meint, er könnt durch d Lust

Dieserguate Mann", dieserNarr" ließ am 2. Juli 1900 in bet Bucht von Manzell am Bodensee sein erstes Luftschiff steigen. Es stieg empor, wie ein kommendes Jahrhundert heraufsteigt, und es hat schon die Bedeutung eines Symbols, dah das erste Jahr eines beginnenden Jahrhunderts den Aufstieg Zeppelins erlebt.

Dieser erste Aufstieg sollte am ersten Tag nach dem 28. Juni, dessen Witterung günstig sei, erfolgen. So säumten denn schließlich am 30. Juni und am 1. Juli, an zwei Tagen, die strahlendes Wetter brachten, Tau­sende von Menschen die User des Bodensees. Hunderte von Dampfern ankerten in weitem Umkreis um die schwimmende Halle, die das Luft­schiff barg. Hohe und höchste Gäste waren geladen, Tag und Nacht arbeiteten Zeppelin und seine Mitarbeiter in der Halle in fieberhafter Tätigkeit und immer wieder mußte der Aufstieg verschoben werden. Man hatte geglaubt, die Füllung des Luftschisss mit Gas rourbe un­gefähr fünf Stunden erfordern, aber es erwies sich, daß die Rechnung falsch war, daß mindestens fünfundzwanzig Stunden erforderlich seien. Der und jener Defekt trat bei der Überprüfung des Schiffes auf und mußte beseitigt werden. Von Stunde zu Stunde warteten die Tausende und warteten vergeblich Die Ungläubigen und die Höhnischen schienen im Recht zu bleiben, als am Abend des 1. Juli auf der Hatte im Bodensee eine blaue Fahne ausgezogen wurde, zum Zeichen, daß mit ber Auf­fahrt für diesen Tag nicht mehr zu rechnen sei. Dasselbe Schauspiel der Arbeit und der Erregung in ber Halle, der Neugier, des Wartens und der Ungeduld außerhalb der Halle wiederholte sich auch am 2. Juli, und am spaten Nachmittag dieses Tages hatten die meisten der Neu­gierigen den Schauplatz höhnisch, enttäuscht, ernüchtert verlassen. Da, am Abend gegen 8 Uhr wurde unter der Leitung des Hauptmanns Barsiq v. Siqsfeid das auf einem Floß befindliche Luftschiff von dem kleinen Dampfer Buchhorn Buchhörnle genannt aus der Halle gezogen. Nach wenigen kurzen Manövern erhob sich bas Schiff von seinem Floß in die Lust, gelbe Zigarre unter leuchtendem Abendrot, und fuhr in grobem Flug über den See. Die wenigen hundert Menschen, die auegeharri hatten waren belohnt. Sie erlebten einen Augenblick, von dem sie trog aller Skepsis spürten, daß er eine historische Stunde einleitete, sie sahen das leuchtende Wunder über dem See, die sichere Fahrt und den graben Flug, und sie alle sühlten in ihrem Herzen, daß der alte Mann im weißen Haar, der dort am Steuer stand, in diesem Augenblick den Lohn für zehn Jahre der Arbeit, der Enttäufchung und des Hohns gesunden hatte.

Nachdem das Schiff etwa achtzehn Minuten in der Luft gewesen war, muhte es wegen mancher eingetretener Defekte bei Jmmenstabt, nahe bei Konstanz, ein wenig rasch und überstürzt landen. Die Spitz« wurde von einem Psahl, der aus dem See herausragte, gerammt un durchstoßen, aber mit Ausnahme dieser Beschädigung waren Schiff uno Passagiere unverletzt. Die Dampfer waren bald zur Stelle, man brachte das Schiff auf sein Floß und zog es zurück über den See, um es in der Halle zu bergen.

Das Echo dieses Ausstiegs und vor allem das Echo der Tage der Enttäuschung, die Dorauegcgargen waren, war verhältnismäßig start. Doch kann man nicht sagen,' daß es durchweg freundlich gewesen wäre. Die­jenigen Blätter, die zu einer freundlichen Haltung sich entschlossen, m handelten im großen und ganzen die Zeppelinsache als ein Ereigim dritten Ranges. Man spürte auch oft, daß nur der Respekt vor Mw hohen Rang Zeppelins und vor dem guten Namen, den er im Sri 9 von 1870,71 sich erworben hatte, die Presse daran hinderte, ihrem Niw' trauen und ihrer Skepsis deutlichen Ausdruck zu geben. Eine n m geringe Anzahl bedeutender Blätter war in den Tagen vor dem l r stieg, als immer wieder der Start verschoben werden wußte, von sonderer Schärfe des Tons. Auch der Flug selber wurde von ihnen o

Sie haben wohl schon den Salat gesehen. Meine

- - - m---- !? lieber

»em Statt, und wir tippeln los. Vor der Villa im Vorgarten liegen sie gewissermaßen ausgebahrt, sieben Stück, so jung noch so mager noch, m der Blüte ihrer Wochen dahingerasst.Warten Sie, Karl , sage ich und

Ja", sage ich. ,

Kein angenehmer Auftrag.Fallada , sagte er,Trinken Sie neu Kognak. Nehmen Siene Zigarette. Das Leben ist kompliziert.

Ilm Halblechs kann ich nicht mit den Gänsen ins Schloß rücken, ich komme um halb acht. Da weiß die gnädige Frau schon alles; sie hat Wv in der Küche auf mich gelauert.Nehmen Sie die Tiere wieder mit , weint sie.O Gott, ich kann sie nicht sehen. Zwei Zuchtgänse sind dabei. Dörte, sieh nur, die mit dem grauen Stoß am Flügel ist auch dabei, o Gott!" ....

Dörte sah mich an wie ein flammender Engel. Die Gnädige weinte haltlos. Ich komme mir ziemlich schäbig vor.Sagen Sie meinem Schwie­gersohn, daß er ein schlechter Mensch ist, ein Mörder.. "

Durch den Sonnenschein gehe ich mit meinem Stalljungen und den sieben Gänsen zur Villa. Siehe da, mein Chef ist nicht aufs Feld gerit­ten; er hat auf mich gewartet. Er verfinstert sich, als er die Leichen sieht.Sie haben die Gänse immer noch? Habe ich Ihnen nicht aus­drücklich befohlen...?" .

Er sagtbefehlen", er sagt überhaupt sehr viel, und kleinlaut be­richte ich.

Alles Unsinn! Wie können Sic sich von Weibern dösig meinen lassen! Grüßen Sie meine Schwiegermutter und bestellen Sie ihr, die Gänse gehörten ihr, nicht mir. Daß Sie mir nicht wieder mit den Gänsen kommen!"

Nein, Herr Rittmeister", sage ich.

Kehrt! Ein Rendant, ein Stattbursch, sieben tote Gänse in die Schloßküche. Heißer Empfang. Die Tränen sind versiegt.Ich verbiete Ihnen das Haus, verstehen Sie! Es ist Hausfriedensbruch, wenn Sie noch mal mit den Gänsen kommen! Sagen Sie meinem Schwieger-

Ich werde mich hüten. Wieder stehen wir auf dem Hof.Wat malen Se nu, Herr Rendant? lacht der Stattbursche.

Grien du und der Affe", sage ich wütend.Schmeiß die Biester hier ins Bureau hinter meinen Schreibtisch. Schmeißnen Sack drüber. Am Ende wird doch einer Verminst annehmen."

Die Stunden gehen dahin. Um zwölf kommen die Knechte vom Feld, ich geh auf den Boden, gebe Pferdefutter aus. Ms ich wieder aufs Bureau komme, steht der Rittmeister hinter dem Schreibtisch. Den Sack hat er mit dem Fuß weggeschoben, starrt auf den Salat.

Was heißt das?" fragte er scharf.Haben Sie nicht verstanden, was Ich Ihnen befohlen hatte, Herr?!!!"

Jawohl, ich hatte verstanden. Und ich erkläre.

Quatsch! Hausfriedensbruch! Bestellen Sie meiner Schwiegermutter, sie hatnen Vogel. Hysterische Schraube. Wegen ein paar dammlichen Gänse sich so zu haben. Ich will die Biester nicht mehr sehen. Ver­standen?!!!"

Jawohl, Herr Rittmeister", sage ich und mach mich wieder auf den Weg. Mönchlein, du gehst einen schweren Gang. Und ganz nutzlos. Elias hat auf der Lauer gelegen, er verpfeift mich. Gleich ist die Gnädige da. Man trägt mir wieder Bestellungen an den Rittmeister auf, dann stehe ich wieder draußen ...

Und nun?" fragt der Stallburfch.

Das will ich dir erzählen", sag ich wütend.Die Gänse können mir den Buckel runterrutschen. Komm mit."

Ich geh gar nicht erst mit ihm auf den Hof; heimlich gehen wir hintenrum in die große Scheune.Da! Steck die Biester unters Stroh. Gut tief rein. Gottlob, nun sind sie weg.

Dat's gaub", sagt er.Nu denkt die Gnädige, er hat se, und er denkt, die Gnädige hat se."

Richtig, mein Sohn", sage ich und gehe aufs Bureau.

Gegen Abend besucht mich der Rittmeister. Wir klöhnen über dies und das.Uebrigens", sagt er im Gehen,die Sache mit den Gänsen ist erledigt?"

Ist erledigt", sage ich.

Gut", sagt er und gebt.

Eigentlich ist längst Feierabend, aber ich habe viel Zeit versäumt; ich muß noch Löhne eintüten. Das Telephon rasselt.Ja? Hier Fallada!"

Sie haben die Gänse meiner Schwiegermutter gebracht, was? Sie haben meinen Befehl erledigt, wie? Belogen haben Sie mich, Herr!!! Aus der Stelle bringen Sie die Gänse der gnädigen Frau! Sie will sie nun doch haben, der Federn wegen. Aus der Stelle ..."

Diesmal holte ich mir nicht erst jemand. Ich stürze allein in die Scheune. Ich wühle im Stroh. Nein, hier ist es nicht gewesen, mehr links. Verdammt dunkel ist das hier. Rechts? O Gott, nur schnell ... Eine Stallaterne ... Licht. Rechts. Links. Oben. Unten. Hier. Dort. Nichts. Ins Dorf.Jung, wo haben wir die Gänse hingcsteckt? Rasch!" Am Bureau vorbei, ich höre das Telephon drinnen schreien, brüllen, ächzen, gellen.Nur rasch. Jung!"